Ein paar Minuten verwendet
Geschrieben von Bern8 am 06. Januar 2007 11:50:19:
Als Antwort auf: Re: Interessant geschrieben von Admin am 06. Januar 2007 02:57:39:
Halloo und moin,
>hallo,
>wie waers, wenn du mal ein paar minuten darauf verwendest, nachzudenken, was fuer themen dies forum hat?Ich verwende mal die paar Minuten. Der Titel lautet "Zukunftsforum", d. h. zusammengesetzt aus 2 Substantiven, wovon das erstere den Inhalt, das Zweite die Form beschreibt. D. h. zusammengeführt: es wird über "Zukunft" diskutiert. Bisher glaube ich, habe ich noch keinem auf den Schlips getreten mit der Argumentationskette.
Behandeln wir den ersten Teil des Wortes: "Zukunft"
Die Interpretation des Begriffes ist genauso vielschichtig wie vieles andere auf der Welt, was ja auch die kontorversen Meinungen hier unterstreichen. Grundsätzlich beinhaltet der Begriff alles, was durch die Zeitachse nach vorne von der Gegenwart getrennt ist. Im Gegensatz zur Vergangenheit, wo das Geschehen bereits fix ist und nur mehr verschieden interpretiert werden kann, ist es in der Zukunft schlichtweg unbekannt. Diese Tatsache versuchen manche Zeitgenossen unter Zuhilfenahme von Aussagen sog. "Seher", bezeichnet auch als "Prophezeihungen" oder "Schauungen" zu umgehen und ebenso deterministisch die Zukunft nach dem Schema der Vergangenheit abzubilden. Das ist in Summe noch nicht verkehrt und wird z. B. auch bei konventionellen Lebensplanungen oder in der Strategie von Unternehmen oder Staaten so vollzogen: es werden Annahmen getroffen, abgeleitet aus verschiedenen Parametern, und dann entsprechende Handlungsentwürfe erstellt.Der Unterschied zu den Letztgenannten beschreibt sich jedoch darin, dass dieses sog. "Prophezeihungen" inhaltlich fast durchgängig extrem negativ geprägt sind. Die z. B. u. a. vom Forumsmaster auch vertretene Linie (d. h. sozusagen das offizielle "Programm" oder "Dogma" des Forums) geht von einer terminalen Katastrophe säkularer Dimension aus, auf die man sich vorbereitet um zu überleben, unter Inkaufnahme großer Anstrengungen (z. B. Detlef, Basey) oder über die man z. T. bis zur Grenze der Hysterie diskutiert (diverse) oder auch sich amüsiert (z. B. BB). Abweichende Meinungen von diesem Grunddogma werden grundsätzlich (wie in dogmatischen Systemen üblich) zuerst lächerlich gemacht und falls das nicht fruchtet schroff abgewiesen.
Der theoretischen Analyse folgt nun die Wahrscheinlichkeitsbetrachtung des Szenarios: "Finale Katastrophe und Überleben durch Vorbereitung"
1. Ausgangslage
Die erste Frage, die sich stellt, betrifft das System oder die Lage in der wir leben, und lautet: Ist die aktuelle Lebens- und Wirtschaftsweise(Kapitalismus) zukunftsfähig, oder beinhaltet sie Fehler, die zwangsläufig ein Scheitern bedingen? Die Analyse beruht immer auf Annahmen, die können richtig oder falsch sein, weshalb ich hier und auch in der weiteren Folge immer eine 1:1 - Wahrscheinlichkeit ansetze. Ich persönlich beantworte die Frage negativ, d. h. Konform mit der Forumsmeinung2. Konsequenz
Ist das System nicht dauerhaft zukunftsfähig, resultieren daraus Veränderungen. Diese können jedoch konstruktiv-friedlich oder destruktiv-kriegerisch sein. Die historische Analyse würde eher das zweite ergeben, aufgrund des globalen Charakters (i. Ggs. z. B. zu 1914) gebietet jedoch die Vernunft ersteres. Hier trennen sich schon unsere Wege. Während ich dieser These anhänge, d. h. einem Umbau des Systems bzw. dessen schleichende Ablösung oder Auflösung auf weitgehend friedlichem Wege, geht die Mehrheit im Forum von letzterem aus. Bei paritätischer Wahrscheinlichkeit sind wir jedoch bereits bei 1:43. Persönliche Reaktion
Geht man vom destruktiven Szenario aus, gibt es die 2 Möglichkeiten, entweder man bereitet sich vor oder aber nicht. Hier ist die Wahrscheinlichkeit sogar deutlich unter 1/10, wie die Praxis zeigt (die Mehrheit der Diskutanden bereitet sich entgegen persönlicher Auffassung nämlich nicht vor), ich lass es aber bei 1:1, damit keine tendenzielle Verzerrung entsteht. Gesamtverhältnis somit 1:8.4. Richtigkeit der Vorbereitung
