Irlmaier ein Savant? (Schauungen & Prophezeiungen)

IFan @, Sonntag, 09.07.2017, 23:57 (vor 1295 Tagen) @ Taurec (2648 Aufrufe)
bearbeitet von IFan, Montag, 10.07.2017, 00:05

Hallo Taurec, BB et. al.,

wenn man Kritik an Irlmaier (und in dessen Gefolge Adlmaier) liest, steckt dahinter gelegentlich ein Ton von "das war ein Betrüger, das hat der absichtlich gemacht, in voller Kenntnis dessen, was er tat, der war regelrecht bösartig!".

Es gibt ja so "Reinkarnationstherapien", in denen Patienten (oder vielleicht besser "Teilnehmer" genannt) unter einer Art Hypnose / Trance allerhand "Wissen" von sich geben, das im Nachhinein schwer zu überprüfen ist, sich aber gelegentlich recht glaubwürdig und vor allem interessant liest, wenn es vergangene Leben betrifft.

Ob wirklich etwas dran ist, ist schwer nachzuvollziehen.

Das Gehirn vollführt manchmal besondere Akrobatenstücke, die auf den ersten Blick vielleicht nicht als solche erscheinen, weil sie im Alltag nicht wiederholbar sind, also bei normalem Tagesbewusstsein. Hier sind besonders die sogenannten "Savants" interessant, die teilweise ganz besondere Begabungen haben. So gibt es jemanden, der nach einem Überflug über Rom die ganze Stadt einschließlich aller Häuser in jedem Detail nachzeichnen konnte, also auch die einzelnen Fenster in ihrer Ausprägung und genauen Anzahl. (Für das Zeichnen hat er wohl mehrere Tage gebraucht.) Hier ein paar Artikel über solche "Inselbegabten" und deren "Verwandte", - Verwandte in dem Sinne, dass sie ähnliche psychische Probleme haben - eins zwei drei vier fünf.

Psychische Störungen können immer mehr oder weniger ausgeprägt sein. Außerdem gibt es jede Menge Variationen davon. Fast jeder hat "Macken". (Mein Psychologieprofessor sagte einmal in einer Vorlesung, "Macken haben wir alle!". Wobei ich aber nicht primär Psychologie studiert habe; das war nur eine Nebenvorlesung in einem anderen Studium, die ich aus Interesse gehört habe.)

Es soll einen Fall geben, bei der eine Frau keltische Weisen singen konnte, die sie aber eigentlich nie gelernt haben konnte. Wohl unter Hynose o.ä.. Es stellte sich heraus, dass sie wohl einmal in einer Bibliothek in einem Buch geblättert hatte, in dem ein solches Lied verzeichnnet war. Das Hirn hat anscheinend dieses Blatt abgespeichert und konnte es unter dieser besonderen Voraussetzung wieder abrufen - wenn auch unbewusst - , so dass die Dame es wiedergeben konnte. Den Rest hat dann etwas Ausarbeitung (unbewusste wohl) dazu getan.

Das hört sich jetzt etwas schwer nachzuvollziehen an. Man kann sich der Sache aber nähern, wenn man einmal das ganz normale Alltagsleben genau betrachtet. Gesetzt den Fall, man sieht die Nachrichten von gestern (weil man auf dem Recorder die falsche Datei angewählt hat z.B.) oder man hört auf einem anderen Sender Nachrichten, von denen bestimmte Berichte schon woanders liefen. Sofort merkt man, "Habe ich doch schon gehört!" bzw. "- gesehen!".

Warum aber weiß man, dass man das schon gehört hat? Würde man aufgefordert, einzelne Bilder der heutigen Nachrichtensendung, die man gesehen hat (zum ersten Mal), aus dem Gedächtnis zu holen und detailliert zu berichten oder sogar nachzuzeichen, würde man dazu nicht in der Lage sein. Ich könnte einzelne Szenen der Straßen in Hamburg nicht nachzeichnen, noch nicht einmal in Details beschreiben. Wird aber ein Bericht noch einmal gezeigt, vielleicht nur in einem neuen Bericht eine einzelne Szene noch einmal gezeigt, kommt sofort die Erinnerung.

Wie aber kann das sein, wenn das Gehirn nicht diese Szene(n) irgendwo abgespeichert hat, offensichtlich in allen möglichen Details?

Lässt man Revue passieren, was man sich an dem Tag im Fernsehen alles angesehen hat und wobei man sich erinnern würde, wenn man es schon mal gesehen hätte, wird das eine unglaubliche Menge an Erinnerungen. (Wobei das bei mir mit größerem zeitlichen Abstand stark abnimmt; nach nur ein paar Tagen kann ich mich nicht mehr daran erinnern, ob ich an dem und dem Tag die und die Tiersendung o.ä. gesehen habe. Das Gehirn räumt in der Nacht wohl stark auf.) Das kann nur dann sein, wenn das Gehirn es abgespeichert hat.

Irlmaier war einmal mehrere Tage verschüttet; vielleicht - wahrscheinlich sogar - hat das bei ihm eine psychische Störung verursacht. (Die sich auch in der "Hardware", also im Gehirn, niedergeschlagen haben könnte.) Es könnte also sein, dass er unter besonderen Umständen Erinnerungen aufrufen konnte, bei denen er sich nicht bewusst war, dass es Erinnerungen waren. Er hat sie in dem Moment als Schauungen empfunden.

Erschwerend kommt bei ihm vielleicht noch hinzu, dass er auch Schauungen hatte. Dass die ganzen Berichte von Kriegsgefangenen, Kriminalfällen und teilweise auch Voraussagen (siehe hier und hier) alle erstunken und erlogen sind, will sich mir nicht recht erschließen.

Die Analyse von Irlmaier hier und die Nachweise seiner nicht auf eigenen Schauungen beruhenden Vorhersagen halte ich für wenig zweifelhaft. Insofern ist gegenüber seinen Voraussagen sicher Skepsis angebracht, wenn sie sich auch in zahlreichen Büchern wiederfinden. Ein großer Teil davon wird wohl Nacherzählung bekannter Schauungen / Prophezeiungen sein. Aber dass das immer böse Absicht gewesen ist, er sich dessen stets voll bewusst war - das bezweifle ich.


Gruß, IFan


Gesamter Strang: