Maria Beatrix Schuhmann

Wolfgang Johannes Bekh – Bayerische Hellseher, 1976[1]

„Die Seherin wurde am 17. März 1823 in Pfarrkirchen an der Rott geboren. Sie war das älteste Kind eines in dürftigen Verhältnissen lebenden Taglöhners. Früh schon wurde sie Schwester des Dritten Ordens der Franziskaner von Eggenfelden. Ihre Welt: Ein bescheidenes Gemach im oberen Stock des Elternhauses. Vier Jahrzehnte lang, bis zu ihrem Tod am 29. August 1887, war sie durch Lähmungen und Starrkrämpfe ans Bett gefesselt.
Bemerkenswert ist, wie sie sich längst vor dem Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 über dessen Verlauf äußerste. Ein oberpfälzischer Geistlicher berührte 1869 auf einer Wallfahrt nach Altötting, von Vilshofen kommend, Pfarrkirchen und nahm sich vor, Maria Beatrix Schuhmann zu besuchen. Im Stellwagen, kurz bevor er ausstieg, wurde er Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei politisierenden Fahrgästen. Die beiden Männer zeigten ihre Freude darüber, daß jetzt bald ‚zum Ärger der Pfaffen die päpstlichen Franzosen’ Hiebe bekommen würden. Welcher Wunsch der Vater dieses Gedankens war, leuchtete ein: Die beiden waren Parteigänger Bismarcks und Anhänger seiner protestantisch-antirömischen Haltung. Unklar war nur, wie sie von einem Waffengang sprechen konnten, der noch gar nicht stattgefunden hatte. Zudem nahm sich die Zukunft in den Augen des Wallfahrers ganz anders aus. Er konnte nicht an einen Sieg der deutschen Waffen glauben. Vielmehr fürchtete er eine Art Gottesgericht für das Hohenzollernreich. Dieser Befürchtung gab er Maria Beatrix Schuhmann gegenüber Ausdruck.
Wie erstaunt war er, bei ihr der Anschauung seiner beiden Weggenossen im Stellwagen zu begegnen, die also offensichtlich nur das wiedergegeben hatten, was den Leuten der Umgebung als von ‚ihrer’ Seherin stammend zu Ohren gekommen war. Mit aller Bestimmtheit sagte sie zu einer Zeit, als noch kein Schuß gefallen war, die Niederlage der Franzosen voraus. Nach Beendigung des Kriegs, namentlich nach dem Abschluß des Friedensvertrags in Frankfurt, sagte sie, werde des Jubels in allen deutschen Landen kein Ende mehr sein. Doch im Gegensatz zu den beiden Kolporteuren zeigte die Kranke keine Genugtuung darüber. ‚Ach, daß die Leute über den abgeschlossenen Frieden so jubeln können’, klagte sie. ‚Das ist ja kein wahrer Friede. Es wird nicht eher wahrhaft Friede sein, bis nicht die Türken aus Europa hinausgedrängt sind und in Konstantinopel wieder das Kreuz aufgerichtet ist.’“

Quelle

  1. Bekh, Wolfgang Johannes: Bayerische Hellseher. Pfaffenhofen 1976.

Literatur

  1. Maier, Wilhelm: Leben und Leiden der frommen Tertiarin Jungfrau Beatrix Schuhmann. Passau 1914.