Himmlisches Feuerwerk
Geschrieben von Thorshammer am 01. Juli 2005 14:29:48:
Es wird der Crash des jungen Jahrhunderts: Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 37000 Stundenkilometern rasen der Komet Tempel 1 und ein kühlschrankgrosses kupfernes Geschoss der US-Weltraumbehörde NASA aufeinander zu.
Der Aufprall in den frühen Morgenstunden des 4. Juli wird gewaltig. Das nur ein Meter grosse und 372 Kilo schwere Projektil der US-Raumsonde «Deep Impact» reisst voraussichtlich einen Krater bis zur Grösse eines Fussballstadions und der Tiefe eines 14- geschossigen Hauses in den kartoffelförmigen Kometen.Aus einer sicheren Entfernung von 8600 Kilometern sendet die Raumsonde Bilder vom Frontalzusammenstoss zur Erde. Erst 14 Minuten später fliegt sie bis auf 500 Kilometer heran.
Feuerwerk zum Unabhängigkeitstag
Ein grosser Moment für die Astronomie: Wissenschafter hoffen, den ersten Blick auf einen freigelegten Kometenkern zu bekommen. Denn nach dem Aufprall sollen Eis, Staub und Gestein von der Aussenhaut von Tempel 1 in die Luft schleudern.
Weil diese aufgewirbelten Teile die Sonnenstrahlen reflektieren, strahlt der Komet schlagartig heller. Die NASA zündet damit pünktlich zum Unabhängigkeitstag der USA in 133 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde ein kleines himmlisches Feuerwerk.
Das wird an vielen Orten der Welt um 7.52 MESZ mit einem Fernglas zu sehen sein. Astronomie-Foren im Internet empfehlen, ein Gebiet nordöstlich des Sterns Spica im Sternbild Jungfrau abzusuchen. Der «kleine verschwommene Punkt» sei Tempel 1.
Weil der bevorstehende Crash im Weltall viele besorgte Gemüter auf den Plan gerufen hat, gab die NASA schon vor dem Aufprall Entwarnung. Danach wird der Komet weder auseinander fallen noch von der Bahn abkommen und in «vorhersehbarer Zukunft» für die Erde eine Gefahr darstellen.
Die Auswirkung des Frontalzusammenstosses sei so, als ob eine Mücke auf eine Boeing vom Typ 767 pralle, sagt Don Yeomans vom «Jet Propulsion Laboratory» der NASA im kalifornischen Pasadena.
Geschichte schreiben
Seit dem Start am 12. Januar hat «Deep Impact» rund 431 Millionen Kilometer bis zum Zielkometen zurückgelegt. Die Inszenierung des grossen Finales beim Zusammenprall ist nach NASA- Angaben so schwierig, als ob man eine Kugel in der Luft mit einer anderen treffen wolle und den Zusammenstoss von einer dritten Kugel aus fotografiere.
Forschungsleiter Michael A'Hearn von der Universität von Maryland in College Park erwartet von dem Aufprall die bislang spektakulärsten Daten in der Geschichte der Kometenforschung. «Wir wissen so wenig über die Struktur eines Kometenkerns, dass wir praktisch jeden Moment etwas Neues lernen können.»
Der Einschlag soll auch Erkenntnisse zur Entstehung des Sonnensystems bringen. «Da Kometen die Grundbausteine des äusseren Solarsystems erhalten haben, bieten sie Anhaltpunkte über die chemische Struktur, aus der sich die Planeten vor 4,6 Milliarden Jahren herausgebildet haben», heisst es in dem NASA-Projekt- Bericht.
Die gefrorenen Bälle aus Eis, Gestein und Staub seien die «nicht gar gekochten» Überreste nach der Formung der Sonne und Planeten.
Internet: http://deepimpact.jpl.nasa.gov
- Newton-Spiegelteleskop - Temple 1 und die Schwarzseher John 02.7.2005 22:49 (3)
- Ich hab meinen Schöpfer um Antwort gebeten ... John 03.7.2005 12:57 (2)
- Re: Ich hab meinen Schöpfer um Antwort gebeten ... Thorshammer 03.7.2005 16:57 (1)
- wir brauchen keine Angst haben :-))) John 03.7.2005 16:59 (0)
- Re: Himmlisches Feuerwerk John 01.7.2005 15:30 (0)