Der Stormberger

Der Stormberger oder Sturmberger ist eine halb-mythische Sehergestalt im oberen Bayerischen Wald, genauer in der Gegend um Rabenstein und Zwiesel. Ihm werden im Volksmund seit Jahrhunderten über die Generationen weitergegebene Weissagungen zugeschrieben. Über sein Leben und seine Identität war bis vor vergleichsweise kurzer Zeit nichts bekannt. Die Leute umgaben seine Person statt dessen mit allerhand Legenden, die sich zum Teil widersprechen. Der gemeinsame Nenner der Befragungen, die Reinhard Haller seinerzeit unter der Bevölkerung durchführte, ist eher klein: Er soll ein Findelkind gewesen sein, das irgendwo in der Region von einem gewissen Buchinger gefunden und aufgezogen wurde. Leute dieses Namens waren bis vor kurzem noch in Rabenstein ansässig. Über die Familie sagte der Volksmund, die Geschehnisse träten solange nicht ein, wie ein Buchinger in Rabenstein auf dem Hause lebe. Wann der Sturmberger gefunden wurde, ist unklar. Die Angaben in der mündlichen Überlieferung reichen bis 500 Jahre zurück. Er soll nie eine Schule besucht haben und Hirte und Müller in der Gegend um Rabenstein gewesen sein, entweder für die dortigen Bauern oder die Glasmacher. Von dort zog er später nach Bogen und Pilgramsberg, wo er ebenfalls Hüter war, jedoch wegen seiner Prophezeiungen vertrieben wurde. Zurück in Rabenstein war er Müller, konnte sich aber nicht halten und kehrte zu den Buchingern heim. Wann und wo er starb, weiß keiner. Allerdings wird von ihm, ähnlich wie vom Mühlhiasl, berichtet, bei seinem Begräbnis habe an der Hammerbrücke in Zwiesel ein Nagel herausgestanden, an dem die Totenkiste hängenblieb und auseinanderfiel, wodurch er noch mal herausgeschaut habe. Das soll von ihm vor seinem Ableben prophezeit worden sein.

Der einzige Hinweis auf einen Menschen, der mit dem Seher in Verbindung stehen könnte, ist Reinhard Haller zu verdanken. Er bekam 1959 einen Schreibkalender aus dem Jahre 1766 geschenkt, in dem sich, gewissenhaft datiert, handschriftliche Einträge über Rabensteiner Glasmacherleute und das damit einhergehende Gewerbe der Aschenbrennerei befinden. Darin ist an drei Stellen unter einigen Aschenbrennern aus dem Rabensteiner Hochwald von einem „Starnberger“ die Rede: „Mit Gott dem Anfang dis Jahr 1766 hat der Schmelzer am Fluß ausgebrendt, den 18. Jenner Starnberger 444 Pfund : den 25. Jenner Starnberger 380 Pfund : den 1. Februar Starnberger 365 Pfund :“ Die Aschenbrenner lieferten den Glashütten für die Glasherstellung unentbehrliche Asche. Der Kalender gehörte vermutlich einst dem Glashüttenschreiber von Rabenstein. Dieser kennt für den Starnberger allerdings keinen Taufnamen. Die anderen Aschenbrenner nennt er stets beim Vornamen, übrige Arbeiter bezeichnet er mitunter durch ihre Herkunft, ihren Hausnamen, Spitznamen oder ihren Beruf. Welche dieser Möglichkeiten auf den Starnberger zutrifft, ist unbekannt. Denkbar, wenngleich wegen der Entfernung unwahrscheinlich, wäre eine Herkunft aus Starnberg am Würmsee. Später im selben Jahre, am 14. Mai, nennt der Schreiber den Namen ein weites Mal als „Starnberger Bue“, also Starnberger Junge. Dieser war womöglich Teil der Belegschaft der Glashütte, da er auf der Bierrechnung steht: „Den 14. May Von 2 Holl Fas Pier dem Daffel Mascher 38 Mas, dem Libäl 20½ Mas, […] dem Starnberger Bue ½ Mas […].“ Drei Möglichkeiten tun sich auf: Entweder dieser Starnberger Bue ist mit dem Aschenbrenner Starnberger identisch – Bue war ein gebräuchlicher Spitzname in dieser Gegend – oder er war mit ihm verwandt oder er ist ein von ihm unabhängige Person. Die Gleichheit von Starnberger und Sturmberger wird erst durch Kenntnis des bayerischen Dialekts ersichtlich, der im Laufe der Jahrhunderte den ursprünglichen Namen abschliff. Am Anfang dieses Prozesses stand der Starnberger, der auch in der ältesten bekannten Handschrift der Prophezeiung vorkommt. Aus diesem wird bereits abweichend von der Schreibweise der „Stoanberger“, wobei durch das „b“ das voranstehende „n“ recht schnell zum „m“ verwaschen wird. Da die Prophezeiungen mündlich weitergegeben wurden, heißt er bald „Stoamberger“. Die Schreiber machten dann aus der mundartlichen Variante den Stormberger und daraus schließlich Ende des 19. Jahrhunderts den Sturmberger.
Es ist durchaus möglich, daß dieser Aschenbrenner oder der Starnberger Bue mit dem Paten der Prophezeiung, deren älteste Handschrift frühestens etwa 20 Jahre später entstand, identisch ist oder aus seinem Umfeld stammt. Indes kann mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden, daß er nicht der eigentliche Urheber der Prophezeiung ist, denn Motive der Aussagen, Formulierungen und Redewendungen sind bereits von älteren Quellen aus anderen Regionen bekannt.

Schriftliche Überlieferung

Die Bodenmaiser Handschrift (zwischen 1780 und 1820)[1]

Diese älteste noch auffindbare Version der Sturmberger-Prophezeiung wurde von Reinhard Haller 1966 unter antiquarischen Schriftstücken in Bodenmais gefunden. Wenngleich das Schriftstück selbst das Jahr 1706 nennt, ist es aufgrund der Tatsache, daß ein Sturmberger (bzw. Starnberger) nur für 1766 nachweisbar ist, wahrscheinlicher, daß die darauf niedergeschriebene Prophezeiung jüngeren Datums ist. Eine paläographische Untersuchung ergab als wahrscheinlichsten Entstehungszeitraum der Handschrift die Zeit zwischen 1780 und 1820. Bei der verfrühten Datierung handelt es sich also entweder um Absicht, um die Prophezeiung älter und glaubwürdiger zu machen, oder um einen Abschreibefehler und 1706 sollte eigentlich 1766 heißen. Der Prophezeiung angehängt sind mehrere Namen zu finden: „Andre Schweickl“. Die Schweickl lebten im 18. und 19. Jahrhundert an vielen Orten des mittleren Bayerischen Waldes. Haller nennt als einzigen mit dem Namen Andreas den 1788 verstorbenen Andreas Schweickl aus Klautzenbach bei Rabenstein. Dann einen „Joseph Bauer“ und am Ende des Schriftstückes „Joseph“. Diese beiden, Andreas und Joseph, waren wahrscheinlich spätere Besitzer des Schriftstücks und haben ihre Namen daruntergesetzt. Als Urheber der Handschrift zeichnet ein gewisser Georg, der die Prophezeiung seinen Eltern widmet: „Jäzt ist ein böse Zeit als vill geliebter Vater und Mutter ich hoffe er werden euch diese und meune bahr Zeullen ein gutte Gesundheit unter treffen, Georg.“
Reinhard Haller bringt die Prophezeiungen in seinem Buch aus quellenkundlichen Gründen in der ursprünglichen Orthographie. Zur besseren Verständlichkeit wurden für diese Sammlung alle Handschriften ins Hochdeutsche übertragen.

