Re: wenn die Geschichte eines Großkonzerns bis 1921 ausgegraben werden muß

Geschrieben von Suchender am 05. April 2005 22:14:

Als Antwort auf: Re: wenn die Geschichte eines Großkonzerns bis 1921 ausgegraben werden muß geschrieben von BBouvier am 05. April 2005 20:04:31:

>"....maßgeblich für die Durchführung der Volksverhetzung und Anstiftung
>zum WK II verantwortlich... """"
>Hallo, Suchender!
>Wie überaus erfreulich, dass die unermüdlichen
>Bemühungen des "Öffentlichen Fernsehens"
>wenigstens bei Einigen offenkundig reiche
>Früchte tragen.
>Der Bertelsmann-Verlag hat also Schuld am II. Weltkrieg.
>Und der 1921 geborene Herr Mohn.
>Und nicht Stalin.
>Und nicht Churchill.
>Und nicht Roosevelt:
>Nein, es war der Teenager Mohn!
>War mir in dieser Deutlichkeit noch nie
>so bewusst geworden.
>Daher:
>Meinen herzlichen Dank, Dir!:-))
>Lieben Gruss,
>BB


Mohn, Heinrich Karl

27.3.1885 - 26.4.1955

...

Das Unternehmen, das Heinrich Mohn 1921 übernimmt wird noch im Stil des 19. Jahrhunderts geführt.

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Ohne Propaganda, wäre das der NS-Staat nicht der, den Hitler wollte!
Dazu trug Mohn wesentlich mit bei:

...

Die neue Produktion wird ab 1934 mit dem Angebot von Kriegsbüchern (anfänglich Rückblicke auf den ersten Weltkrieg, ab 1939 aktuelle Kriegsberichterstattung) zum geschäftlichen Erfolg.

...

Mohn zählte zu den Marktführer unter Kriegsgewinnlern

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Eine neue Verlagslizenz war von den Briten schnell beschafft - hatte doch der politisch belastete Heinrich Mohn die Unternehmensleitung 1946 an seinen aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Sohn Reinhard abgegeben. Später aber musste Vater Heinrich (der 1955 starb) seine Entnazifizierungsangaben korrigieren: Er hatte nicht nur die Gütersloher Ortsgruppe der Bekennenden Kirche geleitet, sondern war auch "Förderndes Mitglied" der SS, also ein Mitfinanzier dieser schlimmsten NS-Truppe, gewesen. Ein "Big Spender" des Terrors - wie groß allerdings, das muss die Kommission noch herausfinden.
Rund 20,4 Millionen Hefte mit Soldatenlesestoff druckte Bertelsmann im Auftrag der Wehrmacht. Unverdächtige deutsche Klassiker (wie Heinrich von Kleist, Gottfried Keller, Conrad F. Meyer und Theodor Storm) wurden dafür missbraucht, aber auch NS-Autoren wie Will Vesper ("Das harte Geschlecht") wurden millionenfach in die Schützengräben geschickt, um dort für gute Stimmung zu sorgen. Ob leichte Unterhaltung oder eindeutige NS-Propaganda: beides diente dem Regime, mit beidem wurde auch Bertelsmann mitschuldig.

Ist schon dieses allein ein für Bertelsmann hochnotpeinlicher Befund, so wird er noch zusätzlich geschärft durch die Proportionen, in die er von der Kommission, wissenschaftlich genau wie sie ist, ebenfalls gestellt wurde. Nicht Bertelsmann allein hat nämlich dieses Geschäft gemacht, 130 andere Verlage wollten mitverdienen an Ablenkung und Untenhaltung der Soldaten. Aber: C. Bertelsmann war eben nicht einer unter anderen, sondern Marktführer (wie heute auch in manchem). Mit seinen 20,4 Millionen Exemplaren führte das aus christlichem Ethos entstandene Verlagshaus die Rangliste der Verleger von Wehrmachtsausgaben an, und zwar noch vor dem Zentralverlag der NSDAP, dem Verlag Franz Eher Nachf., der nur auf 11,6 Mio. Exemplare im Dienste des Führers kam.

Um Propaganda millionenfach produzieren zu können, braucht es Massen an Papier - 1390 Tonnen für die sog. Feldausgaben, 420 Tonnen für die Kleine Feldpost-Reihe, 119 Tonnen für die Feldposthefte -, und es braucht Logistik. Für den Transport an die Front sorgten Reichspost und Wehrmacht, aber schon der Druck der Millionen war unmöglich in der damals kleinen Bertelsmann-Druckerei in Gütersloh zu bewerkstelligen. Also realisierten die Manager schon damals eine frühe Form dessen, was man heute Globalisierung nennt: Sie lagerten die Herstellung aus, nach Holland, Belgien, Rumänien, dem Baltikum, Böhmen und Mähren. Insgesamt waren 119 Druckereien eingespannt. Auch "im Reich" wurde eifrig gedruckt, und leider half auch eine Behinderteneinrichtung der Kirche, die Anstalt Bethel, mit.

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Hallo Herr Bouvier - ich gehöre weiterhin zu denen, die Ihre sachkundige und fundierte Literatur zu schätzen wissen.


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