Betreffend al-Quaida's präsumptives Nukleargewaffel .....

Geschrieben von NoPasaran am 09. Februar 2004 12:58:49:

Als Antwort auf: Hat El-Kaida Nuklearwaffen gekauft? geschrieben von Apollo am 08. Februar 2004 22:38:52:



Hi Apollo, und/oder wer sonst immer das hier liest,


betreffend "Hat El-Kaida Nuklearwaffen gekauft? - grusel, schauder, terrorismusangst-ausflippisier ....." - na ja, das ist wieder so eine der Nachrichten, bei denen ich mich frag', wer da möglicherweise aus welchen Intentionen heraus Informationen streut. Dem zugrunde liegt eine technische Überlegung, nämlich die Tatsache, daß radioaktives Material, in Ruhe gelassen, zu zerfallen pflegt, und zwar ganz von selbst, das hat diese Spielart der Materie so an sich.

Will sagen: Es kommt sogar heute noch dann und wann vor - so geschehen zum Beispiel in Salzburg vor einem halben Jahr oder Jahr oder etwas in der Größenordnung -, daß man auf blindgängernde Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg stößt und die, wenn's blöd läuft, beim Versuch, sie auszubuddeln, hochgehen und den einen oder anderen Entschärfungsfritzen in die ewigen Jagdgründe schicken. Wenn man aber einen Nuklearsprengsatz, der vor, sagen wir mal, zehn oder fünfzehn Jahren nett scharf und einsatzfähig war, und der seitdem gut abgehangen gelagert wurde ohne weitere Streicheleinheiten, zu zünden versucht, kann's passieren, daß, außer einem bisserl Knall, der sich durch die Sprengladung ergibt, mit der die beiden unterkritischen Mengen an Spaltmaterial ineinandergeschossen werden, gar nix passiert, absolut gar nix, weil keine kritische Masse mehr zustandekommt.

Die Argumentation ist etwas unscharf, ich muß mich da mal bei meinem Physikerfreund schlau machen, aber Pi mal Daumen:

Es gibt eine untere Grenze für den Detonationswert eines Nuklearsprengsatzes, das ist durch die Physik der Sache determiniert: Unterhalb der kritischen Masse geht nix, da kommt keine Kettenreaktion zustande, und als weiterer Parameter geht das Containment des Sprengsatzes ein, sprich wie lange man die anlaufende Kettenreaktion auf engem Raum halten kann, bevor alles auseinanderfliegt, denn je länger das gelingt, desto mehr Kerne spalten sich, ergo desto mehr Kernbindungsenergie wird frei, ergo desto größter die Sprengkraft der Sache, etwas, was sich im Bereich von tausendstel Sekunden abspielt, was aber einer der zentralen Punkte bei der Konstruktion von nuklearen Sprengsätzen ist.

Tatsache ist jedenfalls, daß Nuklearsprengkörper nach einer bestimmten Zeit nicht mehr so richtig funktionieren und, um einsatzfähig zu bleiben, permanenter Wartung bedürfen, im Unterschied zu, sagen wir mal, Semtex, das, afaik, gut verpackt sich ziemlich langte hält. So, nu: Diese Kofferbomben, die al Quaida angeblich 1998 in der Ukraine gekauft haben soll, stammen, wenn's stimmt, aus russischer Produktion, General Lebed selig hat mal was von derartigen Dingern erzählt, die diversen russischen Regierungen haben deren Existenz zwar immer dementiert, aber das kann auch schlicht und ergreifend bedeuten, daß sie die Sache nicht so gern im Lichte der Öffentlichkeit sähen. Jedoch: Es ist die Frage, ob die Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion, also Anfgang der neunziger Jahre, noch die Möglichkeit hatte, die Dinger angemessen zu warten. Kann sein, kann nicht sein, keine Ahnung, das Ganze ist einfach von der Physik her relevant, um so mehr, als diese Kofferbomben, wie ich mal frischfröhlich annehme, von der Masse des spaltbaren Materials her eher am unteren Rande dessen, was noch funktioniert, angesiedelt sein dürften, siehe auch der genannte Detonationswert von etwa einer Kilotonne, das ist ein Zehntel bis ein Fünfzehntel der Hiroschima-Bombe, und da dürfte der Spielraum zwischen zündet noch und zündet nicht mehr eher nicht so groß sein. Will sagen: Wenn diese Dinger schon vor 1998 in der Ukraine nicht mehr regelmäßig gewartet wurden und seitdem jetzt in irgendwelchen abgelegenen Höhlen in den tribal areas an der pakistanisch-afghanischen Grenze vor sich hin gammeln, da hab' ich, offen gestanden, so meine Zweifel, ob die überhaupt noch funktionieren.

