Endschlacht (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens)

Von Will-Erich Peuckert.

Überblick

Der Glaube an eine eschatologische Schlacht ist weit verbreitet. Ob in germanischer Zeit bereits von einer allgemeinen Schlacht oder von einzelnen Kämpfen (Thor – Schlange, Odin – Wolf) (s. Eschatologie) die Rede war, wissen wir nicht; wahrscheinlich dürfte das letztere sein. In frühgeschichtlicher Zeit wandert die Vorstellung von einem Dämonenheer (Muspelz lýdir, fífls megir) ein, das unter Surts Führung auf Vígrídr oder Òskópnir gegen die Asen unter Freyr kämpft. Die Vorlage dafür sieht Neckel in Apoc. Joh. 9, 3 ff. 14 ff. [1]. Deutsche wie nordische Zeugnisse berichten von demo muspille[2]. Der Ragnarökmythus hat später alle endzeitlichen Kämpfe zusammengefaßt[3].
Die für das Mittelalter wichtigere, weil geläufigere Form der Endschlachtmythe basiert auf der Gog und Magog-Mythe (s.d.), über die auch „dürrer Baum“, „Schlachtenbaum“ und der Sagenkreis vom schlafenden und wiedererwachenden Kaiser zu vergleichen ist[4]. All diese Nachrichten verlegen die Endschlacht in die Nähe von Jerusalem; ihr folgt als letzter eschatologischer Akt die Niederlegung der Krone am Kreuz (dem dürren Baum) durch den letzten römischen Kaiser. Diese Sage verblaßt im 16./17. Jahrhunderts zugunsten des dritten Typus, nach dem ein weißer Erretterkönig unter dem Schlachtenbaum (s.d.) den Erbfeind schlagen wird.

  1. G. Neckel Weltuntergang in Sitzb. Heidelb. 9 (1918), Abhdlg. 7.
  2. Ebd. 25 ff.
  3. Siehe „Eschatologie“. So auch, wie ich jetzt erst sehe, Neckel 18 f. Olriks Herleitung der Ragnarökschlacht aus dem Keltischen, die ich in „Eschatologie“ ablehnte, verwerfen auch Kauffmann ZfdPhil. 35, 405; Heusler in Deutsche LitZtg. 1915, 440; Neckel 50 N. 1.
  4. Eine Durchsicht der Kamperschen (Kaiseridee) und verwandter Arbeiten zeigt das ganz deutlich.

