Polnische Verhältnisse

Geschrieben von franke43 am 10. August 2004 13:56:52:

Als Antwort auf: volle Zustimmung geschrieben von Kiaril am 10. August 2004 13:17:17:

Hallo

>Vor allem zu dem Punkt der gängelnden Gesetze. Eigeninitiative wäre in vielem >leichter möglich, wenn nicht ständig Verordnungen deinen Weg verhageln. Es ist >ja so ziemlich alles in eine Richung geregelt worden. Dadurch auch das Denken.
>Danke für deine nüchternen Worte.

Der Text über die Verhältnisse in Polen sollte uns
ruhigstellen und das Elend der Hartzreformen leichter
akzeptieren lassen. Hier in Schweden, wo ich lebe,
waren die entsprechenden Reformen teilweise schon
in den 90-ern.

Ich glaube es war genau in diesem Text über Polen:

Beschrieben wurde harte 66-Stunden-Knochenarbeit
wöchentlich für praktisch keinen Lohn. Und das waren
noch die "Glücklichen", die arbeiten "dürfen".

Und solche Verhältnisse der faktischen Sklaverei,
die man dort abschaffen sollte, sollen über die
Hintertüren Globalisierung (warum eigentlich ?),
Wettbewerbsfähigkeit (ruinöser Wettbewerb) und
Standortdebatte hier in den westlichen Ländern
wieder eingeführt werden, zum Leid und auf dem
Rücken der Bevölkerungsmehrheit.

Wenn ich in Niederschlesien leben würde und mit
ansehen müsste, wie ganze Landstriche versteppen,
während ich versuchen würde als Selbstversorger
aus einem viel zu kleinen Vorgärtchen zu überleben,
dann müsste ich mir doch folgende Frage stellen:

Wäre es nicht besser, zu frühneuzeitlichen
Verhältnissen zurückzukehren, das versteppende
Land mit Pflug, Egge und Arbeitstieren ohne
teure Maschinen zu bearbeiten, mich und noch
einige andere mit der Handarbeit voll zu versorgen
und auf die gesamte "Volkswirtschaft" zu pfeifen ?

Warum lässt man die Felder versteppen ? Wem gehören
diese Felder, die vor fast 60 Jahren den Schlesiern
gestohlen wurden ? Warum verteilt man sie nicht
an Freiwillige, die die Felder bebauen und davon
leben wollen (OHNE grossen Maschineneinsatz) ?

>Ich erfasse das Problem eher von der emotionalen Seite und habe daher >Schwierigkeiten dabei "ruhig" zu bleiben.

Auch ich sehe hier versteppende Felder. Ich weiss,
dass die Eigentümer dieses Bodens dafür von der
EU Stillegeprämien kassieren. Ein Skandal, denn
aus diesem Grund werden die Felder nicht an
Interessierte verkauft oder verpachtet, die
lieber was Vernünftiges damit anfangen wollen.
Und viel landwirtschaftliche Nutzflächen werden
gezielt in nutzlose Golfplätze umgebaut oder mit
Kiefern oder Fichten bepflanzt.

Hier in der Gegend von Nyköping gehört das meiste
Land zu Herrenhöfen, von denen noch viele im
Besitz ihrer Adelsherren sind. Die Herren Junker
verpachten aber nicht kleine Landparzellen an
Leute, die als Selbstversorger leben wollen.
Bis vor 50 Jahren war das noch normal, und die
Junker hatten viele solche Pächter ("torpare") auf
ihren Gütern, aber mit dem heutigen EU-agrar-
subventionssystem rechnet sich das für die
Grafen und Barone nicht mehr. In solchen Fäkllen
wäre ich für die teilweise Enteignung des
Grundbesitzes (Junkerland in Bauernhand).

Gruß

Frank


Antworten: