@Swissman: Ihr Beitrag

Geschrieben von JeFra am 04. November 2003 01:14:36:

Als Antwort auf: VORSICHT vor falschen Schlüssen bei religiösen Überlieferungen geschrieben von Chile-Klaus am 03. November 2003 17:56:19:

Ich bringe meine Antwort an dieser Stelle, da der Ausgangsbeitrag gesperrt ist.


Theorien, wonach alle Juden (ohne jede Ausnahme) an einer Verschwörung mitwirken würden, um die Weltherrschaft an sich zu reissen, halte ich hingegen für ausgemachten Blödsinn.

In dieser Form (ohne Ausnahme) wollte ich das auch nicht behaupten. Man kann sich aber die Frage vorlegen, ob es geistige Strömungen wie die Psychoanalyse und den daran anknüpfenden Irrationalismus, die bolschewistische Herrschaft in Rußland und die 68iger-Kulturrevolution ohne die jüdischen Beiträge dazu gegeben hätte. Außerdem scheint mir, daß es sich um eine Politik handelt, die unter den Juden mehrheitsfähig ist. Damit will ich nicht sagen, daß sie alle dabei mitmachen. Nur ein ganz kleiner Teil vertritt diese Politik wirklich aktiv. Wie groß die Unterstützung der Massen für diese Politik wäre, wenn es eine Abstimmung darüber gäbe, ist zwar schwer zu sagen. Ich habe aber noch nie Indizien für eine gärende Unzufriedenheit der Juden mit ihrer politischen Führung gesehen, wie sie derzeit in Europa vorherrscht. Sicher hat die Politik des NS ihren Teil dazu beigetragen, die Juden hinter dieser Politik zu vereinigen. Und heute ist es vielleicht die simple Tatsache, daß der Rückweg längst versperrt scheint und nur noch der Weg voran (wahrscheinlich ins Verderben) offensteht. Das Bild, das ich dazu vor Augen habe, ist, daß es vorher 65% waren und danach 95%. Um irgendwie rational begründbare Zahlen handelt es sich zwar nicht. Aber wo ist denn die große Gegenbewegung gegen diese Politik in den 20iger Jahren? Beispielsweise der jüdische Verriß des `Jud Süß'-Romans von Feuchtwanger, gewürzt mit der Bemerkung, daß Feuchtwanger damit dem deutschen Judentum schweren Schaden zugefügt hat? Mir sind nur ein paar Essays aus jüdischer Feder bekannt, die die Befürchtung äußern, daß die starke Beteiligung der Juden am Bolschewismus schweres Leid über das jüdische Volk bringen könnte. Theologisch argumentiert (Unvereinbarkeit von Judentum und Kommunismus) wurde dabei übrigens in den mir bekannten Textstellen nicht, sonder eher realpolitisch-pragmatisch. Die Autoren sind heute nicht mehr sonderlich bekannt, es waren z. B. keine Nobelpreisträger darunter. Jedenfalls gilt das für die Textstellen, die mir bisher zu Kenntnis gekommen sind.


Sicher ist es eine fehleranfällige Methode, sich sein Bild aus der mehr oder weniger zufälligen Auswahl jüdischer Texte zu formen, die einem vor Augen kommen. Es ist aber nicht meine Schuld, daß die Frage nach dem Gewicht des jüdischen Beitrages zum Bolschewismus/Linksextremismus tabuisiert ist und man daher gezwungen ist, sich seine Meinung auf Grund relativ unzuverlässiger Methoden zu bilden.


Ebenso bestreite ich entschieden, dass es möglich sein soll, gleichzeitig Jude UND Kommunist zu sein: Das Judentum ist in allererster Linie eine Religion, während eine der wichtigsten Forderungen von Karl Marx bekanntlich gerade darin besteht, sämtliche Religionen (einschliesslich der jüdischen!) zu vernichten.

Das könnte in der von Ihnen behaupteten Form richtig sein, aber es schließt nicht eine bedeutende Rolle von Juden aus, deren Verhältnis zur Revolution mehr oder weniger pragmatischer Natur war. Denken Sie nur an das Beispiel Lion Feuchtwangers, der selber stolz vermerkt hat, er habe die Münchener Räterepublik "in großer Nähe führender Männer" miterlebt (so nach dem Klappentext der Jüd Süß-Ausgabe als Paperback beim Aufbau-Verlag). Wobei Feuchtwanger später das bekannten Beschwichtigungspamphlet über die Stalinschen Säuberungen geschrieben hat. Daß Feuchtwanger gläubiger Jude war, daran kann es in Anbetracht des Inhaltes seines Werkes kaum Zweifel geben. Die jüdische Thematik schimmert bei fast allem durch, was Feuchtwanger geschrieben hat.


