Re: Zukunft durch Barmherzigkeit

Geschrieben von Bonnie am 22. April 2006 16:11:16:

Als Antwort auf: Re: Zukunft durch Barmherzigkeit geschrieben von Chamäleon am 22. April 2006 15:26:18:

> Wenn ich Eure Ansätze/Gedanken richtig zusammenfasse:
>Zur Barmherzigkeit (Nächstenliebe?) kann man sich nicht zwingen - es muß absichtslos geschehen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Aber, moment mal: fühlt man die Liebe zum Nächsten nicht in sich selbst? Ist das nicht schon der "Lohn"?
>Entsprechend, wie unser "Schatten" Macht über uns hat, fühlen und denken wir: entweder sind wir verbiestert, streng, bestrafend - oder tolerant, haben gute Laune, weil wir das Leben in seiner bunten Form, einer individuellen Unvollkommenheit akzeptieren. So ungefähr.
>Die Frage bleibt offen, ob wir Menschen uns mit der Schattenarbeit nur selber helfen oder auch dem Gemeinwesen ermöglichen, eine entscheidende Veränderung zu machen (Bewußtseinssprung).
>Mit ganz herzlichen Grüßen das Chamäleon

Hallo Chamäleon, ich finde es gut, daß du dich mit dem Thema so detailliert und offen auseinandersetzt.
Ich will auch noch mal eine andere Frage aufwerfen, die auch noch ein wenig Licht von einer anderen Seite auf das Thema wirft. Bisher sind wir davon ausgegangen, daß Barmherzigkeit, Nächstenliebe, selbstloses Sich-für-den-anderen-Einsetzen nur GUT ist, 100% gut und hilfreich für alle. Ist es das wirklich ? Helfen wir dem anderen, wenn wir ihm was abnehmen ? Ist es nicht besser, er lernt, selbst damit zurechtzukommen ? Werden wir von denjenigen, für die wir was getan haben, dafür geliebt oder vielleicht sogar oft gehaßt, weil sie sich hilflos und abhängig fühlen?

Was meinst du, wie gewinnt man die Liebe eines Menschen: Indem man ihm den Mineralwasserkasten nach oben trägt oder indem man ihn bittet, für einen selbst den Mineralwasserkasten nach oben zu tragen ? Ganz eindeutig: Das zweite. (Es muß natürlich auch "passen", Frauen können den Trick einsetzen, Männer müssen sich was anderes einfallen lassen, sich helfen zu lassen.) Das kommt aus diesem Hochgefühl, sich als "ein guter Mensch" zu fühlen. Wie du schon geschrieben hast: Das ist der Lohn. Da man sich, wenn man helfen konnte, als guter Mensch fühlt, hat man auch gleich demjenigen gegenüber, dem man helfen konnte, ein gutes Gefühl.

Jede Handlung hat zig Neben- und Spätwirkungen, die für alle Beteiligten Wirkungen haben. Wenn jemand sein Geld verschenkt, sieht das zunächst großartig aus, aber er ist ja auch für Menschen verantwortlich, die dann weniger haben. Oder er ist für sich verantwortlich. Wenn er sich selbst dann nicht mehr ernähren kann, weil er sein Geld verschenkt hat, liegt er anderen auf der Tasche.
Wenn eine Mutter ihrem Sohn den "Hintern hinterherträgt" und ihn von jeglicher Alltagsarbeit befreit, wird sie mit Sicherheit von irgendjemand verflucht dafür. Entweder der Sohn selbst, wenn er älter geworden ist, die Mutter vielleicht sogar nicht mehr da ist, aber er völlig hilflos der Waschmaschine gegenübersteht oder spätestens die Schwiegertochter, die dann auch gezwungen ist, ihrem Mann alles hinterherzutragen oder zu "keifen".
Viele Beispiele schlechter "Entwicklungshilfe" passen in diesen Kontext.

Also: Können wir alle Wirkungen unserer Handlungen immer einschätzen ? Können wir überhaupt zwischen gut und böse unterscheiden ?

Also, ich denke, wir haben den Begriff "Barmherzigkeit" jetzt genug zerpflückt, um zu sehen, daß er keine erstrebenswerte Eigenschaft ist, nur eine Facette. Es heißt ja auch: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. WIE DICH SELBST ! Zunächst muß man sich selbst lieben und für sich selbst sorgen. Erst dann hat man auch genug gute Laune, den Nächsten was Gutes zu tun, aus sich selbst heraus, weil es Freude macht und man nichts erwartet.

Liebe Grüsse, Bonnie


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