Re: Geschlechtsverkehr nur, um Kinder zu bekommen?

Geschrieben von Wüstenrufer am 26. Februar 2005 21:28:41:

Als Antwort auf: Re: Geschlechtsverkehr nur, um Kinder zu bekommen? geschrieben von Johannes am 25. Februar 2005 23:16:21:

Hallo Johannes!

Ich möchte das von Dir hier Vertretene noch einmal aufteilen, nämlich in folgende Kategorien:


1. Herumhuren (Sex OHNE festen Partner und OHNE Zeugungsabsicht).
2. Sex MIT festem Partner aber OHNE Zeugungsabsicht.
3. Sex OHNE festen Partner aber MIT Zeugungsabsicht.
4. Sex MIT festem Partner und MIT Zeugungsabsicht.


Daß 1. verwerflich ist, darin stimme ich Dir bzw. auch der Kirche zu. Sexualität wird als körperliche Ausdrucksform der Liebe verleugnet und damit auf ein rein körperliches Bedürfnis, ähnlich dem Gang zur Toilette, herabgewürdigt. Das Entstehen eines Kindes wird hier als Katastrophe angesehen, und hier sind wohl auch die meisten ungewollten Schangerschaften, die mit einer Abtreibung enden, zu finden.

Ähnlich verhält es sich mit 3. Ich weiß, diese Kombination ist selten, aber es gibt durchaus Frauen, die Männer ablehnen, jedoch ein Kind wollen. Meist handelt es sich hierbei um Lesben oder psychisch Vorgeschädigte, die nach einer oder mehreren zerbrochenen Beziehungen nicht mehr vertrauen können. In meinen Augen ein Fall für den Psychiater bzw. für die ernsthafte Entscheidung - will ich eine FAMILIE (d.h. Mann UND Kind) oder nicht?

Auf 4. brauchen wir denke ich nicht näher eingehen, da es da keinerlei Erläuterungsbedarf brauchen sollte ;-)

Problematisch scheint nun 2. Wie von der Kirche propagiert wird, ist dies sündhaft oder zumindest ungern gesehen.
Nun betrachte aber mal folgende Situation: Ein armes Paar, beide Hartz-4 Empfänger, wollen aufgrund ihrer schlechten sozialen Situation kein Kind in die Welt setzen, ganz einfach, da es sie finanziell überfordern würde.
ODER: Junge Leute, beide Studenten, möchten gern erst ihr Studium beenden, bevor sie eine Familie mit Kindern aufbauen.
ODER: Die Frau ist in schlechtem gesundheitlichen Zustand und würde die Belastung einer Schwangerschaft und Geburt voraussichtlich nicht überleben.
Oder, oder, oder...

Ich denke, da gibt es genug Fälle, auf die diese Situation zutreffen würde.
Frage: Willst Du allen diesen Leuten Sex "verbieten"?

Was ist besser, was ist moralisch zu vertreten? - Die Verhinderung der Entstehung von neuem Leben oder das Töten (Abtreibung) von neuem Leben?
Auch, wenn das für Zündstoff im Forum sorgen mag: Abtreibung ist Mord. Das ist meine Überzeugung, zu der ich stehe.

Nur kann es kaum eine vernünftige Lösung sein, 3/4 der Menschheit die Sexualität zu verbieten. Was spricht also gegen die Verwendung von sicheren, zeitgemäßen Verhütungsmitteln, mit denen beide Partner einverstanden sind, z.B. die Pille? Das von Dir angesprochene Restrisiko (eine Schwangerschaft in 100 Ehejahren) ist im Prinzip bei sachgemäßer Anwendung nur theoretisch. Auch leben wir heutzutage Gott sei Dank in einer Zeit, wo es verschiedene Präparate und vernünftige Untersuchungen und Beratungen durch Ärzte gibt. Das Bewußtsein, daß es trotz aler Vorsichtsmaßnahmen in Ausnahmefällen doch auf eine Schwangerschaft herauslaufen könnte, darf natürlich nicht verdrängt werden. Aber es sollte auch nicht das Leben diktieren.


Mit besten Grüßen
vom
Wüstenrufer
(der jetzt schon Vorträge als Moralapostel hält - *huch*)


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