Weissager (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens)

Von Will-Erich Peuckert.

Inhaltsverzeichnis

Weissagungen, die mit einem bestimmten Namen verknüpft sind, laufen in allen Zeiten um. Es braucht hier nur an die Propheten wie Jesaias, Jeremia usw. zugeschriebenen jüdischen, an die mancherlei Voraussagen antiker Zeiten erinnert zu werden, auf die einzugehen ich mir hier versagen muß. Vor allem ist aber das – an und für sich in eschatologischen Zusammenhängen denkende – christliche Mittelalter voll von Weissagungen und Weissagern gewesen, die auf biblischen (siehe Antichrist, Jüngster Tag usw.) wie „gnostischen“ Gedankengängen (Astrologie 1) und dergl. stehen. Manches davon klingt noch in unsere Zeiten nach, vor allem die Weissagungen der joachitischen Welt (siehe Weissagungen, joachitische), die der Hl. Hildegard, Brigitte, weiter die des ausgehenden Mittelalters (siehe Lichtenberger, Johannes, Nostradamus, Sibylle usw.)[1].
Entscheidend ist für die Entstehung von Weissagungen, das Aufkommen von Weissagern unzweifelhaft die äußere Situation. Hoch-Zeiten geistigen,vor allem aber politischen Lebens sind Hoch-Zeiten der Weissagung; so ballen sich diese um eine geistige Bewegung wie das joachitische Denken (s.u.), die Reformation[2], für die man die Namen Joh. Hus (s.u.) Hieronymus von Prag, Johann Wessel, Johann von Kaisersberg, Sebastian Brand, Johann Hilten, Andreas Proles, Johann Spangenberg anführt[3], von Namen wie Grünpeck (siehe Sibylle), Sebastian Franck (siehe Sibylle), Luther (siehe Volkspropheten) u.a. zu schweigen. Die sozialen und politischen Unruhen des 16. Jahrhunderts zeugten die Spruchweissagungen:

Wer im 1523. Jahr nicht stirbt,
im 1524. nicht im Wasser verdirbt,
und 1525 nicht wird erschlagen,
der mag wohl von Wundern sagen[4],

was gegen Ende des Jahrhunderts erweitert wird:

Wer im 85. Jahr nit wird verderben
und im 86. nit tut sterben,
im 87. nit wird erschlagen,
und im 88. nit wird vergraben,
der mag wohl im 89. von guten Tagen sagen[5].

Zur gleichen Zeit gehen um:

Das Jahr achtig acht
ist, das ich betracht.
Geht dann die Welt nicht under,
so geschieht doch sonst groß Wunder[6].

Oder:

So man wirt zelen 1588
das ist das Jar, das ich betracht.
Dann fürwar in Tausent Jahr
kein solcher Himmel jemals war.
Vnd stehen nach der Alten sag
all ding in trawren vnd grosse klag,
ja in höchster gefahr so vbel stehn
Das wa die Welt nicht wurde zergehn.
Jedoch sonst große verenderung beschicht,
Wee dem, ders erlebt, hört vnd sicht[7].

Der vorletzte Reim wird auch auf 1628 übertragen[8]. Damit kommen wir in die Zeit der Hochblüte des Weissagens, der außer den oben besprochenen Volkspropheten (s.d.) Namen wie Drabicius, Kotter, Rischmann usw. angehören. Es steht hundert Jahre später nicht besser; die friderizianischen Kriege rufen den „Europäischen Staatswahrsager“ von 1741 auf den Markt, der nicht nur die Lehninsche Weissagung aufwärmt, sondern auch weiteres Gut des 16. und 17. Jahrhunderts wieder ins Licht rückt[9].
Die französische Revolution[10], die von 1848 rufen eine Flut von Weissagungen hervor. Damals wird in Wien die „Prophezeiung über alle Länder und Regierungen Europas“ gedruckt (s.u.), die Weissagungen Spielbähns (s.u.), des alten Jasper (s.u.), der heligen Lin (s.u.) kommen ans Licht. In Frankreich bringt das Jahr 1870/71 einen neuen Schwall von Voraussagen, die sich vorzugsweise um Le grand Pape et le Grand Roi (s.u.) drehen[11]. Eine letzte große Flut brachte der Weltkrieg (siehe Weltkriegs-Weissagung), in dem Namen wie Frere Johannes (s.u.) u.a. zum erstenmal auftauchen. In Deutschland blüht um die Wende der 1930er Jahre das Weissagungswesen, zum Teil übelster Art, noch einmal auf.

  1. Vgl. etwa Quidde in Ztschr. f. Geschichtswissenschaft 8,29 ff.
  2. Joh. Friedrich Astrologie u. Reformation 1864; Aby Warburg Ges. Schriften 2 (1932), 487 ff.
  3. Diese Reihe nennt Gottlieb Wernßdorff De primordiis emendatae per Lutherum religionis 17172, 4–25.
  4. Joh. Friedrich Astrologie u. Reformation 14.
  5. Peuckert Rosenkreutzer 1928, 10.
  6. Ebd. 11. Ebenso Georg Ursinus Duo Prognostica astrologica 1580.
  7. (Regiomontanus zugeschrieben:) Nikolaus Winckler von Forchheim Bedencken von Künfftiger verenderung … 1582 BjA.
  8. David Herlicius Prognostica von gefehrlichen verenderungen in dieser Welt 1628.
  9. Vgl. auch Joh. Illig, Historische Prophezeiungen (1922), 56 ff.
  10. Das Buch d. Prophezeiungen u. Weissagungen 18494; A. Reimers Prophetische Stimmen u. Gesichte über den Weltkrieg 1916, 106 ff.; Illig 50 ff.
  11. Vgl. auch Illig 44 ff.

Ich lasse nun die wichtigsten, im heutigen Schrifttum begegnenden W. folgen, wobei es freilich nicht möglich ist, auch nur annähernde Vollständigkeit zu erreichen. Dabei schien es mir wichtig, gerade auf die Namen der letzten Jahrzehnte Gewicht zu legen, die ein historischer Auslesevorgang ins Licht gerückt hat.

Albane de Siva

Albane de Siva, weissagte über das Ende des Kaisers, die Zeit vom 31. 12. 1914 bis Februar 1915, wo die Alliierten schon über den Frieden reden.

  • Mitgeteilt von Raymund Guasco in „L'opinion“: Gabriel Langlois Les prophéties relatives a la guerre de 1914–15. Paris-Nancy 1915, 36 f.

Kundt Alten

Kundt Alten, fries. W., von dem „Hans Kielholts Silter Antiquitäten“ berichten, (eine Schrift, die Heimreich 1666 benützte). A. weiß bereits vom Evangelium in deutscher Sprache, von der deutschen Messe; die Weissagung gehört also dem 16. oder 17. Jahrhundert an, nicht wie Müllenhoff, zweifelnd, datierte: 15. Jahrhundert. Die Bemerkungen über den „vierten Glauben“ (nach dem heidnischen, katholischen, evangelischen), der durch Unfriede, Priesterverfolgung, Flucht charakterisiert wird, auf der einer den andern fragen wird: wo hast du dich verborgen? – rücken die Schrift m.E. erst ins 17. Jahrhundert, wo die gleichen Nöte und Fragen bei Proelium-Kampf (siehe Peuckert, Sibylle Weiß) sich finden.

  • Die „Sylter Antiquitäten“ druckt N. Falck in seiner Ausgabe von M. Anton Heimreichs „nordfriesischer Chronik“ 1819 als Beilage 2 = 2, 343–348 ab; die Weissagung ebd. 346 = Müllenhoff-Mensing Nr. 404.

Der stammlige Andreas

Der stammlige Andreas, Weissagung aus dem 16. Jahrhundert, die bis knapp vor den Schluß eine Geschichte Trautenaus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gibt, deren Schluß die Angst vor den Türken spiegelt. Simon Hüttel datiert sie auf 1469; sie wird von der Kritik ihm zugeschrieben, wofür mir aber die Gründe nicht auszureichen scheinen.

  • K. Schneider Simon Hüttel u. seine Werke: Jahrb. d. Deutschen Riesengebirgsvereins (Hohenelbe) 1925, 14 f.

Antonius von Aachen

Frere Antoine, ein Franziskaner gegen 1845 in der Gegend von Aachen; weissagte Krieg mit Italien, Vereinigung der deutschen Länder und den Krieg 1866, den von 1870/71 und die Einnahme Roms. Er teilte seine Gesichte angeblich seinem Bruder 1858 und 1871 mit. De la Briere sieht die Kulturkampf-Ereignisse hinter A.s Weissagungen stehen. Publiziert 1872 durch Abbé Curicque, Voix Prophétiques5 2, 521 ff. Peladan (s.u.) fälschte in sie die Birkenbaum-Weissagung (siehe Schlachtenbaum, weißer Fürst).

  • Baron de Novaye Guerre et révolution d'apres 45 prophéties 1896, 101 ff.; Joséphin Péladan fälscht nach De la Briere in der „Revue Hebdomadaire“ 12. 9. 1914 den Text entscheidend; Joanny Bricaud La guerre et les prophéties célebres 1916, 15 ff.; Gabriel Langlois Les prophéties relatives a la guerre de 1914–15. Paris-Nancy 1915, 29 ff.; Lucien Bardes Le Christ vainqueur de Guillaume II. 1917, 92; Yves de la Briere Le Destin de l'Empire allemand 19162, 40 ff.

