Re: Eurozentrismus und die Besonderheit unserer Gesellschaft und Zeit

Geschrieben von Andreas am 02. Oktober 2003 17:53:13:

Als Antwort auf: Re: Eurozentrismus und die Besonderheit unserer Gesellschaft und Zeit geschrieben von HotelNoir am 02. Oktober 2003 17:38:28:

>der Kulturpessimisus Widdowsons entspricht mir auch nicht gerade, er ist zu statisch, berücksichtigt nicht das geistige Wachstum der Menschen gerade in der letzten Zeit.

Aber genau das ist doch. Viele Menschen zu allen Zeiten haben gedacht, sie seien in einer besonderen Zeit und "gerade jetzt" fände ein grosses "geistiges Wachstum" statt. Hammurabi schrieb für Babylon schon vor Tausenden von Jahren ein Gesetzbuch, im Mittelalter schrieben Mönche in minutiöser Arbeit ganze Bücher ab, in der Renaissance wurden wunderbare musikalische Werke komponiert. Wir sind nichts besonderes und wir denken nichts besonderes. Ja vielmehr scheinen die echten kulturellen und technologischen Leistungen - besonders angesichts der Mittel, die uns heute im Vergleich zu früheren Zeiten zur Verfügung stehen - immer spärlicher zu werden*. Dafür gibt es immer mehr dekadenten Schrott wie die "Superstar"-Sendung und tausende von dubiosen Esoterik-Anzeigen in den Zeitungen. Ist das etwa geistiges Wachstum?

(Ich habe meine Zeilen absichtlich etwas provokotiv formuliert, damit klar ist, worauf ich hinaus will)

Gruss
Andreas


*Das Werk von Widdowson wird mit hoffentlich ein grosses Echo erhalten. Im Vergleich dazu ist Huntington's "Kampf der Kulturen" (von dem ich nicht viel halte) reinste geistige Kleingärtnerei.



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