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Zyklen, krisenhafter Niedergang (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 06.06.2017, 13:34 (vor 1410 Tagen) @ Sagitta (2598 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Mittwoch, 30.08.2017, 15:19

Hallo!

Aber da wir gemäß Taurec in einem Zeitalter der Einfalt leben (ich hoffe, dass ich mal Zeit finde, dazu detailliert Stellung zu nehmen)

Laß das besser! Die wiederholte bloße Andeutung, die ohne Erörterung die eigene (noch nicht mal ausformulierte) Meinung als richtig(er) behauptet, reicht schon. Etwas weniger des sich selbst produzierenden Gerhards, der mit Mangel an Geradlinigkeit, irgendwie hintenrum und mit vordergründiger Sachlichkeit Personen ad hominem untergraben und sabotieren will, die ihm aus persönlichen/weltanschaulichen Gründen gegen den Strich gehen, dafür etwas mehr Sagitta mit quellenkundlichen, fundierten, belegten und sachlich argumentativen Beiträgen (wie ein großer Teil des vorliegenden) würde Dir gut tun! :ok:
Ersteren habe ich eigentlich schon lange abserviert, letzterer ist noch hier, weil er sich bislang erstaunlich positiv verhalten hat. (Zudem wurde mir gesagt, daß er verstellt "immer wieder kommen" würde.)

So wurde gerade in jener Zeit von Justinian die Hagia Sophia erbaut
...
Und Justinian liess die gesamte juristische Literatur Roms sammeln

Ja, natürlich! Diese Werke vollzogen sich als Teil der von Spengler beschriebenen "magischen Kultur" (ca. 0 bis 1000), zu der Byzanz gehörte. Es verhält sich wohl so, daß Krisenzeiten und katastrophale Einschnitte eine sich aus innerer Lebenskraft im Gedeihen befindliche Kultur nicht abzutöten vermögen (von hypothetischen globalen Totalschäden mal abgesehen), wohingegen fertige, zivilisierte Gesellschaften von minderen Einschnitten abgebrochen werden können.

Beispiel (Kultur): Pest (für die Spätantike fatal!) und Dreißigjähriger Krieg haben Deutschland und Europa nicht dauerhaft zu schädigen vermocht.
Beispiel (Zivilisation): Schon eine geringe Zahl gut bewaffneter, gewaltbereiter Europäer hat die überalterte Aztekenzivilisation derart gründlich vernichtet, daß Reste sich heute nur noch untergründig im verchristlichten Volksglauben finden.

Eine allgemeingültige Regel "Katastrophe = Untergang" oder "Katastrophe = Entwicklungsimpuls" läßt sich daraus nicht ableiten. Desgleichen, nämlich die menschliche Entwicklung pauschal von äußeren/von außen kommenden Einflüssen abhängig zu machen, wäre auch zu sehr der Oberfläche verhaftet.
Ich bleibe indes dabei, daß eine gravierende Störung in unserer gegenwärtigen zivilisatorischen Schwächephase (entsprechend obiger Unterscheidung) einen Zusammenbruch nach sich zöge.
Zudem betrachte ich, anders als Du, die Technik nicht positiv, sondern als Ausfluß einer Verlagerung seelischer Energie in den Außenbereich. An die Stelle schöpferischer, in sich ruhender, geistiger Erkenntnis (Hochkultur) ist Unterjochung der umgebenden wie der eigenen Natur und anorganische, dem Leben zuwiderlaufende äußerliche (auf die Materie fixierte) Ausdehnung getreten, die nur oberflächlich betrachtet wie Fortschritt, Verbesserung und Höherentwicklung aussieht.
Relativierung: Sollte dahinter als Teil einer übergeordneten menschlichen Entwicklung eine neue geistige Potenz stehen, so befinden wir uns gegenwärtig bestenfalls in den Geburtswehen deren Manifestation. Etwas will sich äußern, steckt aber noch in der alten Form/Hülle fest. Dann hätte die Technik wenigstens den Beigeschmack einer positiven Ankündigung. Wie bei allen neuen Lebensphasen bedürfte es zur vollständigen, natürlichen Ausprägung zunächst eines initatischen, transitorischen Übergangs, der stets als Krise erscheint, weil das hindernde, abgelebte Alte abgelegt werden muß. Ich will nicht ausschließen, daß es sich über lange Zeit so entwickelt. Dennoch wäre ein Korrektur der Entwicklung, eine kollektive Todesnäheerfahrung und folglich ein Zusammenbruch mit Neubau/Entfaltung von den seelischen Gründen aus Voraussetzung.

