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Dekadenz und Verfall

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 19. Januar 2017, 12:49 (vor 212 Tagen) @ Tribun

Hallo!

Hierzu noch ein paar Zusätze.

Warum ist solch ein Reich, eine solche umfassende Macht zusammengebrochen?
Nein, nicht weil das Christentum dort einzog. Es war einfach die Dekadenz.

Über viele Jahrhunderte ging es im römischen Reich immer mehr Leuten richtig gut. Der Lebensstandard auch bei den kleinen Leuten stieg. Es gab unter Kaiser Trajan/Hadrian und auch unter anderen längere Phasen ohne nennenswerte Kriege. In dieser Zeit konnte sich ein Lebensstandard auch des einzelnen mehr und mehr verbessern.
Nur dann kam eine Zeit, die Zeit der Völkerwanderung. Und diese Zeit, dieses Drängen der Randvölker in das Kernland des römischen Reiches, diese Zeit war der Anfang vom Ende des großen römischen Reiches.

Zentralverwaltung, Wasserversorgung, Wirtschaften und Wohlstand durch Technik (gab es in der Antike in Ansätzen ebenfalls), Panem et Circenses (Bier, Kino und Fußball) sind Zivilisation (also äußere, systematische Organisation) und nachkulturell. In diesen Phasen ist die Kultur, die dies durch Philosophie, Wissenschaft und ein auf Religion (metaphysische Verwurzelung, nicht ritualisiertes Schriftennachbeten) basierendes Lebensethos schuf bereits tot. Die in dieser Phase Lebenden schleppen sich auf hohem Niveau aus reiner Gewohnheit und aus Restbeständen der Tradition dahin, während der Unterbau allmählich degeneriert.

Das Einfallen von Fremdvölkern ist äußerlich und lediglich ein Symptom des schon fortgeschrittenen inneren Zerfalls. Dekadenz beginnt schon viel früher, in Rom spätestens im 1. Jahrhundert vor Christus, in Griechenland schon vor Alexander dem Großen. Invasionen und Völkerwanderungen stehen insofern am Ende des Untergangs und besiegeln ihn.
Nicht übersehen werden darf, daß im römischen Reich schon Jahrhunderte vor der Völkerwanderung durch massenhaften Sklavenimport und Geburtenschwund der Römer und Griechen (also der Träger der Antiken Kultur) bereits vergleichbare demographische Schieflagen erreicht waren wie im heutigen Europa.
Die Einwanderer nehmen äußerlich die Lebensgewohnheiten der Zivilisation an, ohne ihr innerlich anzugehören. In dem Maße, in den die Träger der untergehenden Kultur schwinden, sinken Lebensstandard, Bildung, geistige Höhe etc., bis ein Zustand vergleichbar der Spätantike entstanden ist, als auf dem Forum Romanum zwischen Ruinen Schafe weideten und die Menschen glaubten, das Kolosseum wäre von Göttern oder unbegreiflichen mythischen Urwesen erbaut worden. Die Kaiserpaläste waren aber noch bewohnbar und in ihnen regierten Herrscher, die mit Römern nichts mehr gemein hatten. Sie hatten römisch klingende Namen, trugen Toga, waren aber Nachfahren freigelassener Sklaven oder germanischer Feldherren.

Der Grundgedanke des christlichen Glaubens ist auf Frieden aufgebaut.

Mit Religion (egal welcher) ist es so eine Sache. Sie behauptet ewige, allgemeingültige Wahrheiten, wird aber tatsächlich von jeder Zeit anders interpretiert. Was die Menschen wollen bestimmt die Religion, nicht andersherum.
Gleichwohl der christliche Grundgedanke wohl friedlich ist, war dies für unsere Vorfahren kein Hinderungsgrund, mehrmals in den islamischen Raum einzufallen und dort Königreiche zu gründen. Auch das Vordringen der Türken wurde nicht durch pazifistische Ideen aufgehalten. Nicht zuletzt führten die Europäer untereinander, jeder für sich christlich fromm, über viele Jahrhunderte Krieg. Krieg ist der Naturzustand eines gesunden Volkes. Krankhaft ist Frieden um jeden Preis und Fremden die gleichen Rechte zuzugestehen, bzw. die (christliche) Nächstenliebe zuteil werden zu lassen, die den eigenen Leuten vorbehalten sein sollte.
Heute begründen die Kirchen, die völlig im Zeitgeist schwingen und am Niedergang mitarbeiten, diese Lebenshaltung (Selbstaufgabe zugunsten des Fremden) mit christlichen Argumenten. Sie führen dabei dieselben Schriften und Lehren an wie ihre kriegerischen Vorfahren, legen diese aber völlig entgegengesetzt aus, was ihnen vermutlich noch nicht mal auffällt.

Es zeigt sich, daß Kirchen, heilige Schriften, Katechismen, Dogmen, Lehrgebäude, alle christlichen Organisationsformen lediglich oberflächlich und äußerlich sind. Diese Dinge, bzw. der Glaube daran kann nicht das Fundament einer Religion sein. Es muß zuallererst im Inneren getan sein. Ein Mensch und eine Gruppe müssen die Gegenwart einer transzendenten Wirklichkeit gänzlich ohne Argumente als schlichte Tatsache erkennen. Dann fließt einem aus diesen Sphären Kraft zu, die sich bei einer reinen Ausrichtung auf das Materielle nicht erschließt. Erst in zweiter Linie bilden sich als Symbol dieser inneren Grundgewißheit äußerliche, organisierte Religionsformen, die so oder so aussehen können.
Im heutigen Europa fehlt die transzendente/metaphysische Verwurzelung. Die Kirchen sind nur noch hohle, geistlose Restformen, die nicht wieder lebendig werden, indem man sich zu den Formen bekennt. Das würde z. B. zu seichter Schriftengläubigkeit und geistlosen Ritualen führen, die gebetsmühlenartig, automatisiert heruntergerattert werden, ohne mit dem ganzen Wesen beteiligt zu sein. Es ist nicht so, daß der heutige Abendländer keinen Hunger nach Metaphysik hätte. Das europäische Christentum mit seinen überalterten Formen verhält sich allerdings wie eine abgestreifte Reptilienhaut, in die man nicht wieder hineinkommt, wenn man ihr entschlüpft ist. Es wird nie wieder so anliegen und passen, wie es das einst tat.
Man muß wieder bei Null anfangen und den Anschluß an Urkräfte suchen, der natürlich völlig unabhängig vom Glaubensbekenntnis für alle Menschen gleichermaßen möglich ist.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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