Curé d'Ars

Der Curé d'Ars, M. Viamey, weissagte um 1858 den 70–71iger und einen zweiten (Revanche-)Krieg, in dem Paris zerstört würde. Die Weissagung vom zweiten Krieg ging 1914 neu in Frankreich um. De la Briere hat versucht, einen gesicherten Text zu gewinnen.

  • Yves de la Briere Le destin de l'Empire allemand 19162, 125–184.

Bachini

Merkwürdige Prophezeiungen auf das Jahr 1850 und folgende Zeiten. Ein von den Jesuiten verheimlichtes und nunmehr zum Druck befördertes Manuskript des Paters Bachini in Rom. Zweite Aufl. 1848.

  • Bote aus d. Riesengebirge 1848, 917.

Ursula Becker

Becker, Ursula, aus Biesnitz an der Landeskrone bei Görlitz OL., weissagte am 9. Mai 1635 Unheil über die „Sechsstädte“, den Oberlausitzer Städtebund, aus dem Munde Gottes.

  • Kühnau Sagen 3, 482 Nr. 1873.

Benrodt

Benrodt, der „Freund Spielbähns“ (s.d.), wohl aber erst längere Zeit nach ihm, sagte:

Wann wir schreiben 1847, möchte ich nicht sein ein Apfelbaum,
1848 ein König,
1849 ein Soldat,
1850 ein Priester.

  • Wilhelm Schrattenholz Spielbähn der Prophet 1849, 38.

Andreas Bobolo

Bobolo, Andreas, 1592–1652, Märtyrer in Polen. Erscheint 1819 dem Dominikaner Korzewiecki, heißt ihn, durch das Fenster die Ebene, die vor dir liegt, betrachten; das ist Pinsk, wo ich gemordet wurde. K. sieht dann dort eine Schlacht geschehen. Wenn dem Krieg, den du eben geschaut, der Friede folgt, wird Polen hergestellt … Zum Zeichen, daß das wahr ist, werde ich die Spur meiner Hand in deinen Schreibtisch drücken.
Der Jesuit P. Grégoire Felkierzamb († 1866) publizierte nach de la Briere am 13. 4. 1854 den Text in Nizza italienisch. Die Hauptsache dieser Publikation findet sich im Juliheft 1854 der „Civilta Cattolica“. La Guerra d'Orientale IV Pronostici e Profezie (Civ. Cattol. 2. Ser. Vol. VIII, 9 f.); F. schickte diesen Text einem französischen Jesuiten, der ihn französisch in der „L'union Franc-Comtoise“ druckte. Dieser Text erschien 1855 in der „Revue de Posen“ 20, 292 polnisch; von hier gehen alle polnischen Drucke aus.
De la Briere, der diese Textgeschichte gab, sieht in der oben erwähnten Schlachtschilderung (Thurston folgend), Ereignisse von 1854 sich spiegeln. Man wird sie also nicht gern höher hinaufrücken.
Im Osten scheint sie weit verbreitet gewesen zu sein. R.P. Vivier sagt 1884 nach Briere: Cette apparition fut communiquée a nos Peres de Polock par les Dominicains de Vilna. Le P. Poczobut (der letzte Jesuit) m'a dit qu'il l'a entendu raconter en Russie Blanche, mais qu'il en a oublié les détails.
Pfarrer Reimers sah 1916 die Weissagung für erfüllt an.

  • Curicque Voix prophétiques 18725, 327 ff. (nach einem Manuskript aus dem Archiv der Jesuitenprovinz Lyon): Yves de la Briere Le destin de l'Empire allemand 19162, 101 ff.; dort auch 99 ff. 110 ff. 113. 119 ff. Ausführliches zur Geschichte usw.; Gabriel Langlois Les prophéties relatives a la guerre de 1914–15. 1915, 29; A. Reimers Prophetische Stimmen u. Gesichte über den Weltkrieg 1916, 25 ff.; A. Kahle Die Prophezeiungen über d. Weltkrieg (1917), 34; Illig 33 ff.

Fra Bonaventura

Fra Bonaventura, trat 1516 in Rom auf und gab sich für den längst verkündeten Engelpapst (pastor angelicus) und Erlöser der Welt auf. Exkommunizierte Papst und Kardinäle, wandte sich an die Mächte und hatte großen Zulauf. In ihm scheinen Ideen Savonarolas und solche joachitischer Herkunft wirksam gewesen zu sein.

  • Ludw. v. Pastor Gesch. d. Päpste III 1 (1924), 201; Konr. Burdach Vom Mittelalter zur Reformation II 4 (1912), 232 f. N. 1.

Don Bosco

Don Giovanni Bosco, 1815–1862, soll den Weltkrieg geweissagt haben; er nehme seinen Ausgang vom Balkan; Deutschland werde siegen. Das Manuskript, in dem sein Gesicht beschrieben ist, soll im Vatikan liegen.

  • A. Kahle Die Prophezeiungen über d. Weltkrieg Arnsberg (1917), 35 f. nach Zurbonsen; SAVk. 19, 209.

Die briegische Magd

Die briegische Magd weissagt 1654 das Ende des Papsttums. Ein Engel hat ihr ein altes Schwert überreicht, mit dem dem Papst der Kopf abgeschlagen werde. Sie verehrt es dem lutherischen Prediger Gerstenmeier, der – aus Leobschütz vertrieben – schwed. Feldprediger war. Er sei zum Richter des Papstes und Papst der protestantischen Kirche berufen. Er glaubt ihr und richtet bereits einen päpstlichen Hofstaat ein, bis der Handel zuletzt zerfiel.

  • Peuckert Leben Jakob Böhmes 1924, 3 f.

Büksenmaker

Büksenmaker, Lammert Behrents Büksenmaker, hat angeblich 1602 eine vorzüglich auf Emden bezügliche Weissagung getan, die unter anderm auch das „weiße-Fürst“-Motiv Jarfkes (s.d.) verwendet. Eine genaue Fixierung von Name, Zeit und Umständen muß durch einen Lokalforscher erfolgen.

  • Text: Ostfrieslands Dorfpropheten oder Prophezeiungen von Jarfke, Büksenspanner, Büksenmaker u.a. Emden 1878, 45 ff.; im Auszug: K. ter Laan Prophecye van Jaarfke 1931, 77.

Büksenspanner

„Eine im Harrlingerland unter alten Briefschaften gefundene“ Weissagung wird, ohne daß aus dem Text dafür ein Anhalt vorliegt, mit dem als Namen angesehenen Wort B. überschrieben. Sie enthält zahlreiche auf Ostfriesland bezügliche Weissagungen, die ein Lokalforscher zeitlich bestimmen müßte. Reminiszenzen aus dem Volksglauben (Schlachtenbaum, Stadtuntergang) mengen sich ein. Die Befürchtung wird ausgesprochen, man wolle O. wieder katholisch machen; das gibt einen ungefähren Anhalt für eine Datierung.

  • Text: Ostfrieslands Dorfpropheten oder Prophezeiungen von Jarfke, Büksenspanner, Büksenmaker u.a. Emden 1878, 34–38; im Auszug: K. ter Laan Prophecye van Jaarfke 1931, 75 f.

Catald von Tarent

Catald von Tarent, Erzbischof, angeblicher Verfasser einer Weissagung, die um 1494 umging. Sie stand in einen alten, mit einer Bleidecke versehenen Buch, und trug die Überschrift C.J. D., was man „Cito Judicium Dei“ las. Nur der König und sein Vertrauter habe sie gelesen. Sie gebot Verfolgung der Glaubensfeinde, sonst würde das Land von schwerstem Unheil betroffen.

  • Joseph Schnitzer Savonarola 1 (1924), 163; 2, 1024.

Cazotte

Cazotte sagt bei einer Abendgesellschaft beim Herzog von Grammont 1788 die Revolution und das Schicksal der einzelnen Anwesenden voraus[1]. Die Meinungen über die Beweiskraft des Berichtes sind geteilt[2]. Auch seinen Tod soll er drei Tage vorher gewußt und angezeigt haben[3].

  1. Prophéties de Cazotte, rapportées par Laharpe: Laharpe Oeuvres, choisies et posthumes 1 (1806), XXI seqq.; übers.: Joh. Heinrich Jung, genannt Stilling Theorie d. Geisterkunde 1808, 122 ff.; Walter Bormann Die Nornen 1909; Max Kemmerich Prophezeiungen 1911, 293 ff.; Illig 50 ff.
  2. Unmöglich erdichtet: Jung-Stilling 149 f. Erdichtet: Hübbe-Schleiden in „Psychische Studien“ 38 (1911), 22. Zeugenaussagen gesammelt u. geprüft: Kemmerich 310 ff.
  3. Jung-Stilling 130 ff. = Kemmerich 3091.