Die Endschlacht als Wandersage

Die Endschlacht wird über Gog und Magog erfochten werden. Sobald man irgendwelche historische Völker mit Gog und Magog identifizierte (wie Widukind, res gestae saxoniae I. 19 mit den Avaren, das 13. Jahrhundert mit den Tartaren)[1], mußte die Endschlacht auf diese Völker umgestimmt werden. So hat man um 1241 in den Tartaren die Ismaeliten des Pseudo-Methodius[2] gesehen[3]; so wird im 15. Jahrhundert der Türke dem Ismaeliten gleichgesetzt, und die pseudo-methodianische Prophezeiung vom Siege des letzten Königs der Welt auf ihn bezogen[4]. Die ungeheure Angst vor den Türken[5], deren Züge Prognostica weit nach Deutschland hineinreichen lassen[6], ließ die oft prophezeite Endschlacht in Deutschland stattfinden, und zwar an dessen westlichster Grenze, am Rhein, bei Köln[7]. Lichtenberger (s.d.) ist m. W. der erste, der 1488 davon handelt. Das 16. Jahrhundert hat Lichtenbergers Weissagung dauernd wiederholt[8], und dann hat sie das Volksbuch „12 Sybillen Weissagung“, in den entscheidenden Teilen auf Lichtenberger beruhend, dem 17. Jahrhundert weitergereicht[9]. Um 1670 entsteht im Mainzischen eine Prophezeiung von einem großen Krieg zur Kornblütezeit. Man wird dann wie die Vögel fliegen, in Wagen ohne Pferden fahren; die Frauen werden mitkämpfen; viel Witwen und Waisen werden sein; für einen Laib Brot wird man drei Äcker bieten; der Türke wird die Pferde im Rhein bei Köln tränken. Der Norden wird Führer Deutschlands sein, dort wird die Freiheit aufgehen[10]. Die Prophezeiung wird einer Hellseherin Sibylle von Kemel zugeschrieben, sie zeigt volkstümliche Motive.
Sicher geht die Weissagung von der Endschlacht bei Köln auf eine ältere Prophetie zurück. In den Annales Marbacenses heißt es 1222 von den Tartaren, die damals (wie 1488 die Türken) Gog und Magog repräsentierten: Dicebant tamen quidam, quod versus Coloniam vellent ire et tres Magos de gente eorum natos ibidem accipere[11]. Ob ein Zusammenhang der Nachricht mit Lichtenbergers Prophezeiungen besteht, ist schwer zu sagen; die Volksüberlieferung scheint eher an einen Kampf mit Frankreich gedacht zu haben; denn die Angabe, daß nach dem Kampf Frankreich in viele Teile zerrissen werde[12], hat wohl nur Sinn, wenn das der Feind gewesen ist.
Auch andrerorts sind Endschlachtprophetien bekannt. Friesische Weissagungen um 1580 kennen eine Entscheidungsschlacht zu Rispel[13]; auch da scheint eine alte Überlieferung vorhanden gewesen zu sein. Noch älter ist die Angabe, daß bei Straßburg die Endschlacht gegen Frankreich stattfinden werde; Melanchthon, aus der Pfalz gebürtig, nennt sie eine „sehr alte Prophecey“[14]. In England wird im 16. Jahrhundert von der Endschlacht zu Sheriffmoor und anderorts gesprochen[15], zu der ein Horn das schlafende Heer aufruft. Da diese Weissagung von der des Sibyllenbuchs unbeeinflußt erscheint, dürfte es sich hier ebenfalls um alte Volksüberlieferung handeln. Obwohl die Bindeglieder zwischen german. Zeit und dem 15./16. Jahrhundert fehlen, – wir dürfen aus schlesischen Sagen vielleicht annehmen, daß sie zur Kolonisationszeit (13. Jahrhundert) lebendig waren, weil die Einwanderer sie ja mitbrachten, – möchte ich an den Zusammenhang dieser Sagen mit der Mythe von der Muspellschlacht glauben.

  1. ErnstSackur Sibyllin. Texte u. Forschungen 1898, 5.
  2. Vgl. über diesenSackur 1 ff.
  3. Ebd. 5 N. 3.
  4. Ebd. 5; vgl. Quidam tractatus de Turcis, Nürnberg 1481; Onus ecclesiae 1531. c. 49.
  5. Grauert in Internationale Wochenschrift 5, 51 f.
  6. Vgl. etwa Nicolaus Orphanus Judicium astrologicum 1573 CA. C 4 A; David Herlicius Prognostica von gefehrlichen Verenderungen in dieser Welt 1628, 13. 14; Paulus Severus Newe Zeitunge (in Phys. IV. Qu. in 78 der Bresl. Univ.-Bibliothek).
  7. Zaunert Rheinland 2, 248 ff; Hessen-Nassau 1929, 255; ZfdMyth. 3, 34 f.; 1, 189; Riehl Land u. Leute 1861, 319; Kühnau Oberschles. Sagen 1926, 493. Vgl. auch Vernaleken Alpensagen 66 f.; J. V. Kutscheit Sechs bisher unbekannte höchst merkwürdige Prophezeiungen 1848 = P. Bahlmann Rheinische Seher und Propheten 1901, 99 ff. 40. 43 f. 48 f. 52; Beykirch Prophetenstimmen (1849), 64. 69.
  8. Die weissagunge Johannis Lichtenbergers deudsch, Wittemberg 1527, I. c. 26; III. c. 14; Vaticiniorum Lichtenbergii interpretatio Paracelsica im Appendix zu Bd. 10 der Huserschen Quartausgabe. Basel 1589, 270. 272 f.; Neue Zeitung 1537 bei Rich. Schröder Die deutsche Kaisersage. Heidelberg 1891, 17 f.; vgl. Mittlgn. Salzburg. Landeskd. 54, 77 f.; Adam Nachenmoser Prognosticon theologicum; das ist Gaystlich Große Practica … Von der Welt Naahe vnd Garauß 1588. III. 46 R unter Berufung auf Lichtenberger, Hilten, Merlin und Wünschelburger von Amberg, bei dem aber (Sitzb. München 1884, 604 f. ) nichts zu finden ist = Corrodi Chiliasmus 3, 46. Vgl. ferner v. Bezold in Sitzb. München 1884, 572 ff.; N. Jahrb. f. class. Altertum 3, 210 f.
  9. Erfurt 1677. Dvj. Vgl. auch Moscherosch bei Schwebel Tod u. ewiges Leben 367.
  10. Zentralbl. f. Okkultismus 9 (1915–1916), 114. 117 f.
  11. Rohr Die Geschichte Deutschlands, seiner Verbündeten und seiner Feinde im Lichte alter Weissagungen 1918, 47; MGSS. in usum scholarum ed. Reincke-Bloch 1908, 89 f.
  12. Zaunert Rheinland 2, 253. Vgl. Vernaleken Alpensagen 66 f.; Meier Schwaben 22 f.
  13. ZfdA. 3, 458. 459.
  14. Stöber Elsaß 1858, 368 ff. = Schwebel Tod und ewiges Leben 366 f.
  15. Kuhn-Schwartz 495 f.

