Re: Die Strassen im usbekischen Andischan sind wie ausgestorben
Geschrieben von HJH am 15. Mai 2005 14:43:49:
Als Antwort auf: Re: Die Strassen im usbekischen Andischan sind wie ausgestorben geschrieben von Badland Warrior am 15. Mai 2005 12:06:50:
Tag Badland
Wem kann man mehr Vertrauen schenken? Dem, seine Macht schwinden sehenden Karamow, der "islamische Extremisten" für die Eskalation dort verantwortlich zeichnet, oder den Menschenrechtlern dort, die ja sahen, das "die Militärs das Feuer auf friedliche Bürger" eröffneten.
Oder dem Journalisten der sagte:"Ich sehe Blutlachen und Gehirnmasse auf dem Asphalt." Hunderte Leichen, darunter viele Frauen und Kinder, werden auf Lastwagen abtransportiert...Dazu ein Interview mit Scholl-Latour in der "Bild am Sonntag":
BamS: Was ist in Usbekistan los?
S-L:Dort regiert Präsident Islam Karamow wie ein orientalischer Gewaltherrscher.
Auf brutalste Weise unterdrückt er jegliche Opposition. Jetzt haben sich demokratische, aber auch islamistische Oppositionelle gegen ihn erhoben. Doch der Aufstand kann nur gelingen, wenn sich Geheimdienste und Militär von Karamow abwenden. Und dies scheint bisher nicht der Fall zu sein.BamS:Betreffen die Kämpfe uns Deutsche?
S-L:Ja. Usbekistan ist als Nachbarland Afghanistans für Deutschland und die USA unentbehrlich. Der deutsche Nachschub läuft über den Flughafen Termes im Süden des Landes. 305 Bundeswehr-Soldaten sind derzeit dort stationiert.
BamS:Was bedeutet der Aufstand für Putins Russland?
S-L:Die Lage für Präsident Putin wird allmählich unerträglich, sein strategischer Einfluss in der Region schwindet. Eine ehemalige Sowjetrepublik nach der anderen löst sich von Russland und wendet sich dem Westen zu. Die verschiedenen Revolutionen lassen sich dennoch schwer vergleichen. In der Ukraine gab es eine demokratische Volksbewegung, während in Kirgisien eine Mafia
die andere abgelöst hat. Und in Georgien regiert jetzt der amerika-freundliche Populist Saakaschwili.Weiter die "Bams" (weichgespültes westliches Medium-wenn es nur das alleine wäre):
Die Unruhen in Andischan hatten sich an einem Prozeß gegen 23 örtliche Geschäftsleute entzündet. Ihnen wurde die Mitgliedschaft in der islamistischen Gruppierung Akryma zur Last gelegt. Bewaffnete Banden befreiten die Angeklagten und Tausende weiterer Häftlinge...Das Militär schlug den Aufstand nieder, schoß offenbar wahllos in die Menge.
Also: Meine Sicht der Dinge des Vorpostings machte ich vor dem Artikel in der Bild am Sonntag. Fest steht: Karamow steht und fällt mit seinem Militär und Geheimdiensten (auch denen des Westens). Und auf Dauer ist selbst Putins Roter Stern bei weiteren Demokratieversuchen ehemaliger Sowjet-Republiken weiter am sinken. Denn mit Demokratiebestrebungen gen Westen ist auch der Kapitalismus nicht weit. Und wo abtrünnige Republiken bessere Geschäfte machen können und werden steht außer Frage: Jedenfalls nicht mit Putins Russland.
Und bei allem Leid und Zugehörigkeit - ob Demokratiebewegung oder islamistischer Organisation der Dahingemetzelten in Usbekistan: Das Volk möchte ähnliche Veränderungen wie in Ukraine etc. geschehen sehen. Die islamistischen Häscher erstreben einen/ihren Gottesstaat. Und spätestens von da an, erhebt die Weltpolitik ihre Ansprüche: Die islamistische wie die kommunistische-und unsere Herrschaftsform nicht zu vergessen, die ja sowieso die Beste aller Besten zu sein hat.
Also stehen sich diese drei Pole auf der politischen Weltbühne gegenüber, und finden sich nicht gerade anziehend. Deshalb: Monopole schaffen-mit diplomatischen Waffen zunächst, um weiteres Blutvergießen in Usbekistan zu verhindern. Bevor es dann die nächste Ex-Sowjet-Republik erwischt, die von gebratenen Tauben des Westens satt werden will. Und dann ist es eine Frage der Zeit, wie lange Putin diesen Demokratiebestrebungen und dem Einmischen des Westens gewillt ist weiter tatenlos zuzuschauen, wie "sein" Russland und das "seiner" Militärs von westlicher Seite mehr und mehr eingeengt wird, und Bodenschätze wie Idiologien in den Köpfen der Bürger dort, nicht Russland ausgeliefert sein werden, sondern einer wachsenden EU, und selbstverständlich den imperialen Bestrebungen der USA.
Das kann doch auf Dauer nicht gut gehen...da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Und das haben Machthungrige und in die Ecke/Enge Getriebene nicht: die zeigen nur ihre Krallen-nur ihrer Selbst willen.
Jede Nation die Freiheit verlangt, engt die Freiheit anderer Nationen ein. Das sieht man und erlebt doch gerade Deutschland am eigenen Leib! Aber unsere Wehrhaftigkeit ist ja bekanntlich in den Stelen am Reichstag einzementiert worden. Wir sind ausgeliefert, und weiter Spielball der "Befreier", wir haben zu kuschen und uns unterzuordnen, bis der europäische Ausgleich des Lebensstandarts osteuropäische Züge erlangt hat.
Doch dies ist ein anderes Thema;-)
Gruß
Jörg
>Moin, Jörg!
>Wer sind dann die inhaftierten Terroristen gewesen, die dann vom Mob befreit wurden? Sie gehörten einer mit El Kaida assoziierten Gruppe an. Und von wem wurde wohl der Aufstand der Islamisten inszeniert? Entschuldige bitte, selbst in den weichgespülten westlichen Medien ist mehr als deutlich zu sehen, dass die "Demonstranten" Kalaschnikows tragen. Und wer blickt schon gern ind die Läufe von jemand anderem? Beide, der Präsident und die Aufständischen scheinen begriffen haben, was Mao Tsetung mal sagte: "Die Macht erwächst aus den Gewehrläufen."
>Mag ja sein, dass der Präsi ein Buhmann ist, aber ein islamistisches Regime ist noch schlimmer, nach dem Motto "Schlimmer geht es immer." Schon vergessen, was in Afghanistan los war?
>Badland Warrior
>
- Re: Die Strassen im usbekischen Andischan sind wie ausgestorben - wie lange? FranzLiszt 15.5.2005 16:26 (0)