Re: Verbot der zinslosen Lokalwährungen geplant? / auch @NoPasaran

Geschrieben von Johannes am 07. Mai 2005 12:44:08:

Als Antwort auf: Verbot der zinslosen Lokalwährungen geplant? geschrieben von Georg am 07. Mai 2005 11:07:01:

> Aushebelung der zinslosen Lokalwährungen geplant?


Hallo Georg,

wie kommst Du darauf, daß Lokalwährungen zinslos seien?

Der Zins, der einer Währung "anhaftet", besteht aus zwei Teilen, nämlich

  • der Gebühr, die der Herausgeber des Geldes für das Inverkehrbringen des Geldes verlangt und

  • den Zinsen, die sich durch die Verschuldung der verschiedenen Geldnutzer ergeben (Schulden/Zinsen für Investitionen und Konsum)

    Bei einer Lokalwährung wird zu Position 1) in der Regel eine Ausgabegebühr (Zins!) von 5% im Jahr verlangt, von der EZB derzeit etwa 2%.

    Viel wesentlicher ist aber Position 2), die Verschuldung für Konsum/Investitionen bzw. die daraus anfallenden Zinsen, hier hört man manchmal Zahlen, daß auf einen Euro Kaufpreis inzwischen bis zu 60 Cent für Zinsen anfallen.

    Das Grundproblem liegt also nicht in den Ausgabekosten des Geldes (Position 1), sondern in der zu hohen Verschuldung. Und die Verschuldung ist in erster Linie völlig unabhängig von der Art des Geldes, das könnten auch Glasperlen, Kieselsteine oder Naturalabgaben sein. Wo zuviel Zinsen zu zahlen sind, gibt es ein Problem. Aber das liegt an der Verschuldung, nicht an den Geldscheinen.

    Wieso siehst Du die Lokalwährungen also als zinsfrei? Stell Dir vor, der gesamte Zahlungsverkehr würde auf Lokalwährungen umgestellt - dann während die Ausgabekosten des Geldes etwa gleich (Position 1 = 2-5%), aber was würde sich Deiner Ansicht nach an der Ver-/Überschuldungsproblematik ändern? Würden sich die Leute dadurch weniger leihen und somit weniger Leihgebühr (Zinsen) zahlen müssen?

    Gruß

    Johannes


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