Re: Geschlechtsverkehr nur, um Kinder zu bekommen?

Geschrieben von Johannes am 25. Februar 2005 23:16:21:

Als Antwort auf: Re: BETEN FÜR DEN PAPST geschrieben von Elbin am 25. Februar 2005 22:09:36:

> Nicht ganz richtig, denn nach katholischen Doktrinen soll auch der eheliche
> Verkehr nur stattfinden um Kinder zu zeugen und nicht der eigenen körperli-
> chen Befriedigung willen.
> Ich gehe jetzt nur von der reinen Lehre aus, also alles rein theoretisch -
> und damit ist der Verbot von Kondomen und anderen Empfängnisverhütungs-
> methoden natürlich überflüssig.


Hallo Dunkelelbin,

nein, so ist die kath. Lehre meines Wissens nach nicht, es geht um etwas anderes. Laß mich dazu mal einem Vergleich nehmen: Gerade Kinder in der Wachstumsphase brauchen viele Vitamine. Deshalb haben sie von Natur aus einen großen Appetit auf Süßes, und diesen Appetit sollten sie insbesondere durch Früchte stillen. Dann ist beidem gedient, sowohl der Lust an Süßem als auch dem Vitaminbedarf.

Die Nahrungsmittelindustrie macht sich nun den natürlich Trieb der Kinder, Süßes zu essen, zu nutze und süßt viele Breis, damit die Kinder die dann essen und auch für später darauf konditioniert werden. Der Appetit auf Süßes ist gestillt, aber nun fehlen die Vitamine. Aber kein Problem, da mischt man ein paar künstlich hergestellte Vitamine unter, um die Mütter zu beruhigen... - aber ob das wirklich ein Ersatz ist für die Früchte?

Ich denke, wir sind von Gott perfekt erschaffen. Wir brauchen zwar unbedingt Vitamine, aber das ist keine lästige Pflicht, sondern die Vitamine sind gerade in reifen (süßen!) Früchten oder in würzigen Kräutern. Also essen wir das, was wir brauchen, sehr gern. Und es macht auch Spaß, Süßes zu essen, ohne an die Vitamine zu denken. Muß man auch nicht, die nimmt man dann von alleine.

Von daher denke ich, daß der Wunsch, Süßes zu essen, nicht zufällig entstanden ist bzw. geschaffen wurde, sondern daß solche Dinge perfekt zusammenspielen. Problematisch wird es, wenn wir das trennen wollen, sprich, dem Körper ein Fertigessen, dem wichtige Inhaltsstoffe fehlen, als perfekt vorzugaukeln, indem man ihm den Geschmack von Dingen gibt, die der Körper als gesund kennt. So lange ich das nicht trenne, kann ich Süßes einfach deshalb essen, weil es schmeckt - beginne ich aber, die Süße künstlich unterzumischen, so beginnen viele unserer modernen Gesundheitsprobleme.

So sehe ich auch die Sexualität. Niemand muß sich quälen, um zur Arterhaltung beizutragen :-), sondern die ist einfach ein Nebeneffekt von dem, was Spaß macht. Gleichzeitig ist die Frau so erschaffen, daß sie im Normalfall keine Kinder bekommt, so lange sie stillt, also (in einem gewissen Maß) natürliche Geburtenregelung.

Die katholische Kirche sagt nun, daß der Mensch perfekt erschaffen ist und daß alles seinen Sinn hat. Und der biologische Sinn der Sexualität ist die Fortpflanzung, dies sollte man also nicht voneinander trennen bzw., und diese Aussage erscheint mir wichtiger, man kann es auch gar nicht trennen. So perfekt man versucht, zu verhüten, es besteht doch die Möglichkeit zu einer Schwangerschaft (bei der "Pille" statistisch etwa eine Schwangerschaft in 100 Ehejahren). Wenn ich in Gedanken die Sexualität von der Fortpflanzung trenne, dann bin ich umso überraschter, wenn auf einmal ein Kind heranwächst. Kinder sollten aber kein Unfall und nur geduldet sein, sondern erwünscht.

Und hier setzt die katholische Lehre und sagt, daß man sich bewußt sein sollte, daß Geschlechtverkehr immer die Möglichkeit neuen Lebens beinhaltet und daß der Versuch, dies zu trennen, Selbstbetrug ist. Und diesem Selbstbetrug soll man nicht erliegen. Die Kirche erkennt den Wunsch an, aller Wahrscheinlichkeit nach keine Kinder zu bekommen, und dazu empfiehlt sie dann, an den fruchtbaren Tagen enthaltsam zu sein. Man könnte es auch so ausdrücken, die Kirche unterstützt die Eigenverantwortlichkeit, sprich, ich kann Sex haben so viel ich will (mit meiner Frau), aber ich sollte nicht versuchen, dies von der Möglichkeit zu trennen, daß ein neues Leben entsteht. Denn diese Möglichkeit besteht immer, und dieses Kind sollte dann auch gern akzeptiert werden.

Und wer eben keinesfalls ein Kind möchte, der darf sich auch nicht auf Pille oder Kondom verlassen, denn die sind eben nicht sicher (ich glaube, die Werte für die gängigen Verhütungsmethoden schwanken so von 0,8 - 2,5 Schwangerschaften in 100 Ehejahren). Wenn ich die Triebbefriedigung als Selbstzweck betrache, so die Kirche, dann ist das Selbstbetrug, denn man kann das nicht trennen. Und so sagt sie, daß ein verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität nur darin bestehen kann, sich der "Nebenwirkungen" bewußt zu sein und sich in diesem Wissen am Sex zu freuen - oder vielleicht auch einmal bewußt darauf zu verzichten.

Der Hintergrund ist, wie bei meinem Beispiel mit dem Obst, der Glaube daran, daß der Mensch perfekt erschaffen ist. Und wenn der Mensch versucht, das in seine Bestandteile zu zerlegen und zu trennen, dann handelt er sich nur Folgeprobleme ein, die er besser vermeiden sollte. So die kath. Lehre, wie ich sie verstehe. Bin aber kein Katholik, von daher habe ich das möglicherweise auch etwas falsch wiedergegeben.

Gruß

Johannes


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