Der alte Pramstahler

Über den Seher ist nichts weiter bekannt, als daß er 1892 in Südtirol lebte. Die Aussagen gingen über mehrere Mittelsmänner, ehe sie niedergeschrieben wurden.

Wolfgang Johannes Bekh – Am Vorabend der Finsternis, 1988[1]

„Der Urned liebte es manchmal, alle Kinder um sich zu versammeln. Er hing dann den großen Perpendikel der Uhr aus, und die Kinder erschraken, wenn sie sahen und hörten, wie dann plötzlich das Uhrwerk zu rasen anfing, alle Zeiten und Mondstellungen, alle Erscheinungen in eine sinnlose Raserei verfielen und alle Augenblicke neue Bilder und Gestalten in viel zu großer Eile auftraten und verschwanden.
Der Guggeni sagt dann, daß die heutige Zeit einer Uhr mit ausgehängtem Perpendikel gleichen würde. Alles sei in tödliche Raserei gefallen, alle Augenblicke würde man einer neuen Mode und anderen Meinung anhängen, und am Schluß würden alle Menschen krank und verrückt werden. Nur wenn ein großes, strenges Perpendikel die Zeit und die Wünsche bändigen und bremsen würde, wenn ein großer Taktmeister den Rhythmus für alle und für alles bestimmen würde, nur dann könnten die Menschen über sich und Gott nachdenken, und nur so könnten sie den großen Frieden erlangen.
Der Urned sagte damals (dies war im Jahre 1912!) zu Hans, daß jetzt eine ganz andere Art von Menschen entstehen würde und auf diese würde man sich nie mehr richtig verlassen können. Schon vor 20 Jahren (also 1892) habe der alte Pramstahler zu ihm gesagt, daß dieses kommende neue Jahrhundert das fürchterlichste und blutigste Jahrhundert aller Zeiten werden würde. Ebenso wie der alte Pramstahler würde auch er in diesem Jahrhundert drei fürchterliche Kriege kommen sehen. Von diesen drei Kriegen würde der letzte Krieg dann der fürchterlichste sein. Feuer werde vom Himmel fallen und danach würde es nur noch so wenig Menschen geben, daß man jeweils eine volle Stunde mit raschen Schritten gehen müsse, um überall in der Welt jeweils nur einen einzigen Menschen noch zu treffen. Alle Städte seien in Schutt und Asche und die noch wenigen Menschen seien selbst vom Feuer angefressen und voll von Narben und Wunden. Durch die Gnade Gottes würden aber diese kranken Menschen ganz neue, wunderbare und sanftmütige Kinder bekommen. Es käme mit diesen dann eine Friedenszeit von 1.000 Jahren. Damit der Mensch nach dem dritten Krieg nicht verzweifeln müsse, würde sich Gott manchen Menschen zeigen und viele Wunder tun. Trotzdem aber würde Gott, wie schon immer, den Menschen weiter nur durch Leid und Strafen und das Ertragenlernen der grollen Ungerechtigkeiten erlösen wollen.“

Quelle

  1. Wolfgang Johannes: Am Vorabend der Finsternis. Pfaffenhofen 1988.

Literatur

  1. Berthold, Fritz: Die Kirche und ihr Paradies. Lebensbild einer Südtiroler Bergbauernfamilie. Wien 1976.