Monsterwellen drohen Amerika und Karibik

Geschrieben von Twilight am 26. Februar 2003 00:39:53:

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Ein Ausbruch eines der Vulkane der "Cumbre Vieja"-Vulkankette auf der kanarischen Insel La Palma - und der Osten der USA samt den karibischen Inseln könnte zu Ödland werden. Der britische Geologe Simon Day hat diese bedrohliche Entdeckung gemacht. Die gesamte Westflanke des Vulkans ist instabil. 500 Milliarden Tonnen Gestein drohen ins Meer zu stürzen und somit eine Flutwelle von 650 Metern gen Westen auszulösen.



Selbst in Amerika wären die hereinbrechenden Wellen noch zwischen 30 und 50 Metern hoch - weit höher als die gefürchteten Tsunamis, die pazifischen Todeswellen. Day kartografiert Spalten und Risse im Vulkangestein und ordnet sie den großen Vulkanausbrüchen von 1585, 1712 und 1949 zu. Dabei hat er festgestellt, dass die ebenfalls nicht stabile Ost- und Südseite gegen die Westflanke drücken und diese sich in 50 Jahren um vier Meter verschoben hat. Nicht nur ein Vulkanausbruch, auch ein leichteres Erdbeben kann dieses Horrorszenario in Gang setzen.


"Meistens werden diese Wellen durch Erdbeben verursacht, die kleinere Tsunamis hervorbringen, aber sie können auch durch Unterwassererdrutsche entstehen oder durch Erdrutsche, die durch Inselvulkane ins Meer abgehen", schildert Day, der am "Benfield Greig Hazard Research Center" in London wirkt.


Diese Gefahr prognostiziert Day auf der vulkanisch aktivsten Kanareninsel La Palma: Nahezu die gesamte Westflanke der Vulkankette Cumbre Vieja sei instabil und droht bei einem Vulkanausbruch oder einem starken Erdbeben ins Meer zu stürzen. Vor mehr als 50 Jahren hat sich bei einem Vulkanausbruch die Westflanke um vier Meter verschoben. Seither zieht sich eine riesige Spalte durchs Bergmassiv. Die Vulkanführerin Conny Spelbrink verfolgt seit Jahren Simon Days Forschung mit einer gewissen Besorgnis.


"1949 bei einem heftigen Vulkanausbruch ist diese Spalte entstanden, von der der englische Wissenschaftler Simon Day sagt, dass sie möglicherweise weiter geht bis in die untere Struktur La Palmas", sagt Conny Spelbrink, Bergführerin auf La Palma.


Wenn die 500 Milliarden Kubikmeter Gestein sekundenschnell ins Meer stürzen, "wird sie eine Tsunami-Welle verursachen, die sehr viel größer ist als alles, was wir jemals gesehen haben", so Day. "Die Anfangshöhe der Welle ist durch Computeranimationen und Experimente berechnet. Sie liegt zwischen 650 Metern und einem Kilometer - das ist bis zu dreimal höher als der Eiffelturm."


Mit 350 Stundenkilometern würden die Gesteinsbrocken ins Tal und weiter ins Meer stürzen. Die Gerölllawine reicht etwa 60 Kilometer ins offene Meer hinein. Das verdrängte Wasser kann dann nicht Richtung Land über diese Gesteinsmenge zurückfluten. Eine Riesenwelle entsteht.


Wenn dieser Tsunami die amerikanische Ostküste überrollt und sich im flachen Hinterland ausbreitet, wäre er immerhin noch 50 Meter hoch. Bei diesem Prozess wird so viel Energie frei wie die gesamten Vereinigten Staaten in einem Jahr verbrauchen. Boston, New York oder Miami wären ebenso verwüstet wie die Bahamas oder die Antillen. Auf Brasilien träfe nach acht bis neun Stunden eine etwa 40 Meter hohe Flutwelle. "Ein Teil der Wellenenergie wird Auswirkungen auf die europäische Atlantikküste haben, auf Spanien, Portugal und die Britischen Inseln", schildert Day.


Diese Monsterwelle breitet sich nicht linear aus und rollt allein gen Westen; Modellversuche ergaben eine bogenförmige Ausbreitung. Die katastrophalsten Auswirkungen wären nördlich, westlich und südlich der Kanaren zu erwarten. Die afrikanische Westküste würde mit einer mehr als doppelt so hohen Flutwelle überspült als der amerikanische Kontinent.


Doch auch die Auswirkungen auf Europa wären verheerend, fürchet Simon Day: "Die Auswirkungen auf Zentraleuropa werden hauptsächlich ökonomischer Art sein, durch die Schäden, die die Wellen auf die wirtschaftliche Situation Nordamerikas und Orte wie Spanien und die Britischen Inseln ausüben." Wann die Westflanke des Cumbre Vieja tatsächlich kollabiert, ist nicht genau vorherzusagen. Day nimmt an, dass diesem Kollaps eine Reihe kleinerer Erdbeben vorausgehen.


"Irgendwann wird es passieren, aber auf der anderen Seite können wir die Auswirkungen abschwächen, indem wir Warnsysteme und Evakuierungspläne entwickeln, um sicher zu gehen, dass die Menschen die Gebiete entlang der Küsten verlassen, die von den Tsunamis getroffen werden."




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