Re: Leider hat das aktuelle System dafür Zeitzünder eingebaut
Geschrieben von Johannes am 11. August 2004 18:48:15:
Als Antwort auf: Leider hat das aktuelle System dafür Zeitzünder eingebaut geschrieben von Kiaril am 10. August 2004 17:41:14:
> Antwort des Landwirtes, der neben der Pacht im Anschluß noch eine Obstwiese
> kostenlos draufbekommen hätte: Nö, er bekomme über Brüssel mehr Geld, wenn
> er die Fläche unbewirtschaftet ließe... ohne weitere Worte!
Hallo Kiaril,
auch ich sehe so manche EU-Regelung als sehr kritisch an, weil hier eben nicht mehr regional gedacht und gehandelt wird, sondern nach allgemeinen Regeln, die sich wirklich nur ein Bürokrat ausdenken kann.
> Ich bin selber schon seit ca. 2 Jahren bemüht ein kleineres Stück Ackerland
> zu kaufen, zunächst um selber Obstbäume und später vieleicht noch ein paar
> Merinoschafe draufzustellen. Mannomann! Denkste hier würde was rausgerückt?Ich weiß, der Kauf ist schwierig, denn jemand, der Ackerland hat, der gibt es nicht gern her, auch wenn der Preis niedrig ist (beim Handel unter Landwirten so 3-5 Euro, beim Verkauf an Dritte mehr).
Aber es gibt in vielen Orten Alternativen. Ich habe mich hier z.B. einem Obstbauverein angeschlossen. Der besteht schon seit 45 Jahren und hat seine Fläche als Dauerpacht von der Stadt. Stück für Stück hat der Verein seine Fläche erweitert, so daß wir zusammen gut 8 Hektar Fläche bewirtschaften (Gütesiegel "Integrierter Anbau"), ich habe davon ca. 500 m2 (Spalierobst: 5 Birnen, knapp 70 Äpfel, je 1x Süß-/Sauerkirsche).
Der Preis für die Pacht beträgt 0,15 Euro je m2, so daß ich im Jahr mit 75,00 Euro dabei bin. Hinzu kommen noch Gemeinschaftsarbeiten, und ich muß überalterte Bäume durch neue ersetzen. Und dafür kann ich mit 700-1.000 kg an Ernte rechnen.
Hast Du es schon mal in diese Richtung versucht? Und gemeinsam kann man auch das Wissen bündeln und viele Dinge besser erledigen, und sei es nur das Setzen der Pfosten für das Spalierobst.
> Die zweite Bombe liegt in dem Zwang Grundsteuern zu zahlen. Natürlich macht
> es Sinn "übergroßen" Landbesitz zu besteuern, aber auch Kleinstgrundstücke?
> Auch klar: Für uns erscheinen die zu zahlenden Landwirtschaftlichen Grund-
> steuern als aberwitzig. Aber(!!) sollte eine deflationäre Depression anste-
> hen, könnte selbst die heute als geringe Menge Geld angesehene Steuer dir
> das Genick brechen und die Enteignung wäre die Folge.Also niemals etwas eigenes Aufbauen, weil man es in einem Extremfall vielleicht nicht halten könnte? Sagst Du das auch über ein Haus, das jemand kurzfristig komplett zahlen kann, aber auf das eine geringe Grundsteuer anfällt?
> Also, selbst als Eigenversorger, der niemandem auch nur annähernd auf der
> Tasche liegt, bist du verpflichtet irgendwie an gesetzliches Zahlungsmittel
> zu kommen.Was oft vergessen wird, auch als kompletter Selbstversorger nehme ich sehr viele Leistungen der Gemeinschaft in Anspruch:
- Schulen, Universitäten
- Wege und Straßen (oder wie soll sonst zu den Leuten kommen, mit denen ich tauschen möchte?)
- Gesundheitsversorgung (die für Geringverdiener derzeit stark subventioniert ist)
- Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Feuerwehr
- Im Weltvergleich gutes Rechtssystem
- Soziale Grundversorgung auch für die, die nichts oder fast nichts in die Gemeinschaftskasse einzahlen (weil sie z.B. als Selbstversorger so wenig Lohnarbeit ausüben, daß sie keine Steuern zahlen außer ggf. MwSt)Hast Du die Schilderung von detlef durchgelesen über das System in Kolumbien, wie die Gebäudesicherheit und die Bauaufsicht in der Praxis aussehen? Da bin ich erneut nachdenklich geworden. Sicherlich schimpfen wir hier über die Überregulierung. Aber wie kann man ermessen, was allein das Erstellen und die Überwachung unserer Bau- und Sicherheitsregeln kostet? Alles dies sind Dinge, von denen im Endeffekt auch der weitgehende Selbstversorger profitiert, bezahlt wird es aber von den anderen.
Mit 5.000 m2 solltest Du problemlos die ganze Familie ernähren können, Andrea aus dem Vorsorgeforum baut das wichtigste auf 600 m2 an. Wenn Du also 5.000 als reichliche Versorgung für die großfamilie rechnest, dann wären das derzeit etwa 750,00 Euro Pacht im Jahr, also vielleicht 200,00 Euro Grundsteuer? (konnte ich nicht nachrechnen, weil ich den "Einheitswert" nicht kenne)
Sicher, ich kann mir nun Gedanken machen, daß es eine Extremsituation geben könnte, in der ich die 16,67 Euro im Monat nicht mehr aufbringen kann. Aber deswegen erst gar nicht mit der Selbstversorgung beginnen, weil irgendein Extremfall eintreffen könnte? Dabei solltest Du auch beachten, daß Du derzeit noch weitgehend subventioniert wirst, denn auch, wenn Du als Selbstversorger nur 400,00 Euro steuerfrei verdienst, um ein paar Dinge zukaufen zu können, bekommst Du sämtliche Leistungen des Staates, wobei ich die Schulbildung für unsere Kinder als besonders wichtig ansehe.
Eine Situation, daß ich nicht mehr genug aufbringen kann, um zumindest die (dann erhöhte) Grundsteuer zu zahlen, ist zwar denkbar. Aber die Grundsteuer ist nur eine Art Miete an den Staat (die Gemeinschaft) dafür, daß wir einen Teil des Allgemeinwesens für uns ganz privat nutzen können, ohne darauf den Zehnten unserer Ernte abgeben zu müssen. Wenn ich solche Bedenken habe, dann sollte ich mir lieber Gedanken machen, wie ich effektiver anbauen kann, um auch von einer kleineren Fläche leben zu können bzw. mehr Fähigkeiten zu erlernen, um noch unabhängiger zu werden (aber die Arbeitsteilung hat schon etwas für sich).
Mehr über die Möglichkeiten des Selbstanbau können wir ja im Vorsorge-Forum sprechen. :-)
Gruß
Johannes
- Re: Leider hat das aktuelle System dafür Zeitzünder eingebaut Kiaril 12.8.2004 00:52 (0)
- Re: Leider hat das aktuelle System dafür Zeitzünder eingebaut Euphorias Child 11.8.2004 20:20 (0)