Und mir geht das Einprügeln auf Unschuldige auf die Nerven

Geschrieben von franke43 am 10. August 2004 13:01:47:

Als Antwort auf: Das Gejammer geht mir auf die Nerven geschrieben von Dunkelelbin am 09. August 2004 22:34:04:

Hallo

>>Wer wissen will was Armut bedeutet und daß man woanderst die Deutschen nicht verstehen kann (Hartz IV ist schon lange überfällig)

Wir können uns ja auch gern mit Afghanistan oder den
Philippinen oder Sierra Leone vergleichen. Klar gibt
es anderswo viel schlimmeres Elend als das, was die
Hartzreformen bisher mit sich bringen, aber die Lösung
müsste sein, global allen Menschen ein erträgliches
Dasein zu ermöglichen und nicht uns (fast) ins gleiche
Elend zurückzuwerfen, in dem sich viele andere leider
immer noch befinden.

>Hallo JoeKaiser,
>auf die Gefahr hin, dass ich mich mal wieder unbeliebt mache: Ich kann das >ewige Gejammere bald nicht mehr hören!

Und ich kann es nicht mehr hören, wenn unschuldige
Opfer (hier: Arbeitslose) einer schlechten Entwicklung
(hier: "Einsparung" oder Auslagerung von Arbeitsplätzen)
zusätzlich noch von den Tätern und den Noch-Nicht-
Opfern verhöhnt, beschimpft und ins gesellschaftliche
und materielle Abseits geschickt werden. Bei den
meisten heutigen Arbeitslosen fehlt nämlich der
Tatbestand des eigenen Verschuldens, der einzig eine
Bestrafung durch die übrige Gesellschaft rechtfertigen
würde.

>(Damit meine ich nicht Dich, sondern nehme Deinen Beitrag als Einleitung).

Und ich Deinen.

>Wir ALLE haben Jahrzehnte im Überfluß gelebt bis die Wohlstandsgesellschaft >anfing sich selbst zu verdauen.

Klar basiert der Nachkriegswohlstand der "westlichen
Welt" (einschl. Japan und ostasiatische "Tiger") auf
dem weitgehenden elend der "restlichen Welt". Aber
wie erwähnt: niemand ausser einer gewissenlosen und
parasitären hauchdünnen Elite profitiert davon, wenn
statt den meisten praktisch alle wieder ins Elend
zurückversetzt werden, aus denen zumindest wir uns
die letzten 50-60 Jahre lang befreit hatten.

>Es ist doch eine Milchmädchenrechnung gegen die jetzt demonstriert wird. Es >ist ein bestimmter Betrag im Sack drin und der kann nun mal nur einmal >ausgegeben werden.

Der Geldsack mag leer sein, der Sack an Gütern und
Dienstleistungen (BNP) hingegen ist keineswegs leer,
sondern nach wie vor prall gefüllt an all dem, was
wir alle brauchen, um nicht nur physisch überleben,
sondern sogar anständig und in bescheidenem Wohlstand
(halt etwas weniger als jetzt) leben könnten - wenn
denn vernünftige Verteilungsmechanismen am Werk
wären. Und damit meine ich die Verteilung der Arbeit
UND der Früchte dieser Arbeit.

>Zu viele *Bürger* haben sich über lange Zeit auf den Staat verlassen ohne auch >nur einen Gedanken daran zu verschwenden, woher das Geld eigentlich kommt.Die >Miß(t)wirtschaft der Regierungsparteien der letzten zwei Jahrzehnte tat sein >übriges.

Jahrzehnte über wurde gezielt ein Vertrauen der
Bürger auf den fürsorglichen Staat aufgebaut, auch
seitens der Staatsorgane, und die Leute haben nur
gelernt, in einem fürsorglichen "Vater Staat" zu
überleben. Und die klassischen Hilfsmittel, wie man
in einem nicht-fürsorglichen Staat überlebt - wie
z.B. Ersparnisse und Kapitalversicherungen - werden
jetzt gezielt zerstört bzw. enteignet. Also soll
man nicht nur (fast) keine Hilfe mehr erhalten,
sondern sich nicht mal mehr selber helfen dürfen.

>Jetzt ist der Sack leer und der Katzenjammer da. Pech.

Der Geldsack ist leer, der Sack mit den Gütern nicht.

>Doch nicht nur das Geld scheint mit den Jahren *entschwunden* zu sein sondern >auch das Wissen darüber, dass jeder Mensch für sich selbst verantwortlich ist.

Verantwortung kann nur zusammen mit Freiheiten und Freiräumen
existieren. Diese Freiräume wurden in D und vergleichbaren
Ländern durch eine Sintflut an gängelnden Bestimmungen
längst völlig beseitigt.

