Überlegungen zur Themenarbeit

Geschrieben von Elias Erdmann am 17. November 2003 19:38:08:

Als Antwort auf: Habe gestern einige Beiträge gelöscht / Aufruf zur verstärkten Themenarbeit geschrieben von Forumsmaster am 16. November 2003 17:28:46:

Hallo Johannes!

Vielleicht wäre das mal wieder ein geeignetes Thema für eine Meinungsumfrage:

Wer will hier eigentlich Themenarbeit machen? Und wer ist bereit, eine Aufgabe zu übernehmen und dafür dauerhaft Zeit zu investieren (mind. 5-10 Stunden pro Woche)?

Eventuell sind folgende Alternativen bei der Umfrage sinnvoll:

1. Ich will keine Themenarbeit machen, sondern hier einfach nur mit Gleichgesinnten diskutieren.
2. Ich halte zwar Themenarbeit für sinnvoll, aber mir fehlt dafür die Zeit.
3. Ich bearbeite ohnehin schon ein Thema, das zum Forumsthema passt. Für weitere Themen fehlt mir aber die Zeit.
4. Ich will ohnehin in der Zukunft mich verstärkt um ein bestimmtes Thema kümmern.
5. Ich bin bereit, neue Aufgaben zu übernehmen.

@Johannes: Gewissensfrage: Wo würdest Du selbst anklicken? Hättest Du neben Deiner Aufgabe als Forenmaster überhaupt selbst noch genügend Zeit, um auch noch Sachthemen zu bearbeiten?

Ein Sachthema mal ein paar Wochen zu moderieren, das ist gar nicht so einfach. Im aktuellen Zustand wäre das übrigens hier im Forum auch gar nicht möglich, denn die Sachthemen würden hier gnadenlos im täglichen Smalltalk untergehen.

Bei weniger als fünf Meldungen (Alternative 3-5) kannst Du die Sache gleich wieder vergessen, denn nicht alle, die sich melden, werden auch dauerhaft durchhalten. Das ist gar nicht unbedingt immer Schwäche, sondern manche Probleme stellen sich später erst heraus.

Aktuell lebt das Forum davon, dass man sich hier hemmungslos über das Tagesgeschehen ereifern kann. Das mag nicht Dein Ziel sein, aber das ist trotzdem leider die Realität. Mit dem Ziel „Themenarbeit“ würde das Forum diese „Attraktion“ einbüßen. Wenn es Dir wirklich gelingen würde, das Forum in ein „Themenforum“ umzuwandeln, dann wäre es vermutlich ein ziemlich leeres Forum.

Momentan machst Du einen Spagat zwischen „Themenforum Prophezeiungen“ und einem Tummelplatz für Menschen, die sich über das Weltgeschehen ereifern wollen. Beide Ziele haben unterschiedliche Zielgruppen und es klappt nicht, die Zielgruppe „Eiferer“ anzulocken, um das Ziel „Themenarbeit“ zu erreichen.

Vielleicht wäre es sinnvoll, das Themenforum neben dem aktuellen Forum zu eröffnen. Es würde dort deutlich ruhiger zugehen – nach einer kurzen Anfangs-Euphorie vielleicht ein Beitrag pro Tag. Aber dann Qualität statt Quantität. Eventuell macht es auch Sinn, gelegentlich mal einen Beitrag aus dem „Massen-Forum“ dort rüber zu kopieren.

Der Aufruf zur Themenarbeit ist übrigens so alt wie das Forum. Sogar schon im Uralt-Jens-Forum gab es 1999 mehrfach den Vorschlag, Arbeitskreise einzurichten.

Aber aus all diesen Ideen wurde nichts und das hat ganz banale Gründe. Ich denke, wir sollten uns mal etwas genauer mit diesen Gründen beschäftigen, um vielleicht irgendwann mal eine gemeinsame Vorgehensweise zu finden, die nicht an diesen Gründen scheitert.

Problem 1: Zeitmangel

Sicherlich entstehen die meisten Beiträge mal so nebenbei, bei vielen sicherlich sogar während der Arbeitszeit. Man hat vielleicht mal 10-15 Minuten Zeit und dabei können nur Kurzbeiträge entstehen. Keiner kann sich da stundenlang hinsetzen und recherchieren. Das reicht gerade mal, um in den Ticker zu schauen und eine Meldung per cut&paste zu kopieren. Das reicht auch für Beiträge der Form „...mag ich nicht..., ...find ich auch ..., *lächel*, *grins*, *blubber*, *sülz*,...“ Nur die wenigsten setzen sich Abends mal für ein paar Stunden hin und nehmen sich mal richtig Zeit für ein Thema.

