Re: Der Mensch als Vieh...

Geschrieben von Nerwen am 27. Januar 2004 11:46:11:

Als Antwort auf: Re: Norden vs. Süden: Probier's doch mal mit Geschichte... geschrieben von Johannes am 27. Januar 2004 00:36:53:

Hi Johannes

ich finde das ein interessantes Thema. Nichts direkt Prophs, aber eine gute Grundsatzdiskussion. Und vieles sehe ich ähnlich wie Guerrero.

Grundsatzdiskussionen sind immer gut, schult die eigene Meinungsbildung ;-))


Hm, Du zählst jetzt nur westliche Staaten auf. Liegt das nun aber in der Natur dieser westlichen Staaten, daß sie so handeln, wie Du es hier erwähnst, oder nicht ganz einfach an ihrer weiter entwickelten Technik?

Ein schöner Einwurf, sie waren vielleicht weiter entwickelt was Technik anbelangt, das war aber auch schon alles. Vom menschlich-ethisch-moralisch Standpunkt, oder wie immer man das nennen mag, war es allerdings höchst rückständig. Wollte ich böse sein, würde ich noch anfügen, ein klassisches Symptom der christlichen Religion....aber zum Glück bin ich nicht böse....(und bevor jetzt das Geschrei losgeht...ich weiss im die Eroberungsfeldzüge der Araber)

Meine These: Fast jedes der kolonialisierten Länder hätte genauso gehandelt, wenn es die Möglichkeiten gehabt hätte. Hatten sie nicht, so haben sie es im kleinen gemacht. Sklaven aus den Nachstämmen gehalten, Dörfer niedergebrannt, etc.

Womit wir ja nun entgültig beim Grundsätzlichen angelangt wären. Deine Einschätzung konsequent zu Ende gedacht, wären wir wieder bei der Einsicht angelangt, dass der Mensch ein Tier ist. Ja nach Epoche ein bissl mehr oder weniger zivilisiert, aber letztlich doch ein auf seinen eigen Vorteil und Nutzen bedachtes Menschen-Vieh. Programmiert darauf andere zu unterdrücken oder selber unterdrückt zu werden, zu verdrängen oder selbst verdrängt zu werden... OK, dem kann ich anschliessen. Menschen als Masse, als Volk, als Mechanismus funktioniert immer nach den selben Prinzipien, läuft immer in dieselben Fallen, lässt sich immer von derselben Handvoll Verlockungen verführen (Geld, Macht, Sex...). Entwicklung kann folglich immer nur auf rein individueller Ebene passieren...


Und von östlicher Seite hieß es "Kampf gegen den Imperialismus" oder es ging um "die Unterstützung des heldenhaften Befreiungskampfes", womit diverse westlich orientierte Staaten destabilisiert werden sollten.

Sagte ich doch, egal ob "Kampf gegen Kommunismus oder Kapitalismus" folgt alles den selben Mechanismen...nur die Färbung is ein wenig unterschiedlich.


Das ist doch genau das, was Guerrero sagt! Jeder hat seinen Ausschaltknopf! Nicht die sind also allein verantwortlich, die den Schund senden, sondern die, die sich den Schund ansehen ("Ich bin ein Star" hatte Einschaltquoten von teils über 30%!)Und was auch hier im Forum immer wieder passiert, das ist, "denen da oben" die Schuld zu geben. Aber es ist nicht nur der RTL-Chef schuld, sondern genauso diejenigen, die durch das Sehen der Sendung die Einschaltquoten erhöhen und so solche Sendungen durch die Werbeeinnahmen erst attraktiv machen.


Will dir gar nicht widersprechen. Nur jetzt die Prinzipien des Medienzeitalters, der seit Jahrzenten andauernden Orientierung nach Unten, dem verteufeln von "elitärem" Anspruch und die damit in Gange gesetzte Abwärtsspirale, zu diskutieren würde vielleicht ein wenig gar weit führen. Sehe hier den egalitären Ansatz der 68' durchaus kritisch.


Nur - daran hat nicht der Westen schuld (im Sinne der Regierungen), sondern als Lösungsansatz müssen wir erst einmal erkennen, daß wir (oder zumindest die meisten) doch im Endeffekt genauso sind. Nur eben mit weniger Möglichkeiten.


Auch hier kein Widerspruch. Gibt kaum einen Grund anzunehmen, dass man es nicht genauso machen würde...


Aber genau das wird verhindert. Im Forum teils durch die Thesen, wenn "die da oben" nur anders wären, dann ginge es uns und der Welt besser. Der Schwarze Peter ist gefunden, und wir können uns entspannt im Bewußtsein zurücklehnen, das falsche Spiel "der anderen" durchschaut zu haben.

Wie du dich vielleicht erinnern kannst, hab ich mich schon beizeiten mit dem ständigen Betonen der Eigenverantwortung, schon immer äusserst unbeliebt gemacht. Wir sehen es also ähnlich... (is ja schon langsam unheimlich...)


