Unter deutscher Verwaltung

Geschrieben von Suchender am 05. April 2005 07:52:

GÜTERSLOH - Die deutsche Bertelsmann AG, Europas größter Medienkonzern, übernimmt in Großbritannien hoheitliche Aufgaben. Ein Bertelsmann-Tochterunternehmen wird ab Juli 2005 den Großteil der öffentlichen Verwaltungsarbeit einer britischen Gemeinde erledigen. Das Vorhaben gilt der deutschen Firma als ,,Pilotprojekt von strategischer Bedeutung" zur Expansion in einen milliardenschweren Markt. Europaweit will Bertelsmann im Rahmen sogenannter ,,Public Private Partnership" in die zur Zeit noch unter nationalstaatlicher Kontrolle stehenden Bereiche vordringen und Tätigkeiten des öffentlichen Gemeinwesens ausüben. Großbritannien ist daneben Ziel einer Offensive des Konzerns im Bereich der Printmedien. Durch einen Joint-Venture-Vertrag mit zwei deutschen Medienunternehmen und den Neubau von Großdruckereien im Ausland will Bertelsmann die Marktführerschaft im Bereich des europäischen Zeitschriftendrucks erringen.

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,,Hitlers bester Lieferant"
Der wirtschaftliche Aufstieg von Bertelsmann, dem Mutterunternehmen von Arvato, basierte auf einer engen Verstrickung mit dem Nationalsozialismus. Seit 1933 produzierte das Unternehmen NS-Propaganda. Schnell stieg es mit 19 Millionen Exemplaren zum größten Buchproduzenten für die Wehrmacht auf. Bertelsmann darf als ,,Hitlers bester Lieferant" bezeichnet werden. Die von dem Verlag produzierte Literatur ,,vermittelte stark anti-semitische, rassistische, militaristische Inhalte und die nationalsozialistische Propaganda", heißt es in einem TV-Bericht über das Verlagshaus. Bertelsmann war seit 1933 ,,einer der herausragenden Vertreter, der solche Literatur produzierte". Durch die Produktion populärer NS-Literatur erlebte das Unternehmen ,,eine Gewinnexplosion". Der Historiker Norbert Frei attestierte Bertelsmann ,,weltanschauliche Affinität" zum Nationalsozialismus und ,,hohe Anpassungsbereitschaft aus ökonomischem Kalkül". Der ehemalige Verlagschef Heinrich Mohn unterstützte seit 1921 die faschistische SS finanziell als ,,förderndes Mitglied". Er spendete rund 15.000 Reichsmark. Vor wenigen Jahren sorgte das Unternehmen mit einer Aufarbeitung seiner Verstrickung in die nationalsozialistische Herrschaft für Aufmerksamkeit. Diese muss jedoch im Zusammenhang mit damaligen Expansionsbestrebungen in den USA gesehen werden, da das Unternehmen erst nach kritischen Berichten in den Medien Nordamerikas tätig wurde. ,,Der Expansionsdrang nach USA, wo das Unternehmen mittlerweile ein Drittel seines Umsatzes macht, zwingt Bertelsmann, unliebsame Fakten aus vergangenen Zeiten zur Kenntnis zu nehmen", hieß es im Jahr 2000 in der Presse.

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