Re: Die Strassen im usbekischen Andischan sind wie ausgestorben

Geschrieben von Platon am 16. Mai 2005 14:22:

Als Antwort auf: Re: Die Strassen im usbekischen Andischan sind wie ausgestorben geschrieben von HJH am 16. Mai 2005 11:22:30:

Moin Jörg,

ein paar Anmerkungen, die allerdings meine persönliche Meinung sind und keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit erheben. Meinung eben.

>Das unterdrückte Volk (ich rede von den bestimmt 80 Prozent unter Armut leidenden-lässt sich in seriösen Almanachen der letzten Jahre überprüfen) hat nach den Demokratiebestrebungen in der Ukraine etc. Lunte gerochen, und wird - falls möglich - nach Reformen streben, oder gar einen Regimewechsel verlangen (falls Alternativen vorhanden sind).

Seriös ist nämlich genau das, was ich bezweifle, ob nun in Almanachen stehend, oder in Zeitungen. Sicherlich ist es richtig, daß dort besonders außerhalb der großen Städte -aber auch innerhalb dieser- ein vergleichbar großes Maß an Armut herrscht. Mit dem kleinen Unterschied, daß dies der Zustand der letzten paar tausend jahre ist, und somit von keinem besonderen Leid unter diesen Zuständen, so unbefridigend sie auch sind, gesprochen werden kann. Auch ist das Gefühl des Leides den Menschen kaum anzusehen, zumindest den Usbeken. Die dort lebenden Russen fühlen sich da schon sher erheblich unwohler, obwohl in den Städten zumeist lebend und im Schnitt deutlich wohlhabender seiend. Hier sieht man, daß es auch eine Frage der Ansprüche und der Kultur und Geschichte und so weiter ist, wann bei geringerer materieller Ausstattung das Gefühl der Armut beginnt.

>Was unter einem Diktator nicht einfach ist, der "sein" Militär wahllos in die Mengen schießen lässt.

Keine Frage, auf die Gruppen mit Panzern zu schießen -wie ich gehört habe- geht natürlich nicht, da haben wir keine zwei Meinungen. Stellt sich die Frage der Motivation: Zum einen stimme ich vermutlich mit Dir darüber ein, daß es auch ein ganzes Stück Eigeninteresse derjenigen ist, die da gerade am Ruder sind. Zum anderen erhebt sich der Gedanke, inwieweit das ganze von außen gesteuert ist, wie die anderen Aufstände um Rußland herum. Möglicherweise soll dem nun nach mehrmaligem Zusehen ein gewaltsamer Riegel vorgeschoben werden. Putin war in den letzten Monaten mehrmals in Usbekistan zu Besuch...

>Nun ja, ich wünsche dir einen friedlichen Aufenthalt dort,

Danke, ich hoffe das auch, vermute es sogar. Werde mich notfalls nur in Taschkent aufhalten. Da ist noch gar nichts los. Nicht einmal die Polizei ist verstärkt, nut daß sie vermehrt Streife läuft, ist auffällig.

>egal auf wessen Seite du auch auch stehen magst.

Ich stehe grundsätzlich auf keiner Seite, bin bemüht, die Dinge wertfrei so zu beurteilen, wie ich sie erlebe, eingebettet in das, was mir an Wissen zur Verfügung steht. Dabei spielen aber mehr Dinge eine Rolle, als das von hier aus empfundene und von den Medien vermittelte Unterdrückungsmaß. Das gilt aber nicht allein in diesem Beispiel, sondern allgemein. Die Erinnerung an die "Revolutionen" und Kriege der letzten paar Jahre ist doch noch wach, oder?

>Denn im Nachhinein ist es immer irrelevant und nichtig, von wessen Seite man eine Kugel fängt.

Da stimme ich Dir absolut zu.

Viele Grüße,
Platon


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