Oder denken Sie an den seltsamen Fall der Rosenbergs in den USA, die ja anscheinend gläubige Juden waren. Auf die Schnelle kann ich zwar nur eine Quelle für die Anwesenheit eines Rabbis bei der Hinrichtung finden (und für die Vorverlegung des Hinrichtungstermines, um vor der Abenddämmerung am Freitag fertig zu sein), aber nirgendwo habe ich bisher Behauptungen dahingehend gefunden, daß die Rosenbergs ihrer Religion den Rücken gekehrt hatten (etwa durch Austritt aus ihrer Religionsgemeinschaft) und erst angesichts des nahenden Endes wieder in den Schoß der Synagoge zurückgekehrt seien.


Außerdem möchte ich Zweifel aufwerfen, ob eine Zeitschrift wie `konkret' überhaupt sinnvollerweise marxistisch genannt werden darf. Ich habe etliche Nummern von `konkret' gelesen, und ich mußte natürlich auf der Schule und er Universität in der DDR ML `lernen' (was immer man in diesem Zusammenhang unter `lernen' verstehen möchte). Der ML besteht nach der in der DDR vertretenen Auffassung aus den drei Bestandteilen Marxistische Philosophie (Dialektischer und Historischer Materialismus), Marxistische Politische Ökonomie und Wissenschaftlicher Kommunismus. Irgendwelche Beiträge zur Marxistischen Philosophie habe ich in `konkret' bisher nicht gefunden, auch keine Beiträge, in denen etwa ethische Fragen auf der Grundlage der Philosophie des Dialektischen Materialismus diskutiert werden. Und auch keine Angriffe auf die Religion allgemein, die etwa eine Kritik an der jüdischen Religion einbeziehen würden.


Marxistische Politökonomie gibt es vereinzelt, aber zunehmend selten seit dem Bruch zwischen Robert Kurz und der konkret-Redaktion. Die Marxistische Politökonomie enthält eine Lehre vom gesetzmäßigen Zusammenbruch des Kaptialisums, und ein Marxist, dem es um die Beseitigung der kapitalistischen Ausbeutung geht, sollte diesen Zusammenbruch eigentlich begrüßen. Tatsächlich hat man aber bei `konkret' den bizarren Fall (wie Robert Kurz, glaube ich, selber feststellt), daß angeblich marxistische Theoretiker vom Zusammenbruch des Kapitalismus nichts hören wollen, wenn dieser tatsächlich greifbar scheint, und statt dessen lieber Seit an Seit mit besonders `reaktionären', `neokonservativen' Kräften die kriegerischen Aktionen der USA im Nahen Osten unterstützen, für die die Stabilisierung der dahinsiechenden US-Wirtschaft ein wichtiges Motiv zu sein scheint.


Und auch von Wissenschaftlichem Kommunismus kann keine Rede sein, denn es geht eher um ad hoc Begründungen für tagespolitische Forderungen, hinter denen kein geschlossenes Weltbild steht. In der Regel richten sie sich gegen die europäischen Völker oder die WASP-Schicht in den USA, während die neokolonialistische Politik Israels und der USA unterstützt wird. Es fällt schwer, nach der Lektüre einiger Nummern von `konkret' noch die nationalsozialistische These für absurd zu halten, es handele sich beim Bolschewismus um eine marxistisch verbrämte Bewegung zur Durchsetzung jüdischer Interessen, der es vor allem auch um die Rassenfrage geht.


Ich habe es aus diesem Grund vermieden, im Zusammenhang mit `konkret' von Marxismus zu sprechen, sondern habe den treffenderen Begriff `deutschfeindlicher Linksextremismus' gebraucht. Damit wird natürlich auch Ihr Einwand hinfällig, Marxismus und jüdische Religion seien unverträglich. Es geht um eine Ideologie, die nur pro forma marxistisch ist.