Lokalisierung der Endschlacht

Was dazu geführt hat, die Endschlacht zu lokalisieren, läßt sich kaum sagen. Oft mögen alte Schlachtfelder genannt werden; die Bayern lassen sie z. B. auf dem Lechfelde geschehen[1], die Böhmen am Weißen Berge bei Prag[2]. Vielleicht ist bei Straßburg eine ähnliche Erinnerung vorhanden vgl. [3]. Für die westfälische Sage hat man Nachklänge der Römerschlachten annehmen wollen[4]. Oft wird sie am Rande des bebauten Landes[5], an Grenzen[6] und Landmarken[7] lokalisiert. Der Feind durcheilt das ganze Land (Deutschland bis Köln), ehe er aufgehalten und vernichtet werden kann. Ein gleiches Gefühl spricht sich in der Annahme aus, daß erst die zweite oder dritte Schlacht Entscheidung bringt[8].
Als Ort der Endschlacht (vgl. Schlachtenbaum) wird angegeben: Sheriffmoor (England vgl. [9], das Feld von Ringslede bei Gent[10], die Gegend von Amersvoord (Holland)[11], Köln [12], Koblenz[13], Neumagen (Moselland)[14], bei Trittenheim[15], die Wahner Heide (Rheinland)[16], das Birkenwäldchen, ein Bach bei Bodberg[17], Dorf Schmerlecke am Lusebrinke[18], oder der Lausebrink bei Salzkotten[19], der Bockskamp[20], das Sintfeld bei Paderborn [18], Goldenstedt bei Vechta[21], Rispel[22], die Schöffe zwischen Eilenhausen und Markoldendorf[23], auf der Königsau[24], die Windmühle von Burgdorf[25], bei der Wiedingharde im Amt Tondern[26], Bornhövede oder die Kropper Heide[27], das Rudental mit dem Jakobsbrunnen zwischen Sackshöhe (Neu-Zizow) und Köpnitz[28], zwischen den Dörfern Nohra und Viselbach bei Erfurt[29], zwischen den Gander-Dörfern auf dem Eichsfelde[30], am Odensberge in Hessen [29], am Siegesküppel hinter Lützelwig (Hessen) [30], Straßburg [3], Rems in Baden[31], auf dem Emmenfeld, Ochsenfeld[32], die Semilower Heide bei Ratzeburg[33], auf der Guggernollen[34], der Ulfiswiese[35] (= bei Innsbruck)[36], bei Meran[37], auf der langen Wiese bei Kranewitten[38], auf dem Lechfelde[1], bei Waldmünchen in der Oberpfalz[39], vom Gebirge (Schweiz) her an den Flüssen abwärts (Obersteiermark)[40], in Schlesien an den Dreigräben[41], bei Winzig [41], Beuthen OS. [42], Schloß Camenz[43], Glatz[44], an der Walkbrücke bei Braunau (Nordböhmen)[45], zwischen Kronstadt und Broos in Siebenbürgen[46]. Die Tschechen wissen von der Endschlacht am Weißen Berge bei Prag[47], am Blanik[48] die Ungarn auf der Ebene von Debreczin[49], die Polen bei Pinsk (?)[50].

