Unterscheidung von Schauung und Überlagerung
Geschrieben von Elias Erdmann am 16. Juni 2004 20:24:54:
Als Antwort auf: Re: Hildegard von Bingen: Prophezeiung zur Apokalypse geschrieben von Tawa am 16. Juni 2004 05:48:54:
Hallo Tawa!
> Warum muß immer von einem Ende aller Zeiten bzw. jeglichen Lebens und der Erde,
> allen menschlichen Seins, die Rede sein?Jeder Mensch interpretiert die Bilder aus der Tiefe seiner Seele immer entsprechend seiner eigenen Vorstellungen. Und so kommt es natürlich zu Überlagerungen. Und wenn man einer „Endzeitsekte“ angehört, dann wird man die inneren Bilder ganz selbstverständlich als Zeichen eines Weltuntergangs deuten. Die kirchlichen Vorstellungen früher Jahrhunderte kann man durchaus mit einer Endzeitsekte vergleichen.
Für heutige Menschen ist es im Nachhinein entsprechend schwer, die tatsächlichen Bilder von den überlagernden Vorstellungen und von den Interpretationen zu unterscheiden.
Mir ist es selbst ganz ähnlich gegangen: Ich sah immer wieder Erdschichten und Überschwemmungen (und noch diverse andere Dinge) und begriff als Kind nicht, was das soll. Dann las ich irgendwann als Jugendlicher ein Buch über Edgar Cayce und seine Prophezeiungen, dass es zu globalen Umwälzungen kommen würde und dann lernte ich, meine Bilder entsprechend dieser Vorstellungen zu interpretieren – eben als Folge globaler Katastrophen. Daraufhin habe ich mich bis heute 25 Jahre lang mit Prophezeiungen beschäftigt.
Inzwischen habe ich mich seit etwa 3 Jahren wieder von diesen üblichen Endzeitvorstellungen getrennt und erkannt, dass man diese Bilder in einem ganz anderen Zusammenhang interpretieren muss. Es geht nicht darum, dass unsere Heimat in Zukunft mit Erde zugekippt wird, sondern es geht darum, dass unser „inneres Wissen“ über unsere geistige Heimat von vielen materiellen Vorstellungen überlagert ist. Es geht nicht darum, dass wir eine große Flut erleben werden, sondern manchmal „taucht“ unsere Seele in eine andere Sphäre/Seinsebene ein, in der die Dinge noch im „Fließen“ sind.
Wenn ich es nicht geschafft hätte, die üblichen „Endzeitvorstellungen“ abzulegen, dann würde ich heute auch als Endzeitprophet rumlaufen und verkünden, dass eine große Flut kommt und dass sich die Erde auftürmen wird u.s.w.
Vielleicht würde ich ja dann Gnade vor dem „kritischen Blick“ der Endzeit-Autoren finden, die alles das sammeln, was auf Krieg und Zerstörung rausläuft.
> Solche Aussagen sind doch darauf ausgelegt, Angst zu schüren und den Menschen
> noch weiter an die Materie zu binden!Natürlich breitet sich die Angst über diese Aussagen aus. Aber es ist nicht das Ziel der Aussagen Angst zu schüren. Es sind die Endzeitvorstellungen, die dazu führen, dass man die inneren Bilder entsprechend fehlinterpretiert. Die mittelalterlichen Endzeitvorstellungen sind ein selektiver Verstärker für angstbesetzte Motive.
Wenn man die inneren Bilder materiell interpretiert und das verkündet, so hat das zur Folge, dass andere Menschen ihre Bilder auch materiell interpretieren. Man bindet damit also tatsächlich die Menschen noch weiter an die Materie, genau so wie ich anfangs auch gelernt hatte meine „inneren Bilder“ materiell zu interpretieren.