Justina Dargel

Dargel, Justina, gegen 1860 in Rössel (Ostpreußen) geboren. Ihr soll schon mit 5 Jahren die Gottesmutter erschienen sein. Mit etwa 30 Jahren, d.h. in den Jahren 1890/94 kam es zwischen der als hysterisch angesehenen Person, die an Krampfzuständen litt, und der Kirche zu Konflikten. Sie hatte Freitags Visionen, behauptete, die Seitenwunde Christi zu haben, die angeblich blutete usw. und wurde aus der kathol. Kirche ausgeschlossen. Sie verkündete dann den Ausbruch eines großen Krieges mit Rußland und die Vernichtung von Ostpreußen. Ihre Anhänger, etwa fünf bis sechs Familien mit etwa 20, – nach anderen Angaben etwa 100 Köpfen, verkauften ihre Besitze und zogen mit der D. nach Triest, wo sie bald in Not gerieten. Ein Prozeß, den die Ruinierten nun gegen sie anstrengten, ergab, daß die D. an religiösem Wahnsinn leide. Die Anklagen wurden zurückgezogen bzw. abgeschwächt, die D. freigesprochen; einige kehrten mit dem Rest ihres Vermögens nach Rössel zurück. Die D. lebte, zusammen mit ihrer Stiefschwester Alfingen, in Triest von Stickarbeiten und den Gaben frommer Bauern, die durch sie an die Gottesmutter empfohlen werden wollten. Sie starb 1926 in Triest.

  • Nach Auskünften des Herrn Erzpriester Dr. Matern Rössel. Vgl. „Schles. Ztg.“ vom 1. 5. 1908 = Zentralbl. f. Okkultismus 11 (1917), 15 f.

Einsiedler am Rheinstrom

„Neu gedruckt im Jahr 1707“ erschienen „Eines Einsiedlers / sich am Rheinstrom auffgehalten / Astronomische PROGNOSTICA, Oder Unterschiedene nachdenckliche und merckwürdige Weissagungen … aus einem auffrichtigen gedruckten Exemplar zu Cölln am Rhein ANNO 1640 publiciret“. Der Autor nennt sich laut Vorrede „der Ungenannte“. Er verwertet Sätze aus Lichtenberger, Paracelsus, vielleicht auch „Capistrano“. Das Vaticinium ist deutlich in die zweite Jahreshälfte von 1706 zu stellen, was aus den Weissagungen über (Polen und Schweden), Schlesien und Frankreich hervorgeht. Dazwischen mengen sich phantastische Bilder und eschatologische Sätze wie die vom Untergang des Schiffleins Petri, des Priestertums, und des Endes der Welt.

  • Vorhanden: Breslau, Univ.-Bibliothek (Hist. rec. II. Qu. in 20).

Madame de Ferriëm

De Ferriëm, Pseudonym eines Berliner weibl. Mediums, die um 1905 fast täglich Weissagungen von sich gab, die vor den Ereignissen veröffentlicht und durch diese bestätigt worden seien[1], aber später für gemacht erklärt wurden[2]. Sie schrieb u.a.: Mein geistiges Schauen in die Zukunft 1905[3], und soll den Weltkrieg vorausgesagt haben[4].

  1. Max Kemmerich Prophezeiungen 1911, 325 ff.; Neue metaphys. Rundschau 21 (1915). 238 ff.
  2. A. Reimers Prophetische Stimmen u. Gesichte über d. Weltkrieg 1916, 23 f.; Martin Karpinski Unsere Zukunft im Lichte d. Weissagungen 1921, 13 f.
  3. Kurzer Auszug: Zentralbl. f. Okkultismus 25 (1931/32). 570 ff.
  4. A. Kahle Die Prophezeiungen über d. Weltkrieg Arnsberg s. a. S. 8.
  • Martin Karpinski Unsere Zukunft im Lichte der Weissagungen 1921, 8.

Harkbüre

Harkbüre, die Bäuerin auf der „Hark“ hinten im Harmersbacher Tal in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie betrachtete alljährlich zwischen Weihnacht und Dreikönig den mitternächtigen Lauf der Sterne und verkündete dann den Bauern, ob das Jahr gut oder schlecht ausfallen, Krieg oder Frieden bringen werde. Sie soll die napoleonischen Kriege und die Revolution 1848/49 vorausgesagt haben.

  • Meyer Baden 561.

Harpersdorfer Bauernprediger

Aufgerührte Schwenckfelder der Dörfer um Löwenberg in Schlesien, – in deren Gemeinde auch paracelsisches und pansophisches Gedankengut strahlt, – weissagen eschatologische Zustände[1]. Ihre Reden haben einen stark sozialen Einschlag, sind auch gegen alle weltliche Lust gerichtet[2]. Der Hauptprediger ist ein Schäferknecht Antonius Oelsner [1].

  1. 1,0 1,1 Will-Erich Peuckert Die Rosenkreutzer 1928, 246 ff.
  2. Zu ihrem Satz: Die Hölle sei gepflastert mit Edelleuten und Priestern, vgl. das Erlebnis des Curé von Jobourg, der, nach dem Lesen des Grimoir in die Hölle entrückt, das dort sah: Jean Fleury Littérature orale de la Basse Normandie 1883, 102.

Christian Heering

Heering, Christian, „der Prossener Mann“, geb. 1710 in Postelwitz b. Schandau a. Elbe, als Sohn eines Fischers, der die Gabe des Hellsehens besaß, wird selbst Fischer, übernimmt 1746 das Haus seines Schwiegervaters und kommt so nach Prossen, wo er seine Gesichte seinem Pastor Joh. Gabriel Süße mitteilt, der sie aufzeichnet, ihre Bewährung abwartet und 1772 publiziert, nachdem bereits vorher ein anonymer Druck seiner Notizen von dritter Hand erschien. H. ist ein frommer, stiller, redlicher Mann, der angeblich weder Zeitungen noch Bücher las. Sein Gewerbe übt er unter andächtigem Gesange aus, und sucht stets bei seinem Geistlichen Rat. Sein erstes Gesicht hat er 1734: Christus erscheint ihm unter einer Menschenmenge mit wenigen Getreuen, (die meisten sind auf dem breiten Weg zur Verdammnis); einer der Treuen stimmt das Kirchenlied „Mache dich mein Geist bereit“ an. Die zweite Prophetie desselben Jahres stützt sich auf Jes. 5 und weissagt Dresden Kriegsnot. H. versucht, wie auch später, seine Gesichte dem König zu übermitteln. Er schweigt nun bis 1756; da beginnen seine Gesichte und Andeutungen über Kriegsnot und -ereignisse wieder, in die sich (seltener) Bußrufe mischen[1].
Kemmerich versucht nachzuweisen, daß H. tatsächlich Ereignisse, die in der Zukunft lagen, vorher wußte und verkündigte. Seine Beweisführung hält aber nicht eben Stich. Es scheint vielmehr, daß die Spannung und Unruhe des 2. Schlesischen wie des 7jährigen Krieges H. erregten, und daß er ebenso aus den allgemeinen Erwartungen[2] wie aus naheliegenden Befürchtungen zu seinen Gesichten kommt. Damit will ich nicht leugnen, daß – wenn in der Datierung der Aufzeichnungen und in diesen selbst keine nachträglichen Korrekturen erfolgten, (sie wurden ja erst nach den Geschehnissen gedruckt!) – ihm die Gabe eignete, die wir als „Vorgesicht“ bezeichnen. Ein echter Prophet war freilich H. nicht; seine Reden und Gesichte gehen nicht aus dem entzündeten Herzen des Mannes, der für Gott eifert, sondern sind „weltlicher“, nur fromm gestimmt. Er selbst erklärt: „Ich prophezeye nicht, ich deute auch nicht, sondern ich zeige nur an, was mir der Herr anzuzeigen befohlen hat“.

  • Joh. Gabriel Süße Umständliche Nachricht von dem sogenannten Prossner Manne, Christian Heerings … eines Elb-Fischers und Innwohners zu Prossen bey Königstein, seit etlichen zwanzig Jahren bekannt worden, Voraussagen betreffend 1772; Ders. Dresdner wöchentliche Frag- und Anzeigen des politischen Blats 1757 Nr. XXXVIII. Zuverlässige Nachricht derer außerordentlichen Anzeigen und Voraussagungen Christian Heerings 1757; Max Kemmerich Prophezeiungen (1911), 203 ff. Dort 210 f. auch (anonymer Nachdruck): Einige Prophezeiungen, welche von einem Fischer und Einwohner in einem Dorfe bey Königstein, auf die Jahre 1759 u. 1760 gestellet sind; Illig 56 ff.
  1. Kemmerich 220. 221. 227 f.
  2. 221 ff.

