Irak: Einige Militärstrategische Anmerkungen
Geschrieben von Swissman am 05. Mai 2002 16:31:58:
Als Antwort auf: seltsamer Zeitpunkt geschrieben von Torsten am 05. Mai 2002 11:27:38:
>die Amis haben echt Nerven. Wenn man nicht genau wüßte, daß das Alles nur unserer Sicherheit und dem Kampf gegen den Terrorismus dient, könnte man glauben, hier würde ein Raubkrieg gegen Erdölgebiete vorbereitet.
Von Katar bis zur südirakischeb Grenze sind es ca 600km, über den Persischen Golf. Für die erste Phase eines allfälligen Irak-Feldzuges, der aus der Luft geführt würde, spielt dies keine grosse Rolle - natürlich steigt durch die grössere Entfernung der Treibstoffverbrauch, was aber keine grosse Rolle spielt, da Katar ohnehin der grösste Kerosinlieferant der USA ist. Die Versorgungswege wären also denkbar kurz.
Nein, was mich stört ist etwas ganz anderes: Kriege werden letztendlich mit Bodentruppen entschieden - mit noch so erdrückender Luftüberlegenheit ist es trotzdem unmöglich, auch nur einen Quadratzentimeter Boden zu besetzten. Die entscheidende Frage ist daher folgende: Wie gedenkt der Ami, seine Bodentruppen in den Irak zu bringen?
Saudi Arabien und Kuwait haben sich bereits geweigert, einen erneuten Irakkrieg zu unterstützen. Der Iran fällt sowieso aus. Rein theoretisch wäre es möglich, von Jordanien aus entlang dem Wadi Hauron, bzw. aus Syrien den Euphrat hinunter vorzustossen. Die beiden Länder würden dies mit Sicherheit nicht erlauben, in der momentanen Lage im Nahen Osten schon gar nicht - die betreffende Regierung würde damit ihr eigenes Todesurteil unterzeichnen.
Ich habe auch schon den Vorschlag gehört, von der Türkei aus durch Kurdistan vorzustossen - solche Überlegungen sind Blödsinn: Selbst wenn die Türkei einwilligen würde, was durchaus nicht sicher ist, wird dabei ausser Acht gelassen, dass Irakisch-Kurdistan ein weitgehend wegloses Hochgebirge mit reissenden Bergflüssen ist - ein logistischer Alptraum. Und auf der türkischen Seite der Grenze sieht es nur unwesentlich besser aus.
Die einzige verbleibende Möglichkeit besteht darin, den Südirak direkt anzugreifen. Dies ist im Prinzip möglich, da der Irak einen eigenen Zugang zum persischen Golf besitzt. Und nun die schlechte Nachricht: Die Halbinsel Fao ist nur ca. 30 km breit, teilweise ist ihr zudem die kuwaitische Insel Bubijan vorgelagert - den betreffenden Abschnitt könnte man nicht erreichen, ohne die kuwaitischen Hoheitsgewässer zu verletzen. Die Schiffahrt wird weiter durch viele Untiefen und Sandbänke, die sich zudem strömungsbedingt laufend verändern, erschwert. Vor allem aber sind wir hier mitten im Delta des Schatt el-Arab - Von der Golfküste bis kurz vor Basra erstreckt sich ein riesiges, wegloses, Sumpfgebiet, welches für Panzer und schweres Gerät nicht pssierbar ist. Bereits im Iran-Irak-Krieg versuchten die Iraner, die irakische Front mittels massierter Infanterieangriffe durch das Sumpfgebiet seitlich zu umgehen, und die Front von hinten aufzurollen. Der Angriff blieb in irakischen Giftgasschwaden und grossflächigen Verminungen, die vermutlich bis heute nicht geräumt worden sein dürften, liegen. Last but not least liegen Flussaufwärts verschiedene Staubecken, die man bei Bedarf sprengen könnte.
Ein weiteres Problem ist die Logistik: der einzige irakische "Meeres-Hafen", Fao, ist nichts weiter, als ein grösseres Fischerdorf. Um gegen den Irak bestehen zu können ist es aber notwendig, Panzerdivisisonen mindestens in Korpsstärke zum Einsatz zu bringen. Für deren Logistik benötigt man zwingend einen leistungsfähigen Hafen. Der einzige Hafen im Irak, der dies leisten könnte, ist Basra. - Um Basra einzunehmen würde man mit Vorteil eine grossangelegte Luftlandeaktion durchführen. Anschliessend müsste man den Lauf des Schatt al-Arab von Basra nach Fao sichern, um dann den Nachschub über das Nadelöhr des Flusses hinaufzubugsieren.
Selbstverständlich kann sich der irakische Generalstab all dies ebenfalls ausrechnen, und daher wird er seine besten Verbände, einschliesslich der Republikanischen Garden, in den Grossraum Basra verlegen. Bekanntlich sind Luftlandetruppen leicht bewaffnet, und daher wäre der Brückenkopf anfänglich äusserst verwundbar, wenn er einem entschlossen geführten Panzerangriff ausgesetzt würde. Selbst wenn die Operation gelingt, ist der Nachschub noch lange nicht gesichert: Es genügt, irgendwo flussaufwärts Treibminen auszulegen - die Trefferwahrscheinlichkeit ist enorm hoch. Und selbstverständlich könnte man den Schiffsverkehr auch komplett blockieren, indem man ein Schiff entsprechender Grösse (ein alter Erdöltanker, möglichst mit Beton ausgegossen, wäre ideal) in der Fahrrinne versenkt.
Ich komme daher zum Schluss, von einer Militäroperation gegen den Irak abzuraten.
- Die Lösung ist wohl einfacher... Torsten 06.5.2002 10:19 (3)
- Re: Die Lösung ist wohl einfacher... katzenhai2 07.5.2002 03:06 (2)
- Ideale Torsten 07.5.2002 08:43 (1)
- Re: Ideale katzenhai2 08.5.2002 01:17 (0)
- Re: wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Guerrero 05.5.2002 21:10 (4)
- Re: wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Swissman 05.5.2002 21:32 (3)
- Re: wer nicht für uns ist, ist gegen uns. katzenhai2 07.5.2002 03:09 (0)
- Re: wer nicht für uns ist, ist gegen uns. another 05.5.2002 22:17 (1)
- Re: wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Swissman 06.5.2002 13:47 (0)
- Re: Irak: Einige Militärstrategische Anmerkungen IT Oma 05.5.2002 17:22 (7)
- Re: EUPHRAT ...der 6.Engel Apollo 05.5.2002 21:42 (5)
- Re: EUPHRAT ...der 6.Engel katzenhai2 07.5.2002 03:14 (0)
- Re: EUPHRAT ...der 6.Engel IT Oma 05.5.2002 23:20 (1)
- Das war T-Online - spät aber gewaltig ;-)) (o.T.) IT Oma 05.5.2002 23:29 (0)
- Re: EUPHRAT ...der 6.Engel IT Oma 05.5.2002 23:11 (0)
- Re: EUPHRAT ...der 6.Engel IT Oma 05.5.2002 23:09 (0)
- Re: Irak: Einige Militärstrategische Anmerkungen Swissman 05.5.2002 21:22 (0)