Der Laie denkt sich ja im allgemeinen, "die" Juden seien mit den Israeliten, die er aus dem Alten Testament kennt, identisch, was aber nur teilweise der Fall ist: Bereits in der Antike kam es, obwohl die Israeliten nicht aktiv missionierten, zu gelegentlichen Fälle von Konvertiten.

Das wollte ich auch nicht bestreiten. Deswegen bringe ich meine Bemerkungen zu den Chasaren und anderen Konvertiten als separate Antwort auf diesen Beitrag.

Hinzukommt, dass es ohnehin Unsinn ist, menschliches Verhalten auf die Gene zurückführen zu wollen - jeder Mensch ist in seinen Entscheidungen von Natur aus frei und kann sich so oder so entscheiden.

Es ist schwer auszumachen, wie weit der Einfluß der Gene auf unser Verhalten reicht. Zu dieser heiklen Frage will ich hier nicht Stellung beziehen, weil ich das für meine Argumentation nicht nötig habe. Mir reicht die Bemerkung, daß der gemeinsame kulturelle Hintergrund (jüdische Religion) aller Wahrscheinlichkeit nach dazu führt, daß diejenigen Verhaltensmuster dominieren, auf deren Anerziehung diese Religion besonderen Wert legt. Sicher gibt es Ausnahmen, aber die Gruppe der Torah-Juden ist sehr klein, wie Sie selber schreiben.

Ich wäre daher wirklich sehr erstaunt, wenn man bei einer Überprüfung nicht auch in jüdischen Gruppierungen den einen oder anderen Maulwurf (auch in leitender Position!) finden würde.

Nehmen Sie doch nur mal den Fall Hohmann: Der Zentralrat der Juden in D. sagt ja nicht: Wir sind leider von russischen Agenten infiltriert wurden. Statt dessen versucht man, den Mann mundtot zu machen. Es gibt auch keine Abgrenzungsversuche gegenüber der Zusammenarbeit vieler Juden mit Zeitschriften wie `konkret'. Sicher macht da nicht jeder mit, aber Verurteilungen der wohlwollenden Beziehungen, die z. B. I. Bubis zu `konkret' unterhalten hat, habe ich nicht gefunden.


Außerdem entspricht das Bild, daß sich uns bietet, ganz und gar nicht dem klassischen Bild subversiver Tätigkeit. Beispielsweise haben die Russen die Militärstrategie der kuk Monarchie durch einen einzelnen, an entscheidender Stelle befindlichen Verräter auszuspionieren können. Entscheidend für den Erfolg dieser Aktion war, daß sie im Verborgenen stattfand. Im Westen geht es aber heute um die vollständige Umwandlung unserer kulturellen Organisationen ebenso wie unserer Legislative und Exekutive in Werkzeuge zur Durchsetzung einer Art Ideologie gegen die eigene Existenz. Dabei ist charakteristisch, daß diese Fakten keineswegs verborgen, sondern vollkommen offensichtlich sind und der volksfeindliche Charakter dieser Politik von ihren Verfechtern meist ausdrücklich betont wird. Außerdem ist die Herrschaft dieser Politik so erdrückend, daß organisierter Widerstand dagegen vollkommen aussichtslos scheint und noch nicht mal von der katholischen Kirche geboten wird. Wenn russische Subversion einen derart erdrückenden Erfolg erzielen konnte, wie erklären Sie sich dann, daß die Russen nicht schon längst bei uns einmarschiert sind? Es gibt nur die eine Erklärung, nämlich die, daß die Russen nicht der Feind sind, die Erweiterung des russischen Machtbereiches nicht das Ziel dieser Politik war und daß die totale, uneingeschränkte Machtübernahme des Feindes im Inneren längst erfolgt ist!


Ich glaube, Johannes hat in diesem Forum sinngemäß versucht, die US-Politik im Nahen Osten mit dem Einfluß kommunistischer Verschwörer zu erklären, die erreichen wollen, daß die USA ihre Kräfte verzetteln. Wenn meine These richtig ist, ist es viel naheliegender, darin einen verzweifelten Versuch der Schadensbegrenzung zu sehen, durch den verhindert werden soll, daß die wirtschaftlichen Folgen der oben skizzierten Politik der Auslöschung der europäischen Völker auf deren Urheber zurückschlagen. Dabei dürfte den Gestaltern dieser Politk das enorme Risiko, daß sie eingehen, vollkommen bewußt sein.


MfG
JeFra


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