>Jeder beharrt auf seine Rechte, nur die Wenigsten denken auch mal an ihre >Pflichten.

Wurden diese Rechte nicht jahrzehntelang gepredigt und
gerühmt, gerade von den Politikern ? Und zwar als das,
was man früheren Generationen endlich abgetrotzt hatte
und dass man den früheren elenden Verhältnissen endlich
(und für alle Zukunft) entronnen sei ? Denk doch nur
mal 100 Jahre zurück in die wilhelminische Ära mit
ihren Standesdünkeln und ihrem Klassenwahlrecht und
Bismarcks Sozialistengesetzen.

>HartzIV muss kommen, weil es anders eben nicht mehr geht.

Es ginge sehr wohl anders.

>Hier reden alle was >für tolle Typen sie seien, wissen sie doch zu überleben, >wenn der 3.WK oder >die 3TF eintritt - ich lach mich schlapp.

Das Überleben des WK3 basiert auf gewissen Voraussetzungen:

1. Dass man in etwa weiss, WANN der Krieg beginnt
(anhand deutlicher Vorzeichen)

2. Dass man aus den Prophs in etwa weiss, wo und wie er
ablaufen und wie lange er dauern wird.

Unter diesen Voraussetzungen kann man tätig vorausplanen,
gezielt in "harmloseren" Gegenden leben oder frühzeitig
in solchen Regionen Fluchtmöglichkeiten aufbauen, Vorräte
anlegen, praktische Kenntnisse erwerben etc. pp.

Auf das lange und quälende Dauerelend eines Abstiegs der
ganzen Nation zu einem Zweit- oder Drittweltland kann
man nicht auf dieselbe Art angemessen reagieren. Die
Alternative wäre die Auswanderung in ein Land, das sich
(hoffentlich) auf dem aufsteigenden Ast befindet.

>Die Hälfte der STT ( Super-Tollen-Typen )schaffen es ja nicht mal jetzt für >sich zu sorgen.

Eben: manchmal wäre es leichter einen kurzen Krieg
zu überleben (Voraussetzungen siehe oben) als eine
lange und langsame Verelendung. Aus unserer Sicht hier
im Forum wäre ein Ende mit Schrecken tatsächlich weniger
schlimm als ein schrecken ohne Ende.

>Würde HartzIV nicht kommen, würde es wohl bedeuten, dass diejenigen, die in >Lohn stehen noch höhere Abgaben zahlen müssten, um den Wohlfahrtsstaat am >Leben zu erhalten. Meine Abzüge würden erhöht, damit jemand der nicht arbeitet >nicht an seine Sparbücher muss???

Und wie wäre es, wenn man stattdessen die vorhandene
Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich
gleichmässiger auf die Arbeitswilligen verteilen
würde, und damit auch den Lohn der Arbeit und die
Kaufkraft ? Für Noch-Arbeitnehmen mit langfristigen
Verbindlichkeiten (Hausabzahlung ) müsste man eben
flexible Übergangslösungen bei der Schuldenbedienung
machen, damit nicht stattdessen diejenigen, die
unverschuldet arbeitslos werden, ganz aus ihren Häusern
vertrieben und auch noch Opfer von Zwangsversteigerung
und Kapitalzerstörung werden. Vom fehlenden "angemessenen"
Wohnraum für all diese unschuldig sozial Degradierten
mal völlig abgesehen.

Wenn man will und ein wenig mit dem Herzen denkt,
kann man (noch) die Konsensusgesellschaft und den
sozialen Frieden in D und in vergleichbaren Ländern
retten.

>Tut mir leid, die paar Kröten die ich monatlich an die Seite legen kann, wären >dann nicht mehr drin. Das kanns ja auch nicht sein.

Siehe meine Vorschläge. Klar haben auch die ihre
Schwächen, aber da müssten eben mehr Leute kreativ
in dieser Richtung denken.

>Wir alle sind vollkommen verweichlicht, soo schlecht gehts uns bei weitem >nicht, wie alle vorgeben.

NOCH nicht, aber inzwischen scheint ja alles völlig
nach unten offen zu sein, oder ? Ausserdem: wir
sind verweichlicht, weil man uns so erzogen hat.
Wir sind es gewöhnt, morgens in Freiheit und
Menschenwürde zu erwachen und den neuen Tag nicht
fürchten zu müssen (ausser im Srassenverkehr).
Und ehrlich gesagt: genau so sieht menschenwürdiges
Dasein aus, wie ich es allen Menschen weltweit
gönnen würde.

>Grüße
>Dunkelelbin*
>ziemlich dunkel heute.
>

Franke
Auch recht finster


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