Re: Bleibt die Frage, was ist Glück

Geschrieben von Wizard am 15. Mai 2005 06:43:50:

Als Antwort auf: Re: Bleibt die Frage, was ist Glück geschrieben von Badland Warrior am 15. Mai 2005 04:59:52:

Moin Baddy

>Jagen, Felle und Leder bearbeiten, Klamotten herstellen und Zelte, das kann man auch sehr wohl als Arbeit bezeichnen, geht man von den Plains-Indianern aus, wie sie früher mal waren. Und die Hopi betreiben Landwirtschaft. Ganz zu schweigen von religiösen Verpflichtungen, wie sie von den Schamanen und Medizinfrauen wahrgenommen werden/wurden.

Ja, da hast du vollkommen Recht. Auch das ist Arbeit und zwar nicht zu knapp. Und man sollte dabei nicht vergessen, dass diese Art der Arbeit auch eine ganze Menge Wissen und Können benötigt. Was ja heutzutage von sehr vielen gerne vergessen wird. Allerdings bringt diese Art der Arbeit auch viel mehr Freizeit.

>Sagen wir es so:
>Einfachere Gesellschaften machen sich nicht so kaputt, wie es moderne Gesellschaften tun. Im Mittelalter wurde auch heftig gearbeitet. Gerber, Schmiede, Kathedralenbauer hatten keinen Achtstundentag und schon gar keine Krankenversicherung, aber sie hatten auch keinen derart üblen Termindruck.

Kommt ganz darauf an, wann im Mittelalter und was man wo gearbeitet hat. Aber eben weil meist kein Termindruck vorhanden war, hat man wo immer es möglich war auch gerne mal fünfe gerade sein lassen.

>Die Bauern dagegen, die mussten mit den Hühnern raus, sobald das erste Kikeriki ertönte, und haben geschuftet, wie die Hafenkulis. Melken, Eier sammeln, Füttern, Gänse und Enten hüten, Schweine treiben, Acker bearbeiten, Gerätschaften ausbessern oder zum Ausbessern bringen, Obst, Gemüse, Viecher zum Markt bringen, das ganze Gedöns.

Täusch dich da mal nicht. Man kann die Bauern von früher nicht mit denen von heute vergleichen. Sicher, sie mussten früh raus um eben die Viecher zu füttern und Kühe zu melken. Aber das hat nicht ewig gedauert. Richtig malochen mussten die Bauern nur während der Feldbestellung und bei der Ernte. Den überwiegenden Rest des Jahres war die Arbeit bedeutend weniger. Die ersten 5 Jahre meines Lebens und später immer mal wieder habe ich auf dem Lande verbracht und kann mir in etwa ein Bild davon machen.

Morgens früh raus, Viecher füttern und Melken. Ab etwa 09:30 schaun mer mal was sich so im Dorf tut. Vorzugsweise in der Kneipe. Ups, ist schon Mittag. Ab nach Hause futtern. Nach dem Essen mal bisserl Holz hacken und dann mal schauen, was im Wald so los ist. Kleiner Rundgang um die Weiden und Ecker, ab nach Hause u mal nach den Viechern schauen. Gegebenen Falls bisserl Futter nachschaufeln und noch mal melken. Abendessen, Feierabend. Galt natürlich nur dort, wo die Bauern schon länger auf dem Hof waren. In Gegenden wie hier im Bremer Umland und der Wesermarsch, wo die ersten Bauer das Land erst mal kultivieren mussten, hat sich tatsächlich so mancher Bauer todgeschuftet. Die nächste Generation aber nicht mehr. Stell dir nur mal die Frage, wo die ganzen Schnitzerein auf den alten Höfen herkommen, wo teilweise die gesamten Balken und Möbel im Wohnbereich aufwändig verziert sind. Das haben die bestimmt nicht gemacht, weil sie sich auf dem Hof überanstrengt haben.

MfG

Wizard


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