  1. 1,0 1,1 J. N. Sepp Das Heidenthum 1 (1853), 502.
  2. Hülsenbeck im Programm Gymnas. Paderborn 1878; vgl. Friedr. Zurbonsen Sage v. d. Völkerschlacht d. Zukunft „am Birkenbaume“ 1897, 36 ff.; Histor. Vierteljahrsschr. 12, 406 f.
  3. 3,0 3,1 Stöber Elsaß 1858, 368 ff. = Schwebel Tod und ewiges Leben 366 f.
  4. So der Seeborn bei Kolbnitz am Rande des Mönchswaldes (Bober-Katzbachgebirge) Kühnau Sagen 3, 516 f. Vgl. Peuckert Schlesien 70. So hoch die Haselstauden wachsen: Kronfeld Krieg 146; die Lärchen, die roten Nummern reichen: Peuckert Schlesien 72. Kamenz am Rande der mittelschles. Ebene: Kühnau Sagen 3, 517.
  5. So Köln als westlichster Punkt Deutschlands. Kolbnitz als Westpunkt der mittelschles. Ebene.
  6. Dreigräben: Kühnau Sagen 3, 517 = Peuckert Schlesien 69; vgl. Peuckert Schles. Volkskunde 1928, 19 f.
  7. Zaunert Westfalen 244; ZfdA. 3, 459;Kuhn Westfalen 1, 206; Ztschr. f. Kult. gesch. 4. Folge 4 (1897), 286.
  8. Lüken Die sibyllin. Weissagungen u. ihr Nachhall bis in unsere Zeit. Progr. Gymn. Meppen 1871, 17 nach Sepp Jerusalem u. das Hl. Land 1, 69 ff.
  9. ZfdA. 3, 458. 459.
  10. Ebd.
  11. Th. Beykirch Prophetenstimmen (1849), 70 Anm. 15; P. Bahlmann Rheinische Seher u. Propheten 1901, 25 f.
  12. Zaunert Rheinland 2, 248 ff; Hessen-Nassau 1929, 255; ZfdMyth. 3, 34 f.; 1, 189; Riehl Land u. Leute 1861, 319; Kühnau Oberschles. Sagen 1926, 493. Vgl. auch Vernaleken Alpensagen 66 f.; J. V. Kutscheit Sechs bisher unbekannte höchst merkwürdige Prophezeiungen 1848 = P. Bahlmann Rheinische Seher und Propheten 1901, 99 ff. 40. 43 f. 48 f. 52; Beykirch Prophetenstimmen (1849), 64. 69.
  13. ZfdMyth. 1, 189.
  14. Schwebel Tod u. ewiges Leben 368.
  15. Zaunert Rheinland 2, 250; Simrock Mythologie5 131.
  16. Zaunert Westfalen 241.
  17. Ebd. 244.
  18. 18,0 18,1 Kuhn Westfalen 1, 205 f.
  19. Beykirch Prophetenstimmen 67.
  20. ZfdA. 3, 459.
  21. Strackerjan 1, 151 f. 154.
  22. Grimm Sagen Nr. 293.
  23. Andree Braunschweig 374.
  24. Müllenhoff Sagen 374.
  25. Ebd. 377.
  26. Bastian Elementargedanke 1, 44 N. 2 = Schwebel Tod u. ewiges Leben 373.
  27. Simrock Mythologie5 131.
  28. Knoop Hinterpommern 92; A. Haas Pommersche Sagen 1921, 125.
  29. 29,0 29,1 Schwebel Tod u. ewiges Leben 371.
  30. 30,0 30,1 P. Zaunert Hessen-Nassau 1929, 255.
  31. Ebd. 365 f.
  32. Rochholz Schweizersagen 1, 61; Bachtold Soldatenbrauch (1917), 7 f.; Schwebel Tod u. ewiges Leben 361.
  33. Rochholz 1, 135 f.
  34. Vernaleken Alpensagen 66; Schwebel Tod u. ewiges Leben 360 f.
  35. Kronfeld Krieg146.
  36. Zingerle Sagen 1859, 406.
  37. Ebd. 407.
  38. Schwebel Tod u. ewiges Leben 364 f.
  39. ZfVk. 1, 218 f.
  40. s. Anm. 24.
  41. 41,0 41,1 Kühnau Sagen 3, 517 f.
  42. Ebd. 3, 520.
  43. Schles. Provzlbl. N. F. 1861, 194.
  44. Kühnau 3, 520 f.
  45. Ebd. 521.
  46. Müller Siebenbürgen 4 f.
  47. Grohmann Sagen 24.
  48. Schwebel Tod u. ewiges Leben 378 f. , nach Grohmann Sagen 14.
  49. Ebd. 379 nach Sepp Heidenthum 1, 502.
  50. Grabinski Neuere Mystik 227.

