Prophet, Prophetie (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens)

Von Will-Erich Peuckert.

Name und Umfang der Bezeichnung

Wortbedeutung

Der erste Sinn des Wortes προφήτης ist unsicher[1]; die Schwierigkeit der Deutung liegt in der Sinnbestimmung der Vorsilbe: προ „vor“ – „heraus“ oder „vorher“; „Zukunftsweissagung“ liegt ursprünglich nicht im Begriff des προφήτης[2]. Diesen Sinn erhält das Wort erst in der spätjüdisch-christlichen Zeit[3], und zwar zuerst in der Septuaginta[4]. Als ersten Sinn für προ ermittelt Fascher „heraus“; demnach sei der Prophet ein Sprecher, Verkünder gewesen[5]. Aber in diesem Verkünden liegt doch, daß er das Unbekannte, Verborgene verkündet und damit auch das in der Zukunft Verborgene, so daß das Wissen um diese zumindest in den Begriff mit eingeschlossen gewesen sein muß[6]. Daß der Prophet der Zukunftswissende sei, wird später immer stärker betont, und beispielsweise im Deutschen gilt der Prophet als der „Verkünder der Zukunft“, „der aus heiligem Geistestriebe Gottes Wort verkündigt und bezeugt“[7], prophezeien als: „in die Zukunft sehend, vorhersagen“[8].
Sehen wir im Propheten den, der der Zukunft kundig ist, so kann doch diese Inhaltsbestimmung nicht genügen, denn auch der Wahrsager erkennt die Zukunft voraus. Faschers Bestimmung: μάντις ist einer, der die Zukunft erkennt, Prophet der, der sie verkündet[9], ist zu stark durch seine Etymologie eingeengt und kann für unsere Zeit auch nicht ausreichen, da wir keine derartigen reinen „Verkünder“ mehr kennen. Aalders warf Prophetie und „Mantik“ völlig zusammen[10]; Orelli begriff Prophetie als eine höhere Stufe des Hellsehens[11]. Näher kommt Lübkers, der als den Unterschied zwischen griechischen und jüdischen Propheten den feststellt, daß jene ein Erfragtes verkünden, diese spontan aussagen[12]. Der griechische μάντις erfragt die Zukunft; der Prophet bedarf dessen nicht, ihm ist sie offenbar[13]. Ebenso scheidet Bouché-Leclercq zwischen intuitiver und induktiver Schau der Zukunft. Das Wesen der intuitiven besteht darin, daß ihre Ergebnisse dem Menschen unmittelbar, gleichsam innerlich, bewußt werden, das der induktiven, daß der Seher die Zukunft auf Grund von Zeichen oder Vorgängen seiner äußeren Umgebung, nicht aber durch innere Wahrnehmung, erkennt[14]. Damit deckt sich z.T. die Einteilung bei Cicero (de divinatione), der die kunstlose, natürliche und die kunstmäßige divinatio unterscheidet [14]. Die natürliche umfaßt Ekstase und Inspiration; ihre Ursache ist das Einströmen des göttlichen Geistes in den Menschen (I 49). Man darf diese Bestimmungen hierherziehen und als Wesen der Prophetie die natürliche, kunstlose (ἔντεχνος), intuitive, spontane Erkenntnis der Zukunft ansprechen. Ihr gegenüber steht die induktive Erkenntnis, bei der es sich entweder um Beobachtung und Deutung von „Vorzeichen“ handelt, die sich von selbst darbieten (siehe Vorbedeutung, Vorzeichen), oder um Schlüsse und Feststellungen aus Vorgängen, Zeichen, die man herbeiführt (siehe Wahrsagen). Peucer in seinem Commentarius de praecipuis divinationum generibus schied 1591 ganz, ähnlich in I. μαντικὴ πνευματικὴ oder προφητεία, 2. φυσικὴ oder τεχνικὴ, 3. διαβολικὴ und 4. κοινὴ oder δημώδης, d.h. Angang und dergleichen[15]. Schließlich ist auch vom Inhalt des Vorhergesagten eine gewisse Scheidung möglich. Es handelt sich für uns heute bei der Prophetie zumeist um die Voraussage von Ereignissen weittragender Art (Schicksale des Volkes usw.) oder um solche eschatologischer Natur[16], welche Voraussage in engem Zusammenhang mit einem sittlichen Grundgedanken steht[17]; das ist zwar eine willkürliche Begrenzung, die aber durch den Einfluß der biblischen Prophetie gegeben ist; – bei der Wahrsagung zumeist um Angaben, die sich auf ein Einzelnes, Privates beziehen.

Unterschied zur Weissagung

In unseren bisherigen Erörterungen fiel Prophetie und „Weissagung“ zusammen; stillschweigend wurde die eine der andern gleichgesetzt, denn beide verkünden nach landläufigem Meinen größere Ereignisse der Zukunft, ohne daß eine Befragung geschah; auch decken die beiden Begriffe sich im täglichen Sprachgebrauch. Hingegen hat die Theologie beide geschieden: Weissagung ist die Zukunfts-Voraussage, Prophetie die eifernde, vom göttlichen Geist entzündete Rede[18]. Hier also ist der Prophet, um es kraß auszudrücken, nichts anderes als ein ekstatisch-erregter Prediger. Diese Begriffsbestimmung ist weiteren Kreisen fremd. Hier findet sich vielmehr, daß man die reine, intuitive Voraussage der Zukunft, wie sie etwa von elbischen Wesen, von Sterbenden geschieht, als Weissagung, – diese Voraussage aber auf Grund, in Folge, oder verbunden mit einem Erlebnis Gottes (vgl. Kotter) als Prophetie bezeichnet. So spricht die Kühnausche Sagensammlung von einer „Weissagung“ der Heidenjungfrau von Glatz über den eschatologischen Türkenkrieg[19], hingegen von dem „Propheten Böhme“ als einem mit Gott sich innig verbunden wissenden Menschen[20], von dem Propheten Koter[21]. Es ist hier auch auf die vorhin schon angezogene Formulierung des Grimmschen Wörterbuches hinzuweisen, in welcher beide Seiten, Zukunftsvoraussage und göttlicher Trieb, genannt werden.
Ist der Prophet des Gottes voll, dann läßt es sich verstehen, daß man – im Gegensatz zum Weissager – einen Propheten auch am Anders-Sein erkennt. Dies Anderssein läßt sich am einfachsten, wenn auch ein wenig roh, als das eines ekstatischen Menschen bezeichnen (s.u.); der Gott hat ihn ergriffen oder besessen. Der Weissager, der allein sieht, kann dieses Ergriffenseins entraten. So wird man schon rein äußerlich die beiden Gestalten scheiden dürfen, wenn ganz gewiß auch Übergänge vorhanden sind. In diesem Zustand stehen Prophet und der sich selbst in eine Ekstase steigernde Wahrsager einander näher als Weissager und Prophet; doch darf man dabei nicht übersehen, daß beider Ekstase aus einem ganz anderen Grunde kommt; der Wahrsager will sehen, der Prophet ist vom Gott ergriffen; die Prophetie ist nicht gewollt, aber ersehnt.

  1. Erich Fascher propnths 1927, 2.
  2. Ebd. 2–6.
  3. Fascher 3. 170 ff.; vgl. auch Wetzer-Welte 10, 464.
  4. Fascher 148.
  5. Fascher 6; ebenso Lorenz Dürr Wollen und Wirken d. alttestamentlichen Propheten 1926, 3 f.
  6. S. auch Herrn. Gunkel bei Hans Schmidt Die großen Propheten 1923 (Die Schriften d. AT … v. H. Gunkel etc. Göttingen II 2), XXXII. XXVI f.
  7. DWb. 7, 2166.
  8. DWb. 7, 2168.
  9. Fascher 12 f.
  10. G. Ch. Aalders De Profeten des ouden verbonds 1918, 235.
  11. Herzog-Hauck RE. 16, 81. P.ie als eine höhere Art der divinatio gegenüber Wahrsagen = A. Tholuck Die Propheten u. ihre Weissagungen 1860, 1. 73 ff.
  12. Fascher 4. Vgl. Wuttke 194 § 261; Beth Religionsgesch. 58 f.; Eduard König Die messianischen Weissagungen des Alten Testaments 1923, 3 f.
  13. Fascher 8.
  14. 14,0 14,1 Hopfner bei Pauly-Wissowa 14, 1261. Vgl. auch die selbe Scheidung in „mittelbare“ und „unmittelbare Offenbarung“ bei Ernst Sellin Der alttestamentliche Prophetismus 1912, 200 ff.
  15. Vgl. Maximilian Perty Die mystischen Erscheinungen d. menschlichen Natur 1861, 629.
  16. Dagegen Joh. Viator (Bilger) Veridicus Germanus 1630, 137 f.
  17. Joh. Hänel Das Erkennen Gottes b. d. Schriftpropheten 1923, 240.
  18. Aug. Frh. v. Gall Basileia toy teoy 1926, 51; Hugo Greßmann D. älteste Geschichtsschreibung u. Prophetie Israels 1921, 40; H.W. Hertzberg Prophet u. Gott 1923, 12; Hänel Erkennen Gottes 204 f. 224. 46.
  19. Kühnau Sagen 3, 520 f. = Peuckert Schlesien 16.
  20. Kühnau Sagen 3, 522; vgl. oben 1, 1468 f.
  21. Kühnau Sagen 3, 533.

Echte und Schein-Prophetie

Wir unterscheiden eine „wahre“, „echte“ Prophetie, von der allein in diesem Artikel zu handeln ist, – und eine Prophetie ex eventu, fingierte oder Schein-Prophetie, welche geschehene Dinge so berichtet, als seien sie vor ihrem Eintritt von einem Propheten vorhergesagt und ausgesprochen worden (Literarische Weissagung: Vaticinium ex eventu).

Siehe Weissagungen, literarische, – und als Beispiel den Artikel: Lehninsche Weissagung.

Jene, vor allem ältere theologische Streit-Schriften, welche die Prophetie im Titel führen und unter dem Vorgeben einer geschehenen Prophetie oder der Auslegung eines prophetischen Textes ihre Kämpfe treiben, gehören nicht hierher.

