Re: Etwas Wassser in den Wein

Geschrieben von detlef am 28. Oktober 2005 16:56:29:

Als Antwort auf: Re: Etwas Wassser in den Wein geschrieben von Alceste am 28. Oktober 2005 16:13:21:

hallo,

ich hab den eindruck, dass das wasser, welches du in den wein kippst, etwas truebe ist.

kurz ausgedrueckt, BB behauptet, dass die heutigen probleme eine folge von verhaetschelung der arbeiter sind.
du dagegen behauptest, dass die probleme ausschliesslich "denen da oben" zu verdanken sind. denen, die nichts mit den unteren zu tun haben. da moechte ich bloss darauf hinweisen, dass ein hilfsarbeiter und taxifahrer, der aussenminister werden konnte, doch auf gewisse "untere" einfluesse schliessen laesst.

ich gehe davon aus, dass deiner meinung nach die probleme deutschlands ein verschulden der kapitalisten und ihrer helfer, der manager sind.

ich koennte mir allerdings vorstellen, dass das problem doch bei den sozialen errungenschaften fuer die unterschicht liegt.
wieviel lohnersatz erhaelt ein arbeitsloser? stimmt die zahl von sechs euro pro stunde? - wenn ja, dann entspricht sie dem stundenlohn von vier schwer koerperlich arbeitenden menschen hier in meinem land und in vielen anderen laendern der erde.
jetzt zu glauben, dies sei irrelevant, waere falsch. deutschland ist stark export orientiert. was bedeutet, dass ein grossteil der kunden fuer deutsche produkte nur ein viertel der kaufkraft haben, die ein deutscher arbeitsloser hat. (von der acht oder zehnmal so hohen kaufkraft eines deutschen arbeitenden mal ganz zu schweigen)
letzten endes ist es ganz simpel: wer fuer sein produkt nur ein viertel dessen einnehmen kann, wie er fuer loehne aufwenden muss, geht pleite. oder "wandert ab".

also, ich persoenlich habe verstaendnis fuer firmenleitungen, die lieber abwandern, als pleite gehen.

gruss,detlef

ps: und "ein hauen und stechen" habt ihr noch nicht mal ansatzweise. ihr seid noch in der jammer und schuldzuweisungsphase.


