Nur zum Thema Polen

Geschrieben von franke43 am 16. April 2004 12:16:11:

Als Antwort auf: Re: Franke, das ist mal eine tolle Antwort geschrieben von Marc Malbec am 15. April 2004 17:07:16:

Hallo

Vielen Dank für die Komplimente. Ich habe sie gar
nicht verdient.

>>Moment: war es völkerrechtlich in Ordnung, dass ab
>>1773 Polen von den Nachbarn sukzessive eingesackt und
>>als völkerrechtliches Subjekt für über 100 Jahre
>>einfach ausgeschaltet wurde ?
>Nein. Die Frage ist, welche Folgerungen sich aus dieser Feststellung ergeben?

Für mich die Folgerung, dass ein freies und selbst-
bestimmtes Polen wiederherzustellen war, und zwar
auf Kosten derer, die ab 1773 Polen eingesackt
und als eigene Nation (vorübergehend) eliminiert
hatten. Das war aber 1919 erstmals möglich, weil
erst 1919 alle 3 Länder, die sich ab 1773 bereichert
hatte, Kriegsverlierer waren und zu Gebietsabtretungen
gezwungen werden konnten. Das waren die Länder
Russland, Österreich und Preussen (Deutschland).
Alle drei hatten ab 1773 vom Landraub an den Polen
profitiert, und 1919 wurde dieser Landraub rück-
gängig gemacht.

>>>Polen war Profiteur des Versailler Verbrechens-Vertrags. Kann jemand, der >wisenrtlich von einem Verbrechen profitiert, daraus Ansprüche ableiten?
>>Wenn dieser Teil des Vertrags altes Recht (vor 1773)
>>wieder herstellt, warum nicht ? Die polnischen Teilungen
>>hätte es nie geben dürfen.
>Ja. Den Rückgriff auf 1773 kann ich mangels genauerer Kenntnisse nicht >nachvollziehen, ich würde jedoch davor warnen, Gebietsansprüche aus längst >versunkenen Zeiten ableiten zu wollen. Wende diese Methode mal konsequent an, >und frage, wo überall mal deutsches Staatsgebiet war? Dann sind die nächsten >Kriege garantiert.

Hier handelt es sich eben nicht um Gebietsansprüche
aus einer fernen Vergangenheit. Genau wie die deutsche
Nation existierte die polnische Nation trotz der
Fremdherrschaft weiter, nämlich als intakter Sprach-
und Kulturraum. Die Polen waren zwar von den Nachbarn
unterjocht, wohnten aber immer noch in ihren Siedlungs-
gebieten und pflegten die "Idee" Polen weiter. Deshalb
lautet ja der anfang der polnischen Nationalhymne:

"Noch ist Polen nicht verloren"

Ein Zitat eines Zeitzeugen von damals, nämlich der
Liedermacher Carl Michael Bellman (Stockholm):

"Jag satt och spelte nykter och sur
drottningens polska i Polen, G-Dur.
Runt kring mig satt förståndiga män,
den drack ett stop, ett halvstop drack den.
Men hur det var fatt,
slog en av min hatt,
en ann´ sa åt mig:
"Va faan angå dig
Polens affärer - pling plingeliplong
Spela ej polska men lär dig en gång
ha tand för tunga - pling plingeli plong"

Und an anderer stelle im gleichen Liedtext:

"de ropa "Slå - skoflickarn har rätt,
Polen är straffat, dess öde utmätt"

Der Liedtext entstand 1773 oder kurz danach.

Trotz Aufteilung unter die Fremdherrschaft
existierte die polnische Nation als Sprache,
Kultur, Idee und gemeinsamer Siedlungsraum weiter.
Napoleion machte mit dem Herzogtum Warschau
den ersten Versuch, ein freies Polen wieder-
zuerrichten. Auch die 3. OHL versuchte gegen
Kriegsende dasselb, um polnische Freiwillige
gegen Russland zu rekrutieren. Deutschland
hatte keinen Grund sich zu beklagen, als
dieser Gedanke der 3. OHL 1919 wieder auf-
gegriffen wurde. Im Falle Polen setzte sich
Woodrow Wilson und sein Konzept vom recht
der Völker auf selbstbestimmung durch.

1920 fiel übrigens die neue Rote Armee in
Polen ein und wollte das Land gleich wieder
kassieren, musste aber von der völlig neu
aufgestellten polnischen Armee in der Schlacht
von Razimin eine fürchterliche Niederlage
einstecken.

Gruss

Franke


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