Re: Überhaupt nicht seltsam
Geschrieben von Swissman am 13. Juli 2004 22:47:22:
Als Antwort auf: Re: Überhaupt nicht seltsam geschrieben von JeFra am 13. Juli 2004 18:46:15:
Hallo JeFra,
>Aber was würden Sie beispielsweise machen, wenn sich herausstellen sollte, daß Sie oder Ihre Frau Morbus Huntington geerbt haben?Ich persönlich halte es für sinnlos, meine Gene in Bezug auf derzeit ohnehin unheilbare Krannkheiten testen zu lassen - falls ich eine entsprechende Disposition haben sollte, wäre es meiner Meinung nach ziemlich dumm, mir die in diesem Fall ohnehin verkürzte Zeit zusätzlich schwer zu machen. Anders gesagt: Ich will so etwas gar nicht wissen - gegebenenfalls erfahre ich es auch so noch früh genug.
Ihre Frage stellt sich daher für mich in dieser Form überhaupt nicht.
Zu dem Zeitpunkt, zu dem der Embryo möglicherweise getötet wird (oder `verworfen', denn die Wissenschaftler werden sicher einen neutraleren Ausdruck vorziehen), könnte man aus ihm auf Wunsch auch zwei oder vier Personen `herstellen'. Man kann also im Gegensatz zur normalen Abtreibung nicht behaupten, bei diesem Vorgang werde jemand umgebracht.Da das menschliche Leben nach katholischer Lehre mit der Zeugung beginnt, ändert sich durch diese Vorgehensweise nichts grundlegendes: Ob der Vorgang nun in utero oder in vitro durchgeführt wird, das Ergebnis ist letztlich dasselbe - die Tötung eines ungeborenen Menschen. Der Unterschied ist rein technischer Natur.
Darf man bei geistig minderbemittelten Personen durch Erbgutanalyse feststellen, welches der Chromosomen `verdorben' ist, und sie dann zwingen, ihren Nachwuchs auf die oben beschriebene Weise zu produzieren (und selbstverständlich so, daß das schlechte Chromosom nicht weitergegeben wird)?Nein, darf man nicht.
Wenn man die Erbkrankheit diagnostizieren und durch einen therapeutischen Eingriff beseitigen könnte, wäre es natürlich etwas anderes. Wobei man aufpassen müsste, dass man das Kind nich mit dem Bade ausschüttet, d. h. man dürfte dann nicht (in jedem Fall) auf die Idee verfallen, das "schadhafte" per se aus dem Gen-Pool entfernen zu müssen: Neuere Forschungen zeigen nämlich, dass manche "Erbkrankheiten" durchaus einen biologischen Sinn haben - die Rede ist von Krankheiten, die nur dann zum Ausbruch kommen können, wenn der Betroffene von beiden Eltern jeweils einen mutierten Gensatz erhalten hat.
Wenn das betreffende Gen aber einmal mutiert und einmal "normal" vorhanden ist, übernimmt das "normale" Gen problemlos die eigentliche Funktion, sodass der Betroffene zeitlebens keinerlei Symptome entwickelt. Die mutierte Ausführung hingegen verleiht ihrem Träger (in einfacher Ausführung) eine erhöhte Resistenz gegen bestimmte Infektionskrankheiten. Cystische Fibrose ist ein solcher Fall: Zwei CF-Gene führen zu einer heimtückischen Lungenkrankheit, ein einzelnes CF-Gen verleiht dem Träger eine weitgehende Resistenz gegen Cholera-Infektionen, was biologisch durchaus sinnvoll ist.
In-vitro-Befruchtungen lehnt die katholische Kirche übrigens grundsätzlich ab, da die "Erfolgsquote" erfahrungsgemäss sehr tief ist - letztlich bezahlt man einige wenige erfolgreiche Befruchtungen mit einer erheblichen Anzahl "Misserfolge", d. h. es ist von vornherein klar, dass fünf befruchteten Embryonen im Durchschnitt bestenfalls ein oder zwei überleben werden.
Zudem stellt sich für mich, und hier denke ich, sind wir uns sogar einig, die Frage, ob es biologisch überhaupt Sinn macht, Personen, die auf natürlichem Wege niemals in der Lage wären, Kinder zu zeugen, dies mit riesigem technischem und finanziellem Aufwand dennoch zu ermöglichen: Die Annahme erscheint mir ebenso logisch wie zwingend, dass es unter den auf diese Weise geradezu erzwungenen Kindern zwangsläufig zu einer deutlich erhöhten Rate an Gendefekten, Missbilungen und (natürlich!) Unfruchtbarkeit kommen muss (Populär gesagt: Die Fertilisationsmediziner produzieren ihre Kunden von Morgen gleich selbst).
Meiner Meinung nach sollte man in der Unfruchtbarkeit mancher Personen vielmehr einen sinnvollen biologischen Schutzmechanismus sehen. Ihn künstlich zu unterlaufen, halte ich für ziemlich dumm. Es wäre wohl bei weitem sinnvoller, wenn die Betroffenen ihre Energie in ein Adoptivkind investieren würden.
>Es könnte natürlich auch sein, daß wir uns mißverstanden haben und Sie von Eugenetik nur dann sprechen wollen, wenn die Opfer dieses Programmes sterilisiert oder gar umgebracht werden. Würden Sie selbst die oben beschriebene `sanfte' Eugenetik bei Krankheiten wie Huntington ablehnen?Ich hatte den Begriff, im ursprünglichen Zusammenhang, an sich tatsächlich bloss in Hinblick auf die möglichen Motive der von Kerry's Frau geplanten Abtreibung bezogen. Zur Beantwortung ihrer Frage: Siehe weiter oben.
mfG,
Swissman
- Re: Überhaupt nicht seltsam JeFra 14.7.2004 23:01 (0)