Nichtnahöstliche Weltuntergangsphantasien (Schauungen & Prophezeiungen)

Isana Yashiro @, Sonntag, 01.11.2020, 07:54 (vor 116 Tagen) @ Coyote (559 Aufrufe)

Hallo!

In diesem Strang wird endlich mal über (also auf einer Sprachebene oberhalb der) Religion geredet, nicht innerhalb. Diese Gelegenheit will ich nutzen, um ein paar Ideen aufzuzählen, die nicht zu irgendeiner Religion aus dem nahöstlichem Raum gehören:

  • Untergangsphantasien nach Malthus;
  • Untergangsphantasien aufgrund des Kalenders der Maya;
  • Untergangsphantasien aufgrund des Klimawandels;
  • Untergangsphantasien wegen peak oil;
  • Untergangsphantasien aufgrund der Entdeckung, daß es erdnahe Asteroiden gibt;
  • Untergangsphantasien aufgrund der Entdeckung, daß es Pandemien geben kann;
  • Untergangsphantasien aufgrund der Entdeckung, daß sich die Pole der Erde ab und zu verschieben;
  • Untergangsphantasien wegen der Überlieferungen über untergegangene Kontinente;

Diese Liste ist sicherlich nicht vollständig und deshalb auch nicht nummeriert. Obwohl es das leichter gemacht hätte, auch noch aufzuzählen, welche Untergangsphantasie auf wessen Konto Geld fließen läßt. So verdient zum Beispiel Al Gore kräftig an den Untergangsphantasien aufgrund des Klimawandels. Aber das ist nebensächlich.

Ich will anhand dieser Liste voller Beispiele hauptsächlich verdeutlichen, daß Nordeuropäer sich nicht deshalb Weltuntergangsphantasien hingeben, weil sie zusammen mit einer nahöstlichen Religion die Erwartung eines nahenden Weltunterganges übernommen hätten. Der Kalender der Maya läßt sich gewiß nicht der nahöstlichen Kultur in die Schuhe schieben. Er ist eine rein mesoamerikanische Sache und wurde von Europäern instrumentalisiert, um bis 2012 eine weitere Begründung für den nahenden Weltuntergang zu haben, weil der Bezug auf die Bibel bei den meisten Leuten schon lange nicht mehr funktioniert. Das Fazit daraus ist, daß auch die christliche Naherwartung niemals eine Konsequenz aus dem biblischen Glauben war, sondern erst der nahende Untergang aus einem europäischem (und wahrscheinlich, Stichwort Zombie-Apokalypse, bei den Angelsachsen noch ausgeprägterem) Bedürfnis heraus erwartet wird und deshalb unter anderem eine typisch angelsächsisch-europäische Interpretation der Bibel als Begründung herhalten kann. Sieht man Johannes von Patmos als Griechen an, dann steht schon der der europäischen Kultur näher als der nahöstlichen.

Die Erwartung des nahenden Weltuntergangs den Arabern in die Schuhe schieben zu wollen, ist also nichts anderes als ein blinder Fleck der eigenen Kultur gegenüber. Natürlich ist es auch ein blinder Fleck denen gegenüber, die sich von der Bibel abgekehrt und dem Islam zugewandt haben. Das würde doch kaum jemand in der Erwartung tun, schon bald genau dafür von einem wiederkehrendem Christus gekeult zu werden?

Gruß,
Shiro


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