Prophetische Sagen über Köln

Weissagungen, daß die „Türken“ bis an den Rhein vordringen und in einer Schlacht bei Köln geschlagen werden würden, gibt es seit dem frühen Mittelalter. Eine Version dieser Aussage wurde 1488 im Prognosticatio von Johannes Lichtenberger abgedruckt, wo sie dem Methodius zugeschrieben wurde.

Aus dem „Prognosticatio“ von Johannes Lichtenberger, 1488[1][2][3]

„Darum sagt Methodius: Es wird die Zeit kommen, daß die Agareni [Söhne der Hagar, Wüstensöhne] noch ein mal in deutschen Landen versammelt aus der Wüstenei gehen werden, und werden der Welt Kreis einnehmen, im Lande des Mondes, acht Jahr lang, und ihre Reise wird die Agarener Reise genannt werden. Denn sie werden Städte und Reiche umkehren und die Priester werden sie in den geweihten Stätten erwürgen. Daselbst werden sie bei den Weibern schlafen, und aus den heiligen Gefäßen werden sie trinken, und ihre Tiere werden sie an der Heiligen Gräber binden, um der Bosheit willen der Christen, so zu der Zeit sein werden. Aber bei dem golden Apfel zu Cöln werden sie umkommen und vertilget werden.“

Aus dem Flugblatt „Newe Zeitung“, 1537[3]

Eine weitere Variante, die zugleich eine gute Zusammenfassung der mittelalterlichen Kaiserprophetie ist, wurde 1537 in einer fliegenden Schrift, betitelt „newe Zeitung“, verbreitet. Darin heißt es, der Türke werde auf der agrippinischen Erde bei Köln geschlagen werden. In Anspielung auf den antiken Namen der Stadt „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ ist damit schlicht zu Köln gehöriger Boden gemeint. Zur besseren Lesbarkeit wurde der Text an die heutige Rechtschreibung angepaßt.

„Item nach Inhalt und Ausweisung vielerhand Prophezeien soll benannter Kaiser Friederich wiederkommen bei dieses hochlöblichen christlichen Kaisers Zeiten, der sich schreibt Karolus V., der fünfte römische Kaiser, und soll ihm helfen gewinnen das Kaisertum zu Konstantinopel, Jerusalem und das Heilige Grab. Das soll geschehen, so man schreibt acht oder neun und vierzig Jahre über die Fünfzehnhundert. Mittlerzeit soll dieser Kaiser viel und mancherlei Anstoß haben, von vielen Nationen angefochten, von Christen, Juden, Heiden, Türken uns Sarazenen. Und ob er schon zu Zeiten einem harten Puff widersteht, soll er doch sein Szepter und schneidendes Schwert aufrecht durch alle Welt führen. Er soll ausrotten den sarazenischen und machometischen Glauben samt viel anderem Unkraut und soll der Türke bei Köln auf der agrippinischen Erde erschlagen werden und als dann soll die Prophezei, die vor langer Zeit beschrieben, bei dieses Kaisers Zeiten erfüllt werden, daß diesem löblichen Kaiser nichts vor soll stehen und wären schon die Mauren von Eisen und anderen Metallen gegossen. Dann wird erfüllt die Prophezei, daß die Christen über Meer werden fahren mit großen Haufen wie die Mücken und in viel großer Widerwärtigkeit unter allem Volk wird die Zeit das 50. Jahr erlangen: Dann soll Kaiser Friederich kommen und unserem frommen christlichen Kaiser helfen gewinnen Jerusalem und das heilige Land. Dann werden alle Christen erfreut werden. ‚Te deum laudamus’ Lobsang singen mit lauter Stimme rufend: ‚Kaiser Friederich ist gekommen’. Dann wird sich alle Welt zu unserem hochlöblichen Kaiser gesellen und Freundschaft mit ihm machen. Dann wird man sprechen: ‚Friedreichers Kaisers ist nie aufs Erdreich gekommen’. Dann wird mancher Weib und Kind verlassen, diesem friedreichen hochlöblichen Kaiser nachzufolgen von wegen seiner großen Wundertaten. Dann wird der dürre Baum in Griechenland grünen, daran wird unser frommer heiliger Kaiser seinen Harnisch hängen und seinen Schild daneben, daran wird geschrieben stehen: ‚Wir Karolus der fünfte, römischer Kaiser, ein Mehrer des Reiches, ein Herr der ganzen Welt’. Dann wird er aufheben sein Szepter und wird Frieden sein in aller Welt. Dann wird das goldene Alter und die goldene Zeit erfüllt und hierfür kommen. Also und dergestalt wird Kaiser Friedenreich kommen, daß Frieden und Einigkeit wird sein in aller Welt, ein Hirte und ein Schafstall. Dazu verhelfe uns Gott und die heilige Dreifaltigkeit. Amen.“

Theodor Beykirch – Prophetenstimmen mit Erklärungen, 1849[4]

„O glückliches Köln, wenn du wirst gut gepflastert sein, wirst du untergehn in deinem eigenen Blute. O Köln, du wirst untergehen wie Sodoma und Gomorrha, deine Straßen werden vom Blute fließen und deine Reliquien dir genommen werden. Wehe dir Köln! Weil Einwanderer an deinem und deiner Armen Brüsten saugen, deiner Armen, die deswegen in Noth und Elend sind.
Diese Prophezeiung fand ein gewisser Magister Heinreich von Judden, Pastor an der keinen Martinskirche im Kloster der Brüder der heiligen Jungfrau vom Berge Karmel.

Eine andere Prophezeiung sagt:
Wehe Köln! Wenn im Raderthale Häuser gebaut und bewohnt sind, dann ist die Zeit nahe, die Unheil über Gute und Böse bringen wird. Wehe den Geistlichen, welche aus Hoffart und Lauigkeit, Pracht und gute Tage lieben!.... Von der Südseite werden die Feinde bis zum goldenen Apfel dringen und ein großes Blutbad anrichten. Viele Gute werden sterben, und die Bösen durch die Bösen umkommen. Eine furchtbare Krankheit wird aufräumen helfen. Auf der Retirade wird Köln viel leiden. Doch kann durch Gebet viel gewendet werden. Man soll Bittgänge thun, um gemeinschaftlich Gottes Rechte zu entwaffnen. Hört, ich sage euch: die Hölle hat eine große Ernte. Bessere sich alles, ehe es zu spät ist!

Außerdem haben, nach den Aussagen glaubwürdiger und namhafter Leute, zahlreiche Vorgeschichten Köln in Brand oder mit glühenden Kugeln beschießen gesehen. Personen aus allen Ständen, von denen viele noch jetzt leben, haben große Truppenzüge mit rauschender Janitscharen-Musik in der Richtung nach Köln zu, oder in großen Lagern gesehen; so sahen namentlich vor Jahren viele Bürger von Mühlheim am Rhein die Mühlheimer Heide mit Zelten bedeckt.“

Quellen

  1. Lichtenberger, Johannes: Prognosticatio in latino. Heidelberg 1488.
  2. Ritter, Albert (Hg.): Collectio vaticiniorum. Das ist Propheceien und Weisungen… Berlin 1923.
  3. 3,0 3,1 Hübscher, Arthur: Die große Weissagung. Heimeran Verlag 1952.
  4. Beykirch, Theodor: Prophetenstimmen mit Erklärungen. Paderborn 1849.