Kommt man zu dem Schluss, sich vorzubereiten, bieten sich verschiedenste Mittel, dem Rechnung zu tragen, z. B. Auswandern, Survival-Kurse, Bunkerbau, Meditation, Waffenkunde, Selbstversorgung etc. und beliebige Kombinationen aus allem. Den Rahmen geben die zeitlichen, finanziellen und auch persönlichen Verhältnisse des sich Vorbereitenden wieder. Ob die Maßnahme richtig war, erweist sich aber erst im Ernstfall. Z. B. nützt ein Bunker nichts, wenn er von einer hohen Flutwelle überspült wird, oder der Selbstversorger-Garten nichts wenn die Armee da durchläuft. Da die Annahmen nur sehr unscharf sind, ist auch die Richtigkeit der Maßnahme nur sehr begrenzt zu beplanen. Gesamtrelation mittlerweile 1:16.5. Wirksamkeit der Vorbereitung
Dies setzt voraus, die Maßnahme ist richtig, und man ist in der Lage, im entscheidenden Augenblick diese auch zu nutzen. Dies erscheint dem Laien erst mal als Widerspruch, ist aber nicht so trivial, wie man meint. Der Hof in Paraguay nützt nichts, wenn man in der Stunde X bei Verwandten in Norddeutschland zu Besuch ist und kein Rückflug mehr geht. Da das Timing sehr schwierig ist, besteht das Risiko permanent, dass man aus den Vorkehrungen keinen Nutzen zieht bzw. deutlich geringeren als theoretisch geplant (z. B. Basey ist jetzt weit weg von seinem Bunker, da er Windmühlen baut). Ratio bei 1:32 gesamt.6. Zeithorizont
Hier ist zu beachten, dass die gesamte Ereigniskette incl. des Nutzens der Vorbereitungen natürlich nur dann wirksam werden kann, wenn es zu Lebzeiten des sich Vorbereitenden eintritt. Dies ist auch nicht so trivial wie man meint. Selbst in der Literatur betägt die Spanne fast 60 Jahre, für die Festlegung des sog. WK3 (z. B. Bekh in "Bayrische Hellseher, 1976" rechnet mit "wenigen Jahren", Zeitler in "Mühlhiasl" nimmt das Jahr 2038 als wahrscheinlich an). Ungeachtet des Alters der Teilnehmer, erlaube ich auch hier die Wahrscheinlichkeit 1:1, was das Gesamtverhältnis auf 1:64 reduziert.7. Situation unmittelbar nach Wirksamkeit in Zeithorizont
Nun gehen wir davon aus, man hat sich vorbereitet, die Vorbereitung war wirksam und es ist auch zu persönlichen Lebzeiten eingetroffen, man hat somit überlebt. Man kommt z. B. aus seinem Bunker und versucht, sich kurzfristig zu arrangieren mit der neuen Situation. Hier bestehen auch Risiken, die noch einmal alles über den Haufen schmeissen können, wie z. B. marodierende Banden anderer Überlebender, Kontamination aufgrund Waffeneinsatz, Polsprung (man ist plötzlich in der Arktis und erfriert) usw.; d. h. auch hier setze ich noch einmal den Faktor an, mit 1:1, damit sind wir bei 1:128.8. Mittelfristige Situation
Hier kommt der Aspekt, ob man psychologisch in der Lage ist, dauerhaft mit den sehr veränderten Verhältnissen umzugehen. Da hier im Forum kein Bild erarbeitet wurde, wie eine Zukunft nach dem Überleben auf Gesellschaftsebene ausschauen soll (ausser einem Kaiser kommt hier recht wenig), muss ich in der Pessimismusschiene eine Reduktion des zivilisatorischen Niveaus auf ein Minimum ansetzen, ohne Strom, Technik, von Autos ganz zu schweigen. Wenn diese Verhältnisse keine Übung mehr sind, sondern dauerhafter Ernst, traue ich mir zu wetten, dass weniger als die Hälfte dies nervlich, körperlich und seelisch auf Dauer durchstehen, weshalb ich nun bei 1:256 lande.In Summe also beträgt die Gesamtwahrscheinlichkeit, dass
- das System nicht dauerhaft lebensfähig ist
- gewaltsam zusammenbricht
- man sich vorbereitet
- die Vorbereitung richtig ist
- man die Vorbereitung nutzen kann
- dies noch zu Lebzeiten
- man nach dem Überleben nicht erschlagen wird, verdurstet oder erfriert
- und nachher auf dauer nicht in Wahnsinn verfälltbei linearer 1:1 - Wahrscheinlichkeit ca. 1:250! Die Bandbreite ließe sich zwischen 1:100 oder auch bis zu 1: 5.000 ansetzen, je nach subjektiver Bewertung.