„Denkwürdige Prophezeiung von dem alten Starnberger Hütter in Rabenstein. Meine lieben Leute, sagte dieser. Wenn ihr wissen würdet, was in der Zeit in hundert Jahren vorbei geht, so würdet ihr euch verwundern. Es werden an allen Orten neue Einrichtungen da sein. Doch die alten werden viel besser sein. Die alte Kleidertracht wird abkommen und in allen Städten wird es auf die neue Art sein. Der Bürger wird sich von dem Bauern und der Edelmann von dem Bürger nicht mehr kleiden können [in der Kleidung nicht mehr unterscheiden] und die alte wird sich in eine Bauern- und Narrentracht verändern. Die Weibsbilder werden sich in ihren Schuhen gebaren wie die Ziegen oder Geißen und dabei wird die gescheckerte Tracht hoch geachtet werden. Weiters werden hier im Wald große Häuser wie Paläste gebaut werden und mit der Zeit wieder zu nichts werden, sogar daß in manchen Füchse und Hasen ihr Jungen darin aufziehen und die Leute werden sich verlaufen ohne Hunger und ohne Sterb, es werden auch die großen Herren in die wilden Wälder kommen und selbe besichtigen.
Und danach wird es aber nicht mehr gut werden. Es wird in Zwiesel ein großes Gebäude gebaut werden und dabei wird auch viel Verwunderung sein. Dieses wird aber nicht lange dauern und wird wieder zu nichts werden. Lieber Freund, so rede doch weiter, und wenn ich schon reden würde, so würde man es mir nicht glauben und der Hochmut wird in allen Städten einreißen und kein Mensch wird mehr nach seinem Stand leben. Danach wird sich ein großer Krieg erheben und wird aufwärts gehen und wird viel Blut und Leute kosten. Der Bayernfürst wird zwar nicht kriegen [Krieg führen] und doch sein Land mit lauter Durchzügen sauber verderbt werden. Dieser Krieg wird eine lange Zeit dauern. Danach geht es auf einmal zügig [wörtlich: zu rich] und wird übel ausschauen. Ein Strom neben dem Böhmer Wald wird bleiben, wo man den größten Sturm mit drei Laiben Brot überleben kann, wenn man es hat. Wenn aber einer im Laufen aus der Hand fällt, so laß ihn liegen, es genügen zwei auch und wer neben dem Donauer Strom eine Kuh findet, der soll man eine silberne Glocke umhängen und die Leute werden sich verlaufen, Hunger und Sterb, wohin sie dann laufen. Ihr Narren in den guten Ländern, die in dem Krieg öd geworden sind und wo niemand mehr da ist. Danach erst werden eure Häuser zu Fuchs- und Wolfshütten werden. Hernach wird wiederum eine Liebe des nächsten unter den Menschen gehalten werden und was es noch gibt, so wird es durchaus besser werden. Es wird sich unter der Zeit eine große Teuerung erheben und wenn alles am höchsten gestiegen ist, danach wird es auf einmal fallen und wird schlecht geachtet sein. Es wird auch eine neue Liebe des Nächsten unter den Menschen sein. Wer es aber überlebt, der muß einen Eisenkopf haben. Ich überlebe es nicht. Gott, gib es, daß ich es nicht überleb! Aber ihr, meine Kinder, könnt es überleben. Danach werden neue Straßen durch wilde Berge und Täler gemacht werden, daß man es auf zwei Stunden weit sehen kann und an allen Orten große Aufgänge angeworden werden. Wer nur die Zeit überlebt. Hernach wird es wieder gut werden und hernach werden die Leute wieder froh sein, wenn eines das andere sieht, und de Leute werden so wenige sein, daß man es leicht zählen kann. Die Geistlichen werden schlecht geachtet sein und der katholische Glaube wird viele Feinde haben. 1706. Andre Schweickl.“

Es gibt noch eine zweite, weitaus jüngere Bodenmaiser Handschrift. Reinhard Haller bekam sie 1964 von Johann Weikl, genannt „Mühl-Hans“, der sie selbst 1920 von Joseph Stern, dem „Zimmermeister Sepp“ bekam. Die Handschrift selbst entstand um 1900 und entspricht im Grunde der ersten Bodenmaiser Handschrift. Sie enthält jedoch den zusätzlichen Vermerk, es handele sich um die Prophezeiung eines „Andreas Baumgratz, Prodicalschreiber auf der Hilzhütte ob Zwieslau 1706“. Diese Angabe findet sich ebenfalls am Ende einer inhaltlich nicht erwähnenswerten Sturmbergerabschrift, die 1839 von Johann Baptist Rechenmacher, Wirt in Kirchdorf, getätigt wurde. Der Name „Baumgratz“, bzw. „Pongratz“ ist zwar auf fast allen Hütten des Waldes nachweisbar, jedoch konnte Haller keinen mit dem Vornamen Andreas ausfindig machen.

Die Tittlinger Handschrift (um 1840)[1][2]

Diese Handschrift soll in der Zeit um 1840 verfaßt worden sein. Der Lehrer Franz Xaver Westermayer erwarb sie irgendwann zwischen 1908 und 1922 in einem Wirtshaus in Tittling oder Schönberg. Der vorherige Eigentümer lebte auf einem Gehöft in der Nähe von Tittling. Im Jahre 1976, als Reinhard Haller sein Buch veröffentlichte, befand sich die Handschrift in Besitz des Sohnes, der Heribert Westermayer hieß.
Inhalt und Form der Tittlinger Handschrift lassen eine nahe Verwandtschaft mit der Bodenmaiser Version erkennen, wenngleich sie beträchtlich erweitert und von lokalhistorischen und sozialgeschichtlichen Reflexionen des 19. Jahrhunderts durchdrungen ist. Hier taucht erstmals der Nachsatz auf, daß der „Starrenberger“ ein Alter von 105 Jahren erreicht habe.

„Prophezeiung von dem Andreas Starrenberger, Viehhirt und Aschenbrenner zu Rabenstein bei Zwiesel:

