Jüngster Tag (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens)

Von Will-Erich Peuckert.

Begriffsbestimmung

Der jüngste Tag ist der letzte Tag[1] dieser Welt, ein synonymer Ausdruck für „Weltende“ (s. Eschatologie), an dem das Weltgericht (s. Jüngstes Gericht) stattfindet.
Wo ein Weltende erwartet wird, konzentriert sich das Denken darauf, sein Kommen zeitig genug zu erkennen. Die Vorzeichen des jüngsten Tages, die „messianischen Wehen“, geben dem Wissenden Aufschluß über den Termin. Bei fast allen eschatologisch denkenden Völkern werden dieselben Zeichen angegeben; die Frage, wo dies oder jenes bestimmte Vorzeichen herkommt, ist deshalb sehr schwer zu beantworten, und unser Wissen um ihre Geschichte steckt noch in den Anfängen. Es sei z.B. nur erwähnt, daß Gunkel, Jeremias u.a. sie von Babylon, Gardiner von Ägypten, v. Gall aus dem Parsischen herkommen lassen; sicher sind alle Völker an ihrer Gestaltung beteiligt, und auch aus „primitiven Kreisen“ lassen sich Einflüsse konstatieren. Das Einzelne ist nach Olriks Vorgang[2] noch zu klären.
Eine besondere Bemerkung erfordert die jüngster-Tag-Erwartung des deutschen Mittelalters. Entsprechend augustinischer Lehre (de civ. dei XX) ist der König, der die vera pax befördert, rex justus; sein Gegenteil rex iniquus, tyrannus, wird von der superbia geleitet. Die Zeit des rex iniquus ist eine unheilvolle; sie ähnelt der vorm jüngsten Tag Hieraus ergibt sich, daß die Zeit des rex iniquus und die des Antichrist zusammenfallen kann (s. Antichrist IV 2), und daß man immer wieder das Weltende nahe glaubt, denn unter jedem tyrannus erfüllten sich die Vorzeichen. Bernheim, dem wir diese Erkenntnis verdanken[3], hat sie in einer Reihe Arbeiten von seinen Schülern darstellen und weiterführen lassen[4]:

  • Ich nenne: Gerhard Bagemihl Otto II. und seine Zeit im Lichte ma.licher Geschichtsauffassung 1913 (64 ff. 87 ff.); Karl Grund Die Anschauung des Rudolfus Glaber in seinen Historien 1910; Franz J. Feind Die Persönlichkeit Kaiser Heinrichs II. nach der augustinisch-eschatologischen Geschichtsauffassung 1914; Gust. Boelkow Die Anschauungen zeitgenössischer Autoren über Heinrich III. im Zusammenhang mit den Theorien Augustins, der Sibyllinischen Prophetien und der Apokalypsekommentare 1913; Gottfried Werdermann Heinrich IV., seine Anhänger und seine Gegner 1913 (18 ff. 42 ff.); Karl Gold Einheitliche Anschauung u. Auffassung d. Chronik Ekkehards von Aura 1916 (14. 15 f. 18. 20. 26 f. 97); Karl Leßmann Die Persönlichkeit Kaiser Lothars III. 1912 (37 ff. 45 ff. 50 ff.); Fritz Radcke Die eschatologischen Anschauungen Bernhards v. Clairvaux 1915; H. Karge Die Gesinnung u. die Maßnahmen Alexander III. gegen Friedrich I. Barbarossa auf Grund der august.eschatolog. Anschauungen 1914; Wilh. Puhlmann Der Staufer König Conrad IV. 1914 (6 f. 11 ff. 25 f. 28 f. 31 ff.); C. Brückner Die Auffassung d. Staufers Manfred u. seiner Gegner 1914; Helmuth Hintz Ma.liche Geschichtsanschauung u. Eschatologie in einem Apocalypsekommentar aus dem 13. Jh. 1915.

Man wird das Material, das diese Arbeiten zusammentragen, kritisch sondern müssen[5], denn sicher ist nicht die Aufzeichnung jedes Unglücks aus eschatologischen Ideen heraus geschehen[6], hat oft keine Hintergründe gehabt als eben den, Kuriosa zu notieren.

  1. DWb. IV, 2, 2374 f.
  2. Ragnarök 1922; vgl. dazu R. Reitzenstein Die nordischen, persischen u. christl. Vorstellungen v. Weltuntergang, Vorträge d. Bibl. Warburg 1923/24, 149 ff.; ders. Altgriech. Theologie u. ihre Quellen: ebd. 1924/25, 1 f.
  3. Bernheim in Deutsche Ztschr. f. Geschichtswissensch. 1896/97 N.F.; Z. f. Rechtsgesch. 33 Kan. Abtlg. 2 (1912).
  4. Sämtliche Arbeiten als Greifswalder Dissertationen erschienen. Erwähnt mag werden, daß die Hintz'sche von den joachit. Einflüssen Zeugnis gibt. Vgl. auch Konr. Sturmhoefel Gerhoh von Reichensberg Abhdlg. z. Jb. d. Thomasschule Leipzig 1888. 1889.
  5. Hampe in DLitZtg. 1914, 2537 f.
  6. Das geht deutlich hervor aus dem, was Gold 26 schreibt, aber nicht beachtet.

Wann kommt der jüngste Tag?

Berechnungen

Eine der geläufigsten Berechnungen des Datums gründet sich auf die Lehre von den 6000 Jahren der Welt; vgl. darüber Weltzeitalter. Auf ihr beruht die Annahme, daß im Jahre 1000 das Ende komme[1], was damals manches Erschrecken auslöste[2]. Als 1000 vorüberging, ohne daß etwas geschah, rechnete Rodulfus Glaber 1000 Jahre von Christi Tod ab, so daß er 1033 als kritischen Termin erhielt[3]. Im 16./17. Jh. war diese Berechnungsart sehr im Schwange[4]. Auf einem falschen Verstehen mag beruhen, wenn man um Liegnitz das Ende im Jahr 6000 erwartet[5]; andernorts nennt man 2000[6], das 4. Jahrtausend[7]. Astronomische Berechnungen[8] spielten im späten Mittelalter. und in der Neuzeit eine Rolle. Der Toledobrief (s.d.) nannte 1186[9], 1400 Joan. de Brugis[10], 1492 Felix Hemmerlin[11], nach 1500 das joachit. Buch libellus de semine scripturarum[10], 1524 ängstete die astronom. Konstellation auch Luther[12], 1530/40 nahm Franciscus Meletus im Quadrivium temporum als Datum an[10], 1569 Joan. Parisiensis, de Antichristo[10], 1588 oder 1589 bestürzte viele Astronomen[12], an 1651[10] oder 1657[13] dachte Joh. Hüten; 1647 erwartete Columbus das Ende[10], 1719 zwei schwärmerische Betrüger in Frankreich[14], zwischen 1700 und 1734 Nicolaus von Kues wie Leonhart Krentzheim in Liegnitz[15], 1791 Gamaleon, Prophetia de ultimis temporibus[10], 2002 Pico della Mirandola[10], um 2000 auch Gottfried Kohlreif[16] und um 3200 Brandler-Prachts Sintflutberechnungen[17]. Im Vogtlande erwartete man den jüngsten Tag am 12. 6. 1740, weil Mars und Jupiter in Konjunktion standen[18], in Schlesien 1572 nach einem neuen Wunderstern[19]. Oft läuft Astronomie[20] und religiöse Schwärmerei (s.u.) zusammen. Auch die Daten, welche das Kommen des Antichrists angeben, wird man heranziehen dürfen (s. Antichrist VI). Bestimmte Tage werden zuweilen angegeben, so Ostern (Auferstehungsstunde = Stunde der Wiederkehr)[21], ferner wenn Annunciatio Dominica mit dem Rüsttag[22] oder Johannis und Fronleichnam[23] zusammenfallen.
Schwarmgeister und religiös erregte Gemüter haben immer wieder feste Daten genannt[24]. Ich verzeichne eine Auswahl, die reichlich zu ergänzen ist. Gregor d. Große wähnte den jüngsten Tag nahe[24]; 848 prophezeite ihn in Mainz Thiota aus Alemannien[25], 960 ein Eremit Bernhard nach Trithemius[26], 1012 wurde er durch einen Engel verheißen[27]; 1100 nannte Benzo von Alba[28], 1148 hielt sich in Reims ein Ketzer für den, der das j. G. bringe[29], und wenig später rechnete Otto von Bamberg (Herbord 1 18) und Otto von Freising, wie der französische Chronist Rigord. 1260 nannte Joachim von Fiore, 1320 errechnete der Schreiber des Prager Apokalypsenkommentars[30], für 1369 am Tage Viti oder Bartholomaei oder St. Lucia oder Matthaei verheißt ihn Conrad Schmid aus Thüringen[31]; für das 15. Jh. liegen eine Reihe von Angaben vor[32]; 1522 errechnete ein Prediger aus ViDebVnt In qVem pVpVgerVnt = Apoc. Joh. 1. 7; 1613 aus IVDICIVM; 1666 aus dem Umstand, daß alle römischen Zahlziffern zusammentrafen CDILMVX[33]. 1527 soll es vor Pfingsten oder in der Holderblüte sein[34]. Luther erwartete nach der 6000 Jahr-Rechnung 1540 das Ende[35], ebenso wußte Sebastian Franck[36] und wohl auch Paracelsus[37] den Tag nahe; 1533 oder 1588 oder 1692 ist davon die Rede[38]; die Schwenckfelder von Harpersdorf sprachen 1589 vom Ende und Paracelsi religiöse Schriften hatten sie infiziert[39]; ein Kind weissagt ihn 1557[40], in welcher Zeit ihn auch die Schlesier erwarteten[41], für 1606 verhieß ihn Noah Kalb aus Ulm[42], und Paul Nagel für 1619 die neue Sintflut[43]; Andreas Argolus war für 1656[44], Martin Richter zu Bicheln in Thüringen für 1688, nachdem er Ludwig v. Frankreich als das apokalyptische Tier mit der Zahl 666 errechnet hatte[45], wie andere für 1666, weil damals die Zahlzeichen MDCLXVI zusammentrafen[46]. Auch die Zeit von 1714 wurde genannt[47], und zwei Schwärmer verhießen den jüngsten Tag 1719, zwei andre in Köln 1773[48]. Daniel Müller nannte das Jahr 1777[49], ein bayrischer Schwärmer Kloß in Sachsen 1817/18[50]; evangelische Schwärmer um Liegnitz 1835[51]. In Frankreich wurde dem Dreikönigstag 1840[52] mit bangen Gefühlen entgegengesehen, im Eulengebirge dem Jahr 1848[53], in England dem Jahre 1867[54] wie 1843 dem Ende des März (oder dem 27. April) nach des amerikanischen Propheten Miller Berechnungen anläßlich eines Kometen[52], und 1911 noch hat bei uns in Schlesien der Komet Halley das j. Gericht heraufbringen sollen; die alte Siebelten in Kaiserswaldau hatte bestimmt damit gerechnet, so wie bei einem Meteor im Isergebirge 1917 Messersdorfer vom Weltende sprachen. Ebenso sollte in Westfalen ein Komet am 17./18. Dez. 1919 das Ende bringen[55]. Auf Angaben sektiererischer Schwärmer wie etwa der ernsten Bibelforscher, soll dabei gar nicht eingegangen sein[56].
Die Ansprüche der Schwärmer gingen noch weiter. Der von 1148 wollte die Lebendigen und Toten richten[29]; 1414 wollte auch Conrad Schmid das Gericht halten[57], wie der Begharde Kannler 1381[58]; ja Conrad Schmid sprach gar von sieben bis acht Richtern[59].
Unter den Propheten des jüngsten Tages werden große Namen, wie Enoch[60] oder Sibilla Weiß[61] genannt. Aber man kannte auch falsche Propheten[62], zu denen die Mandäer s. Z. Christus rechneten[63]. In den Alpen weissagen Stromer ihn nahe[64], und die Kalendermacher wissen ihn[65].