Historische Vorfragen

Zum Verständnis der Erscheinung kann ein Rückblick auf die historische Entwicklung der israelitisch- Prophetie – ebenso um ihres Einflusses auf die Bibel willen, als weil sie die besterforschte ist, – helfen[1]. Die Berechtigung dazu gibt uns die Feststellung, daß das prophetische Erlebnis zu allen Zeiten gleich und seine Äußerungen letztlich darum sehr ähnlich sind; was Lindblom in diesem Sinne für die Übereinstimmung mittelalterlicher und alttestamentlicher Prophetie sagt[2], gilt ebenso für die neuzeitlichen Propheten.
Am Anfang dürfte die Mantik gestanden haben. Sie findet sich schon früh und ist uns noch heut bei beinah allen primitiven Völkern bezeugt; so kennt das Ebertsche Reallexikon, das frühgeschichtliche und ethnologische Artikel enthält, keinen Artikel Prophetie oder Weissagung, sondern nur einen „Wahrsagen“. Früh dürfte die zuerst privat geübte Mantik an Priester oder andere berufsmäßige „Seher“ übergegangen sein. Die Seherpraxis war in Babylonien stark ausgebildet[3]; sie findet sich im ganzen alten Orient. Der König ZKR aus Hamat befragt die Seher nach dem Ausgang eines Krieges gegen Benhadad III[4]; Benhadad von Damaskus erforscht den Ausgang seiner Krankheit auf diese Weise[5]; in Ägypten wird sie geübt; aus Israel-Juda haben wir mannigfache Belege[6]. Aber sie ist auch sonst bekannt[7].
Diese Seher sind „Gelehrte“, die die Bedeutung der einzelnen Omina erlernten, zuweilen literarisch fixierten (ähnlich den Astrologen der Chaldäer usw.)[8], und meist an Kultorten zu finden sind. Daneben gibt es ein freies Wahrsagertum[9], dessen Männer bereits Empfänger von Offenbarungen sind. Es darf hier an Gestalten wie Bileam, Elias oder an Samuel erinnert werden, der sieht, wo die verlorenen Eselinnen Sauls sind, und den man nach dergleichen befragt (I. Sam. 9, 1–10, 16)[10]. Manches an ihm läßt einen „Hellseher“ vermuten[11]. Hellsehen kann man nicht nach Wunsch; hingegen scheinen ekstatische Zustände es zu begünstigen[12], das führt zu einer Art Schamanentum; der Seher versetzt sich künstlich in den hellseherischen Zustand[13]. Der Überwindung des Raumes gesellt sich die Überwindung der Zeit; der Seher sieht nicht nur, wo die verlorenen Eselinnen sich augenblicklich finden; er sieht auch, was geschehen wird.
Dieses ekstatische Prophetentum (I. Sam. 10, 5) scheint aus Kleinasien gekommen zu sein[14] (den ältesten Semiten war es wohl fremd, zumindest berichten die literarischen Quellen nichts von ihm[15]), und es hat sich bis in unsere Zeit erhalten[16]. Man bringt die Bakis, – ein Name für ekstatische Wanderprediger des 6.–8. Jahrhunderts[17], – die dionysischen Scharen[18], und die zu Sauls Zeit durch das Land streifenden Banden mit ihm in Verbindung[19]. Besonders früh liegt eine phönikische Nachricht über einen in der Verzückung redenden Jüngling, freilich keinen Propheten[20], vor. Zu den Hebräern ist die Ekstase wohl in der Samuelzeit (I. Sam. 10, 5 ff.) gekommen. Diese Ekstatiker versetzen sich durch Musik[21], Tanz[22], Selbstverwundungen[23] usw.[24] in einen Rauschzustand und sprechen dann aus diesem, – des Gottes voll[25]. Denn Gott verkehrt mit ihnen anders, näher, als mit gewöhnlichen Menschen. Sie sind nicht die Erfinder eines ekstatischen Sehens, das findet sich bereits bei Primitiven, – aber sie üben es bewußt; die alte mantische Praxis nimmt jetzt dies Mittel auf[26], sie bilden endlich Schulen.
Unter den alten Formen der Mantik existierte eine besondere, das Nachtgesicht (Hiob 4, 12 ff.)[27]. Das Wesentliche in ihm ist das Hören einer Stimme, der der Gottheit[28], des Dämons[29], welcher dem Menschen Offenbarungen schenkt, und zwar ist es ein Dämon, welcher den Menschen stets begleitet. Der Schritt von hier zum offenbarenden Gotte Jahve ist nicht mehr groß.
Man hat die jüdischen Propheten vom Range eines Amos, Hosea, Jesaja u.a. mit den Ekstatikern in einen Zusammenhang bringen wollen[30]. Ich glaube, das ist verfehlt. Zwar, ihre Prophetie erscheint der der Ekstatiker oft gleich, sie handelt von dem, was werden wird, – deshalb wird Amos auch als nebiim, d.h. als einer dieser Propheten bezeichnet, – aber er wehrt sich gegen diese Einordnung (Amos 7, 12 ff.). Er wendet keine Mittel an, um eine Ekstase zu erzwingen; „der Herr hat ihn hervorgeholt hinter der Herde“, Gottes Geist senkte sich, ohne daß er es wollte, auf ihn, er mußte weissagen; er ist das Werkzeug dieses Gottes. Die schamanistische Ekstase ist durch die innere Erregung, die Entzückung, ersetzt[31]. Aus dieser Erregung heraus straft der Prophet die Schäden seiner Zeit, droht er mit Gottes Zorn und Strafgericht[32]. Die äußere Ekstase und die Hilfsmittel sind geschwunden; – „sie haben nur eine Quelle der Verkündigung: Gott; Vision und Audition, in denen er sich ihnen offenbart, bleiben also“; doch werden die Visionen seltener.
Die Theologie legt bei Betrachtung der Propheten das Hauptgewicht auf ihre Lehrtätigkeit; sie sind ihr die religiösen Erzieher des jüdischen Volkes. Wie weit das richtig ist, geht uns nichts an, für unser Volk sind die Propheten vor allem die gewesen, die in die Zukunft sahen und das enthüllten, was Gott geschehen lassen wollte. „Mit Recht haben daher Wellhausen und Smend betont, daß das erste im Berufe des Propheten wirklich die Vorahnung des Kommenden gewesen sei“[33]. Budde behauptet sogar, sie hätten nur deshalb ihre Reden aufgeschrieben, damit spätere Generationen erkennen sollten, daß sie in ihren Unheils-Prophetien Wahres gesagt[34]. Ja, die eschatologischen Momente treten bei späteren Propheten immer mehr in den Vordergrund (Deutero-Jesaja, der erste Apokalyptiker [35]), und zur Zeit Jesu Sirach liegt auf ihnen allein der Ton[36]. Das ist auch die Zeit, in der das Wort προφήτης den Zukunftskündiger bezeichnet. Die weitere Entwicklung mag hier nicht interessieren, ebensowenig wie die Frage, ob es bei andern Völkern des Altertums Propheten und Prophezeiungen gegeben habe. Es handelt sich hier nicht darum, eine Geschichte der Prophetie zu schreiben, sondern allein darum, aus einem historischen Ablauf, der besser als andere erforscht ist, die beiden Begriffe klar zu machen, sowie die Stelle kennen zu lernen, aus der sich oft genug ein neues Prophetentum entzündete.

