Re: Fährst Du Auto?
Geschrieben von Johannes am 12. Juli 2004 19:31:31:
Als Antwort auf: Fährst Du Auto? geschrieben von Elias Erdmann am 12. Juli 2004 18:38:25:
> Mal eine ganz dumme Frage: Fährst Du Auto? Bist Du Dir der Gefahr
> bewusst, in die Du Dich und andere dadurch bringst?
> Die einzige sichere Methode, um diese Gefahr zu umgehen, das ist die
> völlige Enthaltsamkeit vom Auto. ;-)
Hallo Elias,
ja, ich fahre Auto. ;-)
Nur, mir ging es hier um etwas anderes, außerdem will die kath. Kirche ja auch nicht das "Nullrisiko" (einer Schwangerschaft) erreichen, sondern klarstellen, daß ein Kind immer im Bereich des Möglichen ist und dann auch erwünscht sein sollte.
Aber wie kamen wir drauf? Kondome sind, was Verhütung angeht, nur durchschnittlich, wenn Du Dir die Liste ansiehst. Auf Ansteckung mit AIDS hochgerechnet ergibt sich eine ungleich größere Gefahr, da die Krankheit an jedem Tag übertragen werden kann. Der Pearl-Wert dürfte 20 betragen, meinetwegen auch nur 15 (mit Kondom = 3,3), der Vergleichswert ohne jedes Verhütungsmittel ist 80. Da sind die 20 (oder meinetwegen 15-20) natürlich schon besser als 80, liegen aber doch weit über den 3,3 (@DR: Die Seite geht ausdrücklich von sachgerechter Anwendung aus, sonst wäre der Wert höher).
Damit wollte ich sagen, daß man ein durchaus erhebliches Risiko eingeht, nur um nicht sagen zu müssen, daß Treue viel besser schützt. Die Nachhaltigkeit, die ansonsten gern gefordert wird, wirft man da gern über den Haufen. Und kritisiert den Vatikan, weil er ein Umdenken fordert.
> Sobald Du in ein Auto einsteigst, ist auch das Russisch Roulette. Es kann
> nämlich durchaus sein, dass Du nicht mehr lebend aussteigst.
> Völlige Sicherheit gibt es nicht. Mit manchen Gefahren müssen wir leben und
> wir müssen es auch lernen, die Gefahren gegeneinander abzuwägen.Ich würde mich übrigens klar als defensiven Fahrer einordnen. Überholen mag öfters mit geringem (was ist gering?) Risiko möglich sein, aber ich verzichte lieber drauf, weil ich nicht gern Risiken eingehe, die nicht sein müssen.
> Und Enthaltsamkeit ist auch keinesfalls „ungefährlich“.
>
> Wir sollten uns bei den Gefahren nämlich nicht nur die Themen Schwangerschaft
> und AIDS beschränken, sondern auch die anderen die Gefahren berücksichtigen,
> die eine unterdrückte Sexualität haben kann: Neurosen, Perversionen, Über-
> griffe, Kindsmissbrauch, u.s.w.Wenn Du Dich damit auf das Zölibat beziehst, so könnten wir uns da durchaus einig werden, das ist nämlich (als allgemeine Verpflichtung für die Priester) nicht nur unsinnig, sondern auch unbiblisch. Die Bibel fordert von den Hirten der Gemeinde (also Älteste, Pastoren, ...) sogar ausdrücklich, daß sie verheirat sind (und ihrer Familie gut vorstehen). Wer sich zum Zölibat entscheidet, sollte dafür eine Berufung haben (und dann sollte er sich auch dafür entscheiden), für alle anderen, ob Priester oder nicht, sollte die Ehe das Normale sein (ich bin da Normalo :-)).
Ich hab's da ja leicht, dem Vatikan einmal zuzustimmen, das andere Mal zu kritisieren, ich bin ja nicht in dem Verein. :-) Aber auch, wenn der Vatikan mit dem Zölibat meiner Ansicht nach falsch liegt, so schließt das ja nicht aus, daß er dennoch die richtigen Schlüsse in anderen Dingen zieht.
Und, das, was der Vatikan hier aktuell fordert (das war unser Ausgangspunkt), ist doch wirklich nur eine Selbstverständlichkeit. Es geht schlicht und einfach darum, daß sich ein kath. Politiker nicht aktiv gegen die kath. Sozialethik engagieren darf. Dem Vertreter der Vegetariervereinigung würde es ja auch negativ ausgelegt, wenn er den Bau von Würstchenbuden aktiv unterstützen würde. Keiner muß die Vegetarierinnung vertreten, niemand muß katholisch sein. Aber wer es ist, der sollte nicht aktiv gegen die Interessen und das Selbstverständnis des eigenen Vereins handeln.
Der Schluß, der hierbei gegen den Vatikan gezogen wird, geht, bedingt durch die eigene Wertung, in die falsche Richtung. Weil man mit dem Vatikan nicht einig ist (sprich: jetzt-Haltung vs. Nachhaltigkeit, beim Auto wäre das "freie Fahrt für freie Bürger" mit nur geringen Einschränkungen statt einer strikt defensiven Fahrweise), legt man ihm alles so gegen ihn aus, daß es wieder den eigenen Vorurteilen entspricht (Vatikan = böse, Bush = böse). Und übersieht dabei völlig, wie strikt sich der Vatikan gegen die Politik von Bush aussprach, während er hier, zu Kerry, nur eine Selbstverständlichkeit wiederholt. Und zieht damit leicht die falschen Schlüsse. Denn der Vatikan engagiert sich da eben nicht einseitig, nur die Bushgegner ärgern sich, daß Kerry für seine gegen die kirchliche Lehre gerichteten Ziele nicht auch noch den Segen der Kirche erhält.
Gruß
Johannes
- Re: Fährst Du Auto? Elias Erdmann 12.7.2004 20:27 (0)