Re: bush ist nicht katholisch

Geschrieben von Johannes am 12. Juli 2004 14:02:07:

Als Antwort auf: Re: bush ist nicht katholisch geschrieben von Napoleon am 12. Juli 2004 12:46:03:

>ich bin nach wie vor der meinung das diese seuche von gott gewollt war damit wir seine gebote einhalten .


Hallo Napo,

mit dem Begriff "gewollt" bin ich da sehr zurückhaltend, ich sehe es eher als "logische Konsequenz". Wenn in einer Bedienungsanleitung steht "nicht werfen", dann soll man das Teil nicht werfen. Tut man es dennoch, mag es etliche Male gutgehen, aber irgendwann ist es kaputt. Und so ist es auch, wenn wir die Gebote Gottes übertreten, die meiner Ansicht nach die "Bedienungsanleitung" für den Menschen darstellen.

Das Problem, warum der Vatikan hier teilweise umstritten ist, liegt eher an der Frage, ob man langfristig oder kurzfristig denkt.

Heute ist es üblich, eine Instant-Haltung zu haben. Alles will man sofort haben, alles muß schnell gehen. Fastfood, denn ich habe keine Zeit zu warten. Schnellkredit, damit ich mir jetzt etwas leisten kann, das ich mir eigentlich gar nicht leisten kann. Und mit genau der gleichen Haltung haben die Politiker die hohe Verschuldung erreicht, denn um wiedergewählt zu werden, haben sie den Wählern jetzt etwas versprochen.

Einige wenige besinnen sich wieder mehr auf das Prinzip der Nachhaltigkeit. Also nicht mehr nur hier und da immer mehr Löcher zu stopfen (ob finanziell, ökologisch oder sonstwie), sondern ein langfristiges Konzept zu entwickeln.

Bei der Sexualität gilt aber noch weitgehend das jetzt-Prinzip. Schau Dir nur mal die Werbung für Kondome an (zumindest die deutsche Werbung), da heißt es "Mein Pop-Star" oder "Frühlingsgefühle - nie ohne", etc. Ich fühle so, also muß ich es haben, jetzt.

Damit wird, jetzt mal ganz praktisch gesehen, ein Schutz durch die Verwendung der Kondome vorgegaukelt, der so nicht existiert. Zur Schwangerschaftsverhütung haben Kondome ein Restrisiko von 3,3%, d.h. in 100 Verwendungsjahren gibt es 3,3 ungewollte Schwangerschaften (Pearl-Index). Nun kann eine Frau aber nur an wenigen Tagen im Monat schwanger werden. Könnte sie an jedem Tag schwanger werden, so wäre das Risiko, trotz Kondom schwanger zu werden, wesentlich höher - und genau dieses höhere Risiko gilt für die Übertragung von AIDS, denn da kann man sich jederzeit anstecken. Hinzu kommt noch, daß Viren deutlich kleiner sind als Spermien, so daß das Risiko einer Ansteckung trotz Kondom noch einmal höher ist, als trotz Kondom schwanger zu werden. Insgesamt ist das Risiko also wesentlich höher, vielleicht bei 20%.

Anders ausgedrückt: Kondome schützen nicht vor der Übertragung von AIDS, sie verringern nur die Wahrscheinlichkeit, das aber nicht einmal besonders gut. Es ist so, als würde man beim Russisch Roulette nur eine besonders große Trommel verwenden, in der nur eine Kugel ist. Die Chance, gerade jetzt getroffen zu werden, ist geringer, aber es ist und bleibt Russisch Roulette.

Aus pragmatischen Überlegungen mag man das rechtfertigen, denn sicherlich ist ein schlechter Schutz besser, als gar keinen Schutz zu haben. Nur, nach genau diesem jetzt-Prinzip haben wir uns verschuldet, die Natur ausgebeutet, etc., deshalb setzt sich gerade im Umgang mit der Natur das Prinzip der Nachhaltigkeit durch.

Und genau das ist es (Nachhaltigkeit), was der Vatikan zu erreichen versucht. Denn er geht davon aus, daß trotz Verhütung immer die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht. Mithin soll man nur dann Geschlechtsverkehr haben, wenn man bereit ist, dieses "Risiko" auf sich zu nehmen, sprich, das neue Leben als gewollt anzunehmen, auch wenn es vielleicht im Moment etwas unerwartet kommt. Und da keine Methode eine Schwangerschaft völlig ausschließt, soll man, so der Vatikan, Geschlechtsverkehr und (die Möglichkeit einer) Schwangerschaft auch gar nicht erst trennen, sondern die grundsätzliche Berreitschaft zu einer Schwangerschaft (von Gott geschenktem Leben) gehört, so die kath. Sozialethik, immer mit dazu.

Sicher, aus pragmatischen Gründen mag man dies anders sehen. Was würde es nützen, um mal ein Beispiel zu nehmen, sich um die beste Struktur und Ausstattung der Feuerwehr zu kümmern, während es gerade brennt? Nein, da muß man erstmal löschen, auch wenn das derzeit nur mit Eimern geht. Aber langfristig muß ein besseres Konzept her, sei es nun Brandschutz oder Ausstattung der Feuerwehr.

Der Vatikan kümmert sich nun um das langfristige Konzept, es geht dabei um die Einstellung des Menschen, die sich ändern soll. Aber so gern diese "Nachhaltigkeit" in anderen Bereichen (Umweltschutz, etc.) begrüßt wird, so sehr stoßen die Ideen das Vatikan auf Widerspruch. Und weniger, weil man eine andere Lösung als besser ansieht (und man um die beste Lösung ringt), sondern eher, weil man sich bedroht sieht: Ich will doch jetzt, und die wollen mir das verbieten...

Das ist zwar zwar eigentlich kein Proph.-Thema (oder doch?), aber es ist für mich die Erklärung, warum der Vatikan so gern als Buhmann dargestellt wird. Erdreistet sich der Vatikan doch, Politiker darauf aufmerksam zu machen, daß die Moral auch für sie gilt... - so lange der Vatikan dabei gegen die Politik von Bush war, war das okay, aber jetzt eine "Nachhaltigkeit" zu fordern, nein, um Himmels willen, das darf doch nicht sein...

Gruß

Johannes



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