  1. Gustav Hölscher Die Profeten 1914, 100 ff. 89 ff. 154 ff.
  2. Über die Berechtigung, beide mit einander zu vergleichen: Joh. Lindblom Die Literarische Gattung d. prophet. Literatur 1923, 16 ff.
  3. Hugo Greßmann Altorientalische Texte und Bilder zum Alten Testament 1926. 1, 281 ff.; Arthur Ungnad Die Religion der Babylonier und Assyrer 1921, 299 ff.; Carl Frank Studien zur Babylonischen Religion 1 (1911), 16 f.; Otto Weber Die Literatur der Babylonier und Assyrer 1907, 176 ff.; Eduard König Die messianischen Weissagungen 1923, 11 f. Vgl. auch Hölscher Profeten 139 f. (keine Ekstase am Euphrat); Johannes Hänel Das Erkennen Gottes b. d. Schriftpropheten (Beiträge z. Wissensch. v. A.T.N.F. 4) 1923, 8; König 17 f.
  4. Alfred Jeremias Das alte Testament im Lichte des alten Orients 1930, 551 N. 4.
  5. II. Reg. 8, 9.
  6. Hölscher Profeten 101. 105 ff.; Ders. Geschichte der israelitischen u. jüdischen Religion 1922, 63. 65 f. 73. 82 ff.; Paul Scholz Götzendienst und Zauberwesen bei den alten Hebräern 1877; Jirku Mantik in Altisrael; Hölscher Geschichte 82 ff. 63. 65 f. 73; Ders. Profeten 107 ff. 151. 156 ff.; I. Sam. 9, 9; 28, 3; Hugo Greßmann Die älteste Geschichtsschreibung und Prophetie Israels 1921, 36 f.; König Messian. Weissagungen 13 ff.
  7. (Wahrsager am Hof sibirischer Fürsten): Radloff Proben d. Volksliteratur 4, 164. 318. Die griechischen Mantiker!
  8. Hölscher Profeten 107. 126 f.; Jastrow 2, 156 ff. 192 f.; Zimmern Beiträge 82 ff.; H. Duhm Verkehr Gottes mit den Menschen im Alten Testament. 1926, 46 ff.; König 18 f. 33 f.; Fascher 96 ff. Sitzen an Kultorten: Hölscher Geschichte 82 ff. Hofpropheten: I. Reg. 22, 10. Vgl. die Hofpropheten sibirischer Khane: Radloff Proben d. Volksliteratur 4, 164. 318. (In späterer Zeit:) Fascher 150 f. 152.
  9. Hölscher Profeten 118 ff.; Fascher 148 f. (Elia und Elisa): Hans Duhm Verkehr Gottes 66 ff.; Elisas Sehergabe: II. Reg. 3, 15; 5, 26; 6, 12. 32 f.; 8, 7–15; 3, 1 ff.; 7, 1 ff.; 8, 1 f.; 13, 14–19; Fascher 121 f.; Wundt Mythus u. Religion 3 (1909), 640 f.
  10. I. Sam. 28, 3 ff.; Fascher 117. 118. 121. 123; H. Greßmann Schriften des A.T. Abtlg. II Bd. 12, 257 ff.; Hölscher Profeten 121 ff.
  11. Hellseher; Ernst Sellin Der alttestamentl. Prophetismus. 1912, 4 ff. 311 ff.; dagegen: Hölscher Profeten 121 ff. 123. 125 ff. 129.
  12. Hölscher Profeten 146 ff. 149 f. 154.
  13. Hölscher Profeten 132 ff. 147 ff. 143 ff.; Hans Duhm Der Verkehr Gottes mit d. Menschen im A.T. 1926, 20. Zur Technik: Jes. 29, 10; Fascher 127 f.; Greßmann Älteste Geschichtsschreibung u. Prophetie-Israels 37; Hölscher Geschichte 83. Vgl. unten Abschnitt 4.
  14. Hölscher Profeten 140 ff.; Fascher 119. 149; Hölscher Geschichte 83 f.; Greßmann Texte u. Bilder 1, 225 ff. Vgl. Sellin 9 ff. (doch) 215.
  15. Hölscher Profeten 129 ff.; Geschichte 85 N. 68; H. Duhm Verkehr Gottes m. d. Menschen 1926, 61 ff. Dagegen Gunkel bei Schmidt XXVIII f.
  16. Pauly-Wissowa 14, 1263 f. (bis neuplat. Zeit); noch 2. Jahrhundert: Sach. 13, 1 ff.; Hölscher Profeten 130; Greßmann Ält. Geschichtsschreibg. u. Prophetie Israels 37 f. 38; Sellin 8 f.
  17. Fascher 55.
  18. Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff Der Glaube der Hellenen 2 (1932), 31. 63. 67; Pauly-Wissowa 14, 1263. 1266; Fascher 54 f. 66; vgl. auch Samter Religion 35. 36 f.
  19. Fascher 122 f.; Hölscher Geschichte 96; Ders. Propheten 152 ff.; Greßmann Älteste Geschichtsschreibg. u. Prophetie 39; Alfr. Jeremias Alte Test. im Lichte d. alt. Orients 513 f.; Sellin 9; Wundt Mythus u. Religion 3 (1909), 640.
  20. Greßmann Texte u. Bilder 1, 328 ff.; Ders. Propheten 38; Fascher 119; Günther Roeder Ägypt.Märchen 77; Alfr. Jeremias Handbuch d. altoriental. Geisteskultur 226; Ders. Alte Testament im alt. Orient 12. 234 ff.; Hölscher Profeten 24. 133. 133 fr.; Hänel Erkenn. Gottes 181; Ekstat. Propheten zur selben Zeit wie in Kanaan: G. Contenau La civilisation phénicienne 1926, 131. – Vom Orakelgeben in der Verzückung sprach Eduard Meyer Die Israeliten u. ihre Nachbarstämme 1906, 87.
  21. Hölscher Geschichte 84; Ders. Profeten 144; Alfred Jeremias a.a.O. 607; I. Sam. 10, 5; dazu Gunkel bei Schmidt XVIII; Sellin 8; II. Reg. 3, 15; dazu Fascher 122.
  22. Hölscher Geschichte 84; Ders. Profeten 144. 152; Hauer 75 ff.;. I. Reg. 18, 26, dazu Gunkel bei Schmidt XIX; I. Sam. 10, 5; dionys. Banden: Fascher 55. 118 f.
  23. Hölscher Profeten 131. 144; Ders. Geschichte 84; Jer. 23, 9; Sach. 13, 6 (I. Reg. 18, 28).
  24. Vgl. zu diesen und andern ekstat. Hilfsmitteln unten Abschnitt 4.
  25. Fascher 151. 142; dagegen Greßmann Ält. Geschichtsschreibg. u. Prophetie Israels 40.
  26. Vgl. Fascher 131 ff.; Orelli in Haucks RE. 16, 82 f.; Sellin 18 ff.; Hölscher Profeten 152 ff. 177 f.; Hans Duhm Verkehr Gottes 61 ff.
  27. Hölscher Profeten 82 ff.; Hänel Erkennen Gottes 115 ff.
  28. Hölscher Profeten 84.
  29. Ebd. 84 ff. 99 f.; Hans Duhm Verkehr Gottes 20 ff.
  30. Gunkel bei Schmidt XXIX; Greßmann Propheten 37; vgl. auch v. Gall in ARw. 4 (1901), 365 ff. Das wird auch durch Lindbloms Nachweis (Lindblom 97 ff.) des Gebrauches der „Orakelformel“ versucht. Dagegen: Hölscher Profeten 197 f.; Ders. Geschichte 84; Lorenz Dürr Wollen u. Wirken der alttest. Propheten 1926, 6; Greßmann Ält. Geschichtsschreibg. u. Prophetie Israels 37; Gunkel bei Schmidt XXIX. Elias u. Elisa Übergangsstadien: Duhm Verkehr Gottes 66 ff.
  31. Gunkel bei Schmidt XIX; Hölscher Geschichte 103 ff.; Ders. Profeten 188.
  32. Fascher 154 f.; Hölscher Geschichte 103 ff.; Sellin 219; vgl. H. Duhm Verkehr Gottes 94; Fascher 124 f.
  33. Sellin 239; s. auch Tholuck 23; W.H. Hertzberg Prophet u. Gott 1923, 12 f.
  34. Karl Budde Gesch. d. althebräischen Literatur 67 = Lindblom 9. 59.
  35. Sellin 81.
  36. Fascher 146.

Psychologische Grundlagen

Mehrere Möglichkeiten einer Erklärung scheinen gegeben:
Die Prophetie ist eine göttliche oder dämonische Offenbarung. Sie setzt das Dasein eines übernatürlichen Wesens und dessen Geneigtheit, sich zu äußern, voraus.
Die Prophetie und Weissagung beruhen mit dem „Hellsehen“ (s.d.) auf irgendwelchen geheimnisvollen Kräften „der Nachtseite der Kultur“[1], um deren Erforschung sich die „Okkultisten“ bemühen[2].
Die Prophetie läßt sich mit den vorhandenen Mitteln der psychologischen Forschung erklären oder doch wenigstens notdürftig verdeutlichen. D. h. man leugnet die übernatürlichen Mächte und Kräfte und sieht in ihr Begreifliches.
Bei einem Versuche, den Vorgang zu verstehen, dürfen wir zuerst sagen, daß hier ein „religiöses Erlebnis“ zugrunde liegt. Der Mensch wird überwältigt von der Gottheit, zugleich bezwungen, zum Nichts gemacht und wieder doch erhoben[3]. Vielleicht bleibt es nur beim Erlebnis des Numinosen an sich; vielleicht aber auch „offenbart“ sich der Gott, offenbart seinen Willen, läßt sich und seinen Willen erkennen. Das sind im letzten graduelle Unterschiede, Fortschritte zu einem mehr bewußten Erleben. Man nimmt nicht nur mehr hin.
Von außen gesehen, erscheint ein solches Erlebnis als ein Zustand gesteigerten „Gefühlslebens“[4]. In diesem ist das Denk- und Willensleben mehr oder weniger auf bestimmte Dinge konzentriert, der Ablauf anderer Vorstellungen gehemmt; das Unterbewußtsein schlägt durch; parapsychologische Momente setzen ein; es zeigen sich ferner körperliche Rückwirkungen (starrer Blick, beschleunigter Puls usw.)[5]. Die Entladung dieser starken Affekte hat man als Ekstase bezeichnet[6], ein fast-religiöses Erlebnis[7]; Ekstase gilt als eine Grundbedingung der Prophet[8]. Aber das rückt ein Äußerliches an die Stelle des Grunderlebnisses[9]. So weist auch Lindblom darauf hin, daß es sich nicht immer um das handelt, was wir im technischen Sinne Ekstase nennen, sondern auch um seelische Zustände, die mehr … an die energische Konzentrierung der Phantasie und des Gedankens oder an die künstlerische Inspiration erinnern. Einmal wird der Mystiker ohne Vorbereitung von dem überfallen, was er raptus mentis nennt, … ein andermal setzt er sich selber hin, die Feder in der Hand und das Tintenfaß vor sich auf dem Schreibtisch. Er konzentriert die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema, eine gewisse Erregung tritt in seinem Seelenleben ein, Vorstellungen und Gedanken strömen über ihn. Es ist ihm, wie wenn aus einem wunderbaren Vorrat eine Fülle von Ideen über ihn ausgegossen sei. Dies ist nicht Ekstase, sondern eine Erfahrung geistiger Eingebung[10].
Eine häufige Äußerungsform „ekstatischer Zustände“ sind „Sinnestäuschungen“[11]. Die Religionspsychologie beschreibt als solche, d.h. als Visionen im weiteren Sinne nach alter Einteilung (Augustinus contra Adimantum): Halluzination (Illusion), Imagination und intellektuelle Visionen. Halluzinationen und Illusionen verlegen den Vorgang in die Außenwelt, und zwar gilt als Halluzination das Sehen von (nicht-wirklichen) Gestalten inmitten der den Visionär umgebenden realen Welt[12] (Kotters Engel, der als Jüngling erscheint und sich als solcher bewegt). Unter Illusion begreift man die Umdeutung realer Wahrnehmungen[13] (Rauschen der Bäume = Stimmen), während man unter Imagination bloße Vorstellungen versteht, die sich durch eine abnorme Deutlichkeit und Lebhaftigkeit auszeichnen[14] (Es däuchte ihm – Seuse – im inneren Gesichte, daß ein stattlicher Jüngling von oben herabkäme); das ist, was Hänel als „innere Wahrnehmung“ bei den Propheten bezeichnete[15]. Als letzte erscheinen die intellektuellen Visionen, in denen nichts der Art im Bewußtsein vorhanden ist und der Visionär dennoch etwas wahrnimmt oder erfährt, Hänels unmittelbarer Offenbarungsempfang[16]. Die Visionen können ebenso zeitlich wie räumlich die Nähe und die Ferne treffen. Doch haftet dieser Systematisierung etwas Gezwungenes an; sie ist von außen her gegeben; es ist wohl besser mit Hauer hier nur von „Gesichten“ zu sprechen[17]. Auf den „prophetischen Traum“[18], der letztlich zur Inkubation (Tempel-, Gräberschlaf) führt, soll hier nur hingewiesen werden. Zum Wahrnehmen der transzendenten Welt tritt ein Ergriffensein des Menschen durch diese: die Inspiration, eine durch das Überweltliche vermeintlich herbeigeführte Erregung des Menschen zu besonderen Leistungen[19], die meistens als „ekstatische“ (s. vorhin) bezeichnet werden. Als eine dieser Leistungen ist die prophetische Rede zu betrachten[20].
Die hier skizzierten psychologischen Vorgänge dürften an ganz bestimmte Personen gebunden sein. Nicht jeder beliebige kann zum Propheten werden. Es sind psychisch labile Menschen, oft Frauen[21]. Wenn nur der Saitenspieler die Saiten rührte, kam die Hand Jahves über Elisa (II. Reg. 3, 15). Häufig sind es sexuell Erregte[22], und die Pubertätszeit zeichnet sich besonders aus[23]; die Heidewetter beginnt mit elf Jahren zu prophezeien und schweigt später[24]; die Poniatowski mit sechzehn, um ebenfalls mit der Heirat die Gabe zu verlieren[25]. Auch Schwangere heben sich als Prophetinnen hervor[26]. Schließlich sind Kranke[27] oder von einem Schreck Gepackte[28] zu erwähnen; Heinrich Fitzner war blind; die Vetter war als wahnsinnig angekettet gewesen[29]. Oder es ist ein ganz besonderes, den Menschen durchrüttelndes Erlebnis, das ihn aus seinem Gleichgewichte wirft, durch welches er als Prophet „berufen“ wird[30], so die hl. Birgitta durch den Tod ihres Mannes[31].
Manchmal bleibt die Berufungsvision die einzige, zuweilen wieder ist sie die erste vieler sich folgenden. Psychisch reizbaren Personen mögen sie ohne ihr Zutun kommen; oft aber werden sie herbeigeführt, in primitiven Zeiten durch Schamanisieren[32], Tanz[33], Maskenverkleidung und -tanz[34], dann durch Musik[35], asketische Übungen wie Fasten[36], sexuelle Enthaltsamkeit[37], dauerndes Wachen[38], Baden, vielleicht gar in bestimmten Quellen[39], durch Opiate und Betäubungsmittel[40], Blut[41], Selbstverwundungen[42], „Übungen“[43] wie die „Yoga-Praxis“, Tempel-[44] und Gräberschlaf[45], aber das meiste davon gehört doch noch älterer Zeit an. Näher liegt, wenn die Offenbarung ausgelöst wird durch einen Aufenthalt in der Einsamkeit[46], an einem Berge[47], einem Strom[48], auf freiem Felde[49], in der Wüste[50], unter einem bestimmten Baume[51]; so irrte Kotter tagelang in der Heide herum[52]. In tiefer Nacht[53], wie bei Gewittern[54], endlich am frühen Morgen überkommt den Propheten der Geist[55]. Zu diesen Stimulantien gehört auch Nacktheit[56], das Zerreißen der Kleider[57] oder das Tragen von bestimmter Kleidung[58].
Zu den gröberen treten geistige „Erregungsmittel“: die Konzentration[59], womöglich mit geschlossenen Augen[60], die Autohypnose[61], der Einfluß der Opferhandlung[62], des Gebetes[63], der Bibel[64] oder einer Predigt[65], derjenige des Gottesdienstes an sich[66], des Sakramentgenusses[67], der „fromme, sittenreine Wandel“[68]. Viele der gröberen Mittel sind eher als dem Propheten dem Wahrsager eigentümlich, die geistigen Stimulantien hingegen mehr dem Propheten, doch dienen alle, wie Hauer sagt, zur Erweckung oder Bloßlegung des Unterbewußtseins. Oder, vom Religiösen her gesehen, sie dienen dazu, den Menschen für die Gottheit bereit zu machen (nicht, diese herbeizuzwingen, zur Äußerung zu zwingen).
Es ist verständlich, daß psychisch labile Menschen, die öfters den Erregungszustand herbeigeführt, in einen Zustand äußerster Reizbarkeit geraten, in dem sie bei geringster Reizung schon reagieren[69]. Und das macht auch verständlich, daß dem Erwachen so oft die schwersten Depressionen und Ermüdungszustände folgen[70]. Der „Prossener“ Mann, der freilich nur selten Offenbarungen hatte, verspürte nach ihnen ein immerwährendes Anregen in ihm und eine Freudigkeit, die Sache bald anzuzeigen[71].