  • Die zitierten Greifswalder Dissertationen vgl. I.
  1. Hans v. Schubert Gesch. d. christl. Kirche im Frühmittelalter 1921, 282; ZfdA. 22, 425 f.; Grund 10 f.; Radcke 6 N. 4; Raumer Gesch. d. Hohenstaufen 6, 582. Über Otfrieds Eschatologie: C. Burdach Vorspiel I 1 (1925), 124 f.; die altenglische: ebd. I 1, 110 ff.
  2. Wadstein in Z. f. wiss. Theologie 38 (1895), 558; Bouquet Recueil des hist. des Gaules et de la France 10, 332 = Fleury Histoire ecclésiastique 12 (1722), 304; Othlo v. St. Emmeran bei Migne PL. 122, Prooemium XV; Grund 10 ff. 14 ff.
  3. Grund 11 f. 15; Wadstein 558 f. Vgl. Bouquet Recueil 10, CXIV zu 10.
  4. Köstlin in Theolog. Stud. u. Krit. 1 (1878), 134 f; Joseph Bautz Weltgericht u. Weltende 1886, 21 f.
  5. Peuckert Schlesien 70. Vgl. auch Wadstein 556; Balthasar Reber Felix Hemmerlin 1846, 456.
  6. ZfVk. 22, 156.
  7. Schönwerth Oberpfalz 3, 332.
  8. Einige nennt Henricus Winandus Prognosticon auff das Jar ... 1588. Magdeburgk 1588.
  9. Annales Marbacenses (rec. Reincke-Bloch) MG. SS. in usum scholarum 1908, 56.
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 10,5 10,6 10,7 Wadstein 570 f.
  11. Balth. Reber Felix Hemmerlin 1846, 456 f.
  12. 12,0 12,1 Peuckert Rosenkreutzer 1928, 8 ff.; Warburg in Sitzb. Heidelb. 10. H. 26, 35.
  13. Bräuner Curiositaeten 425.
  14. Ebd. 428 f.
  15. Leonhart Krentzheim Conjecturae oder Christliche Vermutungen deß Herrn Nicolai Cusani 1629 s. l.
  16. Kohlreifii Chronologia sacra 1724 = Fortgesetzte Sammlung v. alt. u. neuen theol. Sachen 1725, 976.
  17. Martin Karpinski Unsere Zukunft im Lichte der Weissagungen 1921, 36 f.
  18. Bauern Philosophie. Vom Verfasser des Buchs v. Aberglauben. Passau 1 (1802), 200 f.
  19. Schickfus Schles. Chronica 225 = Breslauer Erzähler 1808, 282 f.
  20. Vgl. auch die Prognostica: Janssen Gesch. d. deutschen Volkes 6 (1888), 426 ff; Peuckert Rosenkreutzer 8 ff.
  21. Männling Curiositaeten 375.
  22. Wadstein 552 f.
  23. Schönwerth Oberpfalz 3, 332.
  24. 24,0 24,1 Wadstein 551 ff. 561 ff. Vgl. auch die Angaben der Greifswalder Dissertationen und unten 2. II.
  25. Sigbert v. Gembloux MG. SS. 6, 339 nach Annales Mettenses u. Annales Fuldenses.
  26. Chron. Hirsaug. ed. S. Galli 1690. 1, 103 = Wadstein 551 f.
  27. Chronicon des Hugo von Flavigny G. SS. 8, 390.
  28. Boelkow 86.
  29. 29,0 29,1 Raumer Gesch. d. Hohenstaufen 6, 290 f.
  30. Hintz 80. 86 f.
  31. K. Ed. Förstemann Neue Mitteilungen aus d. Gebiet histor. antiquarischer Forschungen 2 (1836), 16. 21 f.
  32. Wadstein 568; Henricus de Hassia bei Pez Thesaurus anecdotorum novissimum 1721 I. 2, 541; Bezold in Sitzb. München 1884, 567. 573.
  33. Männling Curiositäten 374. 375 nach Camerarius und Praetorius.
  34. ARw. 10, 124.
  35. Köstlin in Theol. Stud. Kritiken 1 (1878), 134 f. Vgl. Grisar Luthers Kampfbilder 4 (1923), 118 f. 121. 125.
  36. Chronica, Zeytbuch vnd Geschychtbibel 1531. DXXiiij A.
  37. Deutsche Rundschau 1929 (Nov.), 123 ff.
  38. Schudt Jüd. Merkwürdigkeiten 3 (1714), 57; Tentzel Monatl. Unterredungen 1693, 108. 109.
  39. Peuckert Rosenkreutzer 1928, 243 ff.; Nikolaus Pol Jahrbücher d. Stadt Breslau 4 (1813), 93.
  40. Hans Fehr Massenkunst im 16. Jahrhundert 1924, 13. 88; Janssen Gesch. d. deutschen Volkes 6 (1868), 430 f.
  41. Gust. Bauch Gesch. d. Breslauer Schulwesens Codex Dipl. Sil. 26, 293.
  42. Janssen 431 f.
  43. Gottfr. Arnold Unparteyische Kirchen- und Ketzerhistorie 3 (1700), 54 § 9.
  44. Abdiae Trewen Professoris publici Auffrichtiges Bedencken Altorff 1653, A2A.
  45. Arnold 3, 148 § 24. Zur Berechnung vgl. Puhlmann 26.
  46. Meyer Aberglaube 141.
  47. Unschuldige Nachrichten 1714, 876.
  48. Bräuner Curiositäten 427 ff.; P. Bahlmann Rhein. Seher u. Propheten 1901, 33.
  49. Z. f. histor. Theologie 4, 242 ff.
  50. Ebd. 10 H. 4, 73. 104.
  51. Kühnau Sagen 3, 483.
  52. 52,0 52,1 Bunzlauer Sonntagsblatt 1840, 32; 1843, 56. 480.
  53. Wilh. Schremmer Schlesische Vk. 1928, 130.
  54. Carintia 55 (1865), 202.
  55. ZfrwVk. 17, 52.
  56. Vgl. Joseph Bautz Weltgericht u. Weltende 1886, 15 ff. 22 f.
  57. K. Ed. Förstemann Neue Mitteilungen 2, 21; Die christlichen Geißlergesellschaften 1828, 168 ff.
  58. Z. f. Kirchengesch. 5, 491 f. 497.
  59. Förstemann Neue Mitteilungen 2, 31.
  60. Francisci Höllischer Proteus 973.
  61. Panzer Beitrag 2, 309.
  62. Matth. 24, 24; Sib. 2, 165 f.; II. Baruch 48, 34; Josephus B.J. 6, 285; 20, 167 ff. 188; W. Brandt Mandäische Schriften 1893, 85 = Reitzenstein Sitzb. Heidelb. 10. H. 12, 19. Auch Traumgesichte verwirren: Henoch 99, 8; Philo de execrationibus 2 ff.
  63. Brandt Mandäische Schriften 45; Reitzenstein in Sitzb. Heidelb. 10. H. 12, 19.
  64. Rosegger Älpler 326.
  65. Ebd. 141.

Pandemien

Mit Verkündigungen der eben geschilderten Art hängen eine Reihe religiöser Pandemien zusammen. Ich nenne die Wallfahrten[1] und Pilgerzüge[2] um 1033 nach Jerusalem, – Züge von Menschen, die in der Nähe des Weltgerichtsortes sterben wollten; ich erinnere an die Kreuzzüge, vor allem die gegen die injusti[3], an die Geißler, die 1260, nach Joachim von Fiores Weissagung, und im 14. Jh. erscheinen[4], sowie an die Tanzwut, die der Limburger Chronist für eine Vorbotschaft Endechristes hielt[5]. Um 1840 traten in Schweden 8 –12jährige Mädchen als Propheten des Weltendes auf[6].

  1. Ekkehard von Aura Hierosolymita ed. Hagenmeyer 1877, 45 f.; Wadstein 559 f.; Grund 64. Vgl. auch II. Baruch 70, 10–71, 1.
  2. Wadstein 558. 559 f.
  3. Gold 20 f. (Radcke 109 ff.); Puhlmann 19 f.
  4. Wadstein 566; Förstemann Christl. Geißlergesellschaften 1828, 168 ff.; Limburger Chronik (ed. Otto H. Brandt 1922) 106 nach Magdeburger Schöppenchronik.
  5. Brandts Limburger Chronik 47 f.
  6. Bunzlauer Sonntagsblatt 1842, 163.

Vorzeichen

Es darf für die Mehrzahl der im folgenden behandelten Motive ein für allemal auf die Sibyllen-Volksbücher und meine Untersuchung derselben („Sibylle Weiß“) verwiesen werden.
Elementarkatastrophen als Vorzeichen. Elementarkatastrophen, früher selbst eschatologische Vorgänge, werden zu Vorzeichen des Endes. Das gilt besonders von Erdbeben[1], die nach heutigem Volksglauben sechs Wochen vorm jüngsten Tag auftreten[2]. Die Erde steht auf drei Walfischen, regt sich einer, dann gibt's ein Erdbeben; regen sich alle drei, geht die Welt unter (Steiermark)[3]. Sonnen- und Mondfinsternisse (s.d. und Eschatologie) haben gleiche Bedeutung[4]; oft ist es ein Tier, das das Gestirn angreift; gelingt ihm die Tat, bricht das Ende an[5]. Sonne und Mond kämpfen miteinander, und wenn eins das andere besiegt, ist der Zeitpunkt des jüngsten Tages da[6]. Dann scheint die Sonne bei Nacht, der Mond am Tage[7]. Andere Vorzeichen besagen, daß die Sonne fleckig wird[8], daß sie im Westen aufgehe[9], daß Sonne und Mond an ihren Ort zurückgehen = verschwinden[10]. Der Himmel zerreißt[11] durch einen Blitz = ein Feuerstrom erscheint am Himmel[12], die Sternekämpfen, geraten in Verwirrung[13], verdunkeln[14], gehen an ihren Ort, so daß der Himmel ohne Sterne sein wird[15]; neue Sterne erscheinen[16], Kometen[17], Sternschnuppen und Meteore[18], die Sterne fallen vom Himmel[19]; es zeigen sich Wunderzeichen am Himmel, z.B. kämpfende Menschen[20]. Blutregen fällt[21], es regnet Steine[22], Pfeile und Schwerter[23], Kreaturen[24], Feuer[25], brennendes Pech[26]. Stürme und Unwetter[27], Gewitter[28], Staubwirbel vom Himmel[29] erscheinen; die sieben Pierony erzeugen ein Unwetter[30]; die vier Winde gehen an ihren Ort zurück[31]. Die Erde birst, und es bricht Feuer aus ihr hervor[32]; es gibt lange Winter und kurze Sommer[33] oder lauter Winter[34], fimbulvetr[35]. Feuersbrünste verzehren die Städte[36], die Vegetation verbrennt[37], das unterirdische Feuer steigt auf[38], unfruchtbare Zeiten und Dürre[39] mit Hungersnot[40] brechen herein. Die Berge stürzen ein[41], das Land versinkt ins Meer[42], Afrika oder England geht unter[43], die unterirdischen Wasser brechen aus[44], Seuchen und Pest kommen über Mensch und Vieh[45], so daß weite Länder entvölkert sind (s. Endschlacht)[46].

