Divide et impera: Islam, Kommunismus und wir
Geschrieben von Swissman am 07. Juni 2002 18:50:38:
Mit Befremden habe ich die momentane "Islam-Diskussion" gelesen. Persönlich bin ich darüber entsetzt, wie, sei es aus Unwissen oder böser Absicht bleibe dahingestellt (ich vermute das erste), Wahhabiten und Muslime in einen Topf geworfen werden. So ist es beispielsweise einfach nicht wahr, dass man in sämtlichen islamischen Ländern für den Besitz einer Bibel bestraft wird: Meines Wissens gibt es nur ein einziges sich "islamisch" nennendes Land, auf welches dies zutrifft: Saudi Arabien. Leider wissen die wenigsten Europäer, dass Saudi Arabien wahhabitisch gepägt ist - der Wahhabismus aber hat mit dem Islam nur sehr wenig, bis gar nichts zu tun. Tatsache ist vielmehr, dass es nach wahhabitischer Doktrin ein "gottgefälliges" Werk ist, jeden Nicht-Wahhabiten zu töten - insbesondere trifft dies auch auf Moslems zu, die gemäss Mohammed ibn Abdul Wahhab sogar noch "schlimmer" als die "gewöhnlichen Ungläubigen" seien, da es sich bei ihnen um Abtrünnige handle.
Ich will gar nicht erst behaupten, dass es die geschilderten Misstände nicht da und dort gäbe - aber die gibt es eben nicht wegen, sondern trotz des Islams. So steht etwa im gesamten Koran nirgends auch nur ein Wort davon, dass Frauen eine Burqua tragen müssten - derjenige, der mir das Gegenteil beweist, indem er mir ein entsprechendes Koranzitat vorlegt, bekommt von mir eine Kiste meiner besten kubanischen Zigarren.
Insbesondere zählen die zahlreichen und schweren Misstände in Saudi Arabien in diesem Zusammenhang nicht, da diese eben nicht dem Islam, sondern dem Wahhabismus anzulasten sind. Ayatollah Khomeini hat den Wahhabismus einst "nichts weiter, als die gotteslästerliche Privatreligion eines arabischen Stammes" genannt. Dies trifft den Nagel auf den Kopf. Wo wir gerade vom Iran sprechen: Dieses Land wird immer wieder als "Vorzeigeschurke" angeführt - wenn man sich aber etwas genauer mit der Materie befasst, stell man verwundert fest, dass die Iranerinnen das Wahlrecht besitzen, während Frauen in Saud Arabien (seltsam, die Saudis sind doch die "Guten"...?) noch nicht einmal Autfahren dürfen. Der Iran hat ein gewähltes Parlament, in Saudi Arabien herrscht ein für seine Alkohol- und Sexexzesse bekannter Greis. Im Iran ist ein Teil der Parlamentssitze von Gesetz wegen für Frauen, Christen, Juden und Parsen reserviert, derweil in Saudi Arabien bereits der blosse Besitz eines Kreuzes mit zehn Stockhieben bestraft wird...
Dabei wurde die wohl ekelerregendste Anklage, die man "den Muslimen" machen hätte können, sogar noch vergessen: Ich spreche vom verdammenswerten Brauch der Genitalverstümmelung der Frau. - Ich hätte dann, einmal mehr, den Nachweis geführt, dass dieser Brauch im grössten Teil der islamischen Welt unbekannt ist, und sich auf Teile Schwarzafrikas und Ägypten beschränkt, wo er bereits vor der Islamisierung, unter heidnischen Vorzeichen, praktiziert wurde.
Doch nun will ich die ganze Diskussion in den ihr gebührenden grösseren Zusammenhang stellen: Wir sollten uns die Frage stellen, die sich auch jeder Kriminalist stellt: Cui bono? Wem nützt es?Wer hat wohl den grössten Nutzen davon, wenn sich der Westen und die Islamische Welt gegenseitig für das Reich des Bösen halten? - Die Antwort ist, in meinen Augen, leicht: Selbstverständlich demjenigen, der sich gleichtzeitig darauf vorbereitet, einen Weltenbrand zu entfesseln, auf dass er die Weltherrschaft erringe, und schliesslich beide beherrsche. Hätten die beiden das schmutzige Spiel durchschaut, wäre es ihnen möglich gewesen, die Absichten des gemeinsamen Feindes zu durchkreuzen.
Dieser jemand ist natürlich niemand anderes, als der Kommunismus: Dem Kommunismus muss daran gelegen sein, einen möglichst tiefen Keil zwischen "den Westen" und "den Islam" zu treiben. So kann er die beiden nacheinander unterwerfen/vernichten, anstatt dass er gegen beide zugleich antreten müsste. Wenn die beiden ihre kleinlichen Zwistigkeiten endlich beiseite schieben und sich gegen den gemeinsamen Feind verbünden würden, wäre es kurzfristig möglich, die Waagschalen zuungunsten des Aggressors zu verschieben. Mittelfristig wäre es dann auch durchaus möglich, den Kommunismus wieder dorthin zurückzudrängen, wo er hergekommen ist.
Abgesehen davon: Wir haben auch gar keine andere Wahl - Ohne funktionierende Erdölversorgung ist es kurzfristig unmöglich, Widerstand zu leisten (es ist höchste Zeit, synthetische Treibstoffe von sämtlichen Abgaben zu befreien, um hier eine Alternative zu schaffen). Wenn es dem Kommunismus gelingt, die Erdölaorta zu kappen, hat er faktisch bereits gewonnen, ohne auch nur einen Schuss abzufeuern.
Nicht zuletzt trägt die jetzige Terror-Paranoia dazu bei, den östlichen Aufmarsch zu decken und zu tarnen.
Osama bin Laden ist wahrscheinlich einer grössten Dumköpfe der Gegenwart: Er glaubt offensichtlich tatsächlich, dass seine Hintermänner ihn nach getaner Arbeit in Ruhe sein eigenes Süppchen weiterkochen lassen - vermutlich glaubt er sogar, dass er es ist, der sie benutzt, derweil es genau umgekehrt ist. Er ist nichts weiter, als ein nützlicher Idiot - ein gefährlicher Idiot zwar, aber trotzdem nur ein Idiot.
- Re: Divide et impera: Islam, Kommunismus und wir Apollo 07.6.2002 19:10 (5)
- Re: Divide et impera: Islam, Kommunismus und wir Swissman 07.6.2002 21:32 (2)
- Re: Divide et impera: Islam, Kommunismus und wir Savonarola 07.6.2002 22:32 (1)
- Re: Divide et impera: Islam, Kommunismus und wir Swissman 07.6.2002 23:41 (0)
- Re: Divide et impera: Islam, Kommunismus und wir Torsten 07.6.2002 19:56 (1)
- Re: Divide et impera: Islam, Kommunismus und wir Swissman 07.6.2002 22:45 (0)