  1. Tholuck 4 ff. nach Carus.
  2. Alexander Spesz Okkultismus u. Wunder (1929), 54 ff. 57 ff.
  3. J.W. Hauer Die Religionen 1 (1923); Rudolf Otto Das Heilige8 1922.
  4. Wundt Mythus u. Religion 2 (1906), 97 f.; danach Hölscher Die Profeten 1914, 16 ff. 1 ff. Dazu Hänel Erkennen Gottes 62.
  5. Hölscher Profeten 5 f. 14 ff. 18 ff.
  6. Hölscher Profeten 4; vgl. Hänel 62 f.
  7. Hauer 94 ff. 98.
  8. Gunkel bei Hans Schmidt Die großen Propheten 1923, XVIII; Robinson in Ztschr. alttestamentl. Wiss. 45, 4; Tholuck 56 ff. So ist Müller bei seinen Gesichten „entrückt“: M. Kemmerich Prophezeiungen (1911), 285.
  9. Vgl. auch die Kritik Hänel Erkennen Gottes 42 f. 61 ff. an Hölscher.
  10. Joh. Lindblom Die Literarische Gattung d. prophet. Literatur 1924, 27. 41 ff.; dort auch Belege; ferner zu Jak. Böhme: Peuckert Die brennende Nacht (1919), 12. Vgl. hierzu auch: J. Hänel Das Erkennen Gottes bei d. Schriftpropheten 1923, 62 f. und Lindbloms Einwände: Lindblom 44; Knut B. Westman Birgitta-Studier 90 f.
  11. Hölscher Profeten 35; Hauer 87 f. Zu „Vision“: Traugott Konstantin Oesterreich Einführung in die Religionspsychologie 1917, 25 ff.
  12. Oesterreich 28 ff. Vgl. Hölscher Profeten 35 ff. 45 ff., wo auch die Imagination zugerechnet wird, und Wundts Scheidung in Wach- und Traumvisionen: Wundt Mythus und Religion 2 (1906), 94 ff.; Hänel 42 ff.; Westman Birgitta-Studier 87 f. u. (wichtig!) 88 f. Zu Augustins Visiones corporales, imaginariae et intellectuales vgl. Joh. Lindblom 30. Als Beispiel neuerer Zeit: Bauer Martin: Friedr. Bülau Geheime Geschichten u. rätselhafte Menschen 11 (1864), 394 f. 447.
  13. Oesterreich 30 f.; Hölscher Profeten 45 ff. Hierher zählt Oesterreich auch die Massenvisionen.
  14. Oesterreich 31 ff. Ebendort über das Verhältnis von Ort und Zeit, Wachvisionen.
  15. Hänel Erkennen Gottes 83 ff. 85. 100.
  16. Oesterreich 46 ff.; Hänel Erkennen Gottes 143 ff. 145; Duhm Verkehr Gottes 94; Knut B. Westman Birgitta-Studier 1911, 81; Joh. Pordage Göttliche u. wahre Metaphysica 1 (1715), 539 ff.; Schnitzer Savonarola Auswahl 29.
  17. Hauer 208 ff.
  18. Hauer 227 ff. 240. 257 ff.; Hänel Erkennen Gottes 128 ff.
  19. Oesterreich 50.
  20. Ebd. 49 ff.
  21. Hölscher Profeten 41; Gunkel bei Schmidt XXII; Hans Duhm Verkehr Gottes 18 ff.; Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff Glaube d. Hellenen 2 (1932), 34. 67; Somnambule: Charles Richet Traité de Métapsychique 1923, 468 ff.; Joh. Heinr. Jung-Stillings Theorie d. Geisterkunde (Sämtl. Schriften 1837) 6, 408 f.; Tholuck 6 f.; Westman Birgitta-Studier 99 ff.; Hans Engelbrecht Warhafftige Geschicht u. Gesicht 1640 F 4 A.; Spesz Okkultismus u. Wunder 69 ff. Dagegen Johansen: Max Dessoir Vom Jenseits d. Seele 1931, 147.
  22. So die Vetter: Gottfr. Arnold Unparteyische Kirchen- u. Ketzer-Historie 3 (1700), 273 ff.; Guyon: Perty 638; Westman Birgitta-Studier (104 ff.) 116 ff.
  23. Hölscher Profeten 41; Pauly-Wissowa 14, 1264; Hauer 216 f.; Jeanne d'Arc(?): Perty 628; Dessoir 2; Tholuck 7; Westman Birgitta-Studier 100; Arnold 3, 225. 227.
  24. Göttliches Wunder-Buch 1629 (Breslau Univ.-Bibl. Theol. rec. X Qu. 139) Hmj R.
  25. Revelationes Christinae Poniatoviae in (Amos Comenius) Lux e tenebris 1655 P. II, 5 ff.; Arnold 3, 22 § 16 = S. 217.
  26. H. Duhm Verkehr Gottes 19; Hölscher Profeten 37; Die Vetterin: Arnold 3, 273 f.; Birgitta fühlt Kindsbewegungen (nicht schwanger): Westman Birgitta-Studier 93 f. Kindbetterin: Meiche Sagen 452 f. – Cécile Vé während den Menstruationen: Dessoir 2.
  27. Greulich: Arnold 3, 248 ff.; die epileptische Anna Fleischer: Arnold 3, 208. Poniatovska: Comenius 5 f.
  28. J.W. Hauer Die Religionen 1 (1923), 64 f. nach Frobenius Weltanschauung d. Naturvölker 1898, 256 ff.; Hauer 382 f.; Meiche Sagen 452 f.
  29. Fitzner: H(einrich) F(itzner) Dreyfaches Gespräch zwischen einem flüchtigen Pater aus Rom 4 (1744), 45. Vetter: Arnold 3, 274 f.; Gunkel bei Schmidt XXII. XXIV.
  30. Hölscher Profeten 470; Hauer (s.o.) 99 f.
  31. Frederik Hammerich St. Birgitta 1872, 73 ff.; Westman Birgitta-Studier 103 ff.
  32. Hauer 331 f.; ZfdMyth. 4, 160 f. (ob Weissagen oder Wahrsagen?); Georg Nioradze Der Schamanismus bei d. sibirischen Völkern 1925, 99; Stoll Suggestion 36; Perty 576 f.; Meiche Sagen 5 f.; Tholuck 8 ff.; über das Recht, den Schamanen hierher zu ziehen: Wundt Mythus u. Religion 3 (1909), 636 f. 640.
  33. Hölscher Geschichte 84; Ders. Profeten 152; Hauer 7 ff. 10 ff. 17 f. 75 ff. 239 f.; Gunkel bei Schmidt XIX; Greßmann Älteste Geschichte u. Prophetie in Israel 39; Hauer 401 ff.; I. Reg. 18, 26; I. Sam. 10, 5 ff.; 19, 18 ff.; Derwische usw.: Greßmann Alt. Geschichte 38, Hauer 383; Perty 578; Antike: Pauly-Wissowa 14, 1266; Fascher 119. 118 f. 59; Kregel wird der Abendtanz verboten.
  34. Wundt Mythus u. Religion 2 (1906), 103; Hauer 81 f. 396 ff.
  35. Hölscher Geschichte 84; Ders. Profeten 11. 473; Alfr. Jeremias Alle Test: im Licht d. alt. Orients 607; I. Sam. 10, 5; dazu Gunkel bei Schmidt XVIII; Sellin 8; Orelli in Haucks RE. 16, 83; II. Reg. 3, 15, dazu Fascher 122; Derwische: Greßmann Alt. Gesch. 38; Hauer 383 ff.; Engelbrecht singt und hört Engel musizieren: Engelbrecht Geschichte HA. Ich rechne hierher auch die „Lärminstrumente“: Hauer 383 ff.
  36. Hölscher Profeten 36 f. 471; Gunkel bei Schmidt XIX; Daniel 9, 3. 21; 10, 2 ff.; IV. Esra 5, 20; 6, 35; Apoc. Baruch 9, 2 f.; 12, 5; 20, 5; 43, 3; 47, 2; 48, 1. 25; Tylor Anfänge d. Kultur 2, 18; Antike: Pauly-Wissowa 14, 1265. 1274; Poniatowska: Comenius 6. 15; unfreiwillig Kotter: Wunderbuch 6; Engelbrecht als Beweis der Wahrheit seiner Gesichte: Engelbrecht Brief A 2 A; A 4 A; Johansen (s. Weltkriegsprophetie): Dessoir 147 (trank und rauchte nicht); Pordage 1, 680; Westman Birgitta-Studier 79. Vgl. ZfEthnol. 56 (1924), 56 ff.
  37. Kregel 24; (Swedenborg:) Perty 643. 644; Johansen: Dessoir 147; Pordage 1, 680. Müller enthält sich 7 Tage seiner Frau: M. Kemmerich Prophezeiungen (1911), 243. Vgl. ZfEthnol. 56 (1924), 56 f.
  38. Engelbrecht Brief B 4 R; Ders. Geschichte.
  39. Didyma, Klaros: Pauly-Wissowa 14, 1265.
  40. Vgl. Perty 625 f.; Hölscher Profeten 36; Hauer 73 ff.; Gase einatmen (Delphi usw.): Pauly-Wissowa 14, 1264. 1265; Samter Religion 37; Dunst aus Wasser Didyma, Wasser bestimmter Quellen getrunken (Kassotis usw.); Pauly-Wissowa 14, 1264; Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff Glaube d. Hellenen 2 (1932), 27 f.; Perty 626; Karl Buresch Klaros 1889, 29 f.; Bier: Kotter: Wunderbuch 45; Wein: Hölscher Profeten 11 f.; Trunkenheit: Jes. 28, 7 ff.; Hauer 383; ZfdMyth. 4, 160 f.; Kaffee: Swedenborg, s. Perty 643; Lorbeerblätter, Gerste kauen (Delphi): Pauly-Wissowa 14, 1265; Wilamowitz-Moellendorff 2, 30 f.; Samter Religion 37; narkot. Räuchermittel: Pauly-Wissowa 14, 1261. 1275; Hauer 383; Perty 578; Pflanzl. Narkotika: Revue Métapsychique Juli-Aug. 1926; Datura sanguinea: Tylor Anfänge 2, 418 = ZfVk. 2, 418; Arsenik: Perty 577 f.; Tabak: Hauer 54. 386; ZfdMyth. 4, 160 f. Dutry: John Fryer A new account of East India 1698, 33 = ZfVk. 15, 88 (vgl. Bargheer-Freudenthal Handwörterbuch III).
  41. Hauer 69; in Aigeira trank die Orakelpriesterin frisches Stierblut: Pauly-Wissowa 14, 1266.
  42. Hölscher Profeten 12 f. 19; Ders. Geschichte 84; Jer. 23, 9; Sach. 13, 6; I. Reg. 18, 28; Perty 577; H. Duhm Verkehr Gottes m. d. Menschen 62. Verwundung macht prophezeien: Perty 621 f.; die gekreuzigte Pariser Spitzenwäscherin: Fr. Bülau Geh. Geschichten u. rätselh. Menschen 1 (1863), 409.
  43. Hauer 72 ff.; Pordage 675 ff. (das jungfräuliche Leben).
  44. Hauer 258 ff.; Stoll Suggestion 51 f.; Paul Scholz Götzendienst u. Zauberwesen bei d. alten Hebräern 1877, 93; Samter Religion 35 f. 40 ff.; Beth Religionsgesch. 62; Wilamowitz-Moellendorff Glaube d. Hellenen 2, 28; Fr A. Wolf Vermischte Schriften 1802, 382 = Tholuck 3. 6; Hieronymus ad Jes. 65, 4.
  45. Hauer 258 ff. 240. 257 ff.; Fascher 149; Stoll Suggestion 51 f.; Scholz 93; Pauly-Wissowa 14, 1271 f.
  46. Hölscher Profeten 39. So auch Delphi: Wilamowitz-Moellendorff Glaube d. Hellenen 2 (1932), 27 f.
  47. II. Reg. 1, 9; 4, 25; in Höhle: Hölscher Geschichte 62; Ders. Profeten 39; I. Reg. 19, 9; Exodus 33, 22; Apoc. Baruch 21, 1; 31 2; Rischmann: Kühnau Sagen 3, 524 ff.
  48. (Ezech. 1, 1 f.; 10, 20 ff.); Dan. 10, 4; Aeth. Henoch 13, 7; Apoc. Baruch 5, 5; Kotter: Wunderbuch 32. 36. 39.
  49. Hölscher Profeten 39; Ezech. 3, 22; 37, 1; IV. Esra 9, 26; 12, 40; 14, 1; Engelbrecht Brief A 2 R; A 4 A; Heinr. Federer Niklaus von Flüe (1928), 112.
  50. Matth. 3, 1; I. Reg. 19, 4. 8.
  51. I. Reg. 19, 4; IV. Esra 14, 1; Apoc. Baruch 6, 2; Kotter: Wunderbuch 72.
  52. Wunderbuch 61. 72.
  53. Hölscher Profeten 39 f. (Sacharia); I. Sam. 3, 3; IV. Mose 12, 8 f.; Joh. Pordage Göttliche u. wahre Metaphysica 1 (1715), 651. Drabic: (A. Comenius) Lux e tenebris 8; Kotter: Wunderbuch 96 f.; Greulich: Arnold 3, 248 ff. Gillhausen (s. Weltkriegsprophetie): Dessoir 145; Johansen (s. Weltkriegsprophetie) ebd. 148; Charles Richet Traité de Métapsychique 1923, 496; Schnitzer Savonarola Auswahl 32; (Karfreitagnacht) ebd. 35 (Meiche Sagen 646); vgl. „Nachtgesicht“: s. Abschnitt 3; 115 ff.
  54. Kotter Wunderbuch 72 f.
  55. Wunderbuch 26. 52. 97; Johansen: Dessoir 148.
  56. I. Sam. 19, 24; Jes. 20; vgl. Gunkel bei Schmidt XXI.
  57. Apoc. Baruch 9, 2.
  58. Pauly-Wissowa 14, 1265.
  59. Hauer 83 f.; Gunkel bei Schmidt XIX f.; Greulich: Arnold 3, 248.
  60. Bileam: Num. 24, 3. 15.
  61. Hölscher Profeten 40. 58 ff. 66 ff.; H. Duhm Verkehr Gottes 20; Ansehen einer Wolke: Kotter: Wunderbuch 30; Greulich muß stets den Himmel ansehen: Arnold 3, 248 ff., „wie er so blutig ist“; den Himmel ansehen muß auch der anonyme niederdtsch. Visionär: Arnold 3, Additamenta; Georg Reichart Erster Theil Etzlicher sehr nachdenckl. Visionen 1640 Ciij A.; Starren in glänzende Gegenstände: Hauer 67. 79. 276 ff. 383 ff.; Horst Deuteroskopie 1, 60 = Tholuck 58. Nabel: Perty 628. (Auch Hypnose der Umstehenden:) Hölscher Profeten; Joh. Pordage Göttl. u. wahre Metaphysica 1 (1715), 654; Engelbrecht Geschichte HR seq.; philadelph. Gesellschaft Pordages: Perty 637; s. ebd. 653 ff.
  62. Hauer 68 ff.; Kühnau Sagen 3, 500 f. (Messe).
  63. Jer. 11, 18 ff.; 14, 13 ff.; 32, 16 ff. 42; Poniatowska: Comenius 6; Wunderbuch 170; Drabic: Revelationes in (Comenius), Lux e tenebris 8; Greulich: Arnold 3, 248; Engelbrecht A 4 A; Kühnau Sagen 3, 500; Bauer Martin: Friedr. Bülau Geheime Geschichten u. rätselhafte Menschen 1 (1864), 464 f. Vgl. das gemeinsame chor. Beten der Derwische: Greßmann Ält. Geschichte 37 f.
  64. Engelbrecht Geschichte F 5 R; Johansen: Dessoir 147 ff.; Savonarola scheint sich an der Apoc. Johann. entzündet zu haben: Schnitzer Savonarola Auswahl 30 f.; s. auch Müller: Kemmerich Prophezeiungen 243 f. 265. 245. Vgl. die dauernden bibl. Zitate in den Prophetien.
  65. Kotter: Wunderbuch 2. 30.
  66. Gunkel bei Schmidt XIX.
  67. Greulich: Arnold 3, 248.
  68. Kregel 1. 9; Johansen: Dessoir 147; Joh. Heinr. Jung-Stillings Theorie d. Geisterkunde (Sämtl. Schriften 1837) 6, 410 f. 463 ff.
  69. Hölscher Profeten 149 f. 154; Ludwig Staudenmaier Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft 1912, 36 ff.; II. Reg. 6, 32 ff.; Ez. 8, 1 ff. (am Tag unter gleichgültigen Zuschauern); die Poniatowska: Wunderbuch 213. 216.
  70. Hölscher Profeten 15 f. 26 ff. 40 f. 470 unter Erschöpfung usw.; vgl. auch ebd. 69 f.; Hänel 63 ff.
  71. Fr. Bülau Geh. Geschichten u. rätselhafte Menschen 7 (1864), 436 = Max Kemmerich Prophezeiungen (1911), 231.

