Re: Ausnahme und Regel

Geschrieben von Alceste am 28. Oktober 2005 17:32:22:

Als Antwort auf: Re: Etwas Wassser in den Wein geschrieben von detlef am 28. Oktober 2005 16:56:29:

Hallo detlef,

>kurz ausgedrueckt, BB behauptet, dass die heutigen probleme eine folge von verhaetschelung der arbeiter sind.

So in etwa habe ich es verstanden.

>du dagegen behauptest, dass die probleme ausschliesslich "denen da oben" zu verdanken sind.

Ja. Weil nur "die da oben" über die entsprechenden Geld- und Machtmittel verfügen.

>da moechte ich bloss darauf hinweisen, dass ein hilfsarbeiter und taxifahrer, der aussenminister werden konnte, doch auf gewisse "untere" einfluesse schliessen laesst.

Bitte nicht die Ausnahme zur Regel machen. Von Elisbath Niejahr - früher Spiegel, jetzt Zeit - gab es einen fabelhaften Artikel, aus welchen Schichten die BRD ihre Eliten rekrutiert. Die Antwort war so eindeutig dahingehend, daß die Führungskräfte wiederum die Kinder von Führungskräften oder Unternehmern sind, daß Dr. E. Niejahr von der "großen Lebenslüge der BRD" geschrieben hat. Zwar habe es in der Zeit nach dem Krieg eine glückliche Phase der sozialen Mobilität gegeben, die jedoch längst wieder vorbei sei. Der "Soziale Aufzug" (l´ascenseur social, wie man sinnfällig in F sagt) ist defnitiv außer Betrieb oder kaputt.

>ich gehe davon aus, dass deiner meinung nach die probleme deutschlands ein verschulden der kapitalisten und ihrer helfer, der manager sind.

Die Ursachen lagen und liegen immer, in allen Staaten und Gesellschaftsformen, bei der Ober- nicht bei der Unterschicht.

>ich koennte mir allerdings vorstellen, dass das problem doch bei den sozialen errungenschaften fuer die unterschicht liegt.

Ich nicht, weil ich die Situation dort unten kenne. Unten, im Sumpf der Gesellschaft, zahlt man über-lebensnotwendige Medikamente aus eigener Tasche. Im Laufe von 30 Jahren kommt ganz schön was zusammen; über´n Daumen gepeilt 40 - 50.000 DM, Zahnbehandlung nicht eingerechnet. Das mal als Anmerkung zur sozialen Überversorgung.

>wieviel lohnersatz erhaelt ein arbeitsloser? stimmt die zahl von sechs euro pro stunde? - wenn ja, dann entspricht sie dem stundenlohn von vier schwer koerperlich arbeitenden menschen hier in meinem land und in vielen anderen laendern der erde.

Die Frage ist, ob sie der Situation in Deutschland entspricht. Das wäre mein Ansatz, der, wie Du weißt, auf das Nationale abhebt, nicht das Internationale.

>jetzt zu glauben, dies sei irrelevant, waere falsch. deutschland ist stark export orientiert. was bedeutet, dass ein grossteil der kunden fuer deutsche produkte nur ein viertel der kaufkraft haben, die ein deutscher arbeitsloser hat. (von der acht oder zehnmal so hohen kaufkraft eines deutschen arbeitenden mal ganz zu schweigen)

Ja. Wenn der deutsche Arbeiter das Sozialamt für die halbe Welt zu finanzieren hat, Tributleistungen, Reparationen und Wiedergutmachung ohne Ende und obendrein noch die Angriffskriege seiner Zwingherrn bezahlen muß, wird das Spuren hinterlassen.

>letzten endes ist es ganz simpel: wer fuer sein produkt nur ein viertel dessen einnehmen kann, wie er fuer loehne aufwenden muss, geht pleite. oder "wandert ab".

Ja. Ich glaube bloß nicht, daß der deutsche Arbeiter daran schuld ist.

Alceste




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