Re: Nie zu den Sternen reisen...

Geschrieben von JeFra am 28. September 2003 08:48:04:

Als Antwort auf: Nie zu den Sternen reisen... geschrieben von BBouvier am 28. September 2003 05:06:38:

Einmal habe ich den grundsätzlichen Einwand, daß das Spenglersche Weltbild ateleologisch und unchristlich ist, während das Weltbild der Prophezeiungen teleologisch und christlich ist. Nach den Prophzeiungen, wie Sie sie verstehen, schickt Gott ja den Kometen vorbei, um WK3 zu beenden. So etwas hat er für keinen anderen Kulturkreis im Sinne Spengler getan.


Man könnte auch versuchen, zu argumentieren, daß ein Totalverlust der technischen Errungenschaften (im Unterschied beispielsweise zur Religion eines Kulturkreises) wohl eher selten vorkommt. Ich würde sagen, so etwas passiert nur beim Rückfall ins Nomadentum (manche südamerikanische Kulturen, auch Mesopotamien nach dem Ende der Hegemonie von Isin I war anscheinend davon bedroht). Das osmanische Reich wird wohl alle technischen Errungenschaften des `magischen' Kulturkreises erhalten und zudem noch von den Europäern gelernt haben. Sonst hätten die Türken sicher nicht im 17. Jahrhundert Wien bedrohen können. Unsere zeitweilige technische Überlegenheit über den Islam begann eigentlich erst an der Schwelle zur Industriellen Revolution. Ein anderes Beispiel ist der Beginn der Eisenzeit. Die Vorgänge, die damals zum Untergang so vieler Staaten geführt haben (Kassiten in Babylon, Mittleres Reich in Assur, Hethiter, Neues Reich in Ägypten), sind ja bis jetzt nicht verstanden. Es muß sich entweder um eine Naturkatastrophe größeren Stils oder um den Zusammenbruch der damaligen Handelswege im Zusammenhand mit einer ökonomischen Katastrophe gehandelt haben. Die Herstellung von billigem Eisen in guter Qualität, die anscheinend zuerst von den Hethitern beherrscht wurde, hat sich aber gehalten und ist gerade durch den Untergang der Hethiter, die bis dahin ihr Monopol zu wahren wußten, über den ganzen alten Orient einschließlich Griechenland verbreitet worden.


Ich glaube beispielsweise, daß die Fähigkeit zur chemischen Kriegsführung mit primitiven Mitteln (Senfgas, also immerhin ein ziemlicher Hammer) nur dann verschwinden wird, wenn es im Lauf der vor uns liegenden Krise zum Rückfall in das Nomadentum kommt. Schließlich ist S-Lost schon im ersten Drittel des 19. Jhdts hergestellt worden. Sie müssen Äthylen in Schwefelchlorid einleiten. Äthylen bekommen Sie durch katalytische Dehydrierung von Äthylalkohol in der Gasphase (ich glaube, 1799 erfunden), Schwefelchlorid durch Einleitung von Chlor in geschmolzenen Schwefel. Primitive Abzugshauben zum Schutz des Experimentators haben anscheinend nach dem Prinzip des Kamins funktioniert. Das sind alles vergleichsweise einfache Prozesse, und es ist klar, daß diejenigen Völker in einem Krieg die Oberhand behalten werden, denen die Konservierung dieses Wissens gelingt. Dasselbe dürfte für einfache Anwendungen der Chemie in der Medizin, besonders der Militärmedizin, sowie für Schußwaffen und primitive Formen der Luftfahrt, der Elektronik und der Raketentechnologie gelten, insbesondere was die jeweiligen militärischen Anwendungen betrifft. Was Sie über das Bildungsmonopol von Mönchsorden schreiben, steht dazu nicht unbedingt im Widerspruch. Beispielsweise waren die religiösen Orden in China und Japan anscheinend oft mit dem Kriegeradel eng verbunden, eine Tatsache, die heute in diversen populären Filmen romantisch verklärt wird.


Ein globaler Rückfall ins Nomadentum wäre nach einem Impakt natürlich möglich, und Badland Warrior scheint sich auch genau das zu wünschen. Es ist aber nicht verträglich mit dem Bild, das Sie aus den Prophezeiungen herauslesen.


Man sollte also erwarten, daß in etwa die Technik des frühen 20. Jhdts erhalten
bleibt, wenn auch vielleicht in kleinerem Maßstab. Von dieser Ausgangsbasis sollte die Wiedereinführung der Raumfahrt prinzipiell relativ schnell möglich sein. Allerdings stellt sich die Frage, ob beispielsweise eine Nutzung des Mondes als Rohstoffreservoir technisch möglich ist.


MfG
JeFra


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