Begleiterscheinungen

Der ekstatische Zustand ist häufig von einer Reihe besonderer Erscheinungen begleitet. Propheten „rasen“[1], verfallen in Krämpfe und Zuckungen[2], ihre Gesichtszüge entstellen sich[3]. Sie erscheinen wie „trunken“[4] und verspüren einen besonderen Geschmack auf der Zunge[5]; ihr Atem stockt[6], die Sinne schwinden[7]; die Poniatowska empfindet ein Erstickungsgefühl, als sei sie im tiefen Wasser[8]. Andere sind wie blind[9] und stumm[10]; Levitationen stellen sich ein[11], und sie sind gegen Verwundungen fest[12]. Zu diesen Erlebnissen passiver Art treten Handlungen. So rennt Elias meilenweit vor Ahabs Wagen her[13]; andere (Kotter) wandern tagelang ziellos hin und her[14]:

Kotters Irrfahrten

7.–17. August 1622

7. August 1622 von Sprottau über Weichau bis Eckersdorf. 8. August Eckersdorf – Neuhammer. 8./9. 9./10. in Neuhammer. 10. August Neuhammer-Penzig. 11. August Penzig – Zodel. 12. August Zodel – Görlitz – Langenau. 13. August Langenau – Kohlfurt. 14. August Kohlfurt – Penzig. 15. August Penzig – Ludwigsdorfer Berg – Langenau. 16. August Langenau – Mallmitz. 17. August Mallmitz – Rauscha- und mit Wagen nach Görlitz.