Der Feind

Selten werden die Gegner der Endschlacht so unbestimmt angegeben, wie in den westfälischen Weissagungen, nach denen der Norden gegen den Süden[1], der Westen gegen den Osten[2]zieht. Schon da versucht man bestimmtere Deutungen wie Preußen gegen Österreich[3], Deutsche gegen Russen [4]. In Braunschweig sind’s die Undeutschen [5], in Schleswig-Holstein blaue Truppen über See[6], sonst die Franzosen[7], Türken[8] oder Tartaren[9], Chinesen[10], Schweden[11], den Katholischen die Reformierten [12], den Tirolern die Schweizer „mit gefrorenen Schuhen“[13], also immer feindliche Nachbarn.

  1. Anm. 32; Kuhn Westfalen 1, 208. Vgl. Karl Gold Einheitl. Anschauung u. Auffassung d. Chronik Eckehards v Aura. Diss. Greifswald 1916, 23.
  2. Anm 40; Zaunert Westfalen 243 f. 244; ZfdA. 3, 458. 459.
  3. Kuhn Westfalen 1, 205.
  4. Zaunert Westfalen 241.
  5. Andree Braunschweig 374.
  6. Müllenhoff Sagen 374.
  7. Vgl. Anm. 16. 18. 49. 68.
  8. Anm. 11. 29. 40. 44. 54. 55; W. H. Riehl Land u. Leute 18615, 315 ff.; Zaunert Hessen-Nassau 255; Müllenhoff Sagen 377; Kühnau Sagen 3, 516 ff. Nr. 1922. 1923. 1925. 1926. 1928. 1929.
  9. Ebd. Nr. 1925.
  10. Glatzer Heimatbl. 3 (1917), 55 N. 1 (aus Lothringen).
  11. Kühnau Sagen 2, 516 f. Nr. 1923.
  12. Rochholz 1, 135 f.
  13. Anm. 52. 57; Zingerle Sagen 1859, 407.