  1. Oh! Ihr Leute, wenn ihr wüßtet, was sich in Hundert Jahren zutragen wird, so würden viele Leute sich nicht zu leben verlangen.
  2. Es wird sich bald in Bayern ein Krieg erheben, der wird an vielen Orten Armut und Elend zurichten. Nach diesem Krieg werden etliche bessere Jahre kommen.
  3. Nach diesen Jahren wird eine große Teuerung werden, da wird der arme Mensch viel Not leiden müssen und wird sein Leben hart durchbringen. Nach dieser Teuerung wird wieder eine gute Zeit werden.
  4. Dann wird sich die Hofart bei den gemeinen Leuten einschleichen. Man wird Farben an den Kleidern sehen, die noch niemand gesehen hat, solang die Welt steht, dem Waldwurm endlich. Man wird den Bauern nicht von dem Bürger, den Bürger nicht von dem Edelmann und die Magd nicht mehr von der Frau erkennen.
  5. Es werden die Menschen nicht mehr ohne Dach auf der Straße gehen.
  6. Es wird in Zwiesel ein großes Gebäude aufgeführt werden, das wird viel Mühe und Geld kosten, wird aber nicht lang dauern, wird bald vernichtet werden.
  7. Es werden in die wilden Waldungen viele Häuser und Paläste eingebaut werden, daß Fürsten und große Herren darin wohnen könnten.
  8. Dann wird sich ein großer Krieg gegen Niedergang der Sonne erheben, da wird viel Geld, Leute und Blut vergossen werden, ganze Länder verwüstet und wird lange dauern.
  9. Danach wird eine Teuerung werden und der Arme wird nicht wissen, wie er sein Leben durchbringen muß.
  10. Nach dieser Teuerung wird alles recht wohlfeil werden. Dabei wird bei dem kleinen wie bei dem großen Stande die Hofart und der Übermut überhand nehmen und der arme Mensch wird recht schlecht geachtet sein.
  11. Es werden große Herren in die Waldungen kommen und werden alles durchsehen und durchmessen. Dann wird es nicht mehr gut sein für die armen Menschen.
  12. Es werden im Wald zwei auf einem Stock sitzen, wird einer dem anderen nicht trauen dürfen.
  13. Auf den hohen Bergen werden Freudenfeuer brennen, daß man in einem Tal viel zählen kann.
  14. Es werden durch die Waldungen weiße Straßen gemacht werden, daß es die Leute auf eine Meile weit sehen können.
  15. Der katholische Glaube wird sich fast gänzlich verlieren. Die Geistlichkeit wird recht schlecht geachtet sein. Sie werden nach ihrer Lebensart keine Achtung verdienen, wenige gute Christen wird man unter den Leuten finden. Vom Adel bis zu den geringsten Tagelöhnern werden die Gebote Gottes nicht mehr geachtet werden. Man wird die größten Ungerechtigkeiten für keine Sünde haben.
  16. Bei dem Glaubenverlöschen wird sich auch Liebe des Nächsten ganz verlieren. Man wird die Gerechtigkeit wenig mehr schätzen, dem Armen wird selten mehr Recht gesprochen werden und er wird schlechter als ein Hund geachtet sein.
  17. Es werden die großen Herren Sachen befehlen, wo alle darüber lachen und spotten, und dem gemeinen Volk zur Last sein.
  18. Nach diesem wird sich im gemeinen Volk die Lauigkeit einschleichen und werden sich über die Herren aufwerfen und werden sie überall verfolgen. Es werden sie in der Bauern Kleidung in die Wildnis verkriechen und man wird sie an ihren Händen erkennen und sie werden in der Wildnis nicht sicher sein.
  19. Nach diesem wird sich ein Unheil erheben, daß es zu bedauern sein wird. Da wird keine Ordnung mehr herrschen unter den Leuten, es wird niemandem das seinige mehr sicher sein, eines das andere zu Grunde richten auf eine kurze Zeit. Wenn einer mit drei Laiben Brot davon laufen, würde und er wird einen im Laufen verlieren, hat er es nicht nötig, daß er zurück laufe, es genügen ihm zwei auch.
  20. Wenn aber am ganzen Donaustrom einer eine Kuh noch findet, so ist sie es wert, daß ihr der Eigentümer eine silberne Glocke anhängt.
  21. Nach dieser Rebellion werden nur die Leute bleiben nach der Waldung, soweit das Forellenwasser läuft. Nach diesem werden die Leute der Waldung in die Länder ziehen ohne Hunger und Sterb und die eingebauten Häuser in den Wäldern den Füchsen zur Wohnung werden.
  22. Nach diesem Verlauf wird es ein Wunder sein, wenn man noch zwei oder drei Herrscher miteinander gehen sehe. Nach diesem wird die Nächstenliebe wieder werden und wer es überlebt, der hat wieder eine gute Zeit zu hoffen.

Ich danke Gott, daß ich mein Leben beinahe vollendet habe und mein Alter
sich auf 105 Jahre geworden bin und ich sehe, daß mein Leben nicht lange dauern werde. Ihr meine Kinder erlebt das größte Unheil nicht, ihr meine Enkel erlebt es auch nicht, aber der dritte Stamm, der kann es leicht erleben.“

Die Rabensteiner Handschrift (Ende des 19. Jahrhunderts)[1]

Diese Handschrift nennt ebenfalls 1706 als Entstehungsjahr, ist aber in der vorliegenden Version zweifellos erst Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Der Urheber soll ein gewisser Hüttenmeister Lukas Jakob gewesen sein. Dieser Name ist in der Region nur einmal belegt, nämlich in den Sterbematrikeln von Zwiesel, wo am 28. November 1755 der Prager Schuster Jacobus Lucas im Alter von 30 Jahren starb. Eine Identität mit dem Urheber wird aber nur unter der Annahmen möglich, daß der wandernde Handwerker schreiben konnte, wenigstens zeitweise auf einer Waldglashütte blieb, wo er zum Hüttenmeister aufstieg und die Vorlage der Abschrift bereits 1750 anfertigte, was alles zusammen recht unwahrscheinlich ist. Das Schriftstück ist mit den beiden vom Schriftbild der Prophezeiung abweichenden Namen „Josef Kopp“ und „Josef Artinger“ unterzeichnet, die wohl ehemalige Besitzer der Abschrift waren. Beide Namen sind für den Zwieseler Winkel mehrmals bezeugt. Die Prophezeiung weist ebenfalls eine Verwandtschaft zu der Bodenmaiser und Tittlinger Handschrift auf, wobei der Umfang seit der letzten Version wiederum zugenommen hat. Der Name des Sehers hat sich mittlerweile zu „Sturmberger“ verändert.

„Die Sturmberger Prophezeiung Anno 1706. Josef Kopp, Josef Artinger.

Die würdige Prophezeiung von dem alten Sturmberger Aschenbrenner und Hütter in Rabenstein. Meine Lieben Leute, sagte dieser, wenn ihr wissen würdet was in der Zeit von 100 Jahren vorbeigehen wird, so würdet ihr euch verwundern! Es werden allerhand Steuern eingerichtet werden, denn die Alten werden viel besser sein, die alte Kleiderpracht abkommen und in allen Städten eine Neue sein. Dann wird man den Bauern von den Bürgern und den Bürger von dem Edelmann nicht mehr unterscheiden können; und der Adel wird sich in eine Bauerntracht verändern. Die Weibsbilder werden sich mit ihren Schuhen gespüren wie die Ziegen oder Geiß und dabei eine geschickliche Tracht hochachten. Weiters es werden hier in Walde große Häuser als wie die Paläste gebaut und mit der Zeit wieder zu nichts werden. Ja sogar das in manchen Hasen ihre Jungen aufziehen und die Leute werden sich verlaufen ohne Hunger und Sterb. Es werden die großen Herren in die wilden Wälder kommen und selbe besichtigen. Ja sogar es werden 2 Jäger auf einen Stock sitzen; dann wird es nicht mehr gut sein. Es werden von den großen Wäldern alle Flüsse und Bäche sichtbar geräumt es wird das Holz eine große Teuerung bekommen daß es die armen Leute unmöglich mehr kaufen können; es werden an den Flüssen viele Gebäude und Fabriken gebaut werden und diese Sachen in fremde Länder gebracht werden; aber es wird gar nicht lange dauern; es wird bei Zwiesel ein großes Gebäude gebaut werden; und es wird dabei eine Verwunderung sein, wer selbiges sieht. Wird aber nicht lang dauern und wird wieder zu nichts werden. Lieber Freund! So rede doch weiter, wenn ich schon rede, so werdet ihr mir nicht glauben. Der Hochmut wirt in allen Städten einreißen und kein Mensch wird mehr nach seinen Stand leben, danach wird sich ein großer Krieg erheben und wird aufwärts, dann wird es viel Blut und Geld und Leute kosten der Landfürst wird zwar nicht Kriegen; es wird doch sein Land durch lauterer Durchzüge verdorben werden. Dieser Krieg wird eine lange zeit dauern; danach geht es auf einmal zurück und wird übel ausschauen. Ein Striegel neben den Böhmer Wald wird bleiben wo man den großen Rummel mit 3 leib Brod überleben kann wen man eins hat. Wenn im Laufen im einer aus der Hand fällt der soll ihn liegen lassen es reichen zwei aus. Wer neben dem Donaustrom eine Kuh findet der soll ihr eine silberne Glocke anhängen, und die Leute werden sich verlaufen ohne Hunger und ohne Sterb. Ja wo laufen sie den hin? O ihr Narren in guten Ländern, die in diesen Krieg tot geworden sind und niemand mehr da ist, danach werden erst neue Hauser zu Füchsen- und Wolfshütten werden. Dann wird wieder eine Liebe des Nächsten untern den Menschen gehalten werden und was es noch gibt wird durchaus besser werden. Es wird sich unter dieser Zeit eine große Teuerung erheben und wenn die Sache aufs höchste gestiegen ist, danach wird es auf einmal fallen und schlecht geachtet sein es wird eine neue Liebe des Nächsten unter den Menschen sein. Wer es überlebt muß einen eisernen Kopf und eiserne Hände haben. Ich erlebe es nicht. Gott gebe es daß ich es nicht überlebe. Aber ihr meine Kinder könntet es überleben.
Es werden auch vorher weiße Straßen in wilde Berge und Täler gemacht werden, daß man sie auf 2 Stunden sehen kann. Und an allen Orten Aufwand angewendet werden und die Leute werden froh sein, wenn eins das andere wieder sieht und wer noch von einem Bekanten hört, denn die Leute werden so wenig werden daß man es leicht zählen kann. Man wird nicht wissen wie sie umgekommen sind. Es wird die Geistlichkeit schlecht geachtet werden. Der katholische Glaube wird viele Feinde haben und wird so klein werden daß man ihn mit einer Geißelschnur umhauen kann.
Wenn aber einmal die umgekehrten Köpfe aufkommen, das wird das Letzte sein. Wenn einmal rote und weiße Hüte getragen werden und die alte Kleidertracht wieder aufkommt und die Geistlichen sehr strenge Buße predigen dann versichere ich es Euch, daß es bald zum Trümmern geht. Es werden verschiedene Himmelszeichen gesehen werden, aber die weltlichen Herren werden wenig daran glauben und sagen das sind Blindgänge. Es wird aber Gott seine Rute ausstrecken über das unheile Volk der Welt.
Wenn noch hie und da ein guter Christ ist, den wird man verspotten und verlachen. Und die Nächstenliebe wird ganz ausgerottet werden, daß der Vater den Sohn und der Sohn den Vater nicht mehr trauen darf.
Das hat der Hüttenmeister Lukas Jakob aufgeschrieben Anno 1706.“