  1. Grimm Myth. 3, 242. Tartarisch: Olrik Ragnarök 364; lappisch: Olrik 401; parsisch: Bahman Yast 3, 4 = v. Gall Basileia toy teoy 130; jüdisch-christlich: Joel 2, 10; Jes. 24, 19 f.; Ezechiel 38, 20; II. Baruch 32, 1; 70, 8 (IV. Esra 6, 16); Ascensio Mos. 10, 4; Matth. 24, 7; Apoc. Joh. 6, 12. 13. Anno 557: Wadstein 545; ma.lich: Pseudo-Ephraem bei C.E. Caspari Briefe, Abhandlungen u. Predigten 1890, 211 f.; Tiburtin. Sibylle: Ernst Sackur Sibyllin. Texte u. Forschungen 1898, 184; Gold 15 f.; MG. SS. 6, 353. Germanisch-christlich: Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 1925, 110 (vgl. E.H. Meyer Völuspa 1889, 185); P. Bahlmann Rheinische Seher u. Propheten 1901, 33; Freisauff Sagen 327.
  2. Kühnau Sagen 3, 483.
  3. Germania 36, 389. Vgl. die Untersuchung über das Erdbeben-Ungeheuer bei A. Olrik Ragnarök. Zum Erdbeben als Vorzeichen ferner Bräuner Curiositäten 429 u. unten „15 Vorzeichen“.
  4. Lappisch: Olrik 401; Tartarisch: Olrik 364; altperuanisch: Soederblom La vie future 202; amerikanisch: W. Krickeberg Märchen d. Azteken u. Inkaperuaner 1928, 210; babylon.: Alfred Jeremias Handbuch d. altorientalischen Geisteskultur 1913, 216; ägyptisch: G. Roeder Altägyptische Erzählungen u. Märchen 1927, 114. 116 (vgl. jedoch v. Gall 43 ff. 49 ff.). Indisch: Olrik 388; parsisch: Bahman Yast 3, 4 = v. Gall 130; BY. 2, 42 = v. Gall 131; jüdisch-christlich: Joel 2, 10; 3, 4; Matth. 24, 29; Apoc. Joh. 6, 12; Test. Levi 4, 1. Und Ap. Joh. folgend Legenda aurea (übers. R. Benz) 1, 7 f. Germanisch-christlich: Vafþrudnismál 46 = Genzmer Edda 2, 92; Voluspá: ebd. 57; Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 110; Olrik 36 ff. Ma.lich: Gesta episcoporum Leodicensium zum 22. 12. 968 (Otto I. in Calabrien) = Wadstein 546; 1033: Grund 10 ff. 68 ff.; Feind 32; 13. Jh.: Puhlmann 25; 1414: Förstemann Neue Mitteilungen 2, 22; Paris 1406: Sébillot Folk-Lore 1, 52; Posen 12. 8. 1654: Knoop Posen 336. Sonne gibt keinen Schatten mehr: Schönwerth 3, 336.
  5. Schönwerth Oberpfalz 2, 69 = Quitzmann 199 f. Vgl. Olrik 36 ff. u. Register.
  6. Jahn Pommern 46; Panzer Beitrag 2, 297.
  7. IV. Esra 5, 4; Henoch 80, 4 f.; Sib. 3, 801 f.
  8. Bahman Yast 2, 31 = v. Gall 131.
  9. Schönwerth Oberpfalz 3, 330.
  10. mandäisch, linke Genza: Reitzenstein in Sitzb. Heidelb. 10. H. 12, 29 N. 2; altperuanisch: Soederblom 202; Schönwerth Oberpfalz 3, 330.
  11. Zittert: tartarisch: Olrik 364; Jes. 63, 19.
  12. Sib. 8, 243; Matth. 24, 27; Luc.; 17, 24. Vgl. v. Gall 423.
  13. Sib. 5, 512 ff.; Babylonisch: Jeremias Altoriental. Geisteskultur 216; Henoch 80, 6 f.; Sib. 3, 801 f.; 2, 184 f.; IV. Esra 5, 5
  14. Joel 2, 10; Puhlmann 25.
  15. Mandäisch, linke Genza: Reitzenstein in Sitzb. Heidelb. 10. H. 12, 29 N. 2.
  16. Feind 15 f.
  17. Sib. 3, 334; Gold 23 f.; Fehr Massenkunst im 16. Jh. 1924, 88; Peuckert Schlesien 70; Bunzlauer Sonntagsblatt 1843, 480. Vgl. auch oben 2. I. Mit dem Kometen 1400 fängt die Endzeit an: Zwölff Sybillen Weissagungen 1516; 13. Sybille nach der Salomonischen Sybille; s. Peuckert Sibylle Weiß.
  18. Math. 24, 30; Apoc. Joh. 6, 13; Sigbert von Gembloux Chronographia MG. SS. 6, 333; Wadstein 551; Legenda aurea (übers. Benz) 1, 8; Sébillot Folk-Lore 1, 51; Bautz Weltgericht u. Weltende 145; Grünberger Meteorfall: Bunzlauer Sonntagsblatt 1841, 177. Dagegen Beda: Fischer Angelsachsen 22.
  19. Bahman Yast 2, 31. 42 f.; Matth. 24, 30; Apok. Joh. 6, 13; IV. Esra 5, 4; Henoch 80, 4 ff. Allgemein verbreitet: Olrik 339 ff.; lappisch: Olrik 401; indisch Olrik 388; Voluspá = Genzmer Edda 2, 57; Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 110; Böckel Volkslieder 99 Nr. 115; Mittler Deutsche Volkslieder 1865, 371; W. Boette Religiöse Volkskd. 1925, 162; Erk-Böhme 3, 165; Hruschka-Toischer 58 Nr. 84 b; Sonne, Mond, Sterne fallen: P. Bahlmann Rhein. Seher u. Propheten 1901, 33. Vgl. Nachweise zu 14. 15.
  20. Matth. 24, 30; Sib. 3, 334. 796 ff.; Apoc. Abr. 30; Josephus B.J. VI 285 ff.; Gold 23 f.; dazu Kampers im Histor. Jb. 36, 248 und Strabo Migne PL. 114, 334.
  21. Panzer Beitrag 2, 293; vgl. W. Krickeberg Märchen der Azteken u. Inkaperuaner 1928, 210.
  22. (ca. 1785) Neue lausitzische Monatsschr. 1805, 217 f.; Kühnau 3, 452; Gold 26; Grund 49 ff. 87. 89 ff.
  23. Olrik 389.
  24. Bahman Yast 2, 42 f. = v. Gall 131.
  25. II. Baruch 27, 10; Sib. 5, 378; Kühnau Sagen 3, 487; Meyer Schleswig-Holstein 222.
  26. Franz Kießling Frau Saga im niederösterreich. Waldviertel 4 (1926), 84.
  27. G. Roeder Altägyptische Erzählungen u. Märchen 1927, 115; babylonisch: A. Jeremias Altorientalische Geisteskultur 215. 216; Bahman Yast 3, 4 = v. Gall 130; indisch: Emil Abegg D. Messiasglaube in Indien u. Iran 1928, 26; Aichele Zigeunermärchen 174; keltisch: Olrik 32; germanisch-christlich: Voluspá en skamma 12 = Genzmer Edda 2, 46; Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 110; Ps.-Ephraem bei Caspari Briefe 212; so noch zum Dreikönigstag 1840: Bunzlauer Sonntagsblatt 1840, 32; Karl O. Wagner Pinzgausagen 1925, 65; Freisauff Sagen 316. 327. Gehört hierher „beugen sich die Bäumelein“ in den Volksliedern Note 19
  28. Olrik 386; so erwarteten manche in einem Wintergewitter 5. 1. 1524 = Nik. Pol Jahrbücher d. Stadt Breslau 3 (1813), 34, und am 20. 12. 1740: Eugen Träger Breslauisches Tagebuch ... Steinbergers 1891, 36, den jüngsten Tag; ähnlich auch Brieg 1535: Pol 3, 81 ff.; Karl O. Wagner Pinzgausagen 1925, 71; Freisauff Sagen 374; vgl. Kießling 4, 112.
  29. Sib. 3, 800 f.
  30. Karasek-Langer u. Strzygowski Sagen d. Beskidendeutschen 1930, 32.
  31. Mandäisch: linke Genza: Reitzenstein in Sitzb. Heidelb. 10 H. 12, 29 N. 2.
  32. Lappisch Olrik 401; IV. Esra 5, 8; Apoc. Joh. 9, 2; Freisauff Sagen 327; (Joh. Bürgel) Was ein Kirchdorf im Kreise Goldberg-Haynau anno 1813 erfuhr s. l. (1913), 14.
  33. Indisch: Abegg 26; Schönwerth Oberpfalz 3, 332.
  34. Ebd. 331. 332; Herm. Lübbing Friesische Sagen 1928, 105 = Müllenhoff Sagen 249; Kießling Frau Saga 4, 84. Winter kein Winter: Zaunert Westfalen 243.
  35. Vafþruðnismál 44 = Genzmer Edda 2, 91 f.; Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 110; Meyer Völuspa 185 ff.; Olrik 15 ff. 331 ff.; Quitzmann 197; Soederblom La vie future 189 ff. 204 ff.
  36. Apoc. Abr. 30.
  37. Tartarisch Olrik 364; indisch Olrik 386; W. Krickeberg Märchen der Azteken 210; Voluspá = Genzmer Edda 2, 42; Muspilli 59.
  38. Schönwerth Oberpfalz 3, 329; Bautz Weltgericht u. Weltende 147.
  39. Lappisch: Olrik 434; türkisch Olrik 389; indisch Abegg 26 f.; Olrik 386; buddhistisch: Abegg 179; altperuanisch: Soederblom 202; ägyptisch: G. Roeder Altägypt. Erzählungen u. Märchen 115; baylonisch: Jeremias Altoriental. Geisteskultur 214. 215; jüdisch-christlich: Apoc. Abr. 30; II. Baruch 27, 6; 70, 8; Jubil. 23, 18; Henoch 80, 2 f.; 99, 5; 100, 11; Sib. 3, 539 ff.; 2, 156; IV. Esra 6, 22. Apoc. Joh. 11, 6; Bahman Yast 2, 42; 3, 4 = v. Gall 131. 130. Von 10 Kornfeldern schwinden 7, und die andern 3 reifen nicht: ebd. 2, 31 = v. Gall 131; Ps.-Ephraem bei Caspari Briefe 212; Rochholz Sagen 1, 72; Kühnau 3, 483.
  40. Roeder Altägypt. Erzählungen u. Märchen 115. 116; Indisch: Olrik 386; Abegg 27; mongolisch: Olrik 389; Jeremias Altoriental. Geisteskultur 216; IV. Esra 6, 22; Matth. 24, 7; Philo de execrationibus 2 ff.; ma.lich: Ps.-Ephraem bei Caspari 212; Puhlmann 39; Grund 61 f.; Gold 23. 25; Radcke 14; Wadstein 565; Meyer Völuspa 184?; Kießling Frau Saga 4, 84; Mailly Friaul 46; vgl. auch Nachw. 39.
  41. Bundahischn 30, 33; mandäisch, linke Genza: Sitzber. Heidelb. 10. H. 12, 29 N. 2; Luc. 3, 5; Ascensio Mos. 10, 4; Sib. 8, 234; Herm. Lübbing Fries. Sagen 105 = Müllenhoff Sagen 249.
  42. Apoc. Joh. 6, 14; Tiburtin. Sibylle = Herm. Sackur Sib. Texte u. Forschungen 184; Puhlmann 33? 39?; Voluspá = Genzmer Edda 2, 42. Voluspá en skamma 12 = ebd. 46; Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 110. Indisch: Olrik 386; keltisch Olrik 32; isländisch: Olrik 29 f.; dänisch 24 f. 394 f.; Herm. Lübbing Friesische Sagen 105 = Müllenhoff Sagen 249; Schönwerth Oberpfalz 3, 337. Vgl. allgemein Olrik 22 ff.
  43. Bräuner Curiositäten 429; P. Bahlmann Rheinische Seher u. Propheten 1901, 33.
  44. Vernaleken Mythen 154; Grohmann Sagen 62 f.; Kühnau Sagen 3, 377; Peuckert Schlesien 268; Nachweis 5.
  45. Babylonisch: Jeremias Altoriental. Geisteskultur 214. 216; indisch: Abegg 28; keltisch: Olrik 32; jüdisch-christlich: Apoc. Abr. 29. 30; Philo de execrationibus 2 ff.; Sib. 2, 156; 3, 538. 633; ma.lich: Ps.-Ephraem bei Caspari 212; Gold 23; Grund 50; tiburtin. Sibylle bei Sackur Sib. Texte u. Forschungen 184; Fehr Massenkunst im 16. Jh. 1924, 88; Sitzber. Heidelb. 10. H. 26, 51 f. Theol. Stud. Kritiken 1 (1878), 134. Vgl. Meyer Völuspa 185. 184.
  46. Indisch: Abegg 27.