Termin der Endschlacht

Da es sich um einen eschatologischen Akt handelt[1], sind die Vorzeichen des Weltendes (s. jüngster Tag) auch die der Endschlacht. Ihr geht soziale und sittliche Verwilderung voraus[2], Übermut besonders in der Kleidung (rote Hüte!)[3]; Frauen tragen Hosen[4], die Städter gehen auf die Alm und feiern dort Feste[5], Menschen fliegen [5], Wagen laufen ohne Pferde[6]. Es werden viele neue Häuser (Kasernen) gebaut [6]. Fromme Gebräuche lassen nach[7], sogar die Geistlichen sind verderbt[8]. Von Hungerzeiten[9] ist seltener die Rede, als daß der letzte Winter kein Winter mehr sein wird; ein zeitiger[10] und fruchtbarer Sommer kommt[11]. Zuweilen hat man lokale Zeichen: die Brücke zu Köln wird fertig sein[12], unbebaute Landstücke werden gebrochen[13], die nicht ausgebaute Kirche in Kastelreuth stürzt ein[14], die Glocken beider Türme in S. Johann schlagen zusammen[15], Schloß Camenz ist ausgebaut[16], Kraniche fliegen durch die Glatzer Brotbänke[17]. Aber die Schlacht wird ganz plötzlich sein, ohne daß jemand was ahnt[18]. In Notzeiten (1848)[19], auch 1913, rechnete man in Schlesien auf die Schlacht. Die Friesen erwarten sie, wenn ein König mit weißem Haar des Landes vertrieben werden wird[20], die Deutschen um Leitmeritz (Böhmen), wenn ein Schimmel sich zeigt[21], mit einem Wort, wenn Übermut und Frechheit aufs höchste gestiegen sein wird. Die 90er Jahre[22] sollten es sein, dann wieder 1913 (mündlich). Vgl. ferner Schlachtenbaum und schlafendes Heer, Kyffhäuser.

  1. ZfdMyth. 1, 34 f.; Vernaleken Alpensagen 62; Müller Siebenbürgen 4 f. Aus Lothringen: Glatzer Heimatbl. 3 (1917), 55 N. 1.
  2. Müller Siebenbürgen 4 f.; Zaunert Rheinland 2, 248.
  3. ZfdMyth. 3, 34 f.; Strackerjan 1, 154; französisch: Zentralbl. f. Okkultismus 7, 610; 8, 682; Belege zu 72.
  4. Zaunert Rheinland 2, 247. 248. Aus Lothringen: Glatzer Heimatbl. 3, 55 N. 1.
  5. 5,0 5,1 Zentralbl. f. Okk. 8, 682.
  6. 6,0 6,1 Ebd. 8, 683 f.
  7. Ebd.; Zingerle Sagen 1859, 406; Zaunert Westfalen 243.
  8. Vgl. „jüngster Tag“.
  9. ZfdMyth. 3, 34 f.; Peuckert Schlesien 72.
  10. Zaunert Westfalen 243.
  11. Müller Siebenbürgen 4 f.
  12. Zaunert Rheinland 2, 248 f.
  13. Strackerjan 1, 154.
  14. Zingerle Sagen 1859, 406.
  15. Vernaleken Alpensagen 66 f.
  16. Kühnau Sagen 3, 516 Nr. 1925. Aus Lothringen: Glatzer Heimatbl. 3 (1917), 52.
  17. Kühnau 3, 520 f.
  18. Zaunert Westfalen 243 f.; Rheinland 2, 247 f.; Vernaleken Alpensagen 66 f.; französisch: Zentralbl. f. Okkultismus 7, 610.
  19. Kühnau Sagen 3, 518 f.
  20. Müllenhoff Sagen 377.
  21. Jos. Kern Die Sagen des Leitmeritzer Gaues 1922, 57.
  22. Zentralbl. f. Okk. 8, 682.