Kotters Irrfahrten.jpg

Johann Adam Müller ist unstet und unruhig[15]. Der Geist Gottes trägt sie an einen fremden Ort[16]. Sie reißen sich die Kleider ab[17], verwunden sich selbst[18], und schließlich ergreift ihr Zustand auch andere[19].
Aber das wichtigste sind doch ihre Gesichte[20]. Besonders Visionen sind häufig belegt[21]. Der Heimgesuchte sieht grelle Lichter, Wetter leuchten, die Gestirne, göttliche Wesen im Licht[22], wie der Bauer Martin[23], weiter erscheinen ihm Gestalten, besonders solche göttlicher Art[24], ganze Geschehnisse[25], Bilderreihen[26] rollen sich vor ihm ab, und er durchwandert Himmel und Hölle[27], ist hier und da im Geist[28]. Zuweilen auch sieht er nur symbolische Dinge[29], so wie die Propheten des 17. Jahrhunderts Wappentiere, – wie ja auch die Geschehnisse symbolisch gedeutet werden[30]. Oft sind es nur alltägliche Dinge; aber Gott läßt den Propheten „die Dinge und ihre Bedeutung sehen“[31]. Auch von Auditionen ist oft die Rede[32]. Der Entzückte hört das Brausen der Winde[33], Knattern und Krachen[34], ungeheuer laute Töne[35], Posaunen[36], das brausende Gewühl der Völker[37], Stimmen[38] in den Lüften, Geschrei der Geister[39], Gesänge von oben[40], Stimmen am Ohr[41]; er hört in Gottes Rat zu[42], dessen Engel unterweisen ihn[43], ja zuletzt werden die Offenbarungen oft nur noch Unterweisungen[44], wobei, wie schon häufig zu bemerken Gelegenheit war, die Bibel Vorbild ist, der Prophet sie – unbeabsichtigt – kopiert[45]. Abweichend von andern ist der Fall Georg Reicharts, des sächsischen Schulmeisters um 1640, welchem der Geist allezeit nach Empfahunge eines schönen lieblichen Geschmacks im Munde und gar herrlichen Geruchs in seiner Nasen, erschien[46]. Das Gefühl, daß der Dämon, Gott ihn ergreife, tritt ein[47].

  1. Greßmann Ält. Geschichte 38; Hölscher Profeten 20 f.
  2. Hölscher Profeten 13 ff.; Jes. 21, 1 ff., vgl. Gunkel bei Schmidt XXI; Dan. 10, 11; Aeth. Henoch 14, 14; 60, 3; Jer. 23, 9; Hiob 4, 14; Derwische: Greßmann Ält. Geschichte 38; Poniatowska: Wunderbuch 172; Rischmann: Kühnau Sagen 3, 525; Heidewetter: Wunderbuch.
  3. Dan. 7, 28; 10, 8.
  4. Jer. 23, 9; Gunkel bei Schmidt XXI.
  5. Ezech. 3, 2; Apoc. Johannes 10, 10.
  6. Dan. 10, 8.
  7. IV. Esra 10, 30.
  8. Wunderbuch 172. 174.
  9. II. Mackab. 3, 27; Jes. 21, 3; Acta apost. 9, 8 f.; 9, 18; 22, 13; Hölscher Profeten 14.
  10. Hölscher Profeten 14 f.; Bscherer: Arnold 3, 219.
  11. Hauer 89; Ezech. 8, 3; 11, 24; 40, 1 f.; aber doch nur das subjektive Empfinden derselben.
  12. Engelbrecht Brief B 5 A; Perty 628 f.
  13. I. Reg. 18, 46; vgl. Gunkel zu Schmidt XXI; Hauer 89.
  14. I. Sam. 19, 23; Hölscher Profeten 29 f.; Kotter: Wunderbuch 19. 35 f. – Ich habe aus den Angaben Kotters für einen bestimmten kurzen Zeitraum eine Kartenskizze seines Umirrens gezeichnet, die das besser als Worte zeigt.
  15. Kemmerich Prophezeiungen 246 f.
  16. Ezech. 3, 14; I. Reg. 18, 12; II. Reg. 2, 16; Hölscher Profeten 67 f.; Alfr. Jeremias Alte Test. im Lichte d. alt. Orients 605; Rischmann: Kühnau 3, 525. 530; Zeller Hirschbergische Merckwürdigkeiten 1 (1720), 181.
  17. I. Sam. 19, 24.
  18. I. Reg. 18, 28; Sach. 13, 6.
  19. I. Sam. 10, 10; 19, 18 ff.; Gunkel bei Schmidt XIX; Greßmann Ält. Geschichte 40; Derwische: Ebd. 38; Stoll Suggestion 33 f.
  20. Lindblom 38 f. 68.
  21. Hölscher Profeten 16 ff. 37 ff. 41 ff.
  22. Ezech. 1; Dan. 10, 5 f. 15; Aeth. Henoch 14; Hölscher Profeten 42 f.; Hänel 65 f.; Kotter: Wunderbuch 152; Müller: Kemmerich Prophezeiungen 243; Poniatowska: Ebd. 171; Anna Fleischer: Arnold 3, 208 ff.; Georg Reichart Erster Theil Etzlicher sehr nachdencklicher Visionen und Offenbahrungen 1640 AijA AiijR. Greulich: Arnold 3, 248 ff.; Engelbrecht Brief A 2 R. A 4 A. A 5 A; Lindblom 20 N. 3; Westman Birgitta-Studier 82 f.; Wetterleuchten: Greulich: Arnold 3, 258. Blitz: Müller: Kemmerich Prophezeiungen 242. 287. Gestirne: ebd.; Kotter: Wunderbuch 6. 15. 18.
  23. Bülau Geheime Geschichten 1, 415 f.
  24. Dan. 10, 2 ff.; 9, 3 ff.; Hölscher Profeten 27; Kotter durchgängig; Westman Birgitta-Studier 83; der „Prossener Mann“: Bülau Geh. Geschichten 7, 424. 425 ff.; (Der Prossener Mann sieht nicht im Traum, sondern im Wachen, kennt auch keinen Offenbarungsmittler); dieselben Angaben: Kemmerich Prophezeiungen 211 f. 232.
  25. Hölscher Profeten 37; Kotter: Wunderbuch 3; Westman Birgitta-Studier 83 f.; der „Prossener Mann“: Kemmerich Prophezeiungen 231 f.; Müller: ebd. 242. 244 f. 287.
  26. Kotter durchgängig.
  27. Die Apokalyptiker; Hölscher Profeten 72 f.; Schnitzer Savonarola 1, 292 f.; Joh. Lindblom Die Literarische Gattung d. proph. Literatur (Uppsala Universitets Årsskrift 1924), 21; Westman Birgitta-Studier 84 f.; Heyl Tirol 35 Nr. 40.
  28. II. Reg. 5, 26; Ezech. 8; Hölscher Profeten 70 ff.
  29. Hauer 217 ff. Kotter; Westman Birgitta-Studier 84. Vgl. auch Hölscher Profeten 30 f. 45 ff.
  30. Hölscher Profeten 45 ff.; Hosea 1; Jes. 7, 14 ff. usw.
  31. H. Duhm Verkehr Gottes 98; vgl. Peuckert Carl Hauptmanns Sendung 1933.
  32. Hölscher Profeten 38 f.; der „Prossener Mann“: Fr. Bülau Geh. Geschichten u. rätselhafte Menschen 7 (1864), 436; Müller: Kemmerich Prophezeiungen 247.
  33. Greulich: Arnold 3, 258.
  34. Ezech. 3, 12 f.
  35. Hölscher Profeten 44. Dagegen „Flüstern“: Johansen: Dessoir 148.
  36. Jer. 4, 19; Kotter: Wunderbuch 43. 62.
  37. Jes. 17, 12; 6, 3 f.; Ezech. 1, 24; 3, 12 f.; 10, 5.
  38. Jes. 40, 3 ff.; Lindblom 20. 22; Westman Birgitta-Studier 81.
  39. Kotter: Wunderbuch 40. 176 f.
  40. Kotter: Wunderbuch 120; Georg Reichart Erster Theil Etzlicher sehr nachdencklicher Visionen 1640 AiijA.
  41. Bauer Martin: Bülau Geh. Geschichten 11, 441; Lorenz Clasen: H. Duhm Verkehr Gottes 96 nach Enno Nielsen Das große Geheimnis in Neuzeit u. Gegenwart 266 f.
  42. Jer. 23, 118. 22; I. Reg. 22, 19; Jes. 6; Gunkel bei Schmidt XXIV; Hölscher Profeten 72; Pauly-Wissowa 14, 1263. Heidewetter: Wunderbuch Liiiij A (nach Apoc. Jo. 4).
  43. Dan. 10, 7 ff. Kotter, Kregel; Engelbrecht Brief A 2 R; Schnitzer Savonarola-Auswahl 30; ders. Savonarola 1, 537 f.; Lindblom 22; Westman Birgitta-Studier 9. Nachw. 185.
  44. Kotter; Westman Birgitta-Studier 81; Georg Reichart Erster Theil Etzlicher sehr nachdencklicher Visionen Hall 1640.
  45. Schnitzer Savonarola-Auswahl 32 f. IV; Kemmerich Prophezeiungen 216 über den „Prossener Mann“.
  46. Reichart Visionen Aij A.
  47. Hölscher Profeten 22 ff. 31; Dürr 8; Jer. 20, 7; Hertzberg 44; Lindblom 41 f. 43 f.; Wundt Mythus u. Religion 2 (1906), 96. Die Initiative für das „Wissen“ des P.en geht, so empfindet er es, gänzlich von der Gottheit aus, er will nicht in deren Wissen eindringen; Hertzberg 28 f. 29 f. 46 f.