Altern der Schöpfung

Die Erde tritt vor dem jüngsten Tage ins Greisenalter[1]; Jahre, Tage und Monate nehmen um ein Drittel ab[2], der Erdboden verdirbt und versagt[3], ebenso altern die Dinge auf der Erde[4], die Werkzeuge der Menschen[5]; Kräfte und Leistungen der Geschöpfe lassen nach[6], nur geringwertige Tiere und Pflanzen gedeihen[7], Jahrkälber werden ins Joch gespannt[8], Störche, Schafe und Bienen verschwinden[9]; die Menschen werden kleiner und schwächer geboren[10], sie altern schneller, ihr Lebensalter nimmt ab[11], sie werden alt geboren[12], so daß Jahrkinder sprechen[13], die Geborenen nach einem Tage laufen, Mädchen mit 5 Jahren gebären[14]. Endlich gebären Tiere und Menschen nicht mehr[15] (nach indischem Glauben werden dann viel Kinder geboren[16]); das Gebären ist mühevoller[17], die Frauen bringen Fehlgeburten, Monstra zur Welt[17], und gerade Monstra waren im Mittelalter. ein sicheres Zeichen nahen Unterganges[18]; es werden keine Knäblein mehr geboren (s. Antichrist)[19].

  1. Über die Motive dieses u. der nächsten Abschnitte s. jetzt Reitzenstein in: Vorträge d. Bibl. Warburg 1924/5, 1 ff.; Ekkehard von Aura Hierosolymita (ed. Heinr. Hagenmeyer 1877) 45; vgl. den dort angezogenen Guibert von Nogent (um 1124) 46 N. 24; Oeuvres de Rigord 1, 82 f. = Sitzb. Mü. 1901, 183; Wadstein 562 f. 547; Schönbach Altdeutsche Predigten 2, 9 nach Gregorius (Migne PL. 76, 1080).
  2. Bahman Yast 2, 53; 2, 31 = v. Gall 130 f. Vgl. Henoch 80, 2; IV. Esra 5, 50 ff.; 14, 10. 15 f.; v. Gall 288.
  3. Jes. 24, 4; babylon.: Jeremias Altoriental. Geisteskultur 214. 215; mongolisch: Olrik 389; IV. Esra 6, 22; Hen. 80, 2; Philo De execr. 2 ff.; dänisch: Olrik 393.
  4. Mongolisch: Olrik 389; indisch: Olrik 386; Abegg 27.
  5. Tartarisch: Olrik 364.
  6. Bahman Yast 2, 42 f. = v. Gall 131. Indisch: Olrik 386. 387; Abegg 27. Mongolisch: Olrik 389. Vgl. überhaupt Olrik 385 ff.
  7. Indisch: Olrik 386. 387; Abegg 27. 78; buddhistisch: Abegg 150.
  8. Indisch: Abegg 27.
  9. Dänisch: Olrik 393.
  10. Mongolisch: Olrik 389; türkisch: Olrik 389; indisch: Olrik 386; Abegg 27. 78; parsisch: Bahman Yast 2, 31 = v. Gall 131; IV. Esra 5, 50 ff. Dänisch: Olrik 494; Alpenburg 36 ff.
  11. Jubil. 23, 9 ff. Indisch: Abegg 27 f. 78; buddhistisch: Abegg 149.
  12. Mongolisch: Olrik 389; indisch: Olrik 388; Jubil. 23, 25; Sib. 2, 154 f. Auch die Tiere: Olrik 367. IV. Esra 6, 21.
  13. Ebd.; mongolisch: Olrik 389.
  14. Mongolisch: Olrik 389; indisch: Olrik 386. 388; Abegg 28.
  15. Ägyptisch: vgl. den von v. Gall 58 angezogenen, wenn auch nicht hierher bezogenen Text. Babylonisch: Jeremias Altoriental. Geisteskultur 214. 215. 216; Sib. 2, 163 f. 2 Jahre vorher nicht mehr: MschlesVk. 8, 46; 7 Jahre vorher nicht mehr: Schönwerth Oberpfalz 3, 329 f.
  16. Olrik 386; doch ist das ein Zeichen von Unzucht der Frauen: Abegg 33.
  17. 17,0 17,1 Indisch: Abegg 27; Bahman Yast 2, 42 f. = v. Gall 131; Henoch 99. 5; IV. Esra 5, 8; 6, 21.
  18. IV. Esra 5, 8. Luthers Glaube daran: Sitzb. Heidelb. 10. H. 26, 51 f.; Klingner Luther 99.
  19. SAVk. 14, 183; als Vorzeichen speziell des Antichrists (s.d.): Kießling Frau Saga 4, 111; Reiser Allgäu 1, 419.

Vorm jüngsten Tag ist die Natur verkehrt[1]

Die Jahreszeiten verfließen ineinander (s. III)[2], sind verkehrt[3], das Meer von Sodom hat Fische[4], im Süßwasser findet sich salziges[5]; das Meer schlägt ohne Wind Wellen (Seebär)[6], Steine schwimmen auf dem Wasser[7], das Wasser fließt bergauf[8], Quellen und Flüsse stehen still[9], das Meer und die Ströme vertrocknen[10]; vielleicht ist auch hieran die große Schwüle schuld, die dem jüngsten Tag vorangeht[11] und die Dürre bewirkt (s. III). Doch ist das letzte halbe Jahr fruchtbar[12], ja es wird überhaupt von großer Fruchtbarkeit der letzten Zeit gesprochen[13]. Andrerseits führen die Quellen Blut[14], und Blut quillt aus Steinen und Bäumen[15], der Schnee fällt blutrot[16]. Nahe ist das Ende, wenn der Wald von Menschenhand gepflanzt werden muß[17], die Wurzeln der Bäume sich gen Himmel drehen[18], wenn die Hühner krähen[17], die Uhren 13 schlagen[19], Wagen ohne Pferde fahren (s. Automobil, Prophezeiung)[20], die Welt eisern wird (man will darunter die Eisenbahnen verstehen; in Wahrheit ist es wohl der alte Spruch, daß dann der Himmel eisern, regenlos wird)[21], die Menschen 4 Arme, 2 Paar Schuhe an den Füßen und 2 Hüte tragen[22] (s. III), ein Kind mit einem goldenen Zahn geboren wird[23], wenn Steine zusammenwachsen[24], wenn der Fuhrmann im Gestirn Gr. Wagen auf das Pferd springt[25], oder der Gr. Wagen – als Kessel gedacht – überkocht[26].

  1. Nach indischer Lehre eine Folge des sittlichen Niederganges der Menschen: Emil Abegg Der Messiasglaube in Indien u. Iran 1928, 25 f.; buddhistisch: ebd. 179; Lüders Buddhist. Märchen 138; Hemavijaya Katharaknakara (übers. Joh. Hertel) 1, 17 ff. 80 ff.
  2. Keltisch: Olrik 32; dänisch: Olrik 493.
  3. Indisch: Abegg 26.
  4. IV. Esra 5, 7.
  5. IV. Esra 5, 9.
  6. Tartaren: Olrik 364; Angelsachsen: Olrik 367.
  7. Olrik 46.
  8. Lappisch: Olrik 401; nordisch: Olrik 146.
  9. IV. Esra 6, 24.
  10. Lappisch: Olrik 401; indisch: Olrik 386; bei den Kantäern (Sekte mandäisch-manichäischer Art): Sitzb. Heidelb. 10 H. 12, 29 N. 2; ebd.: Flüsse ufern aus.
  11. Babylon.: Jeremias Altoriental. Geisteskultur 215; Voluspá en skamma 12; indisch: Olrik 386; Schönwerth Oberpfalz 3, 330.
  12. Kühnau Sagen 3, 483.
  13. Tiburtin. Sibylle: Sackur Sib. Texte u. Forschungen 185; Fehr Massenkunst im 16. Jh. 88; Müller Siebenbürgen 4 f.
  14. Tartaren: Olrik 364.
  15. Joel 2, 30; Zach. 14, 5 ff.; IV. Esra 5, 5; Sib. 3, 804.
  16. Wilh. Schremmer Schles. Vk. 1928, 130.
  17. 17,0 17,1 Schönwerth Oberpfalz 3, 332; ebd.: Wald abgetrieben; Riehl Land u. Leute 1861, 48.
  18. Kühnau Sagen 3, 483.
  19. Thüringen ZfdA. 3, 367 = Grimm Myth. 3, 242.
  20. Schönwerth Oberpfalz 3, 331; Mailly Friaul 48; Reiser Allgäu 1, 419. So auch in der Schlachtenbaumprophetie, z.B. Zentralbl. f. Okkultismus 7, 610; Riehl Land u. Leute 1861, 48. Vgl. Abegg 114. 134 = selbstbewegende Götterwagen.
  21. Schönwerth 3, 332.
  22. Herm. Lübbing Fries. Sagen 104 = Müllenhoff Sagen 248. Vgl. Abegg 26.
  23. Kühnau Sagen 3, 415 f.
  24. Unten 2 IX; Sébillot Folk-Lore 1, 324. 330.
  25. Schulenburg Wend. Volksthum 167. Vgl. lappisch: Olrik 400.
  26. Sébillot Folk-Lore 1, 31.

