Harmageddon (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens)

Von Will-Erich Peuckert.

Froschgestaltige Dämonen versammeln die dämonischen „Könige der Erde“[1] zum Streit gegen Gott an dem Ort, der hebräisch Armagedon heißt: Apoc. Joh. 16, 16. Seit Beza deutet man Harmageddon als „Berg Megiddo“[2]. Gunkel[3] und ihm folgend Bousset[4] nahmen Anstoß am Berg Megiddo, weil in früheren Nachrichten nur von einer Ebene (den Wassern Megiddo) gesprochen wurde (II. Chron. 35, 22; Jud. 5, 19). Sie glaubten an Übernahme eines alten Mythus, den Gunkel aus dem Babylonischen leitete: Tiamat versammelt ihr Heer und die Entscheidungsschlacht findet statt zu Armagedon[5]. Doch hat der von Ungnad übertragene Text[6] des Tiamatmythus den Namen nicht, so daß es sich hier nur um eine Hypothese zu handeln scheint. Zahn hat mit Glück darauf hingewiesen, daß zu Megiddo und den versammelten Dämonen Apoc. Joh. 14, 1, Zion mit den versammelten Frommen in Parallele steht[7]. Und Lohmeyer[8] konnte die Stelle Ginza 121, 13 ff. beibringen: Ruha und die Planeten brachen dann auf und stiegen auf den Berg Karmel. Auf den Berg Karmel (der über Megiddo liegt!) stiegen sie und heckten Mysterien der Liebe aus. Also auch hier ist Megiddo Versammlungsort der Dämonen. Lohmeyer findet den Ursprung für diese Sage I. Reg. 18. Man wird also sagen dürfen, daß eine alte Sage von der Versammlung böser Geister wider Gott am Karmel, über Megiddo, lokalisiert worden ist. So sammeln sich im Persischen die Teufel auf dem Arezurrücken im Elbrusgebirge[9]. Später kennt dann Johanna Wirziburgensis den campus Mageddon juxta Jezrahel[10].
Man hat Harmageddon oft zum Kampfplatz der letzten Schlacht gemacht, und E.H. Meyer hielt Vigridr, das Walfeld dieser Schlacht, für halbe Übersetzung von Harmageddon[11] Dagegen spricht aber, daß Harmageddon nur Versammlungsort ist, und daß wir keine Mitteilung über den Ort der Endschlacht selbst vorliegen haben.
In späteren Zeiten faßte Harmageddon alles Grauen der letzten Zeit in sich; so hat es Abraham von Franckenberg verstanden[12]. Es braucht nur auf heutige Sekten hingewiesen zu werden, die wie etwa die „Vereinigung ernster Bibelforscher“ den Namen wieder hervorholten und deren eschatologische Ängste sich in ihm konzentrieren[13], ein Vorgang, der besonders im letzten Kriege deutlich ward[14]. Im Volksglauben selbst scheint er nicht vorzukommen.

  1. Bousset Offenbarung Johannis (1906), 397; Lohmeyer Offenbarung des Johannes (1926), 134; Zahn Offenbarung des Johannes 2, (1925), 545.
  2. Gunkel Schöpfung u. Chaos (1895), 263 N. 3.
  3. Ebd. 263 ff.
  4. Offenbarung Johannes 399; vgl. auc H.J. Holtzmann Evangelium, Briefe u. Offenbarung d. Johannes (1908), 479 f.
  5. Schöpfung u. Chaos 388 N. 2.
  6. Ungnad Religion d. Babylonier u. Assyrer (1921), 29 ff.
  7. Offenbarung d. Johannes 2, 545.
  8. Offenbarung d. Joh. 133 f.
  9. Aug. Frhr. v. Gall Basileia toy teoy 119.
  10. Titus Tobler Descriptiones terrae sanctae 1874, 113.
  11. Germ. Myth. 150; Mythologie d. Germanen 465 f.
  12. Peuckert in Frankfurter Zeitung.
  13. Charles T. Russel Der Krieg von Harmageddon = Schriftstudien Bd. 4.
  14. L.G.A. Roberts This European War, a Preparation for the Return of Israel, or the Gathering (Or Prelude) to Armageddon. London, Robert Banks a. Son (s. a.); Andrew Allan The war Armageddon. London. The Potter-Sarvent Publishing Co. 1914; Augusta Cook Is it Armageddon? The Present war in the Light of Divine Prophecy. London, Robert Banks a. Son 1915; Henry Sully Is it Armmageddon? Being a Reprint of „Britain in Prophecy“ with Additions …, London, 1915.