Und wenn sich mal einer die Zeit nimmt, dann fehlt wiederum anderen die Zeit, das aufmerksam zu lesen, darüber nachzudenken, nachzuschlagen, eine Antwort zu formulieren, ... Bis man anfängt nachzudenken, ist der Beitrag ohnehin schon im Archiv verschwunden.

Problem 2: Wut als Motivator

Die Erfahrung hat gezeigt: Je provokanter ein Text ist, umso mehr Antworten gibt es. Das führt letztendlich immer wieder dazu, dass Streitthemen eskalieren.

Problem 3: Gegensätzliche Weltbilder

Es gibt sehr viele kontroverse Weltbilder: pro und contra Kirche, pro und contra Russeneinmarsch, pro und contra Ufos, pro und contra Verschwörungstheorien, pro und contra USA, ... u.s.w.

Ein Fortschritt wäre möglich, wenn man sich über einen Punkt einigen könnte. Dann könnte man zum nächsten Punkt weiter gehen. Eine Einigung über Grundfragen ist aber nicht abzusehen. Da die meisten religiösen und weltanschaulichen Weltbilder nicht sachlich begründet sind, sind sie auch nicht für sachliche Argumente zugänglich. Eine Einigung ist daher auch nicht kurzfristig zu erwarten.

Problem 4: Die ewige Wiederholung der gleichen Themen

Da immer wieder neue Teilnehmer auf das Forum stoßen, werden immer wieder die gleichen Themen aufgeworfen.

Problem 5: Die Geschwindigkeit im Forum

Die vielen Agenturmeldungen, die vielen Smalltalk-Beiträge, die ewig gleichen Zoff-Themen, die ewig gleichen Grundsatz-Diskussionen über gegensätzliche Weltbilder, die häufigen Wiederholungen gleicher Fragen führt dazu, dass die wenigen wichtigen Beiträge in der Masse untergehen und innerhalb kürzester Zeit im Archiv verschwinden. Wenn man sich bei einem Beitrag Mühe gibt, schreibt man im Prinzip für die Mülltonne.

Meine persönliche Konsequenz aus den Problemen

Es war für mich schon sehr wichtig, einige Grundsatzdiskussionen ein paar Mal durchgekaut zu haben, denn durch das wiederholte Schreiben fand ich für mich auch einen Zugang zur eigenen Inspiration. Es war fast so, als ob neue Inspiration ganz von selbst „nachrutscht“, sobald die vorhandene Inspiration abgearbeitet ist. Die Diskussionen haben auf diese Weise bei mir einen ganz wichtigen Prozess ausgelöst.

Aber irgendwann war einfach der Zeitpunkt erreicht, wo es richtig war, auf den festgestellten Grundsätzen aufzubauen, anstatt sie immer wieder neu zu begründen. So betreibe ich nun mit Mythen und Visionen ein kleines Internetprojekt wo ich zwar langsam, aber kontinuierlich immer weiter aufbauen kann.

Bei diesem Projekt habe ich auch mit unterschiedlichen Konzepten experimentiert und konnte damit Erfahrung sammeln.

Einige der Konzepte wären sicher auch für dieses Forum anwendbar. Einige müssten aber auch aufgrund der anderen Situation etwas angepasst werden.

Lösungsansatz:

Punkt 1: Potential ermitteln

Zunächst wäre es mal interessant, das Potential für Themenarbeit zu ermitteln. Wer hat z.B. bislang gezeigt, dass er bereit ist, zielorientiert an einem Thema zu arbeiten? Die konkrete Form ist letztendlich zweitrangig, egal ob nun Buch (gedruckt oder PDF), Homepage, Ausarbeitung, Info-Sammlung, Quellenarchiv, regelmäßig gute Beiträge, ...

Punkt 2: Möglichkeit für gemeinsame Vorgehensweise klären

Nun stellt sich die Frage, ob diese Gruppe der „Aktiven“ so weit in ihren Zielen übereinstimmt, das ein gemeinsames Vorgehen Sinn macht. Der populärste Ansatz, wie er in der üblichen Prophezeiungsliteratur vertreten wird, hat sicherlich in dieser Hinsicht die größte Chance auf Erfolg – auch wenn ich persönlich den üblichen Ansatz nicht für sinnvoll halte.

Aber ich selbst stelle mit meinem Ansatz da wohl eher eine Minderheit dar und bin es schon gewohnt, mich mit meinen Thesen immer wieder zwischen alle Stühle zu setzen. Ich selbst halte es zwar eigentlich für ausgewogen, aber üblicherweise bin ich für die Rationalisten zu theologisch, für die Religiösen zu esoterisch und für die Soft-Esoteriker zu rational. Leute mit einem weniger ausgewogenen Weltbild haben es da schon einfacher. Die können entweder als Rationalisten alles leugnen, was nicht beim Runterfallen klappert, oder als Anhänger einer Religion nur das glauben, was der Oberpriester vorgibt oder als Soft-Esoteriker alles für möglich halten und von allem auch das Gegenteil.

Alternativ stellt sich die Frage, ob man auch unterschiedliche oder gegensätzliche Ansätze und Thesen unter einem gemeinsamen Portal zusammen fassen kann. Für die Themen Mythen und Visionen, Methoden der Manipulation, Ausdrucksformen für einen neuen Glauben und Lebensreform (von Nick) habe ich vor ein paar Tagen ein gemeinsames Portal geschaffen, das theoretisch auch für andere Projekte offen steht.

Siehe: Bewusstsein im Wandel

Punkt 3: Link-Listen auf Foren-Beiträge

Wichtig wäre es, dass die wichtigen Beiträge nicht untergehen. Eine Link-Liste auf die wichtigsten Beiträge wäre eine erste Lösung, da aber unterschiedliche Menschen unterschiedliche Beiträge für wichtig halten, wäre es sicher sinnvoll, dass es mehrere Link-Listen parallel gibt, z.B. Listen für:

- Quellentexte
- Interpretationen
- Grundlagen (Religion)
- Grundlagen (Esoterik/Symbolik)
- Grundlagen (Psychologie)
- Grundlagen (Parapsychologie)
- Beobachtung Weltgeschehen, aktuelle Gefahren
- Vorsorge, Strategien für Krisenfälle

Für jede Linkliste wäre ein eigener Betreuer sinnvoll, der die wichtigen Beiträge aus der Gesamtmenge heraussucht.

Ein Beispiel: Ich betreibe bei Mythen und Visionen eine solche Link-Liste, für die Dinge, die mir wichtig sind. Siehe http://home.arcor.de/elias_erdmann/themensammlung.htm

Punkt 4: Redaktionelle Beiträge und FAQ-Listen

Forenbeiträge ergeben sich oftmals aus einer Diskussion und so sind die Argumente und Gegenargumente weit verstreut und mit allerlei anderen Dingen vermischt. Zum späteren Nachlesen sind daher viele Beiträge nicht geeignet. In solchen Fällen ist es sinnvoll, die wichtigsten Aussagen in redaktionellen Texten zusammen zu stellen.

Auch hier wäre es sicher sinnvoll, wenn es unterschiedliche „Ressort-Leiter“ für unterschiedliche Themenbereiche gäbe.

Für die Themen, die ich bearbeite, praktiziere ich dieses bereits, dass sich sie später noch mal überarbeite, so dass man sich nicht mehr durch endlose Beiträge wühlen muss.

Siehe: http://home.arcor.de/elias_erdmann/texte.htm

Um kontroverse Diskussionen zusammen zu fassen, müsste man natürlich etwas anders vorgehen und die Argumente und Gegenargumente gegenüber stellen.

Punkt 5: Begrenzte Lebensdauer für Nachrichten-Thread

Weiterhin schlage ich vor den Nachrichten-Thread hier im Forum konsequent nach einer Woche zu löschen. Andernfalls entwickelt sich dieses Form langfristig zu einem reinen Nachrichten-Archiv.

Punkt 6: Themenwochen

Manche Themen brauchen einfach etwas Zeit und sie würden im normalen Forum zu schnell unter gehen. So halte ich es für sinnvoll, diese Themen zeitlich befristet in einem extra Forum zu diskutieren.

Als Beispiel: siehe BiW-Themenwochen

Eine Themenwoche zu organisieren, zu moderieren und später zusammen zu fassen, das macht natürlich ziemlich Arbeit. Viele Teilnehmer sind dazu sicherlich nicht bereit.

Punkt 7: Offline-Runden

Nicht alles kann man in aller Öffentlichkeit ausarbeiten. So macht es Sinn, dass parallel auch nicht öffentliche Kanäle genutzt werden (z.B. Mail-Runden, etc.)

Manche Dingen (z.B. digitales Quellen-Archiv) kann man auch wegen Urheberrecht etc. nicht so einfach auf eine Homepage oder in ein Forum stellen.

Dieser Maßnahmenkatalog erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Viele Grüße

Elias



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