Das große Erschrecken

Die Schöpfung wird von bangem Entsetzen ergriffen, so daß die Steine schreien und laut aneinander schlagen[1], das Meer mit einer Stimme brüllt[2]. Die wilden Tiere[3] und Vögel[4] verlassen ihren Ort. Der Rabe wird vor Schreck weiß, die Taube schwarz[5]. Heißt es „die Waldvöglein singen“, so scheint das verderbt zu sein für „die Englein singen“[6]; oder macht der jähe Schreck sie laut? Ein starrer Schrecken liegt auf den Menschen[7]; sie verbergen sich in Höhlen[8]; Gerüchte erregen sie[9]; die Bücher sind angesichts der Feste aufgetan[10]; aus Angst gehen alle Geschöpfe zugrunde[11]. Dämonen und Gespenster wandeln umher[12].

  1. IV. Esra 5, 5; Hab. 2, 11.
  2. Olrik 401; IV. Esra 5, 7. Vgl. Gunkels Bemerkung ebd. Vgl. unten „15 Vorzeichen“: die Meerwunder brüllen.
  3. Roeder Altägypt. Erzählungen u. Märchen 115; IV. Esra 5, 8.
  4. Ebd.; Ezech. 38, 20. Vgl. auch Olrik 437: Gänse fliegen nordwärts.
  5. Dänisch: Olrik 47.
  6. Vgl. Note 19; „Engelein“: Hruschka-Toischer hat 58 Nr. 84 b: Weißvögelein; Boette 162.
  7. Luc. 21, 26; Henoch 99, 8; IV. Esra 5, 1 ff.; II. Baruch 25, 3; 70, 2; Legenda aurea ( Benz) 1, 8; Ps.-Ephraem bei C.E. Caspari Briefe, Abhandlungen u. Predigten 1880, 212.
  8. Luc. 23, 30; Matth. 24, 15 ff.; Apoc. Joh. 6, 15 f. (siehe Toledobrief); Ps.-Ephraem bei Caspari 212 f.
  9. II. Baruch 48, 34; Philo de execrationibus 2 ff.; Josephus B.J. 6, 285; 20, 167 ff. 188.
  10. IV. Esra 6, 20; Gunkel: die Plagen bringenden Zauberbücher; ebenso Volz Jüd. Eschatologie 178.
  11. Mandäisch: Sitzb. Heidelb. 10 H. 12, 29 N. 2; Zaunert Westfalen 241.
  12. Tartaren: Olrik 364; keltisch: Olrik 32; IV. Esra 6, 26; II. Baruch 27, 9; Matth. 27, 53; Muspells synir: Lokasenna 42; Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 110; Helgakviða Hundingsbana II 40; Gust. Neckel Studien z. d. germ. Dichtungen vom Weltuntergang in Sitzb. Heidelb. 9; Gold 17; Grund 24. 26; Schönwerth Oberpfalz 3, 330.

Zerrüttung des menschlichen Lebens

Den Katastrophen und Umkehrungen der Natur geht eine Katastrophe und Umkehr des menschlichen Lebens parallel, ja diese bedingt nach indischem Glauben jene[1]. Aufruhr und Friedlosigkeit, ein Krieg aller gegen alle wird erfolgen[2], Fremdvölker fallen ein[3]; vgl. Endschlacht. Das Land wird verwüstet[4]; Städte veröden, als hätten sie nie existiert[5]. Dieser Krieg ist nicht nur ein Krieg von Völkern gegen Völker, sondern auch ein Bürgerkrieg. Vorm Ende werden sich nämlich die sozialen Verhältnisse verkehren, der Bauer will ein Edelmann, und niemand mehr vom König abhängig sein; hoch und nieder, reich und arm sind vertauscht[6]. Ungerechte Könige saugen das Land aus[7]. Üppigkeit und Hoffahrt werden einreißen, was sich besonders in der Kleidung äußert[8]. Das Geld wird wertlos sein; vorher aber kommen noch die großen Pfennige[9]. Spiel und Lustbarkeiten nehmen überhand[10]. Noch ärger als all dies ist der sittliche Verfall[11]; ein böses, sündhaftes Geschlecht wird sein[12]; die Bosheit nimmt zu[13], die Liebe erkaltet[14]. Das Verbrechen ist keine Schande mehr[15], Gesetzlosigkeit, Ungerechtigkeit[16], Gewalt[17] herrschen; Ehre wird zu Schande[18], Wahrheit und Glaube[19],Treue[20] sind geschwunden; jeder sucht seinen Vorteil[21], ja man verläßt die Heimat[22] oder nimmt fremde Sitte an[23]. Menschen werden mit Tiernamen gerufen werden[24]; die Armut wird verachtet[25]; der Geiz ist so groß, daß die Bauern keinen Rain mehr dulden[26]; Maß und Gewicht wird gemindert[27], die Menschen werden Diebe[28], Räuber[29], Verbrecher[30] sein. Hurerei und Unzucht herrschen[31], die Familie zerfällt und Ehebruch ist keine Sünde[32]; es werden mehr uneheliche als eheliche Kinder geboren[33]; Greise schänden Mädchen[34], man treibt Blutschande, Sodomiterei[35]. Das Leben verkehrt sich; die Frauen sind mannstoll[36], tragen Männerkleidung[37], Familie und Sippe zerfallen; der Freund ist wider den Freund, der Vater wider den Sohn[38]; Mütter töten oder verkaufen ihre Säuglinge[39]. Das letzte Geschlecht wird ein abtrünniges sein[40]; wegen der Sünde muß es ja immer schlimmer werden[41], – wenn manche auch sagen, der Abfall geschehe um der großen Not willen[42], – und allenthalben zeigt sich Abfall[43], Verachtung des Glaubens und Götzendienst[44]; der Gottesdienst hört auf[45], weil der Tempel geschändet wird[46], das hl. Feuer verlischt[47]. Ein Streit um den Glauben hebt an[48]; man hält die kirchlichen Gebote nicht mehr[49], verachtet die Geistlichkeit[50]; der katholische Glaube wird ganz klein[51]. Zuletzt gibt's viererlei Glauben[52]; die Ketzerei nimmt überhand[53]. Und dann wird Rom untergehen[54], der Papst drei Menschenalter nach dem Weltkrieg beseitigt werden[55]. Wie sich in alledem die Vermessenheit der Menschen äußert, so auch darin, daß man Gottes Erde mißt[56]. Der Meinung vom allgemeinen Abfall steht eine andere entgegen, die sagt, daß der jüngste Tag komme, wenn alle Menschen Christen[57], und Türken[58] wie Juden[59] bekehrt worden sind. Zuletzt aber wird die Mehrzahl der Menschen sterben[60], wie nach jüdischem Glauben ja auch nur ein Rest gerettet werden wird. Die Seelen der um ihres Glaubens willen Verfolgten werden vom nächtlichen Gottesdienst ausgehen und das Ende predigen[61]. Dann wird eine Kirche entstehen, in der die Guten Zuflucht finden werden[62].