>darf ich ein wenig Wasser in Deinen Wein gießen?
>Deinen Ansatz, eine bestimmte Art, wie die soziale Frage gelöst wird, als Grund des des Niedergangs Europas und Deutschlands zu betrachten, halte ich - mit Verlaub - für hochgradig demagogisch.
>Das Kaiserreich und Bismarcks Sozialgesetzgebung sollten ausreichen zu erkennen, daß humane und soziale Behandlung der Arbeiter, Unterschichten und Proleten ein Land nicht schwächen, sondern ihm zu ungeahnter Leistungskraft und Größe verhelfen können.
>Du vekennst, daß sich die sozialen Wohltaten ganz erheblich auf die Produktivität auswirken, worin doch - das muß ich Dir doch wirklich nicht erzählen - ja gerade das Problem liegt, weshalb Deutschland mitsamt seiner
>verwöhnten und verzogenen Arbeiterschaft den Rest der Welt gegen sich aufbringt.
>Vergleiche doch mal die Situation eines deutschen Arbeiters mit der eines britischen und amerikanischen im Verlauf der letzten 100 Jahre und prüfe, ob wir darin nicht massive Gründe für zwei Weltkriege finden können?
>Fakt ist doch, daß unsere Freunde und Verbündeten unsere Wirtschaftskraft nicht ertragen wollen. Von diesem Punkt aus wären alle Deine nachfolgenden Beispiele schlagend zu widerlegen.
>In anderen Worten: ich meine, was Du als Erklärung der momentanen Situation anführst, ist bei genauerer Betrachtung nicht stichhaltig.
>>Und bilden ab nun an das Potential für Demagogen, die ihnen erfolgreich einredeten, das alles sei doch eigentlich ihr Werk.
>Die Demagogen der Arbeiterbewegung haben einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Linderung des Massenelends geleistet. Daß in diesem Punkt gewaltiger Handlungsbedarf herrschte, können wir in wunderbaren, sehr humanen Sätzen bei Bismarck nachlesen und auch bei Fontane (Der Stechlin).
>>Das alles stünde ihnen zu.
>>Man betrüge sie um die Früchte ihrer Arbeit.
>>Man beute sie aus.
>>Sie seien zu Kurzgekommene.
>Sind demagogische Übertreibungen das Privileg der führenden Schichten?
>>Man appellierte an die niedertsten Instinkte der Gosse.
>>Den Neid.
>Gott sei Dank, sonst hätte sich an der katastrophalen Situation überhaupt nichts geändert. Verzeihung, aber mir geht es gewaltig gegen den Strich, wenn man immer nur den niederen Klassen Neidaffekte vowirft, wenn sie darangehen ihr erbärmliches und mitleiderregendes Los zu verbessern.
>In Wahrheit sind Neid und Habsucht nirgendwo stärker als in den oberen, elitären Klassen, bei Hofe, in den Parlamenten und in Vorständen und Aufsichtsräten sowieso. Man könnte sogar eine Regel aufstellen: je weiter man in der sozialen Hierarchie nach oben kommt, desto mieser, dreckiger, widerwärtiger, hinterhältiger und charakterloser werden die Neidaffekte ausgelebt.
>Wer sich diese Einsicht nicht kraft eigener Erfahrung erschließen konnte - so wie ich - dem würde ich die Lektüre Bismarcks empfehlen oder die von Saint-Simon, des Chronisten des Hoflebens von Versailles.
>Bei Saint-Simon finden sich Dutzende von Beispielen, wo neidische, eifersüchtige und konkurrenzgeile Aristokraten den Erfolg von Schlachten und Kriegen aufs Spiel gesetzt haben, weil sie beim Beutezug nicht ausreichend zulangen durften.
>>Kommunismus ist reine Neidkultur, künstlich gezüchtet durch Demagogen.
>Monarchie und Feudalismus sind reine Neidkultur, was uns erstrangige Quellen bestürzend genau schildern. Bloß ist in diesem Fall der Neid durch Kutte und Königs-Hermelin "zuchtvoll" drapiert.
>>Wieso eigentlich hätten sie selber weniger,
>>als der tüchtige, der fleissige Handwerker oder der Unternehmer?
>>Klassengegensätze werden ersonnen.
>>Wo zuvor ein Volk – Jeder nach bestem Können – gemeinschaftlich
>>am Staat gebaut hatte, wird nun zum Kampf aufgerufen.
>>Gewerkschaften erpressen von den Tüchtigen Löhne,
>Die Verteilung des Vermögens spricht eine völlig andere Sprache.
>>die deren Unternehmen an den Rand des Ruins treiben.
>Den Mittelstand!
>>Und somit die Nation und das allgemeine Wohlergehen untergraben.
>Ja, sie tragen dazu bei. "Aber woran liegt der Grund, so fragen wir beständig"? Vielleicht eher darin, daß die Gewerkschaften die Heloten der Sieger und Besatzer sind.
