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"Unterschwellige" Botschaften (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Mittwoch, 28. August 2019, 19:25 (vor 52 Tagen) @ Rani/Ranvata698 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Mittwoch, 28. August 2019, 19:43

Hallo!

Und dann eine 24 Minuten lange Version, in der einige Szenen in Bezug auf Symbolik, unterschwellige Botschaften untersucht und kommentiert werden:
Kommentierte Version

Mir scheint, daß der dort auftretende Herr ("Norman"?) eine Themaverfehlung fabriziert hat. Er spricht von "subliminalen" oder "versteckten" Botschaften, die er anhand des Films darlegen will. Der Film ist offensichtlich stark symbolhaft. "Subliminal" heißt allerdings "unterschwellig" mit dem Sinn, daß dem Zuseher gar nicht bewußt wird, daß er eine Botschaft bekommt, die hintergründig in ein Werk oberflächlich ganz anderen Inhalts eingebettet ist. Seinem Anspruch würde er gerecht werden, wenn er ein ansonsten unauffälliges Stück alltäglichen Inhalts nach Symbolen untersuchen würde, die auf den ersten Blick nicht erkenntlich sind. Auf diesen Film trifft das ganz offensichtlich nicht zu.

Statt "unterschwelliger Botschaften" analysiert er also offensichtliche Symbolik auf ihre Bedeutung hin. Aber auch diesem Anspruch wird er eigentlich nicht gerecht, weil er bereits nach der ersten Szene mit George Bush Jr. abweicht und sich lieber seiner Verschwörungstheorie einer satanischen Weltkirche widmet. Seine Schlußfolgerung nach etwas über der Hälfte des Videos: "Ob das alles mit 'I, Pet Goat" zu tun hat, bleibt unklar." :lol:
⇒ Sein Versuch, dem Film seine eigenen Weltverschwörungstheorien als Botschaft anzudichten, ist allerdings alles andere als subliminal. ;-)

Entsprechend übergeht er die restlichen Sequenzen des Films mit ihren anscheinend jede für sich bedeutsamen Details weitgehend, greift sich nur noch einzelne Elemente heraus, die er interpretativ in seine Theorie einpassen kann. So unterstellt er etwa, was aus dem Film in keiner Weise hervorgeht, daß darin eine Art Zeitplan verschlüsselt wäre, der mit dem 11. September 2001 begänne und mit deinem Nuklearangriff auf den Nahen Osten enden würde.

Meines Erachtens verbiegt er den Film mutwillig auf seine Wunschagenda hin, z. B. über folgende aberwitzig Assoziationskette:
Den Namen der Firma "Heliofant" übersetzt er als "Sonnenkind", um von da aus auf die Ägypter zu kommen, die angeblich "langschädlig" gewesen seien, ein Merkmal das angeblich von den Neandertalern stamme, die ja wie der Jesus im Film rothaarig gewesen seien. "Zufälligerweise" wäre ja einer dieser Langschädel, Echnaton, auch Erfinder des Monotheismus. Über Echnatons und seiner Mutter rechte Augen (Symbol des Horus) kommt er auf das "allsehende Auge" zurück, das im Film an mehreren Stellen vorkommt, was er als Hinweis sieht, daß nicht Jesus, sondern Horus die Welt vor den Bösen retten würde. :irre:
Es handelt sich jeweils um abstrus verquickte, lockere Assoziationen unter abwegigen Annahmen, die logisch keineswegs aus dem im Film Gezeigten folgen. Eigentlich ist es gar keine Entschlüsselung der Filmsymbolik, sondern eine Unterstellung der eigenen Weltsicht.

Der Unsinn läßt sich übrigens bereits mit dem ersten Glied der Kette zu Fall bringen. Die Silbe "-fant" in "Heliofant" leitet sich mitnichten vom französischen "enfant" ("Kind") ab, sondern wie die Nachsilbe des lateinischen Grundwortes "infans" von "fari" ("sprechen", "kundtun"). "Kinder", "infantes", waren bei den Römern also logischerweise "Nichtsprecher". "Heliofant" heißt entsprechend soviel wie "Sonnenkünder" oder "Sprecher für die Sonne". Das scheint der Anspruch zu sein, unter dem die Macher des Films agieren, mehr nicht.

Daß jemand die zerbröckelnde Eiskirche auf den Brand Notredames deuten würde, war mir irgendwie schon beim Sehen des unkommentierten Films klar. Davon abgesehen, daß bis auf die abbrechende Turmspitze keine Ähnlichkeit mit Notredame besteht, ließe sich die Szene des Films getrost als Parabel auf den Zustand der Religion bzw. der Kirche Jesu (der in der Szene ständig im Vordergrund zu sehen ist) in einer Welt, aus der Wärme und das Leben entfleucht, deuten. Solche Überlegungen, die nicht einzelne Elemente des Films, sondern die Darstellung insgesamt einbeziehen, sind meines Erachtens plausibler und vorzuziehen.
Der Kommentator zieht aus dem vermeintlich sicher vorausgesehenen Ereignis indes den Schluß, daß der Erlöser bereits unter uns sei. Was läge auch näher? ;-)

Merkwürdigerweise bezieht er am Ende den Einsturz der Kirche doch auf einen allgemeinen Zusammenbruch "alter religiöser Strukturen", während der Messias der aufgehenden Sonne eines neuen Zeitalters entgegenschippert.
Die beträchtliche Teile des Films durchwirkende Symbolik der Eislandschaft scheint er dabei nicht verstanden zu haben. Statt dessen hält er seicht die Antarktis für einen sicheren Hafen in der kommenden Katastrophe, die irgendwie von der Sonne ausgehe.
Aus einer eher unauffälligen Wolkenformation in der letzten Szene macht er einen Skorpion, daraus das Sternzeichen Skorpion und den Monat November, wenn die Sonne darin steht. Für ihn steht damit fest, daß am 27. November "das Ereignis" stattfinde.

⇒ Somit hat er es über ein holpriges Rodeo unlogischer Gedankensprünge geschafft, aus einem sieben Jahre alten Film eine Prophezeiung für den 27. November 2019 zu machen (= Notredames Brand + angeblicher Skorpion in der letzten Szene), die natürlich ebenso wie viele vorangegangene Phantastereien nicht eintreffen wird.

Von den abstrusen Fabulationen "Normans" abgesehen, die dem Film wohl keinesfalls gerecht werden, ist selbiger aber durchaus beachtlich und interessant.

Gruß
Taurec


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„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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