Mündliche Überlieferung nach Reinhard Haller[1]

Aus dem Rabensteiner Gebiet

„In den Wald hinein fahrt ein eiserner Hund.
Es wird ein eiserner Vogel hineinfliegen.
Es werden so viele Vögel hereinfliegen, daß man keine Sonne mehr sieht.
Die Weiberleut werden Tücher aufhaben wie die Raben.
Sie werden daherkommen wie die Geißen, und die Mannsbilder kennt man nimmer von den Weibern weg.
Jetzt haben wir eine Zeit wo es heißt: ‚Deandl hüat di, da Bua kriagt di!‘ Dann kommt aber eine Zeit wo es heißt: ‚Bua hüat di, 's Deandl kriagt di!‘
In Zwiesel wird ein Haus gebaut, wo die Fenster verkehrt drinnen sind.
Die Häuser werden vom Boden herauswachsen wie die Schwammerl.
In Zwiesel werden so große Häuser gebaut, wo man über die ganze Stadt drübersieht. Sie stehen aber nicht lang, weil sie wieder zerstört werden.
Ein recht strenger Herrscher kommt nach Deutschland, er wird aber nicht lange regieren.
Die Mühlen an den Forellenbacherl werden stillgelegt.
Der Bub schießt auf den Vater und der Vater auf den Buben.
Das Bayernlandl wird vohiert [verheert] und voziert [verzehrt] von seinem eignen Herrn.
Das Böhmerlandl wird mit dem Besen auskiehrt [ausgekehrt].
Im Wald werden so viele Straßen gebaut, daß man von einer auf die andere werfen kann.
Deutschland wird eine große Macht, daß sie noch nie so groß war. Und wird wieder so klein, daß sie noch nie so klein war.
Im Wald werden auf einer Kirche Birken wachsen und wenn eine so groß ist wie ein Wischbaum, dann kommt ein großer Krieg.
Zuerst gehts hinein und dann gehts heraus.
Dann kommt ein großer Herr übers Wasser und haut ihn wieder außer.
Recht wilde Leut kommen herein und vernichten alles.
Eine große Teuerung wird kommen, daß sich der Kleine das Brot nicht mehr kaufen kann.
Die Menschen lieben einander nicht mehr.
Zwei Holzhauer sitzen auf einem Stock und dürfen einander nicht trauen.
Der Wald wird so öd wie der Bettelmannsrock
Der Mittelstand wird noch ganz ausgerottet.
Es gibt dann nur mehr Arme und Reiche.
In den Glaserhäusern werden die Brennesseln vom Fenster hereinwachsen.
Die Füchse und Hasen werden dort eine gute Nacht nehmen.
Die Geschäftsleute werden vor den Türen stehen und sagen: ‚Kaufts mir was ab, ich verhungere!‘
In den Städten geht die Gaudi los.
Die großen Herrn werden Bauernkleider anziehen und zum Bauern kommen und sagen: ‚Laß mich ackern!‘ Aber der Bauer jagt sie mit der Peitsche weg. Und geht dann auch mit. Auch wenn die großen Herrn mit den Bauernkleidern in die Weite flüchten, wird es ihnen an den Händen angesehen.
Gefahren wird noch ohne Pferd und ohne Wagen.
Es kommt noch die Zeit, da kennt man den Winter und den Sommer nicht mehr auseinander.
Die ganze weiße Rasse darf zusammenhelfen, wenn sie die gelbe Rasse besiegen will. Aber die schwarze Rasse besiegt sie.
Es werden immer neue Gesetze gemacht, weil man die alten nicht mehr lesen kann.
Das Kreuz wird von der Wand heruntergeholt. Aber dann wollen sie es wieder hinhängen, aber es ist zu spät.
Es werden Himmelszeichen kommen.
Zwischen dem Schwarzen und dem Weißen Regen wird eine Straße gebaut, die nicht ganz fertig wird.
Die Weiberleut kommen daher wie die Schmetterlinge.
Und wenn die Arschlingköpfe und die roten Dächer kommen, dann dauerts nimmer lang.
Dann gehts los wie das Donnerwetter in der Luft.
Übern Rennerkobel und Falkenstein kommen die Rotjackerl herunter.
Wenn wir in der Früh aufstehen und schauen zum Fenster hinaus, schauen sie schon herein auf uns. Denn sie kommen wie der Dieb in der Nacht.
Wenn einer im grauen Rock nicht drinnen ist, dann kommt er nicht mehr hinein.
Wenn einer zwei Laib Brot hat und einen verliert, dann soll er ihn liegen lassen, weil man auch mit einem Laib Brot noch durchkommt.
Die Forellenbachl und die Fuchshöhlen, wer sich dort versteckt, der bleibt geschont.
Es bleiben noch ein paar Leut über und im Wald wird’s auch wieder gut: aber die ersten werden fortgetrieben, und die letzten gehen von selber, die gehen in ein anderes Land, wo es warm ist.
Ein Hirte in Rabenstein der steckt seinen Stock in die Erd und sagt: ‚Da is Rumstoa amoi gstandn!‘
Angehen tuts in der Kornsaat oder in der Hafermaht.
Man wird die Toten in der Erde beneiden.
Drei Stund vor der Arschlingkirche bleiben sie stehen.
Und mit einem ‚Gelobt sei Jesus Christus‘ wird der Krieg gar. Und eines sagt zum anderen: ‚Bruada, wo bist denn du gwen und Schwesta, wo bist denn du gwen?‘
Im Ried geht der erste Rauch auf.
Und die Leut schüren auf den hohen Bergen Feuer an, damit eines das ander sieht.
Dann kannst dir um ein goldenes Zehn-Mark-Stückl einen Bauernhof kaufen und um ein Zwanzig-Mark-Stückl eine Villa. Aber du mußt zuerst auswandern.
Wenn man noch zwei oder drei Herrscher miteinander gehen sieht, ist es ein Wunder.
Wer auf unserer Seite der Donau eine Kuh findet, der darf ihr eine goldene Glocke anhängen.
Wer noch auf der anderen Seite der Donau ein Roß findet, der darf ihm ein goldenes Hufeisen aufnageln.
Der Wald wird öd und leer, ohne Krieg und ohne Sterb.
Ein Fuhrmann aus Böhmen fährt vorbei, schnalzt mit der Geißel und sagt: ‚Da ist einmal Prag gestanden!‘ In Rabenstein steckt er einen Stock in die Erde und sagt: ‚Da ist einmal Rabenstein gestanden!‘
Solang der Name Buchinger in Rabenstein auf dem Haus ist, kommt es nicht.
Du erlebst es nicht und deine Kinder auch nicht. Erst die Kindeskinder erleben es.
Das ist so wahr, wie ich auf meiner Totenfahrt etwas mach.
Dann geht vom Wagen das Rad herab, wenns über die Hammerbruck in Zwiesel fahren. Dann fällt die Truhe auf die Straß, der Deckel springt auf und ich lieg heraußen.
Dann werdet ihr mir glauben müssen.[I 1]