Hertje

Die weise Frau H., Heertie, angeblich Ao. 1400 in Wiedingharde, oder wie andere wollen, in Gosharde (Nordfriesld.) aus ihrer Mutter Leib geschnitten, in Bredsted gestorben, soll 1436 prophezeit haben. Sie verhieß, daß zwei Dämme geschlagen würden, der eine von Tondern, der andere von Rüttebüll nach Brunsot, an denen man 7 Jahre arbeiten werde. Der Damm von R. nach B. wurde nach Heimreich 1506 begonnen und es wurde sieben Jahre an ihm gebaut. Die Weissagung der H. kann also erst nach 1513 in der vorliegenden Form entstanden sein. Ein Lokalforscher wird aus ihren weiteren Prophetien leicht noch zu genaueren Ansätzen kommen.
Sie weissagt Deichbauten und -brüche, den Untergang all dieser Länder ins Meer; Lindholm, das die erste Kirche war, wird auch die letzte sein; eine große Entscheidungsschlacht bei Flensburg (Endschlacht), wo man bis über die Enkel im Blut watet; es wird zu Niekarken ein Baum aus dem harten Stein aufwachsen, auf dem wird ein schwarzer Vogel weiße Junge toen (ziehen). Zu diesen eschatologischen Motiven treten zeitliche: Haß und Verfolgung und Flucht der Priester und Edelleute, Bedrängnis der Bauern, die sich am Ende erheben und ihre Bedränger erschlagen; (klingt hier die Schlacht von Hemmingstedt 1500 nach?).
Alle bis jetzt bekannten H.-Weissagungen und Sagen gehen auf eine Handschrift „Der Friesischen Sibylle Hertjes Prophezeihungen“ eines Predigers Meier zu Lindholm, Mitte 16. Jahrhundert, zurück, die Falck seiner Ausgabe von Heimreichs Chronik zufügte. Heimreich, der die H. verschiedentlich zitiert, hat die gleiche Fassung der Weissagungen benutzt.

  • M. Anton Heimreichs Nordfriesische Chronik, 3. Aufl. ed. N. Falck, Tondern 1819, Beilage Nr. 1 = 2, 341 f., danach: Müllenhoff-Mensing 403; Lübbing 104 f. Vgl. weiter Heimreich- Falck 1, 180 (falsch paginiert für 190), 271 f.; 2, 55. S. auch „Weise Frau in Enge“.

Hildegard von Bingen

Hl. Hildegard, weissagte nach manches Glauben auch den Weltkrieg. In dem von ihr gegründeten Kloster wird angeblich die „Prophétie de Mayence“ gefunden (siehe Weltkriegs-Weissagung II.1).

  • A. Reimers Prophetische Stimmen u. Gesichte über d. Weltkrieg 1916, 34 f.

Bartholomaeus Holzhauser

Holzhauser, Bartholomaeus, von 1613–1658, kathol. Geistlicher, legte auf joachitischer Basis die Apokalypse Joh. aus, in deren 7 Gemeinden Asiens, 7 Sternen und 7 Leuchtern er die sieben Zeiten der Kirche vorgebildet sah. In H.s Tagen beginnt die sechste mit dem Universalkaiser und Engelspapst; ihm wird die siebente folgen, in dem der Antichrist auftritt usw. Neues, urteilte Kampers, findet sich bei ihm nicht; er rafft das ganze Weissagungsgut noch einmal zusammen. Sein Kommentar ist im katholischen Volk anscheinend stets lebendig geblieben, und wurde noch im vorigen Jahrhundert in Regensburg in mehreren Übersetzungen aufgelegt: „Barthol. Holzhausers Erklärung der Offenbarung des Johannes. Hsg. von Simon Buchfeiner“.

  • Roland Haase Das Problem d. Chiliasmus u. d. 30jähr. Krieg. Phil. Diss. Leipzig 1933, 81 ff.; Kampers Kaiseridee 146 f.; A. Reimers Prophetische Stimmen u. Gesichte über d. Weltkrieg 1916, 35 f.; Martin Karpinski Unsere Zukunft im Lichte d. Weissagungen 1921.

Hrosvitha von Gandersheim

Hrosvitha von Gandersheim, weissagt in der Tuba Saeculorum von 1000–3028, und dabei auch vom Weltkriege.

  • Gabriel Langlois Les prophéties relatives a la guerre de 1914–15. 1915, 20 ff.

Johann Hus

Hus, Johann, der tschechische Reformator, soll vor seinem Ende von Luther verheißen haben: jetzt brate man eine Gans (husa = Gans); aber den Schwan, der in hundert Jahre komme, werde man leben lassen müssen.

  • Peuckert Schles. Sagen 46 f. 295; Christoph Besold Signa temporum 1614, 38 f.; Andreas Schoppe Christliche vnnd Nötige Warnung für dem erdichten Lügen-Geist der falschen Propheten 1596 KiiijR.; Josef Wolf Gesch. d. Buchdrucks in Böhmen u. Mähren 1928, 66; Joh. Friedrich Astrologie und Reformation 1864, 15; Seidemann Beiträge z. Reformationsgesch. 1, 51.

Janbernd

Janbernd, ein Schäfer, hatte das zweite Gesicht. Ihm wird auch ein Vorgesicht des Weltkrieges zugeschrieben und die Gläubigen suchten Orte, wohin sie fliehen konnten.

  • Joseph Winckler Pumpernickel 1926, 316 f.

Jarfke oder Jaarfke

Jarfke oder Jaarfke, der Mann aus dem Oldambt[1], oder J. van der Muyden aus dem Reiderlande[2], ein Fischer[3], der angeblich vor 1277, d.i. dem in der Überlieferung angenommenen Jahre des Dollarteinbruches[4] diesen und manche andere zukünftige Dinge weissagte. Der Druck berichtet:

  • Item op een tijt is Jarfke komen varen van Muntendam na Wester-Reyde / daer stont een Clooster by daer waren 180 Susters in / doe was't noch al Lant tusschen Reyde en Westerwolde / en de Eems …[5].

Da die Kirche von Wester-Reide 1575 noch stand[6], kann dieser Satz erst nach 1575 niedergeschrieben worden sein. Die Nachricht, daß Sint Martens Toren (in Groningen) in de brandt komen[7] führt auf 1577[8], die daß es darnach wieder aufgebaut werden soll [7], auf 1577/8 [8]. Hier brechen die Datierungsmöglichkeiten ab; der uns vorliegende Druck ist also 1578 abgefaßt oder überarbeitet worden. Ob dieser Redaktion ein älterer Zustand vorausgeht, ist mir nicht möglich festzustellen. Er kann dann jedenfalls nicht vor etwa 1501 hinaufgerückt werden, – denn eine Anzahl als versunken bezeichneter Orte existieren damals noch[9], und wenn die Deutung des „weißköpfigen Reiters“ auf den alten Grafen Edzard richtig ist[10], führt auch das in die Jahre um 1500.
Als ältester bekannter Druck wird einer „vor 1650“ genannt[11]. K. ter Laan druckte 1931 das Exemplar aus dem Besitz der Kgl. Bibliothek „Verscheyde Oude PROPHECYEN van JARFKE“ von etwa 1750 ab und gab im Anhang dazu eine Bibliographie aller bekanntgewordenen Drucke[12] und eine Geschichte der J.-Weissagungen[13]. „Ostfrieslands Dorfpropheten“ 1878 wiederholen den holländischen Druck von 1771. 1680 erschien bereits in einer Sammlung „Propheterende Tongen van Algarazabel, Jarfken Wijpkes, Jan Brugman, Onnoosel Trijntjen, Seecker Saxman, Joseph Groenpeck, Onbekent Persoon, P. Grebner, Seecker Romeyn, Abt Ubertyn[14], Bisschop Malachias, Oudt-Vader Augustijn“[15].
Die J.-Weissagung enthält J.s Vorgesichte vom Dollarteinbruch, Voraussagen von Kriegen, die die Landschaft zwischen Emden und Groningen betreffen, und die z.T. eschatologischen Charakter haben, und eine Sage, aus der hervorgeht, daß seine Weissagungen göttlicher Herkunft und wahr seien[16]. Motivgeschichtlich wichtig sind die Stellen über den „weißen Fürsten“ (s.d.), den Untergang von Groningen, – man wird die Stelle zeigen, wo es stand, – die möglicherweise für die Pragweissagung der tschechischen Sibylle (siehe Sibylle) das Vorbild gab, und das Motiv von der Verwüstung des Landes: kein Mensch lebt mehr, nur ein einziger Bulle usw., die Datierung des Unheils nach dem Erscheinen weißer und schwarzer Tiere, nach dem Erscheinen ihrer Jungen zu seltsamen Zeiten oder an besonderen Orten (siehe Hertje) [16]. Die J.-Weissagung und J.s Name[17] leben heut noch im friesischen Volk.

  • K. ter Laan Prophecye van Jaarfke, opnieuw met historise toelichting en verklarende aantekeningen in 't licht gegeven. Groningen 1931. Abdrucke: Ebd. und in: Ostfrieslands Dorfpropheten oder Prophezeiungen von Jarfke, Büksenspanner, Büksenmaker u.a. Emden 1878, 5–33. Auszüge aus dem Volksbuch bei Lübbing, Friesen 105 ff. und E.J. Huizenga-Onnekes Groninger volksverhalen 1930, 171 ff.
  1. ter Laan 46.
  2. Lübbing 105; ter Laan 15.
  3. Lübbing 105.
  4. So die Drucke; vgl. weiter ter Laan 8.
  5. ter Laan 39.
  6. Ebd. 56.
  7. 7,0 7,1 Ebd. 31 f.
  8. 8,0 8,1 Ebd. 50.
  9. Ebd. 56.
  10. Lübbing 81 f.; vgl. unten „weißer Fürst“.
  11. ter Laan 58.
  12. Ebd. 24–44; Bibliographie: Ebd. 58–63.
  13. Ebd. 1–23. 14) Lies: Grünpeck.
  14. Lies: Ubertino von Casale, vgl. Weissagungen, joachit.
  15. Abdruck des J. betreffenden Teiles: ter Laan 94–131.
  16. 16,0 16,1 Dorfpropheten 15.
  17. ter Laan 8; Huizenga-Onnekes 171.