  1. Nach indischer Lehre eine Folge des sittlichen Niederganges der Menschen: Emil Abegg Der Messiasglaube in Indien u. Iran 1928, 25 f.; buddhistisch: ebd. 179; Lüders Buddhist. Märchen 138; Hemavijaya Katharaknakara (übers. Joh. Hertel) 1, 17 ff. 80 ff.
  2. Türkisch: Olrik 389; babylonisch: Jeremias Altoriental. Geisteskultur 215. 216; ägyptisch: Roeder Altägypt. Erzählungen u. Märchen 115; vgl. v. Gall 8, 58; buddhistisch: Abegg 150; persisch: Bahman Yast 2, 35 ff.; 3. 14 = v. Gall 129. 132; mandäisch: Brandt Mandäische Schriften 85 = Sitzb. Heidelb. 10 H. 12, 19; jüdisch-christlich: Matth. 24, 6 f.; Hab. 1, 6; IV. Esra 5, 5; 9, 3; Henoch 99, 4; 100, 1 ff.; II. Baruch 48, 32; 27, 1 ff.; 70, 2 ff.; Jubil. 23, 20. 23; Apoc. Abr. 30; Daniel 9, 26; Sib. 3, 538. 633 ff. 660 f.; 5, 361; vgl. weiter Volz Jüd. Eschatologie 175 ff.; v. Gall 289; ma.lich: Wadstein 557. 546 f., wo die Zitate N. 3: Kemble 2, 376. 161 und N. 4: 3, 248 lauten müssen (ebenso S. 557 N. 3 lies anstatt Pertz VIII p. 212: MG. SS. 6, 212); Tiburtin. Sibylle: Sackur 183. 184; vgl. die bei 1 genannten Greifswalder Dissertationen; Ps.-Ephraem bei E. Caspari Briefe 212; Zaunert Westfalen 241. 244; Bräuner Curiositäten 429; Müller Siebenbürgen 41.; ZfdMyth. 3, 34 f.; 13. Sibylle in Zwölf Sybillen Weissagungen 1516; Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 110; Meyer Völuspa 182. 184.
  3. Chronicon Vulturnense zu 880: Muratori Rerum Italicarum Scriptores I 2, 404; Türken 1010 vor Jerusalem: Chronica Godelli: Bouquet Recueil des histoires des Gaules et de la France 10, 262; Ps.-Ephraem bei Caspari Briefe 213; vgl. Gog und Magog.
  4. Herm. Lübbing Fries. Sagen 1928, 104; Müllenhoff Sagen 250; dänisch: Olrik 47; mandäisch: Sitzb. Heidelb. 10 H. 12, 29 N. 2.
  5. Ebd.; keltisch: Olrik 32; indisch: Olrik 386; Abegg 27; Ps.-Ephraem bei Caspari Briefe 212; Peuckert Sibylle Weiß.
  6. Mongolisch: Olrik 389; keltisch: Olrik 32; indisch: Olrik 386. 387; Abegg 30; ägyptisch: Roeder Altägypt. Erzählungen u. Märchen 116; v. Gall 57; parsisch: Bahman Yast 2, 38 = v. Gall 130; jüdisch-christlich: II. Baruch 70, 3 f.; Jubil. 23, 19; Dirr Kaukas. Märchen 1919, 197; Lübbing Fries. Sagen 104 f. = Müllenhoff Sagen 248 f.; dänisch: Olrik 397; Zaunert Westfalen 242.
  7. Indisch: Abegg 31. 79; buddhistisch: Abegg 179. Vgl. Ps.-Ephraem bei Caspari Briefe 212.
  8. Fehr Massenkunst 88; Radcke 71 f.; 13. Sib. in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516; Meyer Baden 521; Kärnten: ZfdMyth. 3, 34 f.; Zaunert Westfalen 243; Müller Siebenbürgen 4 f.; Reiser Allgäu 1, 419; Schönwerth Oberpfalz 3, 331. 332; dänisch: Olrik 393; indisch: Abegg 30. 78.
  9. Lübbing Fries. Sagen 104.
  10. Zaunert Westfalen 242; Peuckert Rosenkreutzer 247 ff.
  11. Bahman Yast 2, 30. 39 = v. Gall 130; Abegg 78; Jes. 24, 5; Matth. 24, 10. 12; II. Baruch 27, 11 f., 70, 6; Philo de execrationibus 2 ff.; Volz Jüd. Eschatologie 179; v. Gall 289; Wadstein 548 f. 561. 572; Greifswalder Dissertationen s. 1; Sackur 184. Er setzt 1460 ein: Salomon. Sibylle; Peuckert Sibylle Weiß.
  12. Jubil. 23, 14; Sib. 5, 74; Radcke 13 f.; Detmar Chronik, in O.H. Brandt Limburger Chronik 1922, 103.
  13. Balth. Reber Felix Hemmerlin 1846, 456; Wadstein 561 ff. 564.
  14. Wadstein 550 f.; Migne PL. 133, 641; Roeder Altägypt. Erzählungen u. Märchen 116.
  15. Müller Siebenbürgen 4.
  16. Roeder Altägypt. Erzählungen 114. 116; v. Gall 56 f.; indisch: Olrik 386. 387; Abegg 31; parsisch: Bahman Yast 2, 39 = v. Gall 130; IV. Esra 5, 2. 10 f.; Henoch 91, 6; Tiburtin. Sibylle: Sackur Sib. Texte 183 f.; 13. Sib. in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516; Gold 16; Mailly Friaul 48.
  17. Henoch 91, 6; II. Baruch 27, 11; Tiburtin. Sibylle Sackur Sib. Texte 183. 184; 13. Sibylle in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516; Mailly Friaul 48; Lübbing Fries. Sagen 105.
  18. Ebd. 104; II. Baruch 48, 35; 13. Sibylle in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516.
  19. IV. Esra 5, 1; 6, 28; 17, 17; Tiburtin. Sibylle: Sackur 184; indisch: Olrik 386; Abegg 31.
  20. Indisch: Abegg 31; Sib. 4, 153?; 13. Sib. in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516; Ps.-Ephraem bei Caspari 212; Zaunert Westfalen 241. 242.
  21. Indisch: Abegg 31 f. 78; Brandt Mandäische Schriften 85 = Sitzb. Heidelb. 10 H. 12, 19.
  22. Bahman Yast 2, 39 = v. Gall 130; Müllenhoff Sagen 250. Vgl. Abegg 31.
  23. Dänisch: Olrik 397.
  24. Lübbing Fries. Sagen 105.
  25. Tiburtin. Sibylle: Sackur Sib. Texte 184; 13. Sib. in Zwölff Syb. Weissagungen 1516; Schönwerth Oberpfalz 3, 333; Indisch: Abegg 31.
  26. Schönwerth 3, 332. Vgl. Tiburtin. Sibylle: Sackur 184; 13. Sib. in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516; Radcke 15 ff. 71 ff.; Grund 32 f.; Indisch: Abegg 78.
  27. 13. Sib. in Zwölff Syb. Weissagungen 1516.
  28. Indisch Olrik 386. 387; Abegg 31; Buddhistisch: Abegg 149.
  29. Roeder Altägypt. Erzählungen 116; Thietmar v. Merseburg VII 23; 13. Sib. in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516; Tiburtin. Sibylle: Sackur 183., 184.
  30. Ebd. 184; Ps.-Ephraem bei Caspari 212. Buddhistisch Abegg 149.
  31. Indisch: Olrik 386; Abegg 31. 77; II. Bar. 27, 12; Jubil. 23, 14; Grund 49. 61; 13. Sib. in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516.
  32. Tartaren: Olrik 364. Indisch: Abegg 31. 77 f.; Schönwerth Oberpfalz 3, 331.
  33. Ebd. 331.
  34. Indisch: Olrik 387; mongolisch Olrik 389; Tiburtin. Sibylle: Sackur 183.
  35. Tiburtin. Sibylle: Sackur 183; indisch: Olrik 386; Abegg 28. 32.
  36. Indisch: Abegg 32 f.
  37. Quitzmann 197. So auch die Frauen: Abegg 33. 78 f.; Zaunert Westfalen 243.
  38. Bahman Yast 2, 30 = v. Gall 130; Marcus 13, 12; IV. Esra 5, 9; 6, 24; Henoch 100, 2; Jubil. 23, 19; Tiburtin. Sibylle: Sackur 183; Ps.-Ephraem bei Caspari Briefe 212; 13. Sib. in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516; Puhlmann35; Voluspá = Genzmer Edda 2, 40; vgl. dazu Müllenhoff DA. 5, 21; Meyer Völuspa 183; Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 110; Zaunert Westfalen 241. 242; indisch: Olrik 387; Abegg 77; babylonisch: Jeremias Altoriental. Geisteskultur 214. 215. 216; Roeder Altägypt. Erzählungen 116; Meyer Religgesch. 16 f.
  39. Jeremias Altoriental. Geisteskultur 216; Henoch 99, 5; Philo de execrat. 3.
  40. Iranisch: Abegg 221; Henoch 93, 9; 13. Sib. in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516; Zaunert Westfalen 242.
  41. Wadstein 548; Nachweis zu 1.
  42. II. Baruch 28, 3.
  43. Bahman Yast 2, 33 ff. 44 ff. = v. Gall 130; indisch. Olrik 386. 388; Abegg 28 f.; buddhistisch: Abegg 178 f.; Jubil. 23, 21; v. Gall 289 f.; Wadstein 549. 567; Zaunert Westfalen 241.
  44. Indisch: Olrik 386. 388; Abegg 29. 77; Henoch 80, 7; 99. 7 f.; Jubil. 23. 19; Sib. 4, 152; Volz Jüd. Eschatologie 180; 13. Sib. in Zwölff Sybillen Weissagungen 1516; Radcke 17: Ministri Christi sunt et serviunt Antichristi.
  45. Gold 17. Indisch: Abegg 29.
  46. Volz Jüd. Eschatologie 180; Tiburtin. Sibylle: Sackur 183; keltisch: Olrik 32; indisch: Olrik 386.
  47. Olrik 396.
  48. Müllenhoff Sagen 250.
  49. Zaunert Westfalen 243. Indisch: Abegg 28 f. 78 f. Buddhistisch: Abegg 178.
  50. Schönwerth Oberpfalz 3, 330; Lübbing Fries. Sagen 104. Vgl. 13. Sib. in Zwölff Syb. Weissagungen 1516. Indisch: Abegg 79. Buddhistisch: Abegg 178.
  51. C. Burdach Vorspiel I 1 (1925), 239 ff.; Zaunert Westfalen 242. Vgl. Indisch: Olrik 386. 387.
  52. Müllenhoff Sagen 250.
  53. Indisch: Olrik 386; Abegg 29; Grund 14. 23. 28 ff.; Feind 42. 51; Radcke 46 ff. 50 ff.; Puhlmann 25.
  54. Schönwerth Oberpfalz 3, 331; beruht das auf tiburtin. Sibylle: Sackur 184: Roma in persecutione et gladio expugnabitur? Vgl. die buddhistische Meinung Abegg 180.
  55. Martin Karpinski Unsere Zukunft im Lichte d. Weissagungen 1921, 36 ff.
  56. Dänisch: Olrik 393.
  57. Marcus 13, 10; Ekkehard von Aura MG. SS. 6, 212; Tiburtin. Sibylle Sackur 185; P. Bahlmann Rhein. Seher u. Propheten 1901, 33; Mschles Vk. 8, 46; Schönwerth 3, 330 f.
  58. Teolosphorus 1516, 34; Bräuner Curiositäten 429. Konstantinopel zerstört: ebd.; P. Bahlmann Rheinische Seher u. Propheten 1901, 33; Peuckert Schlesien 72; ders. Sibylle Weiß.
  59. Radcke 56 f.; tiburtin. Sibylle: Sackur 185.
  60. Tartaren: Olrik 364; Roeder Altägypt. Erzählungen 115; mandäisch: Sitzb. Heidelb. 10 H. 12, 29 N. 2; Philo de execr. 2 ff.; Henoch 100, 1 ff.; II. Baruch 48, 37; 70, 6 ff.; Sib. 3, 635 ff.; 5, 376 ff.
  61. Karasek-Langer u. Strzygowski Sagen d. Beskidendeutschen 1930, 208 Nr. 539 (vgl. Bolte-Polivka 3, 472).
  62. Ebd. Nr. 538.

Vorzeichen religiöser Tendenz

Der jüngste Tag bricht 40 (45) Tage nach der Tötung des Antichrists an[1], wenn alle 30 Jahre alt sind[2], nach der discessio des Imperium Romanum[3], wenn Jerusalem neu gegründet wurde[4], nachdem Kaiser Karl wiederkehrte[5]; es herrschen noch 11 Päpste bis dahin, und der letzte wird wie der erste Papst Petrus heißen[6].

  1. Petrus Damiani Migne PL. 145, 839; Jos. Bautz Weltgericht u. Weltende 1886, 139 ff.; Peuckert Sibylle Weiß; Vernaleken Alpensagen 69; ZfdPhil. 27, 151; 1290 Tage rechnet Seb. Franck Chronica 1531 DXXiij R.
  2. ZfdPhil. 27, 153. Parsisch: 30 Jahre vor Anfang des Milleniums Retter geboren: v. Gall 126.
  3. Augustinus de civ. dei XX 19; Knop 27; Puhlmann 7; Gold 12; Ps.-Ephraem bei Caspari Briefe 214.
  4. Martin Karpinski Unsere Zukunft im Lichte d. Weissagungen 1921, 37.
  5. Zaunert Rheinland 1, 81. Siehe dürrer Baum, Weltzeitalter, schlaf. Kaiser.
  6. Schönwerth Oberpfalz 3, 330. Gehört wohl zur joachit. Lehre vom „Engelpapst“.