Wannst einmal vom Hennerkobel bis zum Rachel keinen Wald mehr siehst, dann ist die Zeit da![I 2]

  1. „Hofmann, Max, geboren am 24. Mai 1898 in Außenried. Holzhauer. Ein hervorragender Erzähler von Sagen und Geschichten. Klautzenbach 1974.“
  2. „Steckbauer, Erwin, geboren am 23. Oktober 1931 in Rabenstein. Enkel des Buchinger Jakob. Museumsverwalter. Zwiesel 1975.“

Aus dem Zwieseler Winkel

„Vom Gäuboden bellt ein eiserner Hund herein in den Wald.
In Klautzenbach wird der Hof vom Hofbauern-Michi weggerissen, weil da die eiserne Straß durchgeht.
In Zwiesel wird eine Kirche baut.
Häuser werden gebaut wie Backöfen und Bschlösser, werden aber nicht lang stehen, so wachsen Brennessel für die Fenster heraus.
Reich und Arm, Manner und Weiber kennt man nicht mehr auseinander.
Auf dem Zwiesler Kirchturm werden Birken wachsen, die werden so groß wie Fahnenstangen und dann kommen sie herunter.
Eine schwarze Straß wird baut. Baut wird sie, aber nimmer fertig vor dieser Gaudi.
Einer mag den andern nimmer.
Einer kann den andern nimmer schmecken.
Der Glaube wird so klein, daß du ihn mit der Droschengeißel zamhauen kannst.
Die hölzernen Stuck fangen das Schmatzen an.
Ein weißer Vogel fliegt über den Wald herein.
Dann kommt die Zeit, wo die ganzen ‚Owandta‘ abgegraben werden.
Danach werden Wagen aufkommen ohne Deichsel, die kann kein Reiter und kein Hund nimmer derlaufen.
Und wenn die Bauern Gickerl und Henner selber fressen, dann ist die Zeit nah.
Wenn die Rabentücher und die Schlipsen aufkommen und schön staad wieder abkommen, dann ist die Zeit da.
Wenn die großen Häuser aufgemacht werden, hat es gefehlt.
Und wenn der Bayerische Wald ausschaut wie dem Bettelmann sein Leibl, dann kimmts.
Wenn sich die Bauernleut gewanden wie die Stadtleut und die Stadtleut wie die Narren und Affen, dann ist es soweit.
Balds angeht, laufen tut alles.
Die Leut werden in den Wald hineinlaufen und werden wieder aus dem Wald herauslaufen. Und je mehr Leut in den Wald hineinlaufen, desto schlechter ist es.
Die Roten kommen über den Falkenstein her, aber rote Hosen haben sie nicht an.
Die Schwarzach-Mühle braucht kein Wasser mehr, weil soviel Blut daherschwimmt.
Und Gott der Allmächtige schreitet ein.
Kommen tuts nicht von heut auf morgen.
Dauern tuts auch nicht lang.
Und ein gar strenger Herr wird ans Ruder kommen, der den armen Leuten die Haut abzieht. Er wird aber nicht lang regieren und wird wieder fort sein.
Deutschland wird so klein, daß es unter einem Lindenbaum unterstehen kann.
Die Pfarrer werden sich die Hände und die Gesichter anrußen, damit man sie nicht kennt.
Wer feine Hände hat, wird erschlagen. Das ist so gewiß wahr, wie es auf meiner Totenfahrt etwas gibt.
Die Toten werden wir noch beneiden. Man wird sagen: ‚Grad ich wenn gestorben wär, daß ich das nicht mehr erleben hätte müssen!‘
Wer das überlebt, der muß einen eisernen Kopf aufhaben.
Und in dem Versteckungswinkel kommst du mit drei Laib Brot durch. Wenn dir einer hinunterfällt, kommst du auch mit zwei Laib durch.
Im Bayerischen Wald wird noch ein Leiterwagen voll Leut übrigbleiben.
Das Holz wird so rar wie Zucker, das Eisen so rar wie Gold.
Wenn du noch soviel Zeit hast, kannst du dich verstecken auf der Kasplatten bei Böbrach, im Bodenmaiser Bergwerk, im Fuchsenriegel, am Falkenstein und am Wagensonnriegel, wennst noch hinkommst! Der Bodenmais ist sicher.
Und wenn man enterhalb der Donau noch eine Kuh findet, so soll man ihr eine silberne Glocke anhängen. Findet man ein Roß, soll man ihm ein goldenes Eisen aufnageln.
Und in den Gegenden, wo die Forellenbachl sind, da hört man ab und zu noch einen Gickerl krähen.
Die letzte Schlacht ist bei der Neuerner Trat.
Und hinter einer Arschlingkirche, wo der Altar auf Osten schaut, unter zwei Lindenbäumen, da kommen sie zusammen, die Großen. Sie geben einander die Händ und sagen: ‚Leute, was haben wir angefangen!‘
Und über die Straubinger Stadt da wird nach dieser Gaudi ein Roßknecht fahren. Er haut mit der Geißel hinein und sagt: ‚Da ist die Straubinger Stadt einmal gestanden!‘
Nachher sagt einer zum andern, wenn er noch einen trifft: ‚Gelobt sei Jesus Christus, weil wir das Leben noch haben!‘
Dann gehts wieder von vorn an. Danach wird der Glaube wieder so groß und so christlich wie noch nie. Dann kommen die Goldjahre.[II 1]

