Elsischer Junge

In dem Dorf Elsen nahe Paderborn soll im 18. Jahrhundert ein einäugiger Bauer namens Anton gelebt haben, welcher der elsische Junge genannt wird. Die Aussagen können dem rheinischen Seherkreis zugeordnet werden. Der folgende Text geht auf Theodor Beykirch zurück, von dem auch die Anmerkungen in Klammern stammen.

Sven Loerzer – Visionen und Prophezeiungen, 1998[1][2]

„Wenn im Kloster Abdinghof Soldaten liegen, die lange Stangen tragen mit Fähnlein dran und diese aus dem Kloster abziehen; dann ist die Zeit nahe. (Anm. Beykirchs: Jetzt liegen wirklich Ulanen im zur Kaserne umgewandelten Kloster.)
Auf dem Bocke wird man Häuser von Neuhaus aus sehen können, und ein Dorf wird zwischen Paderborn und Elsen angelegt: dann ist die Zeit nahe. (Anm. Beykirchs: Der Bock ist ein Wald in der Nähe von Paderborn, woselbst eine Gastwirtschaft angelegt ward. Um dieser eine schöne Aussicht zu verschaffen, wurde der Wald ausgehauen, und so sieht man jetzt die Häuser von Neuhaus auf dem Bocke. Ein zwischen Paderborn und Elsen erbautes Gut sieht einem Dorfe ähnlich.)
Wenn man im römischen Felde Häuser mit großen Fenstern sieht, wenn man einen breiten Weg durch das Feld bauen wird, der nicht fertig werden wird, bis die guten Zeiten kommen; dann wird es schwere Zeiten geben. (Anm. Beykirchs: Im römischen Felde, an der Chaussee nach Erwitte, wurde seit 1847 die Thüringer Bahn gebaut, und Bahnhofsgebäude mit großen Fenstern angelegt. Die Arbeiten mußten wegen der Not der Zeit aufhören.)
Wenn man am Bocke Gerste säet, dann ist's die höchste Zeit. Dann wird der Feind im Lande sein und alles umbringen und verwüsten. Sieben Stunden Weges wird man gehen müssen, um einen Bekannten zu finden. Die Stadt wird acht schwere Tage haben, wo der Feind drin liegen wird. Am letzten Tage wird er die Stadt plündern wollen, aber dann trage jeder sein Bestes von unten nach oben, denn der Feind wird nicht Zeit haben, seine Schuhriemen loszubinden, so nahe wird der Helfer sein. (Anm. Beykirchs: Auf dem „Bocke“, einen kalten Hochfelde, ist im Sommer 1848 der erste Versuch gemacht, Gerste zu säen.)
Von Libori-Berg aus wird man die Stadt beschießen wollen; doch nur eine Kugel wird treffen und ein Haus auf dem Kampe in Brand stecken, das Feuer wird jedoch bald getilgt werden.
Die Franzosen werden als Freunde kommen. Solche mit blanker Brust reiten zum Westertore herein und binden ihre Pferde an die Bäume des Domhofs. Zum Gierstore hinein werden Soldaten kommen in grauen Röcken mit hellblauen Aufschlägen. Sie werden aber nur hineinblicken und dann sogleich wieder zurückziehen.
Am Bocke steht ein großes Heer mit doppelten Zeichen (Anm. Beykirchs: preußische und deutsche Kokarde?), das die Gewehre zu Haufen gestellt hat.
Der Feind wird fliehen nach Salzkotten zu und nach der Heide hin. An beiden Stellen wird eine große Schlacht geschlagen, daß man bis an die Knöchel im Blute waten wird.
Die ihn aus der Stadt verfolgen, mögen sich hüten, über die Alme-Brücke zu gehen, denn keiner, der hinübergeht, wird lebend zurückkommen. Der siegreiche Fürst wird in dem Schlosse zu Neuhaus, das wieder instand gesetzt werden wird, seinen Einzug halten, begleitet von vielem Volk mit grünen Zweigen auf den Hüten. Auf der Johannis-Brücke vor Neuhaus wird ein solches Gedränge sein. daß ein Kind erdrückt wird.
Während dem wird in dem Rathause und vor demselben eine große Versammlung gehalten werden; man wird einen Mann vom Rathause herabgeschleppt bringen. und ihn vor demselben an einem Laternenpfahle aufhängen.
Wenn das alles wird geschehen sein, dann wird eine gute Zeit sein im Lande. Das Kloster (Anm. Beykirchs: Abdinghof) wird wiederhergestellt, und es wird besser sein, hier im Lande Schweinehirt sein als dahinten im Preußenlande Edelmann.“

Quellen

  1. Loerzer, Sven: Visionen und Prophezeiungen. Augsburg 1998.
  2. Beykirch, Theodor: Prophetenstimmen mit Erklärungen. Paderborn 1849.