> Von daher sollte die ursprüngliche Quelle, aus welcher solche Prophezeiungen
> stammen, klar sein.Hier müssen wir unterscheiden zwischen der Quelle der Visionen und der Quelle der Überlagerungen und Endzeitvorstellungen.
> Weil nämlich der Weltenlauf zu seinem Ende gekommen ist, kann er nicht länger
> fortbestehen, sondern wird nach dem Ratschluß des Göttlichen vernichtet.Wenn unsere „Schul-lauf-bahn“ zu seinem Ende gekommen ist, dann mag es durchaus sein, dass wir die Schule nicht mehr sehen. Aber trotzdem wird sie natürlich nicht vernichtet.
Wenn wir eine neue Sphäre betreten, die nicht mehr materiell ist, so kann man daraus nicht schlussfolgern, dass alles materielle zerstört würde. Beim Betreten dieser Sphäre wird das Materielle „abgelegt“. Es bleibt in der materiellen Welt zurück und geht den Weg alles Materiellen.
>> Von den Elementen werden diese Schrecken ausgehen,
>> weil die Elemente zusammenbrechen.Die „Schrecken“ sind eine Interpretation der Seherin. Sie war erschreckt, weil diese Motive für sie „angstbesetzt“ sind.
> Wie können die Elemente "zusammenbrechen"?
Mit Elemente sind nicht Wasserstoff, Helium und Natrium gemeint, sondern die vier Elemente der Alchimie Feuer, Luft, Wasser und Erde, die wenige Zeilen später noch aufgeführt werden.
Die Schöpfung ist getrennt in Schichten, die mit diesen Elementen bezeichnet werden. Die geistige Ebene wird mit „Luft“ bezeichnet, die seelisch mit „Wasser“, die materielle mit „Erde“. Manche dieser Darstellungen kennen noch eine Ebene des „göttlichen Feuers“. In meinen Darstellungen befindet sich hingegen das Feuer in der Ebene der Luft, so wie die Sonne aus unserer Perspektive in der Luft steht.
Das „Zusammenbrechen“ der Elemente bedeutet eine Überwindung dieser Trennung. Alle Ebenen fallen zusammen, so wie Abteilungen bei einer Umstrukturierung zusammen fallen. Sie werden vereinigt. Die Grenzen zwischen den Seinsbereichen werden durchlässig. Der „Vorhang“ ist zerrissen.
Aber dieser Vereinigungsprozess geschieht im Bewusstsein. Das Bewusstsein umfasst nun alle Ebenen. Das ist also kein Prozess, denn alle Wesen gleichzeitig erfahren.
>Danach erschaute ich: Plötzlich wurden sämtliche Elemente und Lebewesen von
>einem fürchterlichen Beben erschüttert. Feuer, Luft und Wasser sprengten ihre
>Fesseln und versetzten den gesamten Erdball in Aufruhr.Hier sind nun die vier Elemente beieinander.
> Blitze flammten, und Donnerschläge dröhnten.
> Berge stürzten zusammen, und Wälder brachen nieder,
> so daß Myriaden von Sterblichen ihr Leben verloren.Der Blitz ist ein Symbol für den „Göttlichen Funken“, der von der geistigen Welt die Erde erreicht. Der Berg ist eine Distanz zwischen einer unteren und einer oberen Welt. Und diese Distanz verschwindet. Die geistigen Dinge sind nun nicht mehr „unerreichbar hoch“.
Der massenhafte Tod macht in diesem Zusammenhang überhaupt keinen Sinn. Hier mischen sich wieder destruktive Endzeitvorstellungen mit rein.
Es ist auch durchaus möglich, dass hier Szenen aus der Abstiegsphase vom Anfang auf das Ende umgedeutet wurden. Beim Thema „Vertreibung aus dem Paradies“ ist ja von einem „Tod“ die Rede, der uns droht, wenn wir vom Baum der Erkenntnis naschen.