Demgegenüber steht der positive Ansatz, nämlich eine 25% ige Wahrscheinlichkeit einer positiven Umgestaltung ohne Katastrophe, welche zudem vor allem in der Anfangsphase noch erhebliche Schnittmengen mit der 50%-Wahrscheinlichkeit der Systemrichtigkeit aufweist (hierin ist z. B. die Börse zu sehen: Gewinne werden erzielt von einzelnen und dann konstruktiv für Umgestaltungsmaßnahmen eingesetzt). Deshalb bevorzuge ich den optimistischen Ansatz, da der einerseits 50 mal wahrscheinlicher ist als der andere und auch mehr Flexibilität ermöglicht.
>wenn ich da bloss las, wie du den seymour, scheinbar, ohne ihn gelesen zu haben, in bausch und bogen fuer sinnlos erklaerst,
Seymour war sicher kein dummer Mensch, und auch kein schlechter, sonst wär er nicht 90 geworden. Seine Bücher sind sicher nützlich, wenn man entsprechende Anwendungsfelder hat. Die Anfänge der Öko-Bewegung fußen auch darin. Jedoch ist der darin genannte Lebensentwurf in der Breite so nicht umsetzbar, auch wenn er noch so schön sein mag als romantisches Bild am Horizont für manchen.
>dafuer darauf vertraust, dass eine laendliche abstammung im ernstfall dafuer sorgen wuerde, dass dir die notwendigen faehigkeiten aus dem genom zufliegen, dann werd ich sauer.
>ich habe selbst mit muskelbetriebenen werkzeugen einen hof aufgebaut. ich habe mit pferden geackert. (und mit einer krauthacke unkraut vernichtet) - und das ohne katastrophe, also mit "doppeltem boden" mit rueckhalt in der modernen produktion, wo noetig. ich duerfte hier, moeglicherweise mit der ausnahme otto, derjenige sein, der am ehsten einschaetzen kann, wie man ohne die moderne zivilisation leben/ueberleben kann.
>... und dann kommst du. meinst die betaetigung einer mistgabel macht den bauern.Erstmal Respekt vor der Aufbauleistung, die Schinderei kann ich mir vorstellen und möchte ich eigentlich nicht teilen; die Hitze in Paraguay ist mir sehr wohl bekannt, und dann auch noch Unkraut jäten. Würde jedoch es so sein, wie Du es einschätzt, dann könnte den Ernstfall praktisch keiner überleben, ich sag das ganz offen. Der Großteil der Bevölkerung ist doch schon im Umgang mit der zitierten "Mistgabel" nachhaltig überfordert, deshalb hab ich das mal genannt, da bin ich noch nicht beim Lebensmittel lagern, Käse erzeugen, Leinen und Wolle weben, Leder gerben, etc. und das mit primitivsten Hilfsmitteln von heute auf morgen. Es ist meiner Auffassung davon auszugehen, dass für den Fall einer Katastrophe für die erste Phase aus den Überresten der vorherigen technischen Welt eine Reihe nützlicher Dinge übrig blieben, die man sehr wohl für einen Neustart nützen könnte (z. B. Solarheizungen, vielerlei Werkzeug, Kleinkraftwerke zur Stromerzeugung, Autobatterien, Kleinmotore, Räder und Wägen, usw.), so dass es eher einfacher würde als Du es Deinerseits (freiwillig selbstgewählt) zu bewältigen hattest. Zum "Genom": man sollte kollektiv angelegte Fähigkeiten aus dem Urwissen der Menschheit nicht unterschätzen; dazu gehört z. B. das Melken einer Kuh, die Tierzucht, das Schlachten und Zerlegen von Tieren sowie auch der Garten- und Ackerbau, all das ist innerhalb kürzester Zeit von fast allen Individuen zu erlernen.
Nimm's wie Du willst, ich musste diese Argumentationskette mal anführen, Du kannst nun auch meinen Account sperren, das überlasse ich Dir; wir kommen so nicht mehr zusammen hier glaube ich.
Saludos.
>wir haben hier, falls du das noch nicht bemerkt haben solltest, zwei hauptthemen: vorbereitung und vorhersagen.
>beide themenkreise haeltst du in deinen beitraegen fuer nicht wichtig.
>wenn du wirklich glaubst, dass dich aktien und andere "wert"papiere vor allem was kommt schuetzen koennen, dann bist du im falschen forum.
>wenn du nur klugscheissen willst, dann brems dich mal zurueck.
>wenn es dir wirklich ernst mit unseren themen sein sollte, dann geh mehr auf die anderen ein, statt sie ueberheblich zu behandeln.
>gruss,detlef
Antworten:
- Re: Ein paar Minuten verwendet detlef 06.01.2007 14:50 (1)
- Mathematik Bern8 07.01.2007 10:45 (0)
- Re: Ein paar Minuten verwendet BBouvier 06.01.2007 13:24 (3)
- Re: Ein paar Minuten verwendet kamikatze 06.01.2007 14:01 (2)
- @Kamikatze Determinierung Walle 06.01.2007 14:45 (0)
- Re: Ein paar Minuten verwendet BBouvier 06.01.2007 14:23 (0)