Vorzeichen mythologischen Inhalts, Wunder

Der jüngste Tag ist, wenn bestimmte schlafende Steinbilder erwachen[1], Burg Grimmenstein ins Tal hinabgerückt[2], bestimmte Steine in die Erde gesunken sein werden[3], sich aus der Erde heben[4], umdrehen[5], die Steinplatte der Wallfahrtskirche Maria Schnee (Böhmen) so weit klafft, daß ein beladener Wagen durchfährt[6], vom Kreuz bei Caslau die Querbalken abfallen[7], die Bildsäule des hl. Ernestus zerfällt[8], die Fußspur in der Felber Kirche verschwindet[9], das Kruzifix in Braunau, das alle Jahre sein Haupt ein wenig senkt, dieses auf die Brust neigt[10]; an der Bamberger Wage das Zünglein richtig steht[11]; das Grab der Sibilla Weiß so weit von der Mauer gewichen ist, daß ein Reiter herumreiten kann[12], der Leichnam eines Weißkünstlers vom Kirchhof bis zur Brücke fortgewachsen ist[13], aus dem vermauerten Brunnen in Braunau wieder eine Quelle fließt[14], die Rippe der Heidenjungfrau in der Kirche zu Oberburg (Steiermark) vertropft ist[15], wenn die nähende Jungfrau im Berg ihr Hemd fertig hat[16], Tannhäusers Bart um den Tisch gewachsen ist[17], der schlafende Kaiser wiederkehrt[18], das schlafende Heer zur Endschlacht erwacht[19] und als Vorspiel der Zobten Feuer speit[20], wenn der Schlachtenbaum (s.d.) ausgrünt[21], die Linde der Heidenjungfrau zu Eisersdorf eingeht[22], das Nagelschiff fertig ist[23], Ahasver (Jerusalemit. Schuhmacher) nach Dänemark kommt[24], noch einmal den oder jenen Ort passiert[25], der Drache, der Kriemhild bewacht, zur Hölle gefahren ist[26], Luzifer loskommt[27], die Urko (gefesseltes Unterweltstier) alle Haare von der vor ihr liegenden Haut gefressen hat, und sie frißt jedes Jahr ein Haar[28], wie die Hemdnäherinnen jedes Jahr einen Stich tun[16], wenn endlich die Unterweltstiere loskommen (Schlange[29], Sau[30], Stier[31], Maulwurf[32], Maus, Walfisch[32]), Frosch[33]), der Wolf loskommt[34], die kleinen Teufel Ahidjul auf die Erde kommen[35].

  1. Buddhistisch: Soederblom La vie future 203. 204; Grohmann Sagen 60.
  2. Mailly Niederösterreich. Sagen 117 f.; vgl. Sébillot Folk-Lore 2, 96.
  3. Böhmisch: Olrik 396; Jungbauer Böhmerwald 115 f. 253; Grohmann Sagen 64. Dänisch: Olrik 396; Knoop Posen 396; Olrik 396. Tartarisch: Olrik 367; Stein verschwindet: Kühnau 2, 633.
  4. Freisauff Sagen 330.
  5. Reiser Allgäu 1, 418.
  6. Jungbauer Böhmerwald 158.
  7. Grohmann Sagen 65.
  8. Kahlo Denkwürdigkeiten d. Grafsch. Glatz 147; Peuckert Schlesien 71.
  9. Karl O. Wagner Pinzgausagen 1925, 150.
  10. Peuckert Schlesien 71; ders. Rosenkreutzer 247; Kühnau Sagen 3, 521; vgl. Wolf Deutsche Märchen u. Sagen 1843, 290; Künzig Schwarzwaldsagen 221.
  11. Freisauff Salzburg 161.
  12. Panzer Beitrag 2, 54 f. 309.
  13. Alpenburg Tirol 312.
  14. Kühnau 3, 521. Vgl. Sébillot Folk-Lore 2, 210.
  15. Grimm Sagen Nr. 140.
  16. 16,0 16,1 Subella: Kühnau Sagen 1, 555 Nr. 594. 595; MschlesVk. III, 5, 61; Peuckert Schlesien 67; Heuscheuerjungfrau: Kühnau Sagen 1, 556; 3, 665; Jungfrau in Ringelkoppe: Kühnau Sagen 1, 557 f. 558; 3, 521; Grohmann Sagen 57 f.; im Barzdorfer Gebirge: Kühnau 1, 561 f.; Melusine in Luxemburg: Zaunert Rheinland 1, 302.
  17. Herzog Schweizersagen 1, 123 Nr. 124. Kaiser Karls Bart: Schöppner 1, 3; Freisauff Sagen 26.
  18. Zaunert Rheinland 1, 81; Westfalen 82. 245; Sieber Harzlandsagen 1928, 89; Vernaleken Alpensagen 228; Freisauff Sagen 10. 26. 175.
  19. Grohmann Sagen 64; Peuckert Schlesien 69; Kühnau Sagen 3, 517. 518. 521; Freisauff Sagen 175; Vernaleken Alpensagen 62; Lübbing Fries. Sagen 105; Soederblom 277.
  20. Peuckert Schlesien 69 = Kühnau Sagen 3, 517.
  21. Lübbing Fries. Sagen 105; Freisauff Sagen 173. 175.
  22. Die Grafschaft Glatz 15 (1920), 58.
  23. Olrik 72 ff.
  24. Olrik 395; Reitzenstein in Vorträge d. Bibl. Warburg 1923/24, 149 ff.; Freisauff 164; vgl. Olrik Ragnarök; Panzer Beitrag 2, 426 f.
  25. Walliser Sagen 1, 245.
  26. Mone Untersuchungen z. Gesch. d. teutschen Heldensage 1836, 168.
  27. Vernaleken Alpensagen 69; Freisauff Sagen 164; Quitzmann 197.
  28. Schwedisch: Olrik 362.
  29. Voluspá = Genzmer Edda 2, 42. Dänisch: Olrik 394 f.; isländ.: Olrik 361; irisch: ebd.; vgl. Grimm Myth. 3, 242.
  30. Dänisch: Olrik 27 f.
  31. Dänisch: Olrik 24 f.
  32. 32,0 32,1 Grohmann Sagen 60.
  33. Jungbauer Böhmerwald 102.
  34. Voluspá = Genzmer Edda 2, 40. 41.
  35. Leo Frobenius Atlantis 1 (Kabylen), 103.

Lokale Anzeichen

(vgl. IX). j Der j. Tag wird kommen, wenn Rungholt wieder auftaucht[1], die Kirche zu Eidum zum 2. Male von der See und vom Sande ingesettet worden ist[2], die Straße übers Balglereck bei Klausen führt, die große Glocke vom Turm zu Velthurns fällt, auf dem Hochaltar zu Villanders den Rossen Heu vorgeschüttet wird (das erste und zweite ist schon geschehen)[3], der Ansidlfelsen bei Lienz in die Drau fällt[4], der Grulicher Schneeberg ausbricht[5], der Fisch mit Charakteren im Stadtgraben von Liegnitz zum dritten Mal gefangen werden wird[6]. Solche lokale Vorzeichen werden im Friesischen[7] und Dänischen[8] viel genannt.

  1. Grässe Preußen 2, 1041.
  2. Müllenhoff Sagen 250.
  3. Zingerle Sagen 1859, 408.
  4. Ebd.
  5. Peuckert Schlesien 268, vgl. Wilh. Schremmer Schles. Volkskd. 1929, 105 Nr. 92; Reiser Allgäu 1, 418 f.; Nachw. 44.
  6. Peuckert Schlesien 70; zu Grunde liegt wohl das „Gespräch eines Senators“ 1539: Dobeneck 2, 143, in Kaiserslautern bedeute der Fang Kaiser Friedrichs Zukunft. Vgl. Becker in NdZfVk 4 (1926), 131.
  7. Lübbing Fries. Sagen 104 f.
  8. Olrik 22 ff.

Kalender

Der Sonntagsbuchstabe hat das große Geheimnis in sich, aber die genaue Berechnung kennt nur der Kalendermacher[1].

  1. Rosegger Älpler 141.

Legende von den 15 Vorzeichen

Im Mittelalter. spielte die Legende von den 15 Vorzeichen des j. Gerichtes eine besondere Rolle; da sie nicht in den lebenden Volksglauben eingegangen ist, sei sie nur kurz erwähnt[1]. Wir haben mehrere Redaktionen, die nebeneinander gehen; die verbreitetste war die der Legenda aurea. Völlig abweichend von ihr ist die Aufzählung eines Basler Elucidarius[2], die von Haupt[3] mitgeteilte, die des Misnaere[4] und die des Nicolaus Winckler[5]. Sie von den zehn Vorzeichen, die jüdische Schriften nennen[6], abzuleiten, erscheint nicht angängig. Jacobus a Voragine nennt:

  1. das Meer erhebt sich 40 Fuß hoch über die Berge[7];
  2. es versiegt[8];
  3. es kehrt in sein Bett zurück, die Meerwunder brüllen [9];
  4. das Meer verbrennt[10];
  5. Bluttau der Bäume [11], die Vögel sammeln sich [12];
  6. Bauten und Städte zerstört[13];
  7. Steine zerreißen unter furchtbarem Getön [14];
  8. Erdbeben [15];
  9. die Erde wird eben[16] und alle Berge zu Pulver;
  10. die Menschen kommen aus ihren Höhlen [17] hervor;
  11. die Gebeine der Toten erscheinen auf den Gräbern[18], die Gräber tun sich auf;
  12. die Tiere sammeln sich [19] [12], die Sterne fallen und geben Zeichen [20], ein Feuerstrom erscheint am Himmel [21];
  13. die Auferstehung (vgl. Jüngstes Gericht)[22];
  14. Weltbrand (s. Eschatologie);
  15. neuer Himmel und neue Erde.

Eine Beschwörung Vinculum Salomonis verarbeitete die Zeichen, indem sie jedem Engelsnamen eins beimaß[23]. Die Vorzeichen, die das Zwölf-Sibyllen-Volksbuch angibt, gehen auf Sebastian Frank zurück, bestehen also neben unserm Text[24].