>Die Sonne, der Mond und die Sterne verharrten bewegungslos auf ihrer
>Kreisbahn, so daß sie nicht wie zuvor das Licht von der Dunkelheit trennten.
>Auf diese Weise war es nicht länger dunkle Nacht, sondern heller Tag. Das
>Ende war da.Heute leben wir um Zustand der Getrenntheit. Es gibt eine geistige Welt des „Lichts“ und ein materielle Welt der „Dunkelheit“. Diese Trennung ist überwunden (jedenfalls für den, der sie überwindet.)
Es geht hier also um das gleiche Thema wie bei der Zusammenlegung der Ebenen.
> Hier die "moderne Physik" auf den Kopf zu stellen durch Aussagen wie "es ist überall
> heller Tag, weil die Gestirne am Fleck verharren" ist doch einfach purer Blödsinn.Die Sache mit Sonne, Mond und Sterne ist nur eine Verbildlichung.
> In dieser Endzeit werden die Elemente durch eine plötzliche und völlig
> unerwartete Katastrophe entfesselt.Für den, der die Bilder aus der Tiefe der Seele missversteht, mag es tatsächlich wie eine Katastrophe aussehen.
> Meiner bescheidenen Ansicht phantasiert die Dame einen schönen Schmarrn
> zusammen oder aber die Schauung ist echt - dann entstammt sie den tiefsten
> Tiefen "der Hölle".Die Schauung ist meiner Ansicht nach echt und sie ist auch nicht aus den tiefsten Tiefen "der Hölle. Aber durch die damaligen Endzeitvorstellungen ist die Botschaft total überlagert und daher für die meisten Menschen nicht mehr zu erkennen. Auf diese destruktiven Endzeitvorstellungen passt aber die Aussage mit den tiefsten Tiefen "der Hölle“ schon.
> Alles in dieser Schauung ist darauf angelegt, dem Menschen Gleichgültigkeit gegenüber
> der Schöpfung und seiner gesamten Umwelt aufzuerlegen, so daß die verbleibende Zeit
> in Saus und Braus, ohne Rücksicht auf Verluste, gelebt wird. Wozu auch, wenn eh alles
> egal ist?Ein Weltbild, das vom nahen Ende der Welt ausgeht, ist natürlich absolut nicht geeignet, um darauf eine Ethik zu gründen, die uns ein dauerhaftes Überleben auf diesem Planeten ermöglicht.
Das mit dem „alles egal“ kann man aber nicht aus dieser Prophezeiung und dem zugrundeliegenden Weltbild ableiten. Immerhin handelt es sich hierbei um ein Weltbild mit ewiger Glückseligkeit und ewiger Verdammnis.
> Doch die Beschreibung ist eindeutig durch dunkle Seiten beeinflußt!
Das trifft die Sache schon eher.
> Es mag durchaus sein, daß diese Hildegard von Bingen Vorkommnisse auf der Erde
> sah und versuchte, diese zu beschreibenEs waren geistige Prozesse, die sie sah und die sie ganz offensichtlich nicht verstanden hat.
> Heute las ich einmal (zum ersten Male) eine Schauung von ihr und stellte fest,
> daß sich mir in der niedergelegten Form sämtliche Nackenhaare zu Berge stellen.Das ist ein praktisches Beispiel für den Aufschrei-Effekt, den ich vor ein paar Tagen beschrieben habe. ;-)))
Viele Grüße
Elias
- Re: Unterscheidung von Schauung und Überlagerung HotelNoir 17.6.2004 08:32 (2)
- Die Überwindung der Trennung Elias Erdmann 17.6.2004 19:36 (1)
- Re: Die Überwindung der Trennung HotelNoir 17.6.2004 22:43 (0)
- Re: Unterscheidung von Schauung und Überlagerung JoeKaiser 16.6.2004 20:50 (2)
- Ebenen Elias Erdmann 17.6.2004 19:38 (1)
- Re: Ebenen Z 18.6.2004 15:07 (0)