Der prophetische Geist

Der Prophet ist von einem überirdischen Wesen „besessen“[1], vielleicht von einem Totengeiste[2], von Dämonen[3], Teufeln oder Lügengeistern, die Gott zuläßt[4], zumeist natürlich von Gott[5]; er ist von Gottes Geist[6] voll, wie ja seine Seele in Gottes Gemeinschaft weilt (s.o.). Nach griechischem Glauben enthalten die Elemente göttliche Kraft und emanieren sie auf den Mantiker[7]. Die Heidewetter sprach erst aus sich selbst, dann sprach Jesus aus ihr; eine französische Bäuerin sprach 1913, als ob sie die Jeanne d'Arc sei[8]. Dem französischen Bauer Martin (um 1830) erschien der Engel Raphael, der ihn aussandte und ihm die zu verkündenden Worte eingab[9], dem Joh. Adam Müller „der Geist Gottes“[10], der Anna Fleischer ein „Glanz“ in Gestalt eines Kindes[11], häufig „ein Engel“[12].

  1. Hauer 375 ff.; H. Duhm Verkehr Gottes mit den Menschen 21.
  2. Pauly-Wissowa 14, 1260. 1272; I. Sam. 28. Dazu Wundt über den Seelenvogel: Mythus u. Religion 2 (1906), 73; Beth Religionsgesch. 61.
  3. Hölscher Profeten 85 f.; Beth Religionsgesch. 58; Tholuck 1.
  4. I. Sam. 18, 10 (der böse Geist); I. Reg. 22, 20 ff. Die Anna Fleischer: Arnold 3, 208 f. (Lügengeist); Meiche Sagen 452 f. Daneben gibt es „falsche“ P.en.
  5. Micha 3, 5; Pauly-Wissowa 14, 1260. 1259. 1262 f.; Hölscher Profeten 24. 25 f.; Beth Religionsgesch. 58; Hauer 416 ff.; Dessoir 5; Tholuck 44 ff.; Lindblom 19. 25.
  6. Hölscher Profeten 24 f.; Fascher 151. 141 f.; Beth Religionsgesch. 58.
  7. Pauly-Wissowa 14, 1265 f.
  8. Richet 511.
  9. Fr. Bülau Geh. Geschichten u. rätselhafte Menschen 11 (1864), 401. 417.
  10. Kemmerich Prophezeiungen 287. 242. 243. 275. 281. 288.
  11. Arnold 3, 209.
  12. Martin Dröscher in Goglau (Schweidnitz): Arnold 3, 211; Bscherer: ebd. 3, 219; Brigel: ebd. 3, 225; Sophie Lotter: ebd. 3, 225; Hans Engelbrecht Brief, Warhafftige Geschicht u. Bericht 1640 an vielen Orten; Georg Reichart Erster Theil Etzlicher sehr nachdencklicher Visionen 1640 AiijR.

Die Formen der Prophetie

Der Theologe scheidet im alten Testament ein Wort- und Schriftprophetentum, eine Scheidung, die auch hier Wert hat. Wir kennen Prophetien, die nur zu den Umstehenden gesprochen (Rischmann), und andere, die vom Propheten aufgezeichnet wurden (Kotter). Hieraus erklären sich Verschiedenarten des Stiles. Ein schreibender Prophet kann in Bilderreihen, Symbolen schwelgen; der Wort-Prophet gebraucht die kurze Rede, wenn auch Vermischungen (etwa bei Rischmann) erscheinen. Man könnte auch sagen: der Wort-Prophet sagt, was er eben sieht; der Schrift-Prophet teilt mit, woran er sich noch zu erinnern weiß. Dabei wird seine Rede sinnvoller, logischer, aber auch leerer, symbolistisch[1]; der wahre Prophet ist der Wort-Prophet Als charakteristisch für den Ekstatiker gilt, daß er, dem Zungenredner ähnlich, verkündet; Ausrufe[2], laute Schreie[3] werden häufig erwähnt. Aber die ekstatische Glossolalie steht doch unterhalb der Grenze des Prophetentums; keine halbverständlichen Laute begegnen, sondern die klare Aussage[4]. Höchstens spricht der Prophet in metrischen Formen[5], singt[6]; meist aber berichten die Propheten ihre Gesichte[7], reden und lehren mit gewaltig erhobener Stimme[8].
Das, was wir kennen, sind aber nicht Äußerungen der Wort-Propheten; wir müssen ihre Tätigkeit erst mühsam rekonstruieren. Die Stilform der Schrift-Prophetie, die einige Aufschlüsse über ihr Wesen geben könnte, bedarf noch eingehender Untersuchungen. Bisher liegt lediglich ein Aufsatz von Lindblom vor, der sie der Revelationsliteratur zuordnet, was zweifellos zu Recht geschieht, aber ihr Eigentliches zu wenig deutlich macht, denn jede Offenbarung, Revelation faßt Gegenwärtiges, Zukünftiges, Erzählung usw. in sich, während uns hier nur die „Prophetie“ an sich angeht[9]. Eine gute Beobachtung machte Duhm[10]; die apokalyptischen, barock überladenen Gesichte späterer Propheten des Alten Testaments erklärt er als entstanden dadurch, daß sie durch die Bibel, jetzt festgelegt, eingeengt waren, und daß die Propheten nun stärkere Mittel anwenden, sich als Inspirierte zu legitimieren. Der Gedanke ist auch für unsere pr.ische Literatur und ihr Verständnis nutzbar zu machen.

  1. Vgl. Wundt Mythus u. Religion 2 (1906), 100 f.
  2. Ezech. 21, 31 f.; Gunkel bei Schmidt XXII; Hölscher Profeten 31 ff. 33 ff.; Oesterreich 49 ff.; unartikulierte Laute bei Rischmann: Kühnau Sagen 3, 527.
  3. I. Reg. 18, 28; Rischmann: Kühnau Sagen 3, 525. 526; Poniatowska redet zuweilen überlaut: Comenius 6.
  4. H.W. Hertzberg Prophet u. Gott 1923, 51 f.
  5. Gunkel bei Schmidt XXII; Ztschr. f. wissenschaftl. Okkultismus 1 (1926), 304.
  6. Jes. 5, 1; I. Chron. 25, 1 ff.; Greulich: Arnold 3, 255; Rischmann: Kühnau Sagen 3, 527.
  7. Lindblom 54 ff.
  8. Jes. 1, 2; Micha 6, 1; Gunkel bei Schmidt XXII; Rischmann: Kühnau Sagen 3, 525 ff.
  9. Joh. Lindblom Die literarische Gattung d. prophet. Literatur (Uppsala Universitets Årsskrift) 1924.
  10. H. Duhm Verkehr Gottes 151.

Inhalt der Prophetie

Reden und Schriften unserer Propheten ähneln denjenigen des Alten Testaments. Auch bei uns eifern Propheten gegen die Zustände der jeweils augenblicklichen Zeit, die sie in religiöser[1] wie sittlicher[2] und sozialer Beziehung[3] tadelnswert finden. Ihre „politischen“ Auslassungen sind oft vom Sozialen und Ethischen ihres persönlichen Erlebniskreises her bestimmt. Schon darin verrät sich ein primitiver Denkschluß. Da eine Besserung, auch auf die prophetische Warnung hin, meist nicht zu erwarten ist, droht der Prophet an und weissagt die Strafgerichte Gottes. Es ist bezeichnend, daß er diese nicht als die etwaige Konsequenz sittlicher oder sozialer Verwilderung kommen sieht, sondern als eine Willenshandlung des wegen der Sünde erzürnten Gottes, daß also – abgesehen vom Religiösen – wieder eine verhältnismäßig primitive Gedankenwelt aufscheint. Es ist dabei zu beachten, daß solche Gedankenbildungen durch die besondere Stellung des Propheten als „Mund Gottes“ eine weitgehende Unterstützung finden. Die Drohungen beschränken sich meist auf die Vorhersage der bekannten eschatologischen Ereignisse: Not, Hunger, Seuchen, Krieg, „das Ende“[4]. Dabei sind diese Vorhersagen, auch wenn sie allgemeinerer Natur sein wollen (Einfall der Fremdvölker), meist lokal gefärbt (Untergang Hirschbergs: so Rischmann). Gewiß gibt es daneben Prophetien rein eschatologischer Art, aber die sind verhältnismäßig selten.
Selten ist auch die Voraussage einer späteren Heilszeit[5]. Dagegen finden sich Ratschläge, wie „man dem zukünftigen Zorn entrinne“, auch diese meist recht naiv (Flucht auf nächste Berge usw.: Spielbähn), zuweilen allgemeiner gehalten (Erwarten der letzten Zeiten in Palästina: so H. Schul). Häufig, das ist noch zu bemerken, geben die Prophetien sich im biblischen Stil[6], wie schon in biblischen Zeiten gewisse Visionen als stereotyp bezeichnet werden können[7]. Man kann hieraus – wie schon vorhin – entnehmen, daß die Bibel durchaus bestimmend, formend wirkt.

  1. (Mohamedanische) Strafrede an Istambul: Tholuck 18 f.; Bauer Martin: Bülau Geh. Geschichten 397. 409; Müller: Kemmerich Prophezeiungen 244. 260. 272; Bscherer: Arnold 3, 219.
  2. Hänel 202 ff.; Bauer Martin: Bülau Geh. Geschichten 11, 397. 409.
  3. Vgl. Nachw. 199; Kotters Reden; Amos usw.
  4. Wundt Mythus u. Religion 3, 467 ff.; Tholuck 78 ff.
  5. Schnitzer Savonarola-Auswahl 36. 39; Schnitzer Savonarola 1, 298 f.
  6. Vgl. Kotter; Heinrich Fitzner 4, 57.
  7. Hölscher Profeten 44 f.