Durch den Klautzenbach muß ein Hund bellen.
Der Zeppelin wird über den Wald fliegen.
Um einen Goldgulden kannst dir einen schönen Bauernhof kaufen. Der Glaube wird so klein, daß er in eine Hutscheibe hineingeht.
Wennst durch den Wald gehst, wirst kein Licht mehr sehen.
Wenn die Rabensteiner Köpf ausgestorben sind, kommt ein Krieg.
Wo das Wasser ins Meer rinnt, ist die letzte Schlacht.
Nicht viele werden sie überleben, weil es keine eisernen Köpf mehr gibt.
Die Leut werden zu gescheit.
Über die Regenbrücke werden die Soldaten ins Böhm einziehen.
Wenn du ein Brot willst, muß dir zuerst der Buckel wehtun.
Der Antichrist kommt, aber niemand kennt ihn.
Dann kommt eine neue Zeit.
Überm Innenried steigt der erste Rauch auf.
Gelobt sei Jesus Christus kommt wieder ins Haus.
Die Leut lernen das Beten wieder.
Reiche und Arme gibts wieder, einen Herrn und einen Knecht.[II 2]

Wenn der Johannestag und der Kranzltag zusammenfallen, dann gehts los.[II 3]
Der Stein, den du heut auf eine Kuh wirfst, wird morgen mehr wert sein, als die Kuh selbst.[II 4]
Wenn die Bilder in der Wand oben s’Spielen anfangen, kommt eine neue Zeit.
Mit dem eigenen Blut muß man sich noch unterschreiben.[II 5]

  1. „Schafhauser, Franz, geboren am 21. März 1986 in Formberg, Pfarrei Stubenbach, Böhmen. Gestorben am 17. März 1976 in Zwiesel. Bauer, Holzhauer, Pferdevermittler, Schöllensammler. Als ‚Schöllen-König‘ weitum bekannt geworden. Moosburg bei Zwiesel 1975. Schafhauser hatte 1913 dem alten Frisch von Rabenstein für ein Mittagessen und eine Maß Bier eine alte, handgeschriebene Prophezeiung abgehandelt. Er vergrub sie aber 1944.“
  2. „Eisch, Katharina, ‚Eisch-Sattlerin‘, geboren am 16. Februar 1891 in Klautzenbach. Zwiesel 1975.“
  3. „Kraus, Eduard, geboren am 4. Juni 1904 in Zwiesel. Kaufmann und Seiler. Zwiesel 1974.“
  4. „Waltjen, Heinz, Graphiker und Ortsheimatpfleger von Rabenstein. Ihm verdanke ich [Haller] manchen Hinweis. Die Prophezeiung über den ‚wertvollen Stein‘ hat er in Lindberg gehört. Es ist ein Sagenmotiv, das übrigens auch an einigen Bergwerksorten in Bayern, Österreich und Böhmen überliefert wird. Waltjen hat auch ein ‚Stormberger-Archiv‘ angelegt, das einmal im Waldmuseum Zwiesel Platz finden soll.“
  5. „Killinger, Theresia, geboren 1896 in Flanitz, Austragsbäuerin in Zwieselberg. Befragt 1976.“

Rund um den Rachel

„Wenn die Leut so gescheckert daherkommen wie die Kuhkaibl, dann wirds bald kommen.
Wenn der Wagen mehr kostet als das Roß.
Wenn die Leut mehr fliegen als gehen.
Wenn der Hüttenherr mit dem Glasmacher tauschen möcht.[III 1]

Wenn auf jedem Stock ein Jäger sitzt.
Wenns lauter schöne Straßen gibt.
Wenn die Kornmandl stehen, gehts an.[III 2]

  1. „Reckerziegel, Alfred, geboren am 12. Februar 1900 in Buchenau, dort am 28. April 1973 verstorben. Holzhauer und Glashüttenzimmermann. Buchenau 1970.“
  2. „Hackl, Anna, geboren am 25. Juli 1885 in Lüftenegg/Frauenau. Austragsbäuerin auf der Zell/Frauenau. 1974“

Aus dem Bauernland um Kirchdorf im Wald

„Die Leut werden im Sommer mit den Fuchspelzen daherkommen.
Jung und Alt vertragt sich nimmer.
Die Armen müssen den Reichen helfen.
Wenns heißt: ‚Armer hilf mir, daß mir nicht auch so geht wie dir!‘
Das Kind wird in der Wiege nicht sicher sein.
Was man nicht zamklauben kann, wird man nicht mehr glauben.
Die Bauern werden von ihrem Hof gehen und den Brotteig in der Ofenschüssel liegen lassen.
Die Not bindet die Leut zusammen wie das Bänderstroh die Korngarben.
Nachher wird es wieder besser sein. Dann gibts wieder Bauern und Knecht.[IV 1]

Wenn die Manner leut einmal weibisch daherkommen.
Wennst das Hintere und das Vördere nimmer auseinanderkennst.
Wenn die Häusel so gescheckert angestrichen werden wie die Impenstöck.
Wenn übers Forellenbachl eine schwarze Straß baut wird.
Dann ist die Zeit da, wo der Ruß herauskommen soll.[IV 2]

  1. „Grantner, Georg, geboren am 11. Dezember 1878, gestorben am 26. Oktober 1965 in Abtschlag, Landkreis Regen. Landwirt. Abtschlag 1963.“
  2. „Breit, Josef, ‚Röhrnachmühl-Seppei‘, geboren am 25. April 1898 in Kirchdorf im Wald. Bauer. 1973.“

Aus dem Bodenmaiser Raum

„Die Leut gehen mit einem Dach und fahren ohne Roß und Deichsel.
Wenn die weißen Gäns auf der Straß gehen, fangts an.
Die Kleidung wird getragen wie ein Waldwurm, so gescheckert.
Die Hüt werden farbig.
Wenn im Freithof der Stolz aufkimmt.
Der Herrgott wird in den Kasten eingesperrt. Danach ziehen ihn die Leut wieder recht fromm herfür, aber er hilft nimmermehr.
Es wird eine Zeit kommen, daß die Mütter ihre Kinder nicht mehr kennen.
Die Bahn wird gebaut, wird aber bis auf einen Büchsenschuß nicht fertig.
Beim Stöberl am Kohlplatzl bellt einmal ein eiserner Hund vorbei.
Wer einen Schübel Kinder hat, der wird das meiste gelten, weil er viele Hände hat zum Arbeiten.
Die Rotjanker werden kommen.
Im Unterdorf spielt man noch Karten, im Oberdorf reiten sie schon ein.
Es wird so schnell gehen, daß man den Speck nicht mehr vom Hausboden herunterholen kann.
Aber es dauert nur dreimal den Mond.
Wer drei Laib Brot hat und einen verliert, soll sich nicht umdrehen. Es glangen auch zwei.
In Zwiesel werden sieben Geistliche sein und jeder wird eine Messe lesen, aber nur sieben Leut werden sie anhören. So wahr ich vom Totenwagen fall!
Wer sich am Hennerkobel und am Rachel und am Silberberg versteckt, der bleibt über.
In Bodenmais bleiben Herd und Feuer verschont.
Im Klosterkeller bleiben ein paar Leut über.
So dünn werden die Leut, daß man sie in einer Kornreitern reitern kann.
Ein Hirte steckt seinen Stecken in die Erd und sagt: ‚Da ist Rabenstein gestanden!‘ Und der Stecken wird noch lange drinbleiben, bis ihn einer herauszieht.
Die feinen Herrn aus der Stadt werden aufs Land gehen und sagen: ‚Laß mich ackern und laß mich ernten!‘ Aber der Bauer wird sie mit dem Pflugreutel erschlagen, weil sie vorher auch nichts von ihm wissen haben wollen.
Von Arschlingkirche auf Arschlingkirche, von Freyung bis Bodenrnais, geschieht nichts. Da gehts nimmer weiter.
Wenn einer ein altes Zwanzigmarkstückl hat, kann er sich einen großen Bauernhof kaufen.
Wenn sich zwei wildfremde Menschen treffen, sagen sie: ‚Freund, wo hast du dich versteckt gehabt?‘
Man wird sagen: ‚Ich habe Graswurzeln gegessen!‘
Der erste Schub tut mit Freuden fort. Der zweite geht auch noch gern. Die Dritten aber wollen nicht mehr, weil man von den Ersten nichts mehr hört und sieht. Die Letzten werden noch auf den Wagen gebunden. Die müssen fort.
Dabei wäre aber auch im Wald gut hausen.[V 1]