Wie gesagt, in den Detail vielleicht da und dort etwas unscharf, aber die grundlegende Physik stimmt afaik.

Und mir fällt dazu noch was ein, nämlich dieser Affenzirkus, der momentan um diesen pakistanischen Knaben namens Abdul Qadeer Khan veranstaltet wird, der angeblich aus Geldgier oder so über Jahre hinweg pakistanische Nukleartechnologie an die Panzerknackerbande der versammelten Schurkenstaaten des Okzidents und Orients, vornehmlich des letzteren, verdealt haben soll, und zwar absolut charakterlosest hinter jeglichem Rücken jeglicher Staats- und Armeeführung, diese wiederum meistens in Personalunion in der betreffenden Gegend, der arme Musharraf war ja ganz von den Socken, wie er davon erfahren hat, schrecklich, schrecklich, das, oder: So was Dummes aber auch.

Und was machen wir nun? Siehe da, Bruder Musharraf amnestiert den ertappten Bösewicht stante pede, der pakistanische Außenminister gibt ein Interview, in dem er schildert, wie fürchterhaft und schauderlich die ganze pakistanische Regierung am Boden zerstört war, als sie erfuhr, welch Natter sie da an ihrem Busen genährt hatte über all die Jahre, was aber schon genannter Schnellamnestie besagter Natter auch nichts anhaben konte, und die IAEO soll bitte freundlicherweise ihren Rüssel draußen lassen aus der ganzen Chose, nicht wahr?

Erstens: Die Annahme, daß Abdul Qadeer Khan pakistanische Nukleartechnik und/oder -ausrüstung ohne Wissen der Staats- und/oder Militärführung hätte verdealen können, ist absurd. Diese Meinung kommt inzwischen auch aus Kreisen der IAEO.

Zweitens: Bei der Verquickung zwischen den amerikanischen Diensten, speziell der CIA, und dem ISI, wie sich der pakistanische Geheimdienst schimpft, nämlich der ganzen Lockt-die-Russen-in-den-afghanischen-Sumpf-Chose, die, beginnend in den späten siebziger Jahren, nur in enger Zusammenarbeit zwischen CIA und ISI inszeniert werden konnte, bis hin zur sozusagen Kreation der Taliban, an der der ISI tragenden Anteil hat(te), scheint es eher unwahrscheinlich, daß innerhalb des ISI größere Aktionen möglich sein oder gewesen sein sollten, ohne daß die CIA irgendwie Wind davon bekommen sollte. Immerhin war der damalige Chef des ISI, Mahmood Ahmed, während der Zeit um den 11.9.2001 in Washington, zu Konsultationen, das kann Koinzidenz sein oder auch nicht, und die Times Of India kam kurz darauf mit einer Nachricht, die einigermaßen Staub aufwirbelte, daß nämlich jener Omar Saeed Sheikh, der angeblich hinter der Pearl-Entführung und -Ermordung stand, im August 2001 hunderttausend Dollar an Mohammed Atta in den USA überwiesen hatte, und zwar im Auftrage eben jenes Mahmood Ahmed. Sprich da gab's offenbar, und, wie ich's einschätze, gibt es nach wie vor eine nette Verquickung zwischen dem ISI und al Quaida, was immer dieses Viech sein mag, und die Verquickung zwischen ISI und CIA ist sowieso evident.

Drittens: Die Aufrechterhaltung des Zustandes der "terroristischen Bedrohung" durch die al Quaida, wer auch immer dieses Viech sein mag, oder wen auch sonst immer, ist wiederhole ist, in Worten I - S - T ein zentrales Anliegen der Bush-Administration, denn die können ihren Stiefel nur durchziehen, solange sie den Leuten einreden können, daß sie unmittelbar bedroht wären durch den bösen, bösen Feind.

Womit ich übrigens die reale Gefährdung durch durchgeknallte Islamisten nicht kleinreden will. Was ich mir inzwischen frage, ist allerdings, worum es sich bei Samuel Huntingtons "Clash of Civilizations" eigentlich handelt: Einfach eine Analyse of what's so, oder aber vielleicht doch eher eine Strategie und/oder ein Drehbuch, um einem politisch erwünschten permanenten Ausnahmezustand ein bißchen näher zu kommen? Hat hier irgendwer mal George Orwells 1984 gelesen? Nämlich: Nachtigall, ick hör' dir trapsen, und diese Nachtigall könnte auf den Namen Emmanuel Goldstein hören. Wie gesagt, spekulativ, aber nicht ganz aus der Welt.

Das ist eine total undurchsichtige Gemengelage, ich weiß selber nicht, was tatsächlich Sache ist, aber es ist ziemlich offensichtlich, daß da was stinkt.


lg NoPasaran





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