Der Prophet als Magier

Der Prophet ist nicht nur der Beauftragte, der Sprecher Gottes; er ist von diesem auch mit übermenschlichen Fähigkeiten begabt. Die sind ja schon dazu nötig, um seine Worte als göttlich zu verifizieren[1], wie um ihm die Möglichkeit des Einflusses auf Gott zu verschaffen[2]. Dann weiß er alles[3], sieht in die Ferne wie ins Innere der Menschen[4], ja kann die Zukunft zwingen[5]. Er verflucht, d.h. treibt Bosheitszauber durch Wunsch und Wort[6], heilt (durch Suggestion?) Kranke[7], ja gebietet über Tod und Leben[8]. Ihren ekstatischen Geist vermögen Propheten andern mitzuteilen[9]. Wie weit in diese Dinge Suggestion und Hypnose spielt, – was ja bei allen Propheten als psychisch abnormen Personen nahe liegt, – ist hier nicht zu erörtern[10].
Viele Zaubergeschichten gehen von den alten Propheten. Schlägt Elia mit seinem Mantel das Wasser, so teilt es sich[11]; wirft er ihn auf einen, so muß der ihm folgen[12]. Elisa zaubert dem König Sieg[13], ein Jeremia versenkt eine Fluchrolle in den Strom[14], ähnlich wie Zauberer noch heut Zaubermittel ins fließende Wasser versenken, um eine Aufhebung des Zaubers zu verhindern. Prophetinnen, von denen Ezechiel redet, vermögen mit Zauberbinden Seelen zu fangen[15]. Savonarola soll nach den Behauptungen seiner Gegner Zauberei und Nekromantie getrieben haben[16]. Birgitta trieb Dämonen aus[17]. Der Bauer Martin erschien nach seinem Tode, um den an ihm geschehenen Mord zu offenbaren[18]; Müllers Anwesenheit sicherte das Schiff, in dem er fuhr[19]; Engelbrecht aß und trank über 14 Tage nicht, ohne daß sein Fleisch verfiel[20].

  1. Deuteron. 18, 22; Schnitzer Savonarola Auswahl 42; Schnitzer Savonarola 1, 507; Wundt Mythus u. Religion 2 (1906), 107 f.; Hauer 65 f.
  2. W.H. Hertzberg Prophet u. Gott 1923, 13.
  3. I. Sam. 9, 19; II. Reg. 6, 12.
  4. I. Sam. 9, 19; I. Kor. 14, 24; Hölscher Profeten 70 ff.
  5. Jes. 55, 10 f.; Gunkel bei Schmidt XXVI.
  6. Jer. 51, 59 ff.; vgl. Tholuck 16 f.
  7. II. Reg. 5, 10 ff.; 20, 7; 4, 34 ff.; I. Reg. 17, 21 f.; Hölscher Profeten 68 f.; Westman Birgitta-Studier 96. 97 ff.
  8. II. Reg. 1; Jer. 28, 16; I. Reg. 17, 21 ff.
  9. Peuckert Leben J. Böhmes 1924, 63 f.
  10. Hölscher Profeten 66 ff.
  11. II. Reg. 2, 8. Siehe auch H. Duhm Verkehr Gottes 68 ff. 95: „Ihre (der älteren P.en) Lebensluft ist das Wunder“.
  12. I. Reg. 19, 19 ff.
  13. II. Reg. 13, 14 ff.
  14. Jer. 51, 59 ff.
  15. Ezech. 13, 17 ff.
  16. Schnitzer Savonarola 1, 519 f. 539.
  17. Westman Birgitta-Studier 96 f.
  18. Fr. Bülau Geh. Geschichten 11, 470.
  19. Max Kemmerich Prophezeiungen (1911), 255 ff.
  20. Hans Engelbrecht Warhafftige Geschicht u. Gesicht 1640 D 3 A.

Überzeugung vom Prophetentum

Der Prophet selbst ist von seinem Beruf überzeugt. Man spricht von seinem Sendungsbewußtsein[1]; er weiß, daß Gott aus ihm spricht, daß er der Dolmetsch Gottes ist[2], daß Gott ohne sein Wissen nichts tut[3]. Ja Gott zwingt ihn zu seinem Amt[4]. Die Vetterin nennt sich das Licht der Stadt[5], die Poniatowska weiß sich die Braut Jesu[6]; Georg Reichart ist seit vielen Jahren von Gott erwählt zu seinem Amt[7]. Die alten Propheten – Kotter, der Prossener Mann wie Müller und viele andere – werden beauftragt, mit ihrem Wissen zum König zu gehen, und gehen ohne Weigern[8].
Aber auch der Hörer ist davon überzeugt, daß ein göttlicher Geist aus dem Propheten spricht[9]. Man holte ehemals nicht nur Orakel bei ihm ein[10], sondern befragt ihn auch sonst um Rat[11]. Es bilden sich – vor allem in unsern Zeiten – Gemeinden oder Kreise von Gläubigen um ihn[12] und seine Prophetien wie Schriften werden noch lange kolportiert, so heut in Schlesien noch die Rischmanns, im Rheinland die Spielbähns und anderer. Man weiß, daß des Propheten Worte von Gott und außergewöhnlich sind, und hält sie vor den Weltklugen, vor Pfarrern und „Gebildeten“, geheim. Immer in Notzeiten erinnert man sich ihrer, sucht man sie wieder hervor, prüft nach, was etwa schon erfüllt und was noch kommen soll; die eschatologische Spannung trägt sie empor.
Aber das gilt nur von den „Laien“; die Geistlichkeit ist stets in Babel ersoffen und trunken von der Hure; sie sperrt sich gegen den Propheten, verfolgt ihn mehr oder weniger schroff und schilt seine Worte erlogen, ihn selbst verblendet. So war es schon im alten Jsrael, so auch im Laufe der Jahrhunderte bei uns[13].

  1. I. Reg. 18, 17 f.; 21, 19 f.; I. Sam. 15, 14 ff.; Ztschr. f. syst. Theol. 5, 176 ff.; vgl. G. Ch. Aalders De Profeten des ouden Verbonds 1918, 26, vor allem aber Lindbloms Ausführungen; Hänel Erkennen Gottes 190 ff.; Bauer Martin: Bülau Geh. Geschichten 11, 433.
  2. Aalders 6. 20; Gunkel bei Schmidt XXXI. XXVI; I. Reg. 22, 14; IV. Mose 22, 18; 23, 12; 24, 13; Lindblom 97 ff.; Westmann 108 f. 129 ff. Der „Prossener Mann“: Kemmerich Prophezeiungen 233 f.
  3. Amos 3, 7.
  4. Kotter: Wunderbuch 3; Müller: Kemmerich Prophezeiungen 246; Georg Reichart Erster Theil Etzlicher sehr nachdencklicher Visionen 1640 BiijA.
  5. Arnold III, 282.
  6. Beinah in jeder Revelatio.
  7. Erster Theil Etzlicher sehr nachdencklicher Visionen Vnd Offenbahrungen, Welche mir Georgio Reicharten … sind eröffnet worden. Hall 1640, Visio II.
  8. Prossener Mann: Kemmerich Prophezeiungen 213. 217; Müller: ebd. 247 f. 243.
  9. Gunkel bei Schmidt XXV.
  10. Gunkel bei Schmidt XXVI.
  11. Vgl. Samuel, Elias usw.
  12. So um die Schul.
  13. Peuckert Leben J. Böhmes 1924; Müller: Kemmerich Prophezeiungen 269 f.; H(einrich) F(itzner) Dreyfaches Gespräch zwischen einem flüchtigen Pater aus Rom … 1744. 4, 45 ff. 62 ff.; Hans Engelbrecht Eine Warhafftige Geschicht und Gesicht vom Himmel u. d. Hellen 1640 DA.

Der Wahrheitsgehalt der Prophetie

Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Prophetie ist für die Volkskunde verhältnismäßig gleichgiltig. Im allgemeinen wird er, d.h. die Möglichkeit des Blickes in die Zukunft abgelehnt, – so wie das in Bezug auf die der biblischen Propheten Hölscher tut[1], – obwohl hier[2] manchem Möglichkeiten gegeben scheinen. Richet erklärt: Si nous connaissions la totalité des choses présentes, nous connaîtrions du même coup la totalité des choses à venir, sieht also die Zukunft kausal vom Heute bedingt[3]. Aber hier handelt es sich viel mehr um die Tatsache, daß weite Kreise – unter den „Gebildeten“ besonders Gläubige[4] und Okkultisten[5] –, vor allem auch weitere Schichten des Volkes an dem Satze, Propheten vermöchten die Zukunft vorauszusehen, halten. „Das hat schon Rischmann gesagt“, „das hat der alte Schäfer Thomas schon gesagt“ und ähnliche Äußerungen kann man häufig hören[6]. Dabei gesteht man, nicht nur in „gebildeten“ Kreisen, sondern ganz allgemein, daß Prophetien dunkel seien, daß man oft erst nach der Erfüllung ihren Sinn verstehe; kritisch gefaßt: sie werden in weitem Maße den Ereignissen angepaßt[7].

  1. Hölscher Profeten 74 ff.
  2. Nach Ztschr. f. Parapsychologie 2 (1927), 100.
  3. Charles Richet Traité de Métapsychique 1923, 452; s. auch seinen Hinweis auf Laplace ebd.
  4. Hier handelt es sich zumeist darum, daß die biblischen, besonders die messianischen, Weissagungen für eingetroffen gehalten werden. S. auch Tholuck 78 ff. 134 ff. 146 ff.; Deuteron. 18, 22; Schnitzer Savonarola 1, 192.
  5. Vgl. Max Kemmerich Prophezeiungen (1911).
  6. Vgl. etwa Peuckert Schles. Volkskd. 1928, 171 f.; Tholuck 76 ff. 105 ff.; H. Duhm Verkehr Gottes 108 f. 110 f. 151 f. Schon bei den Primitiven: Hauer 280 ff.
  7. Richet 484; Perty 623. 624 f. 634 f.; Ztschr. f. wissenschaftl. Okkultismus 1 (1926), 377 ff.; 2 (1927), 156; Johansen: Max Dessoir Vom Jenseits d. Seele 1931, 150; vgl. ferner die Artikel „Lehnin“, „Nostradamus“, „Weltkriegsprophetie“ usw. So Tod Friedrichs sub flore: Histor. Jahrb. 49 (1929), 49 N. 33.

Fazit

Man wird zum Schluß zusammenfassend sagen dürfen, daß für das Volk Propheten außergewöhnliche, der breiten Masse entwachsene Menschen sind, – man kennt sie charakteristischer Weise stets bei Namen, – und daß aus ihnen eine göttliche Stimme spricht, die, meist in scheinbar klarer Rede, und doch verschleiert, den Schleier von der Zukunft hebt. Eine Erscheinung, die schon in frühen Zeiten möglich ist, hat bis in die heutigen Geltung bewahrt.