Markusevangelium

Die Apokalypse der christlichen Urgemeinde, Jesus in den Mund gelegt, ist in der Zeit der Verfolgung durch die Juden (um 55 n. Chr.) entstanden, noch vor der Zerstörung Jerusalems durch den römischen Kaiser Titus. Sie ist in das Markusevangelium eingegangen.

Kapitel 13

1Als er den Tempel verließ, sagte einer seiner Jünger zu ihm: „Meister, schau, was für Steine und was für Bauten!“ 2Jesus sagte zu ihm: „Siehst du diese mächtigen Bauten? Kein Stein wird auf dem andern gelassen, ein jeder wird abgebrochen werden.“ 3Und als er auf dem Ölberg, gegenüber dem Tempel, sich niedergesetzt hatte, fragten ihn Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas im Alleinsein mit ihm: 4„Sag uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen, wann sich dies alles vollenden soll?“ 5Jesus antwortete ihnen: „Seht zu, daß euch niemand verführe! 6Denn viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin es; und sie werden viele verführen. 7Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hört, dann laßt euch nicht schrecken, denn „es muß so kommen“(Dan 2,28), aber noch ist es nicht das Ende. 8Denn „aufstehen wird Volk wider Volk“(2 Chr 15,6) und „Reich wider Reich“(Is 19,2), und es werden Erdbeben sein von Ort zu Ort und Hungersnöte. Der Anfang der Wehen ist das. 9Ihr aber, gebt acht auf euch selbst! Sie werden euch den Gerichten überliefern; ihr werdet in den Synagogen gegeißelt und vor Statthalter und Könige gestellt werden um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis. 10Doch an alle Völker muß zuvor verkündet werden das Evangelium. 11Wenn sie euch wegführen und überliefern, so macht euch vorher nicht Sorge, was ihr reden sollt; sondern was euch eingegeben wird in jener Stunde, das redet; denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern der Heilige Geist. 12Es wird aber ein Bruder den Bruder in den Tod liefern und ein Vater das Kind, und Kinder „werden sich erheben gegen die Eltern“(Mi 7,6) und sie in den Tod bringen. 13Ihr aber werdet gehaßt sein von allen um meines Namens willen; wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. 14Wenn ihr nun den „Greuel der Verwüstung“(Dan 9,27) dort stehen seht, wo er nicht sein darf – wer es liest, der bedenke es wohl -, dann fliehe, wer in Judäa ist, in die Berge, 15und wer auf dem Dache ist, steige nicht herab und gehe nicht hinein, um etwas zu holen aus seinem Hause; 16und wer auf dem Felde ist, kehre nicht zurück, um seinen Mantel zu holen. 17Wehe den Schwangeren und Stillenden in jenen Tagen! 18Betet aber, daß es nicht im Winter geschehe. 19Es werden nämlich jene Tage „eine Drangsal sein, wie dergleichen seit Anfang der Schöpfung“, die Gott schuf, „bis jetzt nicht gewesen ist“(Dan 12,1) und nicht sein wird. 20Und hätte der Herr nicht abgekürzt die Tage, würde kein Mensch gerettet werden; doch um der Auserwählten willen, die er sich erwählte, hat er die Tage abgekürzt. 21Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Messias! Seht, dort!, so glaubt es nicht; 22denn es werden falsche Messiasse aufstehen und „falsche Propheten, und sie werden Zeichen und Wunder tun“(5 Mos 13,1f), um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. 23Ihr aber, seht euch vor! Seht, ich habe euch alles vorhergesagt. 24In den Tagen nach jener Drangsal wird „die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein nicht mehr geben“(Is 13,10), 25„die Sterne werdenvom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden“(Is 34,4). – 26Und dann werden sie den Menschensohn kommen sehen auf den Wolken(Dan 7,13) mit großer Macht und Herrlichkeit. 27Und dann wird er die Engel aussenden und seine Auserwählten „zusammenführen von den vier Winden“(Sach 2,6), „vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels“(5 Mos 30,3f). 28Vom Feigenbaum aber lernt das Gleichnis! Wenn sein Zweig schon saftig wird und die Blätter treiben, erkennt ihr, daß der Sommer nahe ist. 29Ebenso auch sollt ihr, wenn ihr dies kommen seht, erkennen, daß er nahe ist an den Türen. 30Wahrlich, ich sage euch: Nicht wird vergehen dieses Geschlecht, bis dies alles geschieht! 31Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. 32Jenen Tag aber und jene Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel und auch nicht der Sohn, nur der Vater. 33Seid auf der Hut und wachet! Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit da ist. 34Es ist wie bei einem Mann, der außer Landes ging, sein Haus verließ und seinen Knechten Vollmacht übertrug, einem jeden für sein Werk, und dem Torhüter befahl, wachsam zu sein. 35Wachet also; denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob abends oder um Mitternacht oder beim Hahnenschrei oder frühmorgens. 36Möge er, wenn er unversehens kommt, euch nicht schlafend finden! 37Was ich euch sage, das sage ich allen: Wachet!“

Quelle

  1. Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach den Grundtexten übersetzt und herausgegeben von Vinzenz Hamp, Meinrad Stenzel und Josef Kürzinger. Pattloch Verlag, Aschaffenburg 1979.