Es ist auch keinesfalls so, dass (wie BB schreibt) im 6. Jahrhundert die Antike zusammengebrochen sei und dunkle Jahrhunderte begonnen hätten (alles angeblich, nach BB, aufgrund dieser einzigen Katastrophe), sondern das Gegenteil ist der Fall.

Die klassische, griechisch-römische Antike, bzw. was davon im 6. Jahrhundert noch übrig war, wurde durch die Ereignisse durchaus abgebrochen. Siehe das Ende der Antike in Italien.

"Die von Justinian ab 535 veranlasste Rückeroberung Italiens schien die antike Kultur zunächst wieder aufleben zu lassen. Die oströmischen Eroberungen hatten jedoch keinen Bestand. Vor allem aber brachte der (zweite) Gotenkrieg seit 541 das Ende des weströmischen Senatorenstandes, der ein Träger der antiken Kultur gewesen war. Der seit 476 verwaiste weströmische Kaiserhof in Ravenna wurde mit seinen Ämtern 554 von Justinian aufgelöst, womit auch die antiken Verwaltungsstrukturen Italiens verschwanden. Versuche, die Infrastruktur erneut aufzubauen, gelangten kurz darauf zu einem plötzlichen Ende: Mit dem Einfall der Langobarden 568, dem letzten Zug der spätantiken Völkerwanderung, wurde die Endphase der Antike in Italien eingeläutet, die sich aber noch bis ins 7. Jahrhundert hinzog."

Dies waren die kläglichen Reste der römischen Zivilisation. Eigentlich wurde die antike Kultur in den vorangegangen Jahrhunderten von der magischen Kultur durch Christianisierung von unten (Bevölkerungsaustausch in Verbindung mit Geburtenschwund unter den Trägern römischen Blutes & Kultur) sukzessive überprägt. Die Antike war eigentlich schon längst tot. Das sechste Jahrhundert steuerte lediglich den Grabstein bei.
Man erkennt dies allerdings schlecht, wenn man das (schon von Spengler kritisierte) Schema "Antike – Mittelalter – Neuzeit" gedanklich anlegt, das an den kulturellen Unterschieden vorbei ein starres chronologisches Schema ansetzt, in dem Byzanz oberflächlich betrachtet noch zur Antike zählt. Meiner obigen Unterscheidung gemäß konnte Byzanz in dieser Krisenzeit bestehen, während das periphere, außerhalb des Kernbereichs der magischen Hochkultur liegende Italien ins Chaos sank.

Mit dem 6. Jahrhundert beginnt der neue europäische Kulturzyklus, d.h. es wurden die Grundlagen zu einer etwa 2000jährigen Epochenstruktur gelegt (die also erst im Jahre 2500 enden wird), in der wir sozusagen noch mitten drin sind (ich verweise auf die neuen germanischen Reiche, vor allem der Franken, die in jenen Jahren gegründet wurden).

Das ist allerdings eine bloße, unbelegte Behauptung, deren Erfüllung wir (bzw. die nachfolgenden Generationen) harren müssen.

Ich schreibe Dir diesen Beitrag, weil Du mich vor einiger Zeit gefragt hast, woher ich meine Sicherheit bei bestimmten Aussagen nehme. Nun, sie beruht auf Arbeit, Arbeit, Arbeit - und ich beschäftige mich genauso mit paraspychologischen und religiösen Fragenstellungen, wie auch mit geschichtlichen, politischen und technischen. Prognosen sind nur ein kleiner Teil dieser Arbeit, eher ein Nebenprodukt.

Rauhnachts Frage ist damit nicht beantwortet. Es bleibt bei einer Meinungsbekundung, die darauf zurückgeführt wird, daß Du irgendwas (aber was?) gemacht hast, das aufrund der bloßen Behauptung, daß Du es gemacht hättest, Autorität beansprucht. ;-)

die Mullahs und arabischen Banditen haben sich über 700 Jahre lang an der Stadt Konstantinopel die Zähne ausgebissen, bis ihr Angriff vom 29. Mai 1453, begonnen um 01:30 Uhr, endlich Erfolg hatte.