Die Schlacht und ihr Ausgang

Die Feinde kommen so schnell, daß sie die Arbeiter am Wege überraschen[1]. Alles flieht[2] auf die Berge[3], bis über die Haselstauden[4], übers Wasser[5], auf eine Waldwiese[6]; ein Mädchen im roten Rock [5], ein Schäfer mit weißem Hunde[7] werden als letzte über die Brücke gehen. Die Feinde erschlagen die Geistlichen [5], schlachten eine rote Kuh [5] (sonst gilt das über eine Brücke führen der roten Kuh als Vorzeichen der Endschlacht)[8], stellen ihre Pferde in die Kirchen[9]. Die Endschlacht dauert drei Tage[10], im obd. Glauben aber ganz kurze Zeit, so daß das Essen noch warm bleibt [4]; deshalb braucht man auf die Flucht nur ein Brot mitzunehmen[11]. Viele fallen[12]; das Blut steht den Männern bis zu den Schenkeln, den Pferden bis zum Bauch[13]; es fließt so viel Blut, daß eine goldne (Wunsch-) Rute bloßgespült wird[14]. Die Bauern und 11jährigen aus den Schneebergen[15], die jungen Leute[16], die Weiber geben den Ausschlag[17]. Anders wieder glaubt man, Gott selbst schlage die Türken[18], ein Erretterkaiser (s. Schlachtenbaum) schaffe Raum. Die Feinde fliehen so schnell, daß die Schinken auf den Zäunen unangetastet bleiben[19]. Dann bricht die neue, glückliche Zeit unter dem Retterkaiser herein[20]; Paderborn hat wieder eigne Herren [21]. Aber das Land ist menschenleer[22]; zehn Jungfern schlagen sich um eine Mannshose[23], es gibt keine Geistlichen mehr[24]; für einen Brotlaib zahlt man einen Bauernhof[25]; eine Kuh führt man an goldner Kette [24]. Manche Stadt (Prag) wird vom Erdboden verschwunden sein[26].

  1. Zaunert Westfalen 243. 244; Kuhn Westfalen 1, 206. Vgl. Müllenhoff Sagen 379.
  2. Strackerjan 1, 51 f.
  3. Zaunert Westfalen 243; Josef Kern Die Sagen des Leitmeritzer Gaues 1922, 57.
  4. 4,0 4,1 Vernaleken Alpensagen 66 f.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Zaunert Westfalen 243 f.; Rheinland 2, 248 f.
  6. Ebd. 2, 249.
  7. Zaunert Westfalen 244.
  8. Müllenhoff Sagen 378.
  9. Zaunert Rheinland 2, 250; Zingerle Sagen 1859, 406; Vernaleken Alpensagen 66 f.
  10. Zaunert Westfalen 244.
  11. Ders. Rheinland 2, 249; Kuhn Westfalen 1, 206;Zingerle Sagen 1859, 407; Vernaleken Alpensagen 66 f.; Rochholz Sagen 1, 135 f.
  12. Strackerjan 1, 154; Müller Siebenbürgen 4 f.
  13. Zaunert Rheinland 2, 249; Kuhn Westfalen 1, 205. 206; Strackerjan 1, 151 f.; Zingerle Sagen 1859, 407; französisch: Zentralbl. f. Okkultismus 7, 610.
  14. Zaunert Hessen-Nassau 256.
  15. Rochholz Sagen 1, 61.
  16. Zentralbl. f. Okkultismus 8, 682.
  17. Zingerle Sagen 1859, 407.
  18. ZfdMyth. 3, 34 f.
  19. Zaunert Westfalen 244; Rheinland 2, 249.
  20. Zaunert Westfalen 244; Hessen-Nassau 256; Kühnau Sagen 3, 520; Peuckert Schlesien 72. Doch: A. Haas Pommersche Sagen 1921, 125.
  21. Kuhn Westfalen 1, 205.
  22. Rochholz Sagen 1, 61; Kühnau Oberschles. Sagen 1926, 492 f. Aus Lothringen: Glatzer Heimatbl. 3, 55 N. 1.
  23. Zaunert Westfalen 244; Zingerle Sagen 1859, 406; Vernaleken Alpensagen 67; Zentralbl. f. Okkultismus 8, 682.
  24. 24,0 24,1 Zaunert Westfalen 244.
  25. Vernaleken Alpensagen 67; A. Haas Pommersche Sagen 1921, 125. Aus Lothringen: Glatzer Heimatbl. 3, 55 N. 1.
  26. Vernaleken Mythen 111; Peuckert Schlesien 72. Vgl. Kühnau Sagen 3, 507 f. 496; Zentralbl. f. Okkultismus 8, 683.