Für uns von besonderer Bedeutung ist die „korte Propheceijung van Oistfrieszland“[1], die auf die mündliche Tradition zurückzugehen scheint, während die J.-Texte Volksbuch-Charakter haben. Es liegt der „korten Propheceijung“ zugrunde. Diese hat die dem Volk auch sonst geläufigen Züge: „weiße Vogeljungen“ als Vorzeichen, „Schlachtenbaum“, stärker betont, sie mit den Weissagungen „soziale Mißstände“, „Zukunftsschlacht“, „weißer Fürst“ verquickt, bzw. auch diese J.-Weissagungen weiter geführt.

  1. Drei Texte in „Ostfrieslands Dorfpropheten“ 39 f. 41 f. 43 f.

Jasper

Der alte Jasper, ein Schäfer, der Ende des 18. und in den beiden ersten Dezennien des 19. Jahrhunderts in der Nähe von Huckarde bei Dortmund lebte. Seine Weissagungen sind aus allen möglichen älteren: Spielbähn (s.d.), Weiberkrieg, Kirschblüten-Prophetie usw. zusammengeflickt. Er verheißt, abweichend von den andern, in der Endschlacht den Sieg der Türken. – Viel stärker als Spielbähn oder Jannes-Pitter Körper ist er „mythische“ Person, Träger landläufiger Worte; sie leben auch stärker als andere in Holland, Frankreich und England im Bewußtsein der interessierten Sucher.

  • Peuckert Sibylle Weiß; weiter „Blackwoods Magazine“ Mai 1850; R.P. Herbert Thurston The War and the Prophets 1915, 72 f.; Joanny Bricaud La guerre et les prophéties célebres 1916, 23 f.; Lucien Bardes Le Christ vainqueur de Guillaume II. 1917, 88 f.

Frere Johannes

Josephin Peladan, der Fälscher der Frere-Antoine-Weissagung (s.d.), publizierte am 10. 9. 1914 im „Figaro“ die Weissagung eines Frere Johannes von einem einarmigen Kaiser, dem „Antichristen“, mit der Devise „Gott mit uns“, dem Verbündeten Österreichs gegen Frankreich, England, Rußland. Er weissagte einen harten Krieg, Einfall in Belgien, Vergehen an Greisen, Frauen, Priestern. – P. wollte den Text von seinem Vater Adrien P., einem Sammler von Weissagungen haben, dem sie ein Prämonstratenser de Frigolet geschickt habe; dieser wieder habe sie von einem Abbé Donat erhalten, der in Beaucaire als Greis gestorben sei. P. selbst gestand einige Tage später, der Text sei nicht vollständig wiedergegeben worden, es fehle die Stelle vom großen Herrscher. J'ai supprimé ce qui concernait le grande monarque, rejeton des lys, qui, dans le texte, apporte le victoire. A l'heure oú la France et l'humanité meme jouent leur destin, il m'a paru impie de fournir un gage, meme fantasmagorique, a un parti. De la Briere erkannte aus dieser Bemerkung bereits, daß der Text von 1890 den Prophetien du grand Pape et du grand Roi (s.d.) angehörte. Auch die Birkenbaum-W'eissagung (siehe Schlachtenbaum, weißer Fürst) wurde von P. hineingearbeitet.
Was den Namen „Johannes“ betrifft, so glaubte R.P. Herbert Thurston (The war and the Prophets 1915, 66 f.), daß der alte Sammler prophetischer Literatur, Johannes Wolf, dem wir die Lectiones Memorabilium et Reconditarum Centenarii XVII verdanken, Pate gestanden habe. Ich kann mir nicht recht vorstellen, warum Wolfs Vorname gerade entlehnt worden sein soll, eher ist m.E., da es sich um eine „prophétie de l'Antechrist“ handelt, an Johannes, den Autor der Apokalypse, zu denken.
Bardes nahm die Weissagung – im Gegensatz zu de la Briere und Bricaud für echt, behauptete sogar, daß die Hl. Brigitta sie gekannt habe, und bemühte sich, in Wilhelm II. den Antichrist festzustellen.

  • Yves de la Briere Le Destin de l'Empire allemand 19162, 62 ff.; Joanny Bricaud La guerre et les prophéties célebres 1916, VI. 34 ff.; Lucien Bardes Le Christ vainqueur de Guillaume II. 1917, 8 ff.; Gabriel Langlois Les prophéties relatives a la guerre de 1914–15. 1915. 17 ff.

Jordan oder Gregorius Jordanus Venetus

Der Doktor Gregorius Jordanus Venetus hat 1591 am 15. März in Köln eine „Propheceyung vnd Weissagung / Vö erschrecklichen vnd grewlichen widerwertigkeiten / so dem gantzen Erdenkräiß vberkommen vn anstehen“ in Druck gegeben, die zu „Basel / 3 Monat vor das Jar 92“ herausgekommen ist. Sie ist aus vielen vorhandenen Weissagungen unter dem Einfluß der „Pariser Weissagung von 1591“ zusammengeschrieben worden. Jene Pariser Weissagung wird als „Wahrhafftiger Bericht der jetzt gefundenen Propheceyung / Was sich deß 1591. Jars / biß auff das 1900. zutragen vnd begeben werde“ auf der vorletzten Seite mitgeteilt:

  • ZV Paris ist in diesem 1591. Jar / den 5. Aprill / ein großer Thurm eingeschossen worden / Darinne ein Marmelsteinerne Seule gefunden / darauff nachfolgende Propheceyung / in Hebreischer vnd Lateinischer Sprach gehawen gewesen.
  • In dem 1591. Jar / wird in Franckreich / Engelland / Flandern vnd in Deutschland eine große Zutrennung vnd Enderung werden / von wegen des Glaubens:
  • Im 92. Sol der Bapst vmbgebracht werden / vnd nach dem kein ander erwöhlet werden …
  • Und so weiter bis: Im 1600. Wird in der Welt nicht mehr als ein Herr / ein Glaube / ein Hirte / vnd ein Schaffstall sein.

In diese Prophetie ordnet J., was er zusammengetragen hat: Uneinigkeit der sieben Hauptländer Europas, Einfall des Türken, der bei „einer Stadt am Rhein gelegen / mit namen C“ geschlagen wird. Die Mächte einigen sich auf einen berufenen und von Gott geleiteten Anführer, den russischen Fürsten, ziehen insgesamt gegen den Türken, und zwingen ihn nieder, so daß er sich taufen läßt. Danach erscheint der Antichrist, der möglicherweise 1572 bereits geboren worden ist, Gog und Magog usw. in bekannter Folge.
Der Weissagung hängt J. das Verzeichnis der letzten „acht Romische Bischoffen“, d.h. der acht letzten Päpste aus dem joachitischen Papstvaticinium (siehe Weissagungen, joachitische), und auf der letzten Seite „Der Türcken gar alte Prophecey / deren sie mit beschwertem hertzen bißner offt eingedenck / vnd jtzt vnter dem 12. jrem Keyser vollendet sol werden 1591 vnd 92“ an. An Autoritäten werden außer den schon angeführten vor allem Joachim und S. Brigitta genannt.
Der Druck ist öfters aufgelegt worden und wirkte noch ins folgende Jahrhundert nach.

Jannes-Pitter Körper von Ehrl oder Johann Peter Knopp von Ehrenberg

Johann Peter Knopp von Ehrenberg, 1714–1794, diente als Knecht in Ehrl, war in der Bibel und in der „zwölf Sibyllen Weissagung“ belesen, weissagte Straßen- und Eisenbahnbauten der näheren Umgebung und die Kölner Endschlacht. Seine Gesichte lehnen viel stärker an die gleichartigen Spielbähns (s.d.) als an das Sibyllenbuch an, aber man kann nicht sagen, ob er, ob Spielbähn der Gebende, oder wer von beiden der Empfangende war.

  • Peuckert Sibylle Weiß.

Jotza Krstin

Krstin, Jotza, Landwirt in Sonta, Südslavien, weissagte für 1926 die Sintflut, der im Frühjahr des Jahres eine große Überschwemmung vorausginge, was in der Gegend eine Panik hervorrief.

  • Vossische Ztg. 21. 10. 1926.

Hermann Kappelmann

Kappelmann, Hermann, aus Scheidingen bei Werl, ein Schieferdecker, prophezeite etwa 1819: es sind jetzt noch gute Zeiten, aber sie werden sich sehr verändern. Nach vielen Jahren wird ein furchtbarer Krieg ausbrechen.

Kuckucksprophetie

Als August 1802 in Münster die ersten preußischen Adler angeschlagen wurden, rief ein Bauer den Beamten zu: Bei uns ruft der Kuckuck nicht lange. Man nahm das Wort als eine Weissagung, die 1806 sich erfüllte; doch spielte es 1866–1870 wieder eine große Rolle.

  • J.D.H. Temme Erinnerungen (ed. Stefan Born) 1883, 41.

Johann Langer

Langer, Johann, Erzpriester in Bolkenhain, der 1500 einen Kalender mit Weissagungen geschrieben haben soll, die nicht mehr zu entziffern sind, weil der Schlüssel zu ihnen verloren ist.

  • Kühnau Sagen 3, 184 Nr. 1557.

Helige Lin oder Helena Wallraff

Helige Lin, Helena Wallraff aus Brüggen, um 1800, diktierte dem Oheim des Pfarrers Heimen, der es herausgab, das „Büchlein des Trostes“, das 1850 erschien: Flucht des Papstes nach Köln, Kriege durch Europa, der Türke wird gerufen, Weltfriede in Köln. Die mündliche Überlieferung hingegen schrieb ihr die Prophetie von der Endschlacht im Radertal bei Köln (siehe Spielbähn) zu.

  • Peuckert Sibylle Weiß.

Elsa Linden

Linden, Elsa, eine lahme Magd in Gumpertshausen bei Westhausen, Grabfeldgau, 1631. Ihr erscheint ein Engel (Gabriel) in buntem Hemdchen und heißt sie gegen die Hoffahrt der Welt predigen. Zwischen August und Michaeli Blutvergießen. Die Herrenleute soll man abschaffen. Legt sich die Hoffahrt nicht, kommt eine Teuerung, daß das Kind in der Wiege verhungert. Am 8. September wird etwas Großes geschehen; da soll man knieend Gott um Abhilfe bitten, sonst geht es schlimmer als in Jerusalem. Erdbeben. Pro-schwedisch.

  • L. Bechstein Sagen d. Frankenlandes 1 (1842), 227 ff.

Michael Lindner

Lindner, Michael, ein Bauer aus Bernstädtel im ehemal. Fürstentum Sagan, 1639.

  • Prophezeihung, so Michael Lindner, ein Bauer in dem Dorfe Bernstädel, im Fürstenthum Sagan, im Jahre 1639 angezeiget. In: Sammlung einiger Weissagungen, die auf die Umstände gegenwärtiger Zeit zu deuten scheinen, nemlich Drabicii, Melanchthons, und Theophrasti … Anno 1741 (Staats-Bibl. Berlin. Signatur: Na 9126).

Schwester Magdalena

Magdalena, Schwester M. in S. Maria zu Casignano, stand im Geruch hellseherischer und prophetischer Gaben. Sollte benützt werden, Savonarola als falschen Propheten zu entlarven.

  • Joseph Schnitzer Savonarola 1 (1924), 396; Luca Landucci Ein florentinisches Tagebuch (übers. Marie Herzfeld) 1 (1927), 199.

Pere Marc

Pere Marc soll im 18. Jahrhundert die Wiederherstellung Polens geweissagt haben.

  • Gabriel Langlois Les prophéties relatives a la guerre de 1914–15. 1915, 17 f.

Anna von Medem

Medem, Anna v., eine kurländische Matrone des 17. Jahrhunderts, welche Gott durchs Kreuz geübet und ihr von den nun über die ganze Christenheit annahenden Plagen und der Juden, Türken und Heiden Bekehrung herrliche Sachen offenbart hat.

  • Göttliche Offenbahrungen / So einem Einfältigen frommen Mann / Christoph Kottern … wiederfahren … ans liecht gegeben / Durch Benedictum Bahnsen. Amsterdam 1664, (11).

Meldine

Meldine, Sektiererin um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Zoutkamp (Groningen); viele der Mitglieder der Sekte vom Heiligen Geist, um 1870/80, sollen von ihr abstammen. Diese Sektierer hatten Visionen, zeugten von der Wahrheit (besonders Frauen bei Begräbnissen) usw. M. weissagte, daß Z. eine große Stadt werden würde, sah Kanal- und Eisenbahnbauten voraus, ebenso, daß eine Zeit kommen werde, in der die Menschen auf zwei Rädern oder in einen Wagen ohne Pferde fahren. Sie weissagte Kriegszeiten, Sturz der meisten Könige und schwere Zeiten: Bruderzwist, Aufruhr der Dienenden usw. Sie trieb die Menschen an, sich zu bekehren.

  • E.J. Huizenga-Onnekes Groninger Volksverhalen 1930, 174 f.

Dürrer Merten

Mitte des 16. Jahrhunderts lebte in Komotau der d. M., der im Besitze der schwarzen Kunst und als Prophet in der Stadt eine bedeutende Rolle spielte. Er erreichte ein Alter von 118 Jahren und fand schließlich einen gewaltsamen Tod durch Mörderhand.

  • Heimatkunde des Bezirkes Komotau III, 4: Viktor Karell Die Sagen (1930), 28.

Georg Miller

Miller, Georg, 19. 11. 1835 bis 26. 7. 1914, Landwirt in Unterlinden, Gemeinde Bernbeuren (Schongau), sagte gewaltige Ereignisse voraus. Er faßte alles zusammen auf einen Zettel: Jetzt wißt ihr, was kommt. Versorgt euch mit Waffen aller Art, Lebensmittel, Korn, anderen Produkten zum Lebensunterhalt auf vier Jahre …

  • DG. 20 (1919), 11.

Old Moores Almanack

Old Moores Almanack, ein englischer Volkskalender, der für 1897 z.B. den Brand des Bazars von Paris, Tod des Herzogs von Clarence und Untergang der Victoria voraussagte.

  • Max Kemmerich Prophezeiungen 1911, 332 f.

Andreas Musculus

Musculus, Andreas M., aus Schneeberg, etwa 1514 geboren, Generalsuperintendent der Mark Brandenburg, schrieb „Vom Mesech vnd Kedar / vom Gog vnd Magog“, (2. Auflage seiner Schrift von dem großen Trübsal für der Welt Ende), die zwar allgemein theologisch gehalten, aber von der Gewißheit des nahen Endes erfüllt ist. Das Kind hat schon die Schuhe an den Füßen und ist beinah erwachsen, das den jüngsten Tag erleben wird.

Schuster Mysto

Mysto, Sage von einem weissagenden Schuster Anfang des 15. Jahrhunderts in Bromberg, der den Ort voraussagte, wo später das Kloster erstand.

  • San Marte Großpolens Nationalsagen 223 f. = Knoop Posen 177.

Nectou

Nectou werden bis in die Gegenwart reichende Weissagungen über Frankreich und England zugeschrieben.

  • Buch d. Prophezeiungen u. Weissagungen 18494; Martin Karpinski Unsere Zukunft im Lichte der Weissagungen 1921, 33 f.; A. Reimers Prophetische Stimmen u. Gesichte über d. Weltkrieg 1916, 36.

Hans Neuschel

Neuschel, Hans, Leineweber zu Hirschberg i. R., hat seit 1612 anscheinend hysterische Anfälle, in denen er Wehe über Deutschland prophezeit, die 1623 enden, 1629 bei der Rekatholisierung wieder einsetzen und bis zur Abfassung seines Briefes, in dem er sie berichtet, währen.

  • Wanderer im Riesengebirge Nr. 245, S. 35, nach einer Handschrift „Historia de devastatione urbis Hierosol“. In der Kaiserl. Bibl. Petersburg, an derem Ende der Brief eingeheftet ist.

Michael Niedermayer

Niedermayer, Michael, bayrischer Knecht, der 1575 berufen wird, und in Schlesien predigend und weissagend umherzieht.

  • Peuckert Leben Jakob Böhmes 1924, 3. (Dort auch seine Berufung.)

Prophetie du Château de l'Obla

Angeblich in der Schweiz, in den Archiven des Schlosses O. gefunden; sie handelt von einem Krieg gegen die Apostaten vom Norden, die vernichtet werden. Publiziert 1792.

  • Gabriel Langlois Les prophéties relatives a la guerre de 1914–15. 1915, 28 f.

Oelser Prophet

In Oelse bei Striegau prophezeite ein Knabe April 1848 die geistige Zukunft.

  • Bote a. d. Riesengebirge 1848, 486.

Prophetie d'Orval

Prophetie d'Orval. Angeblich 1792 geschrieben, publiziert 1829. Der in diese Zeit deutende Vers „Venez, jeune prince, quittez 1'île de la captivité, joignez le lion a la fleur blanche“ wird 1914 auf Englands Beistand zugunsten Frankreichs gedeutet. Orval wird von Reimers als Goldtal bei Montmédy an der französischen Grenze angesprochen.

  • Gabriel Langlois Les prophéties relatives a la guerre de 1914–15. 1915, 18; A. Reimers Prophetische Stimmen u. Gesichte über d. Weltkrieg 1916, 111 f.

Französische Prophezeiungen von 1870/71

Le grand Pape et le grand Roi. 1870/71 erwachten in Frankreich Weissagungen, die eine nahe Revanche verkündeten; ein großer König wird aufstehen und das deutsche Volk mitsamt dem Hause Hohenzollern zerstören; ebenso wird ein großer Papst in die Welt treten.

  • (Anonym) Le grand Pape et le grand Roi, Toulouse 1872; zahlreiche Auflagen; Adrien Peladan Le nouveau Liber Mirabilis, Avignon 1871; Abbé Curicque Voix prophétiques I. II, Paris 1872; Abbé Chabauty Lettres sur les Prophéties modernes, Paris 1872; Abbé Combe Le grand coup, précédant le Grand Pape … Paris 1874; Parisot Au 17 février 1874, Le Grand Avenement précédé d'un grand prodige, prouvé par le commentaire de la célebre prophétie d'Orval, ainsi que de celles de Nostradamus et de St. Malachié; Joanny Bricaud La guerre et les prophéties célebres 1916, V seq.; Yves de la Briere Le Destin de l'Empire allemand 19162, 78. 130.