Dem ging ein mehrhundertjähriger Abstieg voraus, der sich wiederum im Zyklus der magischen Kultur bewegt. Die Türken (nicht Araber!), die diesen Zyklus nicht mitgemacht haben, wären schlußendlich (vielleicht verzögert) auch erfolgreich gewesen, wenn die besseren Kanonen auf byzantinischer Seite gewesen wären.

das oströmische bzw. byzantinische Zeitalter (etwa 1000 Jahre) ist die Zivilisationsphase des antiken abendländischen Kulturzyklus.

Byzanz ist eine Ausprägung der magischen Kultur wie etwa Preußen eine Ausprägung der faustischen Kultur war. Die magische Kultur beruht nicht auf Völkern in dem Sinne, wie wir sie haben, sondern auf Religionen, die ihre Zugehörigkeit durch Bekenntnis definieren und die räumlich durchaus weniger an die Landschaft gebunden sind als faustische Nationen. Genaugenommen mußt Du den Zyklus des magischen Christentums im ersten Jahrhundert beginnen lassen. Das Byzantinische Reich ist dessen letzte und größte Form, die letztlich in Zivilisation überging und wieder verschwand. Dabei setzte Byzanz auf einem antiken/griechischen Substrat auf, das aber gänzlich umgewandelt wurde. In Byzanz war eigentlich nichts antik griechisches mehr am Leben, wenngleich vielleicht manche Formen äußerlich weitergepflegt wurden.
Das faustische Christentum ist wiederum etwas anderes. Es hat die magische Form übernommen, aber auf germanisch-keltische Weise interpretiert und etwas eigenes daraus geschaffen.

Dieser beginnt etwa um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends (z.B. Mykene) und endet mit dem Fall Roms bzw. mit dem letzten römischen Kaiser (Romulus Augustulus, kurz vor 500 n.Chr. ), umfasst also 2000 Jahre. Der neue Kulturzyklus liegt demnach bei 500 n.Chr. bis 2500 n.Chr. - und daran schließt sich dann die neue Zivilisationsphase an, die mithin bis 3500 n.Chr. reichen wird.

Meines Erachtens setzt Du hier ein unzutreffendes Schema an, weil es die inneren, seelischen Bedingungen und gravierenden Unterschiede der Hochkulturen und ihrer Ursprünge nicht beachtet. Es gibt letztlich zwischen den europäischen Hochkulturen (Antike und Abendland, auch Rußland) und dem magischen Kulturkreis, der dem Nahen Osten entstammt, keine innerliche Gemeinsamkeit. Zu überlegen wäre, ob die indoeuropäischen Kulturen der Hellenen, Italiker, Germanen, Kelten und Slawen vielleicht von einem übergeordneten Zyklus umfaßt werden, der sich von Mykene bis zur Vollendung der russischen Kultur erstreckt. Interessanterweise läßt Spengler die russische Kultur um etwa 1500 erwachen, was eine Vollendung ab 2500 implizieren würde.
Dann wären die europäischen Hochkulturen Sprößlinge einer indoeuropäischen Urkultur, während die semitischen Kulturen – Ägypten, Babylon, die magische Kultur (Christentum, Judentum, Araber/Islam) – ihr eigenes Ding hätten.
Zu überlegen wäre darüber hinaus, ob Erwachen und Entwicklung der Hochkulturen durch übergeordneten "kosmische" Zyklen, die sich durchaus astrologisch niederschlagen können, chronologisch bestimmt werden.
Anhand zeitlicher Zyklen innerlich unvereinbare Kulturen in einen Topf zu werfen, ist mir allerdings zu oberflächlich. So scheinen mir die indoeuropäischen Kulturen mehr solar geprägt zu sein, während die semitischen mehr lunar geprägt sind (siehe z. B. Sonnenkalender ⇔ Mondkalender). Darin prägen sich untergründig zwei verschiedene/polare geistige Prinzipien aus, nämlich

  • einerseits die zum männlichen Prinzip neigenden, nach oben zum Geistigen, zur Sonne tendierenden nördlichen
  • andererseits die zum weiblichen Prinzip neigenden, zum Erdhaften, zum Mutterboden und zum geistiges Licht reflektierenden Mond tendierenden südlichen

Hochkulturen, wenngleich sich auf jeder Seite natürlich Elemente der anderen finden. Julius Evola hat das in "Revolte gegen die moderne Welt" beispielhaft durchexerziert.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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