Re: Was sind die Grundlagen für einen gerechten Krieg?
Geschrieben von Johannes am 04. September 2002 20:00:27:
Als Antwort auf: Unpopuläre Meinung, aber ich kann nicht anders... geschrieben von Gideon am 04. September 2002 18:46:08:
> meiner Meinung nach gibt es leider keine andere Möglichkeit, als Sadam
> Hussein zu stürzen.
> Dies Meinung ist unpopulär. Natürlich. Den das bedeutet, das ich eine Mili-
> tärische Auseinandersetzung mit dem Irak befürworte. Ich sehe aber keine
> Möglichkeit einer anderen Lösung.
Hallo Gideon,ich teile diese Meinung zwar nicht ganz, aber ich freue mich durchaus, daß sie hier im Forum als eine Art Gegengewicht auch einmal vertreten wird.
Für mich stellen sich dazu 2 Fragen Und zwar als erstes die nach dem gerechten Krieg. Was sind die Voraussetzungen, damit man einen Krieg führen darf? Wann ist ein Krieg soweit gerecht, daß ein Staat notfalls sogar angreifen muß?
Ich kann die Frage auch anders formulieren: Wenn es gerechtfertigt ist, den Irak anzugreifen, auf welche Länder bezieht sich das dann noch? Syrien, Iran, Lybien, Nordkorea, eben die ganze Achse des Bösen? Oder vielleicht doch noch weitere Länder? Vielleicht auch Saudi Arabien, weil die USA ja immer wieder Hinweise geben, von dort würde der Terror finanziert und dort kämen die Terrorpiloten her?
Der andere Punkt wäre: Warum eigentlich den Irak angreifen? Was, bitte schön, hat denn der Irak getan? Ich dachte, der Westen hätte Afghanistan angegriffen, weil sie Osama Bin Laden dort vermuten und die Taliban vernichten wollen. Ging es nicht die ganze Zeit darum, die seien die Täter gewesen und müßten gefaßt werden? Mit welchem Recht kommt dann nun der Irak an die Reihe?
Wenn dann nur als Argument bleibt, der Irak strebe nach Massenvernichtswaffen und sei eine Diktatur, dann stimme ich dem zwar zu, aber mir würden noch eine ganze Reihe anderer Länder einfallen, die man dann ebenfalls auf die Liste setzen müßte (Pakistan, China, Rußland, ...).
Wo fangen wir nach Deinem Argument also an, wo hören wir auf? Und was sollen speziell die Deutschen mit ihrem Grundgesetz machen, das einen Angriffskrieg verbietet? Reicht es aus, einen solchen Krieg einfach als Verteidigung zu bezeichnen, damit er erlaubt ist? Oder, anders ausgedrückt: Dient nicht jeder Angriffskrieg der Verteidigung, wenn man es nur richtig darstellt?
Sollte das Verbot im Grundgesetz wirklich nur bedeuten, daß man einen Krieg eben nur anders zu bezeichnen braucht, um ihn führen zu dürfen? Oder wann ist ein Krieg quasi ein gerechter Krieg, so daß wir ihn nicht nur führen dürfen, sondern eigentlich auch müssen?
Daneben bringe ich noch ein anderes Argument an gegen den Krieg. Wenn es stimmt, daß der Irak Biowaffen besitzt (und ich will das gar nicht abstreiten) und auch mit den Taliban zusammenarbeitet, glaubst Du dann wirklich, die warten nur ganz still darauf, bis sie nun vollends getötet werden? Wer ein solches Attentat so genau plant, sollte der nicht seine Biowaffen schon längst über die ganze Welt verteilt haben, um im Falle eines Falles direkt im Feindesland zuschlagen zu können? Ich hätte da durchaus eine Idee, die ist so einfach wie pervers, daß ich sie gar nicht ins Forum stellen will. Und das sollen wir riskieren, statt nicht vielleicht eher eine Art Gleichgewicht des Schreckens anzustreben, das den jeweils anderen von einem Angriff abhält?
Viele Grüße
Johannes
- sowas bescheuertes wie krieg führen auch ameisen Viocat 05.9.2002 09:43 (0)
- Re: Was sind die Grundlagen für einen gerechten Krieg? FBA 04.9.2002 20:43 (0)