>>Mit dem allgemeinen Wahlrecht verschärft sich die Situation.
>>Keine Partei kann sich es mehr leisten,
>>nicht den „Arbeiter“ zu hätscheln.
>BB, bei allem und wirklich großem Respekt und Sympathie. Welcher Arbeiter wird denn gehätschelt? Das ist doch an der Grenze zum Unfug. Die Parteien und Gewerkschaften tun nur so als würden sie ihn hätscheln wollen. In Wahrheit ziehen sie ihm hinterrücks das Fell über die Ohren und sorgen durch einen mutwillig herbeigeführten Verfall des Bildungswesens sowie unregulierte
>Zuwanderung, Europa- und Globalisierungswahn, daß auch die Aufstiegschancen seiner Kinder zunichte gemacht werden.
>>Um ihn hat sich nun alles zu drehen.
>>Er wird zum verzogenen Schosskind.
>Du verwechselst Wirklichkeit und Propaganda.
>>Das gilt natürlich nicht für den Arbeiter, der sich den 8-Stundentag
>>(ohne weitere Verantwortung!) ausbedungen hat.
>Und wenn schon? Der deutschen Wirtschaftstkraft, die der die halben Welt ein Graus ist (H. Kohl) hat es nicht geschadet.
>>Dem Arbeiter werden (gratis!) Arbeiterwohnungen hingestellt.
>Hat schon Jakob Fugger gemacht. Lieber Gratiswohnungen für Arbeiter als Tributzahlungen in fremde Kassen.
>>Einen europäischen Arbeiter um 1955 würde Ludwig XIV.
>>staunend und fassungslos beneiden.
>Und einen abhgehalfteren Aristrokrataen wie Ernst-Haugust von Hannover erst recht.
>>Wie eine Seuche greift nun das Anspruchsdenken um sich.
>>Keiner will mehr richtig arbeiten.
>Erinnert mich stark an Parlamentarier, EU-Kommissare und Vorstände bei DaimlerChrysler, Deutscher Bank und anderswo.
>Der Fisch stinkt immer vom Kopf, nicht vom anderen Ende.
>>Es entsteht der „Wohlfahrtsstaat“.
>Die Schöpfung Bismarcks.
>>Machen wir uns nichts vor:
>>„Rechts“ und „Links“-Parteien sind reine Augenwischerei
>>und haben das selbe Ziel:
>>Selber an die Stelle zu rücken, an der vormals der König sass,
>>und dessen Ehren und dessen Rechte zu fordern.
>Ja. Aber was hat das mit dem Arbeiter zu tun?
>>Nur, ohne dessen Pflichten und dessen Verantwortung nachzukommen.
>>Man gibt vor, die Partei könne die Härte des irdischen Daseins
>>dem Wähler abnehmen.
>Stimmt ja auch, in Grenzen selbstverständlich. Siehe Sozialstaat.
>>Ein Kreuz an der richtigen Stelle genüge.
>>Und es werden Steuern erhoben,
>>dass den Parteien die Namen dafür ausgehen,
>>und es wird das Land ruiniert, indem man die Wirtschaft
>>mit immer neuen Abgaben und Forderungen ausblutet.
>Ja, aber liegt das am Arbeiter und seinen überzogenen Ansprüchen? Ich teile Deine Beschreibung der Krankheit, meine aber, daß diese ganz andere Ursachen hat. Als Vasallenstaat ist man so oder so verloren.
>>Die Tüchtigen werden erpresst, sie werden von den Faulen und Unbegabten ausgenommen und in den Ruin getrieben.
>Entschuldigung, das geht doch völlig an der Wirklichkeit vorbei. Die SCHWACHEN werden erpreßt und ausgenommen!
>>=>Vor uns nun der allgemeine Ruin.
>>„Unten“ hat den Staat übernommen.
>Verheih´, aber das ist an der Grenze zum Unfug. Von wegen "Unten"! Wer regiert denn bei uns? Die Proleten von der Werkbank oder die Herren des großen Geldes. Wer hat denn Angela Merkel ins Kanzleramt geschubst? Wer kann sich die Parteien kaufen? Otto Normalverbraucher oder Bilderberger?
>>Denn nun fährt das System ungebremst gegen die Wand.
>Ja, weil die Sieger und Besatzer das so wollen!
>>Die verhätschelte Masse wird aufstehen und den roten Demagogen
>>vollends anheimfallen.
>Was sollte sie sonst tun, wenn nicht nach dem letzten Strohhalm greifen?
>>Die Weltrevolution der Verhätschelten steht ins Haus.
>Die Weltrevolution der Erniedrigten und Beleidigten!
>>Es wird ein Hauen und Stechen beginnen – Jeder gegen Jeden –
>Wie halt jetzt auch, bloß daß im Moment noch mühsam die Formen gewahrt werden.
>>Wie seit Marius und Sulla das Abendland nicht mehr gesehen.
>>(Und damals aus den selben! Gründen)
>>Und aus den Wirren wird der erste Cäsar sich erheben
>>und die Parteien unter sich lassen.
>Die Analogie zu 1933 ist unverkennbar.
>Alceste


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