Paracelsus

Paracelsus, Theophrastus (s.o.). Verfasser mehrerer Prognostica, und angeblicher Autor der „Magischen Propheceyung … Theophrasti Paracelsi“, die den „Löwen aus Mitternacht“ und die Auffindung der von P. verborgenen Schätze weissagt.

  • Vgl. zur Mag. Proph.: Karl Sudhoffs Ausgabe d. Werke Paracelsi I 14, 545 ff. zum Löwen aus Mitternacht: Johan Nordström De yverbornes ö 1934, 1 ff.

Ein Pariser Prophet von 1840

Pariser Prophet von 1840 weissagte: Das Jahr 1840 wird ein böses Jahr. Es wird ein großer Aerolyth aus der Luft fallen und ganz Paris und alles in der Runde auf 20 Meilen weit zerstören.

  • Bunzlauer Sonntagsblatt 1840, 20.

Andreas Peltzer

Peltzer, Andreas, schlesischer Bauer vom Anfang des 17. Jahrhunderts.

  • Jacobus Fabricius Probatio Visionum 16432, 104 f.

Hinrich Peters

Peters, Hinrich, ein Bauer aus der ostfriesischen Grafschaft Dornum, hat 1713 ein Vorgesicht von der „Kerstvloed 1717“[1], das dem Jarfkes (s.d.) entspricht[2].

  1. K. ter Laan Prophecye van Jarfke 1931, 12. 78.
  2. Ebd. 25 f.

Der Potter Johannes-Alphons Deglin

Johannes-Alphons Deglin, der Potter, 1858–1929, zu Brusthem im Limburgischen, weissagte 1915, daß der Krieg dauern werde, bis eine Seuche unter die Frauen käme; sie seien schuld an allem, und als 1918 die Grippe kam, war nach dem alten Junggesellen und Wunderdoktor der Friede nahe.

  • J. Frere Limburgsche Wonderdokters: Nederl. Tijdschr. 36 (1931). 49.

Dr. Johannes: Prophezeiungen über alle Länder und Regierungen Europas

Prophezeiungen über alle Länder und Regierungen Europas. Der Titel eines Volksbuches von Dr. Johannes, das 1849 in Wien bei Carl Gerold erschien. Es spricht vom Untergang des Papsttums in Rom noch im 19. Jahrhundert, Verlegung seines Sitzes, Fall Englands, Aufsteigen Deutschlands und den Schicksalen der übrigen europäischen Staaten.

  • A. Kahle Die Prophezeiungen über den Weltkrieg (1917), 33; Zentralbl. f. Okkultismus 9 279 f.

Fräulein Przybylska

Fräulein P. sagte – in neun Sitzungen – die wichtigsten Ereignisse des russisch-polnischen Krieges „avec une exactitude parfaite“ voraus.

  • Vgl. Revue métapsychique 1921 Nr. 7; 1925, 379 f.

Bauer Rabe

Rabe, „prophetischer Bauer“ aus Loranwitz (Schles.), der um 1830 viel Aufsehen machte und sich in der Umgegend Breslaus aufhielt.

  • Wegweiser (Görlitz) 1841, 378.

Heinrich Raetel

Raetel, Heinrich, der Ältere, zu Sagan in Schlesien verfaßte 1591 einen „Warhafftigen Bericht / Oder Kurtzen Discurs / von dem jtzigen zustandt in der gantzen Welt / Vnd was endtlich darauff erfolgen werde“, eine historische Übersicht der Zeit, der er die „Prophecey Danielis / was auff diß alles endtlich ergehen vnd erfolgen werde“ Dan. 2, 34 f. 44 und einen Reimvers anhängte.

  • Gedruckt zu Erffordt / durch Martin Wittel. Inn vorlegung Paul Brachfelts. (Univ.-Bibl. Breslau Hist. rec. II. Qu. in 20). Vgl. Peuckert Rosenkreutzer 13.

George Hans Rischmann

Rischmann, George Hans, aus Stonsdorf im Riesengebirge, weissagte 1630. Sein Name und seine Worte leben heute noch. Ich werde über ihn, wie über die Schul, ausführlich handeln.

  • Vgl. vorläufig: Kühnau Sagen Nr. 1935; Peuckert Schles. Sagen 72; Peuckert R.s Prophezeiungen Wanderer im Riesengebirge 1932, 207 ff.

Camilla Rucellai

Rucellai, Camilla, eine florentinische Dame und Anhängerin Savonarolas, weissagte zu den Personen (Pico della Mirandola) und politischen Ereignissen der Zeit.

  • Joseph Schnitzer Savonarola 1 (1924), 183 f. 395.

Ruholtz

In Amsterdam bei Friedrich Klinckhammer erschien 1672 ein achtseitiges Flugblatt in 40 „Michael Ruholtzens / Eines Land-Manns in Westphalen nahe der Stadt Buchholtz / Prophetische Weissagung / Die derselbe zu Bonn dem Ertz-Bischoffe zu Cölln und dem Bischoffe von Straßburg allerdings vorgesagt“. Die Weissagung, in Form der alten Prognostica, gibt für jeden Monat des Jahres 72 die kriegerischen Ereignisse an, die zwischen Köln und Frankreich auf der einen, dem Reich und Brandenburg, Holland und England auf der andern Seite vorfallen, und rechnet besonders mit Kämpfen am Rheinstrom, nahe Köln. Doch hat weder ein Bezug auf die Köln-Weissagung Merlins (siehe Weissagungen, joachitische) noch auf die von der Schlacht am Birkenbaum (siehe Schlachtenbaum) statt. Von R. wird erklärt: Dieser Mann hat vor etlichen Jahren dem Bischoffe von Münster auch vorher gesagt den Krieg mit Holland / und was deme anhängig; Item die Differentz wegen Höchster mit Lüneburg / die Eroberung Braunschweig / und andere geschehene Dinge.

  • Der einzige mir bekannt gewordene Druck befindet sich in der Breslauer Universitäts-Bibliothek (Signatur Hist. rec. III Qu. in 291 a).

Schäfer Thomas

Dem als Wundermann bekannten „alten Schäfer Thomas“ werden im Braunschweigischen[1], Pommerschen[2], in Niederschlesien[3] und der Grafschaft Glatz[4] eine Anzahl sonst landläufiger Prophezeiungen zugeschrieben.

  1. Andree Braunschweig 374.
  2. Jahn Volkssagen 39.
  3. Grünberger Hauskalender 1931, 20 unter Hinweis auf den alten „Sorauer Hauskalender“.
  4. Kühnau Mittelschles. Sagen 483 ff.; Glatzer Heimatblätter 1, 16; 3, 27.

Magister Philipp Schmidt

Schmidt, Magister Philipp, Pfarrherr zu Monigberg, hat 1621 „Geistreiche Prophetische Weissagungen / die wir jnnerhalb Siebentzig / vnd vber Achtzig Jahren in ipso Eventu augenscheinlich in der Christenheit erfüllet gesehen / Vnd was wir vnzweiffelich in wenig Jahren noch in Deutschland zugewarten /. Aus hoher Leute denckwürdigen Schrifften“, zumeist aus Luther und dessen Kreise (Nicolai, Selnecker usw.) zusammengestellt. Es ist die Arbeit eines überzeugten Lutheraners, der in seinem Heros alle Gaben und Künste vorhanden sieht.

  • Wittenberg / Gedruckt durch Augustum Boreck / In verlegung Paul Hellwigs 1621. (Univ. Bibl. Breslau Hist. rec. II. Qu. in 20).

Schul-Hermine

Hermine Schul, die Schulhermine genannt, weissagte um 1870 in Neuhammer b. Haynau (Schlesien). Sie war eine Sektiererin, die das nahe Ende erwartete; ihr Vater scheint das ausgenützt zu haben. Zuletzt bewegte die Sch. ihre Angehörigen und Anhängerinnen zur Auswanderung nach Palästina; unterwegs kam die Katastrophe. Ihre Weissagungen wachten in den Kriegs- und Nachkriegszeiten wieder auf. Es wurden ihr die bekannten Aussprüche: Wagen ohne Pferde, eiserne Vögel usw. zugeschrieben. Ich werde ausführlicher über sie handeln.

Der blinde Simon

Der blinde Simon weissagte Anfang des 16. Jahrhunderts, daß ein Schwert über Friesland hänge, und sagte die Verstörung des Landes, besonders der Geistlichkeit, die Zerstörung des Klosters Ludingakerk voraus. Von Oldekloster sagte er, daß, wenn es zerstört werde, der Krieg sein Ende haben werde. Gott hatte ihm das äußere Gesicht genommen und ihn mit innerer Erleuchtung begabt.

  • Lübbing Friesen 108 = Dykstra 1, 51; K. ter Laan Prophecye van Jarfke 1931, 66.

Sophie

1912 bis 1914 weissagte ein griechisches Mädchen aus guter Familie in Athen, Sophie X., die bevorstehenden politischen Begebenheiten, so 1912 den Balkankrieg, 1914 den Weltkrieg und seine lange Dauer wie seinen Ausgang, Fall und Wiederanstieg Deutschlands, seine Umgestaltung zu einer Republik, die Zerstörung Österreichs usw. Soweit sich aus den Mitteilungen erkennen läßt, erfolgten die Weissagungen im hypnotischen Schlaf, vor den in Frage stehenden Ereignissen.

