Die Strassen im usbekischen Andischan sind wie ausgestorben

Geschrieben von Thorshammer am 15. Mai 2005 11:10:08:

ANDISCHAN - Nach den blutigen Unruhen in der Stadt Andischan im Osten Usbekistans haben die Sicherheitskräfte ihre Kontrolle über die Stadt weiter verschärft. Sie riegelten zahlreiche öffentliche Gebäude komplett ab.

Obwohl offiziell keine Ausgangssperre herrschte, trauten sich nur wenige Einwohner auf die Strassen. Märkte und Geschäfte blieben leer. Nach wie vor unklar war, wieviele Menschen am Freitagabend von den Sicherheitskräften bei der Niederschlagung einer Kundgebung erschossen worden waren.

Präsident Islam Karimow sprach von 30 Toten. Nach Berichten von Augenzeugen und einer örtlichen Menschenrechtsorganisation kamen bei den Unruhen vermutlich mehrere hundert Menschen ums Leben, vor allem Zivilisten.

Ein Polizist berichtete von Dutzenden von Toten, die in der abgeriegelten Leichenhalle aufgebahrt seien. Auch den Angehörigen von mutmasslichen Opfern wurde der Zutritt verwehrt. Tausende Menschen flüchteten inzwischen an die Grenze nach Kirgisien.

Die Demonstranten in Andischan hatten den Rücktritt des autokratischen Präsidenten Islam Karimow gefordert. Karimow machte die militante Moslemgruppe Hisb ut-Tahrir für die Eskalation der Gewalt verantwortlich. Ein Sprecher der Gruppe wies dies jedoch zurück.

Unterdessen äusserte der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, Kritik an den USA und Grossbritannien. "Die Amerikaner und Briten werden nichts tun, um der Demokratie in Usbekistan zu helfen", sagte Murray in einem Interview mit der Zeitung "The Independent on Sunday".

Er habe Vertreter der Oppositionsbewegung in der Stadt Andischan vor einem Jahr selbst getroffen und das Aussenministerium in London anschliessend gebeten, sie zu unterstützen. Doch das sei abgelehnt worden.


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