  1. Michaelis in Herrigs Archiv 46, 33 ff.; Peiper im Archiv f. Literaturgesch. 9 (1880), 117 ff.; Nölle bei PBB. 6, 413 ff.; Aug. Wundrack Der Linzer Entcrist Marb. Diss. 1886, 46 ff.; Karl Reuschel Untersuchungen z. d. deutschen Weltgerichtdichtungen des 11. bis 15. Jh. Leipziger Diss. 1895, 41 ff.; Gustav Grau Quellen und Verwandtschaften d. älteren germ. Vorstellungen v. jüngsten Gericht 1908, 261 ff. Vgl. weiter Anton E. Schönbach Altdeutsche Predigten 2, 10. 192. 194. 312; ZfdPhil. 19, 304 ff.; Grimm Myth. 3, 242; Germania 28, 402 ff.; Alemannia 1, 70 f.; ZfdA. 3, 523; Paul Kristeller Holzschnitt u. Kupferstich 19224, 37.
  2. Wackernagel Deutsch. Handschr. d. Basler Univers.-Bibliothek, Rektoratsprogr. 1835, 22.
  3. ZfdA. 1, 117 ff.; vgl. Nölle 446, dessen Einordnung falsch ist, und Quitzmann 205.
  4. v. d. Hagen Minnesinger 3, 96 f.
  5. Nicolaus Winckler aus Forchheim Bedencken Von künfftiger verenderung. Augsburg 1582 G.R.
  6. Buxtorf Judenschul 649 ff.; Pawlikowski 733.
  7. Bautz Weltgericht u. Weltende 143. 147.
  8. Ascensio Mos. 10, 6; Test. Levi 4, 1.
  9. Lappisch: Olrik 401; indisch: Olrik 386; bei den Kantäern (Sekte mandäisch-manichäischer Art): Sitzb. Heidelb. 10 H. 12, 29 N. 2; ebd.: Flüsse ufern aus.
  10. Sib. 8, 225 f.
  11. Joel 2, 30; Zach. 14, 5 ff.; IV. Esra 5, 5; Sib. 3, 804.
  12. 12,0 12,1 Roeder Altägypt. Erzählungen u. Märchen 115; IV. Esra 5, 8.
  13. Bahman Yast 2, 26 f.; Ezechiel 38, 20; Apoc. Joh. 16, 18 f.
  14. IV. Esra 5, 5; Hab. 2, 11.
  15. Grimm Myth. 3, 242. Tartarisch: Olrik Ragnarök 364; lappisch: Olrik 401; parsisch: Bahman Yast 3, 4 = v. Gall Basileia toy teoy 130; jüdisch-christlich: Joel 2, 10; Jes. 24, 19 f.; Ezechiel 38, 20; II. Baruch 32, 1; 70, 8 (IV. Esra 6, 16); Ascensio Mos. 10, 4; Matth. 24, 7; Apoc. Joh. 6, 12. 13. Anno 557: Wadstein 545; ma.lich: Pseudo-Ephraem bei C.E. Caspari Briefe, Abhandlungen u. Predigten 1890, 211 f.; Tiburtin. Sibylle: Ernst Sackur Sibyllin. Texte u. Forschungen 1898, 184; Gold 15 f.; MG. SS. 6, 353. Germanisch-christlich: Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 1925, 110 (vgl. E.H. Meyer Völuspa 1889, 185); P. Bahlmann Rheinische Seher u. Propheten 1901, 33; Freisauff Sagen 327.
  16. Bundahischn 30, 33; Luc. 3, 5; Ascensio Mos. 10, 4; Sib. 8, 234.
  17. Luc. 23, 30; Matth. 24, 15 ff.; Apoc. Joh. 6, 15 f. (siehe Toledobrief); Ps.-Ephraem bei Caspari 212 f.
  18. Yasna 13, 11. 22. 28; IV. Esra 7, 32; Dan. 12, 2; Ezech. 37?; I. Thessal. 4, 16 f.; Apoc. Joh. 20, 12.
  19. Olrik 401; IV. Esra 5, 7. Vgl. Gunkels Bemerkung ebd. Vgl. unten „15 Vorzeichen“: die Meerwunder brüllen.
  20. Bahman Yast 2, 31. 42 f.; Matth. 24, 30; Apok. Joh. 6, 13; IV. Esra 5, 4; Henoch 80, 4 ff. Allgemein verbreitet: Olrik 339 ff.; lappisch: Olrik 401; indisch Olrik 388; Voluspá = Genzmer Edda 2, 57; Gylfaginning 51 = Neckel-Niedner Jüngere Edda 110; Böckel Volkslieder 99 Nr. 115; Mittler Deutsche Volkslieder 1865, 371; W. Boette Religiöse Volkskd. 1925, 162; Erk-Böhme 3, 165; Hruschka-Toischer 58 Nr. 84 b; Sonne, Mond, Sterne fallen: P. Bahlmann Rhein. Seher u. Propheten 1901, 33. Vgl. Nachweise zu 14. 15.
  21. Sib. 8, 243; Matth. 24, 27; Luc.; 17, 24. Vgl. v. Gall 423.
  22. Yast 19, 94 (?); I. Kor. 15, 52; I. Thessal. 4, 15 ff.
  23. Nigromantisches Kunstbuch, Köln a. Rh. 1743 bei Peter Hammers Erben (Scheibledruck) 85 ff.
  24. Peuckert in Mschles Vk. 1928, 217 ff.

Naher oder ferner Termin

Der Zeitpunkt des jüngsten Tages wird oft als nahe empfunden; die Axt ist den Bäumen schon an die Wurzel gelegt[1]; 1928 stehen alle Toten auf[2]; die Hemdnäherin ist am letzten Ärmel [3]; es werden nur noch 11 Päpste sein [4]), ja alle Vorzeichen sind schon geschehen[5]. Um eine Kirche bei Brixen ist eine Kette 2¼ mal geschlungen; jedes Jahr wird ein neues Glied (1 Fuß lang) zugefügt; reicht sie dreimal herum, ist das Ende da[6]. – Der jüngste Tag wird als sehr fern[7], aber doch als bestimmt kommend aufgefaßt; man kann einen Spuk nicht ewig, nur bis zum jüngsten Tage verbannen[8]. So setzt man Fristen „bis zum jüngsten Tag“[9]; bis zum jüngsten Tag bleiben die mit Luzifer gestürzten Engel als Norgen[10]; möge Schnee die verwünschte Alp am Davoser Schwarzhorn decken[11], muß Tannhäuser auf Erlösung warten[12], der bei Frau Hulli[13], bei der Nixe[14] bleiben, wer zu ihr geht; der ewige Jude umgehen[15], der wilde Jäger jagen[16]; ist Sibylle in den Turm[17], der Teufel in einen Turm der Stadtmauer gebannt[18], der Drache im Fledermausstein bei Itschna (Zürichsee) gebunden[19], darf der Bergmeister als Bergmönch umgehen[20], wünscht sich Hackelberg zu jagen[21], tanzen die Teilnehmer am verbotenen Tanz[22], verflucht sich Müllerstochter in den Stein[23], ist Hexengesindel in den Stein gebannt[24], reitet der Bauer, der beim Hexenritt verunglückte[25], büßt der Teufelsbündner[26], geht der ewige Jude[27]. Bis zum jüngsten Tag muß mancher Böse als Spuk umwandeln[28], zechen die Ritter in der versunkenen Burg Landecke[29], muß mancher Spuk verbannt büßen[30], Heide zählen[31], der sich selbst verschwörende Meineidige schreien[32], versucht der in den Gletscher verbannte, diesen zu spalten[33], denn bis zum jüngsten Tag kann der Spuk nicht Ruhe finden, wenn er nicht erlöst wird[34], ist der Himmel den Selbstmördern verschlossen[35]. Bis zum jüngsten Tag versucht der Tote umsonst, den Knoten im Sterbehemd zu lösen[36]. Bis zum jüngsten Tag geht die weiße Frau um[37], spielen Engel und Teufel um Reginalds Seele[38]; ihn erwartet der verbannte Geist auf der Hühnerspielspitze am Brenner[39]; bis zum jüngsten Tag mißt ein daumenlanges Männel im mnl. Brandaengedicht den See[40], muß der vor Gottes Gericht Geladene stehen, wenn ihm nicht verziehen wird[41]. So viel Seelen wie der liebe Gott hofft der Wassermann am jüngsten Tag gefangen zu haben[42].

  1. Matth. 3, 10.
  2. Wiener Kinderglaube ZföVk. 34, 42.
  3. Subella: Kühnau Sagen 1, 555 Nr. 594. 595; MschlesVk. III, 5, 61; Peuckert Schlesien 67; Heuscheuerjungfrau: Kühnau Sagen 1, 556; 3, 665; Jungfrau in Ringelkoppe: Kühnau Sagen 1, 557 f. 558; 3, 521; Grohmann Sagen 57 f.; im Barzdorfer Gebirge: Kühnau 1, 561 f.; Melusine in Luxemburg: Zaunert Rheinland 1, 302.
  4. Schönwerth Oberpfalz 3, 330. Gehört wohl zur joachit. Lehre vom „Engelpapst“.
  5. Wadstein 544; Migne PL. 40, 667; Schönbach Altdeutsche Predigten 3, 184; vgl. Kühnau Sagen 3, 483: in genau 200 Jahren.
  6. Panzer Beitrag 2, 393.
  7. Höhn Tod 326.
  8. Grässe Preußen 2, 1070 f.
  9. DWb. 4, 2, 2374; Jäklin Volksth. 3, 350; ZfdA. 8, 218 f.; Lammert 183; Zahler Simmenthal 102. 105. 110 f.
  10. Zingerle Sagen 1859, 39.
  11. Herzog Schweizersagen1 2, 5. Ist Kirche versunken: Karasek-Langer u. Strzygowski Sagen d. Beskidendeutschen 26.
  12. Kuoni St. Galler Sagen 129; SAVk. 14, 182 f.
  13. Zaunert Natursagen 1, 107; ZfdMyth. 1, 23 ff.; bei Bergfrau: Freisauff 136.
  14. Sieber Harzlandsagen 29.
  15. Peuckert Schlesien 65. Vgl. die weinende Dame Rolands im Pierre-Dégouttante: Sébillot 1, 329 f.
  16. Sieber Harzlandsagen 69; Kuhn Märk. Sagen 19 f.; Zaunert Rheinland 2, 234; Kühnau 2, 479. 458. 506; Ranke Sagen2 126.
  17. Peuckert Schlesien 67. Vgl. Nachw..
  18. Grimm Sagen 150.
  19. Herzog Schweizersagen1 1, 212 f.; vgl. Jegerlehner Oberwallis 72 f.
  20. Sieber Harzlandsagen 297.
  21. Kuhn Märk. Sagen 187 f.
  22. Walliser Sagen 2, 118.
  23. Ebd. 111 ff.
  24. Müller Sagen aus Uri 1, 103; ins Moor: Ullrich Kuhländchen 77.
  25. Kuhn Westfalen 1, 374.
  26. Mailly Friaul 73 ff.
  27. Künzig Schwarzwald 199; Anm. 286.
  28. Kühnau Sagen 4, 146; Oberschles. Sagen 389; Jungbauer Böhmerwald 117; Herzog Schweizersagen1 2, 126; Kuoni St. Galler Sagen 140 f. 145 f.; Kapff Schwaben 23. 30; Baader N. Sagen 38; Zaunert Rheinland 1, 21; 2, 224; Kuhn Westfalen 1, 215; Wucke Werra 281; Quensel Thüringen 323; Grässe Preußen 2, 661; Karl Ed. Haase Sagen d. Grafschaft Ruppin 1887, 79. Vgl. dazu v. Gall 121. 308.
  29. Herm. Janosch Unsere Hultschiner Heimat (1924), 24.
  30. Müller Sagen aus Uri 1, 14 f.; 2, 162; Alpenburg Tirol 187 f.; Panzer Beitrag 1, 188; Herm. Heller Höhlensagen aus d. Land unter d. Enns 1924, 78; Wolf Deutsche Märchen u. Sagen 176; Zaunert Rheinland 2, 12; Sieber Harzlandsagen 188. Vgl. Zaunert Deutsche Märchen seit Grimm 1, 121.
  31. Herm. Lübbing Fries. Sagen 144 f.
  32. Strackerjan 1, 364 = Ranke Sagen2 50.
  33. Freisauff Sagen 614 f.
  34. Jäklin Volksth.1 3, 9.
  35. Harry Söiberg. Der Seekönig 1930, 112; Andrian Altaussee 118.
  36. Festschr. f. Lemke 1908, 234.
  37. Sieber Harzlandsagen 69.
  38. Wolf Niederländ. Sagen 1850, 212.
  39. Alpenburg Tirol 182.
  40. Grimm Myth. 1, 373 f.
  41. Wenzig Westslav. Märchenschatz 94.
  42. Kühnau Sagen 2, 356 f.

Ohne Parallelen ist ein französischer Glaube (Loire-Inférieure), daß am jüngsten Tage alle Katzen die Mauer der Hölle entlangklettern[1].

  1. Sébillot 3, 122.