  • Vgl. E. Osty in: Revue métapsychique 1925, 380 ff.

Spielbähn

Johann Bernard Rembold, war im 18. Jahrhundert ein Fiedelmann der rheinischen Grafschaft Mark, ein Schichter, der sah, was er einmal von andern gehört, oder was heimlich in den Mündern der Leute spielte. Er hat verschiedene Male und in verschiedenen Fassungen die Endschlacht im Radertal bei Köln gegen die Türken vorausgesagt, der Menschenleere des Landes und darnach eine gute Zeit nachfolge.
Die Überlieferung seiner Weissagungen liegt im Argen. Wir besitzen die Ausgaben von Joseph Burg „Höchst merkwürdige Prophezeiungen des alten Bernard, genannt Spielbähn“ und die von Wilhelm Schrattenholz „Spielbähn, der Prophet“ und „Neues Prophetenbüchlein“. Ich habe in meiner „Sibylle Weiß“ gezeigt, daß Schrattenholz aufs Höchste verderbt, die Burgsche Ausgabe ihr vorzuziehen sei, obgleich auch sie nur aus dem Munde Dritter mitteilt.
Sp. lebt heute noch im Munde des rheinischen Volkes, wie die verschiedenen lokalen Sagensammlungen zeigen, nicht anders wie Rischmann in Schlesien, Yntje Jans im Friesischen. S. auch Jannes Pitter Körper.

  • Peuckert Sibylle Weiß; weiter: Les Grands Evénements de demain par Un patriote sincere, Paris 1888, 103; Lucien Bardes Le Christ vainqueur de Guillaume II. 1917, 92 ff.

Straßburger Propheten

In den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts haben sich in Straßburg zwei Männer in kostbarer Kleidung für Propheten ausgegeben und das Ende der Welt auf 1739 verkündet.

  • Heinrich Fitzner Die Händel der letzten Zeit (in: 4. Teil „Deß flüchtigen Pater aus Rom“) 1744, 72.

Professor Tchinsky

Der russische Okkultist Professor T. soll 1913 geweissagt haben, daß Preußen den Krieg anfange, aber besiegt würde.

  • Gabriel Langlois Les prophéties relatives a la guerre de 1914–15. 1915, 38.

Thalia Helladus

Thalia Helladus, eine um 1920/30 in Leipzig weissagende Hellseherin. Sie verhieß einen neuen Krieg, das Aufsteigen von Atlantis, den Untergang Englands, neue Erfindungen usw. Der schlesische Hexenmeister Trauschke (s.o.) berief sich auf sie als Glied einer weiße Magie betreibenden Loge.

  • Martin Karpinski Unsere Zukunft im Lichte d. Weissagungen 1921, 8 ff.; Prophezeiungen über Deutschlands Zukunft (1920), 16 ff.; J. St. G., Kritische Studien über d. Prophezeiungen d. Thalia Helladus, S.A. aus „Magische Blätter“ Februar 1920.

De Thebes

De Thebes, Pseudonym einer Hellseherin, die in ihrem Almanach 1913 den Weltkrieg voraussagte und für 1914 angab: „Was das Drama im Kaiserhause betrifft, das ich voraus gesagt habe, so wird es sich sehr bald erfüllen“. Ihre Weissagungen für 1914/15 auch bei Langlois.

  • A. Frh. v. Schrenck-Notzing Ges. Aufsätze z. Parapsychologie 1929, 47 ff.; A. Reimers Prophetische Stimmen u. Gesichte über d. Weltkrieg 1916, 43. 95 ff.; Neue metaphys. Rundschau 21 (1915), 246 f. 255; Gabriel Langlois Les prophéties relatives a la guerre de 1914–15. 1915, 33 ff.; A. Kahle Die Prophezeiungen über d. Weltkrieg Arnsberg (1917?), 8 f.; Illig 28 ff.

Stephanus Wechsler

Wechsler, Stephanus, Pfarrer in Lauingen und Prüchsenstatt in Franken, schrieb 1620 „Evangelii cursus, sive Prodromus corporis mystici Christi“, in dem er das Leben Christi gleich dem der Kirche setzt, und zwar entspricht ein Jahr seines Lebens einem Halljahr = 49 bürgerl. Jahre. Da er mit Christi Tod beginnt, endet das 33. und damit die Welt um 1675. Die einzelnen Begebnisse werden mystice den Ereignissen im Leben Christi entsprechen.

  • Gedruckt zu Nürnberg bey Balthasar Scherffen. In verlegung Johann Philip Dorin. Breslau Univ.-Bibl. (Hist. rec. II Qu. in 20.)

Weise Frau in Enge

Weise Frau in Enge In Enge b. Tondern, in dem Hause, Made genannt, wohnte eine Weissagerin, die auf einer Hochzeit verhieß, daß ein König mit weissem Haar entthront und mit dem weißen Stabe das Land verlassen werde; zur gleichen Zeit steigen blaue Truppen bei Wiedingharde ans Land, werden aber von den Unsern vertrieben, die ihre Herrschaft ausbreiten. Dann wird die chiliastische Zeit anbrechen. Beim König im weißen Haar liegt ein Nachklang der „weißen-Fürst“-Sage vor (s.d.). Daß die auf Wiedingharde bezügliche Weissagung der der Frau Hertje folgt, sowie daß die Sage über die Enger Frau der H.-Sage nachgebildet worden ist (Eiersitzen), sah schon Müllenhoff. Ebenso merkt er zu den „blauen Männern“ an: Über die blauen Männer, die der See um 1674 entstiegen und bei Husum und Ockholm gesehen wurden, vgl. Happel, Relat. curios. 3, 571; Peter Goldschmidt, Höll. Morpheus 318; was unter den gefürchteten blauen Männern zu verstehen, lehrt eine dänische Sage bei Thiele, Danmarks Folkesagn 1 (1843), 281 f. Die Enger Frau scheint demnach eine verhältnismäßig junge Nachbildung der H.-Sage zu sein.

  • Müllenhoff-Mensing Nr. 587 = Meyer Schleswig-Holstein 222 f.

Hermannus de Werve

Hermannus de Werve, ostfries. Astronom und Medicus zu Naerden, schrieb „Propheceyung Herren Hermanni de Werve. P. … Wieder die falsche vnd vnwahrhafftige Propheceyungen / so hin vnd wieder vnter meinem Nahmen außgesprenget … s. 1. anno 1637“, aus der hervorgeht, daß er seit Jahren astrologische Prognostica, also keine Prophetien verfaßte.

Wickenthies

Ein Schuster namens Thies, der ca. 1618 in Burgdorf zwischen Lehrte und Celle lebte, und viel zukünftige Dinge, z.T. in der Art eines Schichters, voraussagte. Seine lokalen Weissagungen erinnern stark an die des gleichzeitigen Rischmann in Stonsdorf (siehe [[Weissager (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens)#George Hans Rischmann|Rischmann). Darüber hinaus sagte er die große Endschlacht voraus; die näheren Bestimmungen zu der Weissagung von ihr ähneln den Einzelangaben zur Kölnschlacht, etwa denen Spielbähns oder des alten Jasper. Von solchen Feststellungen her wird sich gewiß einmal weiteres zum prophetischen Stil und zum Weissagungsgehalt der deutschen Weissager ergeben.
Daß die ihm zugeschriebenen Weissagungen im Lauf der Zeit sich wandelten und verändert zugepaßt wurden, bemerkte bereits Andree.

  • Andree Braunschweig 373 ff. Eine neuere Untersuchung wäre erwünscht.

Yntje Jans

Yntje Jans, Ältester der reformierten Gemeinde von Oosterzee in Echten (Lemsterland) hat nach einer langen religiösen Unterhaltung mit seinem Freunde auf dem Heimwege am Spätabend des 8. Dezembers 1722 ein Gesicht. Ihm begegnen drei Männer, die O weh! rufen und ihn abwechselnd unter ihrem rechten und linken Arm durchsehen lassen; da wird ihm sichtbar, was bevorsteht. Eine zweite Vision treibt ihn zur Mitteilung des Gesichtes, das er anfänglich geheim halten wollte. Es ist in unzählbaren Volksbüchern bis auf unsere Tage verbreitet worden, weil man noch immer dies oder jenes der Weissagung in Erfüllung gehen sieht oder noch ausstehend glaubt. So zog man sie auf die Unruhen von 1830/1, die Kartoffelkrankheit, den 70er Krieg usw. an. Y.J. wird als der bekannteste friesische Volksprophet bezeichnet.

  • Dijkstra 1, 83 ff.; K. ter Laan Prophecye van Jaarfke 1931, 68 ff.

Superintendent Ziehen

Superintendent Z. hatte 1783 eine 3 Bogen starke Schrift „Nachricht von einer bevorstehenden Revolution der Erde, die insonderheit das südliche Europa und einen Teil Deutschlands treffen“, herausgegeben und weissagte für den 27. 2. 1786 den Weltuntergang.

  • Journal v. u. f. Deutschland III, 2, 240 = ZfrwVk. 8, 87 f.