Ärzteorganisation IPPNW warnt vor neuem Krieg
Geschrieben von Freddie am 27. Januar 2003 18:39:10:
Vier Millionen Tote?
Ärzteorganisation IPPNW warnt vor neuem Krieg gegen Irak. Studie über Folgen
vorgestelltBei einem neuen Feldzug gegen Irak werden nach Einschätzung von Experten weitaus mehr Menschen getötet als beim Golfkrieg vor mehr als zehn Jahren. Schon bei einem konventionell geführten Militäreinsatz sei mit Hunderttausenden Todesopfern zu rechnen, teilte die Organisation »Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs« (IPPNW) am Dienstag bei der Vorstellung einer entsprechenden Studie in London und Washington mit. Der von der US-Führung angedrohte Einsatz von Atomwaffen würde die Zahl der Toten auf bis zu vier Millionen steigen lassen. Im Vergleich zu den jetzt ermittelten Zahlen wurden im Golfkrieg 1991 rund 120000 irakische Soldaten und etwa 15000 Zivilisten getötet.
Die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Ärzteorganisation untersuchte die kurz-, mittel- und langfristigen Folgen eines Krieges gegen den Irak. Die Autoren der britischen IPPNW-Studie rechnen mit 50000 bis 260000 Toten auf allen Seiten im Falle eines konventionellen, drei Monate andauernden Krieges. Käme es zusätzlich zu einem Bürgerkrieg im Irak oder zum Einsatz von Atomwaffen, würde sich die Zahl der geschätzten Todesopfer auf bis zu vier Millionen erhöhen. Dies wäre mehr als ein Sechstel der irakischen Bevölkerung. »Diese Schätzungen beinhalten nicht Tote durch indirekte oder langfristige Folgen des Krieges. Allein durch den völligen Zusammenbruch der Infrastruktur im Irak ist mit bis zu weiteren 200000 Toten zu rechen, etwa durch Infektionskrankheiten«, erklärte Jane Salvage, eine der Autorinnen der Studie.
Diese konservativen Berechnungen basieren nach Angaben von IPPNW auf den verschiedenen Konfliktszenarien der US-Armee und den gesicherten Daten über die Folgen des Angriffs auf Irak im Jahr 1991. Zusätzlich wurden Informationen über das gegenwärtige irakische Gesundheitssystem und die derzeitige Versorgungsstruktur im Land herangezogen. Zu den Autoren der 16seitigen, kompakten Studie zählen Ärzte und Gesundheitsexperten aus verschiedenen Ländern. Herausgeber der Studie »Collateral Damage: The Health and Environmental Costs of War on Iraq« ist MEDACT, die britische Sektion der IPPNW.
Im Fall eines Krieges müsse zudem mit erheblichen Umwelt- und Gesundheitsbelastungen gerechnet werden, die weit über die Grenzen des Iraks hinausgehen. Als Beispiele nennt IPPNW die Bombardierung von Industrieanlagen und Ölquellen.
Die Kosten des Krieges für die USA werden mit bis zu 200 Milliarden US-Dollar allein für die Kriegführung angegeben, fünf bis 20 Milliarden US-Dollar jährlich würde die Besatzung des Zweistromlandes kosten. Im Vergleich dazu rechnet IPPNW vor: Mit 100 Milliarden US-Dollar könnten vier Jahre lang die Kosten für die Gesundheitsversorgung der ärmsten Menschen in der Welt bezahlt werden.
IPPNW-Deutschland befürchtet, daß ein Krieg gegen den Irak bereits im Dezember beginnen könnte. Die Sektion stützt sich dabei auf Äußerungen des US-Amerikaners Scott Ritter, ehemals Leiter von Waffeninspektionen der UNSCOM im Irak, und auf Dr. Jan Øberg, Direktor der schwedischen »Transnational Foundation for Peace and Future Research«. Auf der internationalen Irak-Konferenz »Alternativen zu Embargo und Krieg« Anfang November in Berlin nannten beide Experten den kommenden Monat als ein wahrscheinliches Datum für den Beginn der Bombardierungen. In einer für junge Welt verfaßten Analyse der UN-Sicherheitsratsresolution 1441 kommt der Völkerrechtler Bernhard Graefrath zu dem Schluß, daß auch eine Annahme der Entschließung durch den Irak und der gute Wille, sie zu erfüllen, nicht ausreichen werden, den US-Krieg am Golf zu verhindern. Angesichts der »gewollten Ungenauigkeiten« im Text befürfe es der »großen Wachsamkeit und des gebündelten Einsatzes aller Friedenskräfte. Die IPPNW rief ihre Mitglieder auf, sich jetzt »auf allen Ebenen« gegen diesen neuen Krieg zu engagieren.
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