Nach einem langen Krieg wird die Armut in Wohlstand übergehen.
Die Häuser werden wie Schwammerl aus der Erde wachsen.
Es schleicht sich der Übermut ein.
Die Magd wird man nicht mehr von der Frau wegkennen.
Die Frau wird sich nicht mehr vom Mann unterscheiden.
Man wird Farben an den Kleidern sehen, wie sie noch niemand gesehen hat.
Die Leute werden von den großen Städten aufs Land ziehen.
Sie werden sich die zusammengefallenen Häusel kaufen und darin wohnen wie in Wolfshütten.
Die großen Herrn werden Sachen befehlen, daß alle Leut darüber lachen.
Die Kleinen aber werden es auslöffeln müssen.
Der katholische Glaube wird fast ganz verschwinden.
Die Geistlichen sind selber schuld, weil sie nicht mehr nach ihrem Stand leben.
Die großen Herrn werden dem armen Mann die Kleider abkaufen und sich in die Wildnis verkriechen.
Es wird ihnen aber nichts nützen, weil man sie an den weißen Händen erkennt.
Nach dieser Rebellion wird es ein Wunder sein, wenn man noch zwei Herrscher miteinander gehen sieht.
Ihr meine Kinder erlebt das große Unheil nicht, ihr meine Kindeskinder auch nicht. Aber der dritte Stamm kann es leicht noch erleben.[V 2]

Der Sturmberger hat in Rabenstein den Hüterstecken in die Erde gestoßen und hat gesagt: ‚Da kommt einmal
eine Villa her!‘ In Ludwigsthal hat er das auch gemacht und hat gesagt: ‚Da kommt einmal eine große Kirche her!‘
Er hat noch viel mehr prophezeit:
Die Wagen werden fahren ohne Roß.
Wenn die Bahn von Deggendorf nach Hengersberg aufgemacht wird, fahren die ersten Rekruten in den Weltkrieg.
Das Abräumen kommt, wenn der Buchinger-Name in Rabenstein ausgestorben ist.
Dann kommt ein strenger Herr, aber der regiert nicht lang.
Dann kommt ein großer Krieg.
Wenn man am Arber drobensteht und in das Zellertal hinausschaut, sieht man in der Nacht kein Licht mehr, weil die Häuser verdunkelt werden müssen.
Deutschland wird groß und mächtig, wird aber wieder so klein, daß das deutsche Heer unter einem Birnbaum Platz hat.
Zwischen dem Weißen Regen und dem Schwarzen Regen passiert nichts.
Aber aus Bodenmais kriechen sie noch hinaus, wenn sie nicht mehr gehen können.
Erst die dritte Generation, die auf das Land hinausgeht, wird es besser haben.[V 3]

Es werden große Häuser baut werden. Aber die Besitzer möchten gerne mit dem Häuselmann tauschen, weil solche Steuern kommen, daß sie nicht einmal die Großen bezahlen können.
Die kleinen Kinder werden die Uniform schon anhaben, grad nicht gar, daß sie noch in der Wiege drinnen liegen.
Das Zellertal bleibt hell, ohne Sterb und ohne Krieg.
Die Leut aber müssen auswandern auf das Land hinüber, weil da nichts mehr herkommt.[V 4]

Die Weiber kommen daher wie die Buben und Manner.
Das Bayernlandl wird verheert vom eigenen Herrn.[V 5]

  1. „Bauer, Monika, ‚Stöberl-Moni‘, geboren am 19. März 1901 in Bodenmais. Ihr Vater, Lipp, Franz Xaver (1875–1950), war eifriger Sturmberger-Verehrer. Er trug alles zusammen, was er über ihn erfahren konnte, schrieb es auf und erweiterte seine Prophezeiung auf einen ungewöhnlichen Umfang. Leider ist sie nicht mehr erhalten. Als Quellen hatte er die eigenen Vorfahren, die ‚Badersepperl-Nanni‘, die ‚Bauernanger-Wagnerin‘ und den ‚Zimmermeister-Seppn‘. Das übrige brachte er vom Biertisch heim oder schrieb es aus Zeitungen ab. Bodenmais 1975.“
  2. „Stadler, Karolina, geboren am 20. August 1899, gestorben am 24. März 1972 in Bodenmais. Krämerin. Bodenmais 1969.“
  3. „Weikl, Karl, genannt ‚Mühl-Karl‘, geboren am 5. Januar 1900 auf der Obermühle in Bodenmais. Seine Informationen stammen zum großen Teil vom später noch zu erwähnenden ‚Stöberl‘ und vom ‚Heininger-Schneider‘, einem guten Freund der Familie Buchinger. Heininger ging an den Samstangen mit den Hosen und Jacken oft nach Regenhütte und blieb dann beim Buchinger in Rabenstein über die Nacht. Dort hat er viel über den Stormberger erzählen hören. Bodenmais 1974.“
  4. „Bachl, Heinrich, ‚Kuchei-Hein‘, geboren am 2. Mai 1907 in Bodenmais. Vogelschnitzer. Bodenmais 1975.“
  5. „Köppl, Alois, geboren am 18. November 1913 in Langdorf. Schuster und Musikant. Langdorf 1975.“

Aus dem Zellertal

„Die Weibaleut kriagn Schuahstöckln, daß ma’s gspürt wia a Goaß und Röck wia d’ Roafröck, solchene lange, daß ös af da Erd daherziagn. Wenns wieda nimmer wissen, wia’s a sö anziagn müassen, nacha gehngan d’ Röck wieda bloß mehr bis zon Kniean und wern so eng, daß d’ Weibedeut nimmer vürschreiten kinnan.
Und Janka hams nacha, daß haibat nackat umanand laufan.
Hüat kommen auf, grean, rot und alle Farben.
Dann dauarts nimma lang.
S’ Bayerlandl wird vohuit und vaziehrt durch seine eigna Herrn.
Der Preiß wird so groß und machti, daß a dö größt Macht da Welt is. Er wird aba wieda so kloa, daß a mit seiner Armee unter an Birnbaam unterstehn kann.
Und da Glaubm wird so kloa, daß man mit an Goaßlschnürl daschlogn kann und da Pfarra muaß af an Baamstock sei heilige Meß lesen.
Hausstöck wern herbaut wia d’ Schlösser mit lauta rote Dacha und wachsen doch danach Brennessel außa.
Und der Wald wird öd und laar ohne Hunger, Kriag und Sterb.
Wenn man no a Kuah herin findt, derf ma eahm a silbas Glöckerl umhänga.
Die Herrn kennan sich selber nimma aus und werfen sich ’s Papier ins Gsicht, legn Arbatsgwanda an und laufen zon Bauan afs Feld und reißn eahm an Pfluag aus da Händ.
Nacha kimmt da Antichrist.[VI 1]

Die Weiber kriegen verkehrte Köpf. Sie haben die Haar vorn länger als hinten.
Die Maut wird teuerer als das Korn.
Wenn dem Bauern die Baumstöck lieber sind als die Bäum und wenns die Bäum ohne Gewissen abhauen.
Wenn die Bauern die Butter selber fressen.
Wenn die Weiberleut auf dem Kopf gehen.
Wenn so breite Straßen baut werden, daß drei Fuhrwerk nebeneinander fahren können und dabei einer den andern mit der Geißel nicht mehr derglangen kann.
Wenn die roten Schuh aufkommen.
Wenn die weißen Brautkleider aufkommen.
Wenns die Toten mit dem Auto fahren – dann ist es soweit![VI 2]

Die eisernen Straßen geben sich noch die Händ.
Wenn ein großer Stern zum Schneuzen anfängt.
Wenn der Bettelmann aufs Roß kommt und ihn keiner mehr derreiten kann.
Wenn die Mädchen seidene Strümpf tragen.
Wenn man vor einem Pfarrer die Knie nicht mehr beugt.
Wenn die Bauern Tür und Tor verriegeln, dann kommt es.
Die Kleinen werden anfangen und die Großen werden aufhören.[VI 3]

Die alten Sachen werden wieder aufgeputzt und kriegen wieder einen Wert.
Die von der Stadt werden in den Wald hineinlaufen und die vom Wald werden in die Stadt hinauslaufen. Aber es wird ihnen nicht so gut gehen, wie sie gemeint haben.[VI 4]

Der beste Schutz ist das Atterbadterl bei Höbing im Zellertal. Da fehlt einem nichts.
Über den Kaitersberg tut die Himmelmutter den Schutzmantel ausbreiten. Sechs Stund im Umkreis ist Sicherheit.
Zwischen den zwei Muttergottesen ist es sicher: entweder von Weißenregen bis Bodenmais oder von Neukirchen b. Hl. Blut bis Bodenmais. Könnt auch sein zwischen Weißenregen und Neukirchen b. Hl. Blut.
Wo sie einen einaugerten Pfarrer haben, bleiben die Leut verschont. Das ist der Pfarrer (Valentin) Geier (1935–1951 in Bodenmais) gewesen!
Aber in der Neuerner Trat im Böhm drin werden die Toten umeinanderliegen wie die Scherhaufen.
Die Zeit wird kommen, wenn auf jedem Stock ein Förster sitzt.
Verstecken soll man sich dann unter den Kornmandln.[VI 5]

  1. „Um 1930 aufgezeichnet von Hauptlehrer Hans Schreiner, Dachselried. Er hatte die Prophezeiung von Frau Katharina Kuchler aus Grafenried. Schreiners Aufzeichnung wurde wörtlich übernommen.“
  2. „Danzer, Josef, ‚Kawö-Sepp‘, geboren am 2. Dezember 1890, gestorben am 5. Dezember 1971 auf seinem Hof in Trautmannsried. Bauer. Trautmannsried 1968.“
  3. „Jungbeck, Josef, genannt ‚Stifter‘, geboren am 2. Dezember 1890 in Arnbruck. Landwirt und Steinmetz. Arnbruck 1971.“
  4. „Weinberger, Franz, genannt ‚Stern-Franzerl‘, geboren am 11. Februar 1901, gestorben am 24. März 1974. Bauer in Mais. 1971.“
  5. „Vogl, Xaver, geboren 1894, ehemaliger Maurermeister in Arnbruck. Mitteilung von 1976.“

Bedeutungen volkstümlicher Sprachbilder

„Die Erzähler haben sehr oft auch gleich unterschieden und erläutert, was sich ihrer Anschauung nach bereits erfüllt habe und was noch offenstehe. Vor allem aber, was mit bestimmten verschlüsselten Wortbildern eigentlich gemeint sei.
Eingetroffen seien zum Beispiel ‚der Stolz auf dem Friedhof‘, ‚die Birken auf dem Zwieseler Kirchturm‘, ‚die eiserne Straß‘, sprich ‚Bahnlinie‘, der ‚eiserne Hund‘, gleich ‚Lokomotive‘, der ‚strenge Herr‘, das heißt ‚Hitler‘.
Zukunft sei dagegen ‚der Bauer, der die feinen Herren mit dem Pflugreutel erschlagen wird‘. Unter den ‚Herren‘‚ seien diejenigen zu verstehen, ‚die in den Ämtern sitzen‘. Die ‚Forellenbachl‘ wären zwar bisher der beste Ort gewesen, das Weltabräumen zu überstehen, doch sei die Hoffnung, dort zu überleben, gering geworden, ‚weil soviel hineingewaschen wird und sich darin fast keine Fische mehr halten können!‘
Hier eine Zusammenstellung der am häufigsten erwähnten, aber nicht auf den ersten Blick verständlichen Sprachbilder und dazu die volkstümliche Erklärung:

Landschaft
‚Forellenbachl‘ = ‚Bruckerer Bachl bei Kirchdorf‘, ‚Saubachl in Kirchdorföd‘, ‚Zimmerauer Ohe bei Rindmach‘.
‚Owandta‘ = Eingrenzungen von Feldern und Wiesen mit Findlingen; sie werden von der Flurbereinigung zerstört, ‚abgegraben‘.

Bauweise
‚Häuser wie Impenstöcke‘ = ‚grelle Farben an den Häusern. Der Stormberger kann aber nicht die alten Bienenstöcke aus Stroh gemeint haben. Denn erst die jetzigen, die hölzernen Bienenkästen, sind bunt angestrichen‘.
‚Arschlingkirchen‘ = ‚Kirchen, deren Altar nach Osten schaut, wie in Bodenmais, Freyung, Weißenregen und Neuern im Böhmerwald‘.

Tracht und Kleidung
‚Weiße Gänse auf der Straße‘ = ‚Festjungfrauen und Bräute in weißen Kleidern‘.
‚Dach‘ = ‚Schirm‘.
‚Rabentücher‘ = ‚schwarze Kopftücher‘.
‚Arschlingköpfe‘ oder ‚verkehrte Köpfe‘ = ‚Bubiköpfe‘.
‚Rotjackerl‘ = ‚Böhmen, Russen und Chinesen‘.
‚Waldwurm‘ = ‚bunter Drache‘.

Technik und Verkehr
‚Hölzerne Stuck‘ = ‚Radio und Fernsehgeräte‘.
‚Weißer Vogel‘ oder ‚eiserner Vogel‘ = ‚Zeppelin 1932‘.
‚Schwarze Straß‘ = für den Schafhauser die ‚Umgehungsstraße Zwiesel‘. Befindet sich aber erst in der Planung.
‚Die schwarze Straß übers Forellenbachl‘ = ‚Autobahnzubringer Zwiesel‘.
‚Wagen ohne Deichsel‘ = ‚Auto‘.
Und mit den Bildern, die an der Wand das Spielen anfangen, meint die alte Killingerin von Zwieselberg
das Fernsehen, das Radio und den Kinofilm.

Politik und Krieg
‚Ein großer Herr überm Wasser‘ = ‚Amerikaner‘.
‚Ein strenger Herr, der den armen Leuten die Haut abzieht‘ = ‚Hitler und seine Konzentrationslager, wo man aus Menschenhaut Handschuhe für die hohen Herrn gemacht hat‘.
‚Die Kinder haben die Uniform schon in der Wiege an‘ = ‚Drittes Reich und die Hitlerjugend‘.
‚Die Kleinen werden anfangen‘ = ‚Serbien 1914 und Israel heutzutage‘.
‚Die Großen werden aufhören‘ = ‚Amerikaner 1918 und 1945‘ und ‚die Russen in der Zukunft‘.
‚Mit dem eigenen Blut unterschreiben‘ müßten wir bei den künftigen Wahlen!“

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Haller, Reinhard: Der Starnberger, Stormberger, Sturmberger. Propheten und Prophezeiungen im Bayerischen Wald. Grafenau 1976.
  2. Westermayer, Heribert: Die 100 Jahre alte Prophezeiung eines Hundertjährigen. In: Der Bayerwald in Vergangenheit und Gegenwart. Dezember 1932, S. 183 f.