Parallel dazu wird mehr und mehr alles Konservative angelehnt, alles was einen gewissen Halt und eine Ordnung bietet. Ich meine jetzt nicht etwas im Sinne von "Law and Order"-Denken, sondern ich meine die mehr oder weniger bewußte Abschaffung der Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Das Wissen, daß es Gott oder zumindest ein höheres Wesen gibt, dem wir verantwortlich sind, wird verdrängt. Jede Gleichmacherei darf gelehrt werden, aber wehe, jemand sagt, daß Gott in der Bibel klare Gebote gesetzt hat, die für den Halt eines Volkes wichtig sind.

Das sehe ich einigermassen anderes. Das hehre Bild der Familie als Keimzelle des Staates, hat so was wilhelminisches. Ein schönes Idealbild, was allerdings kaum je was mit der Realität zu tun hat/hatte. Jahrhundertelang funktionierte diese Familie vor allem über gesellschaftlich-moralisch-religiösen Gruppendruck und nicht aufgrund von Freiwilligkeit. Ich kann die Sehnsucht nach dem Prinzip zwar nachvollziehen, aber an einem reinen Trugbild festhalten zu wollen, geht mir einfach zu weit.


Denn was haben wir denn, im Sinne der nüchternen Bestandsaufnahme, für eine Situation? Wir haben heute eine Machtkonzentration der Firmen, wie sie früher durch die Nationalstaaten unmöglich waren bzw. es natürliche (Landes)Grenzen gab.

Stimmt so leider nicht: Was war die Hanse den Anderes? Oder die East India Tea Company? Oder noch früher die Templer? Global Players, die sich mit nationalstaatlicher Politik kaum aufhielten. Kaufleuten gehts um den Gewinn und sonst um gar nichts. Das sind weder Politiker, noch Philosophen oder Pfarrer.


Aber wie wird jetzt darauf regaiert? Mit einer Rückbesinnung auf natürliche Werte und auf die "Keimzelle des Staates"? Nein, aber das wäre sinnvoll. Es wäre auch sinnvoll, nationale Politik zu betreiben. Du kannst das auch als "lokales Wirtschaften" bezeichnen, wenn Dir das besser gefällt. Es geht mir nicht um Nationalismus, sondern es geht mir um unabhängige Nationalstaaten, die quasi die Keimzellen der Völkergemeinschaft bilden, wie es die Familien für den Staat sind. Fehlen die klaren Familien, so gibt es entwurzelte Kinder, die leichter beeinflußbar sind. Fehlen Nationalstaaten (oder eben weitgehend autonome, unabhängige Gebiete), so können sich schädliche Entwicklungen überall aufschaukeln. Wie eben der Zinses-Zins.

Schön, doch wirklich. Ich persönlich bin ja schon lange für die Aufhebung dieses ganzen Nationalstaaten-Quatsches. Regionen sollten sich zusammenschliessen und kleinräumig für ihre Bedürfnisse sorgen. Ist zwar auch eine nette Illusion, aber was soll's.

Wenn wir sagen, "die da oben" sind schuld, oder immer wieder betonen, wie schlimm doch der Westen sei - dann haben wir zwar teilweise recht, aber genau das verhindert eine grundsätzliche Lösung. Und die grundsätzliche Lösung fängt im Kleinen an, beim Einzelnen. Bei der Familie, in der Nachbarschaft, ggf. im lokalen Wirtschaften, etc. Nicht im Kampf gegen "die da oben" oder die "bösen Amis". Und das ist der Grund, weshalb ich Guerreros Kritik teile.


Seh ich im Prinzip genauso, nur dran glauben tu ich schon lange nicht mehr. Nimm ihnen die Glotze, das Auto und das Bier weg, wasch den ganzen pseudo-zivilisatorischen Anstrich ab, und es geht wieder ab wie früher... (Jegliche Ausnahmen bestätigen die regel)


Es war überspitzt formuliert, aber so ähnliche Aussagen hört man schon öfters, auch hier. "Die Illus wollen den Weltkrieg", "Die Börse braucht den Krieg, also werden Gründe gefunden", oder so ähnlich.


Schon klar, aber du weisst auch ganz genau, dass gerade solche Aussagen garantiert nicht von mir kommen/kamen!


Wie gesagt: Wem mein Gerede zuviel war, das ist der Kernsatz, den ich unterstütze. Nur müssen wir das auch verwirklichen. Also: Ich bin verantwortlich, nicht die Politiker oder die Großfirmen etc. Das wird aber sehr gern vergessen. Macht es ja auch einfacher, wenn man die Schuld delegieren kann.

Jetzt werden mir gewiss wieder manche Überheblichkeit vorwerfen, aber ganu das vertrete ich seit Jahr und Tag hier im Forum und in der Welt da draussen. Auch ich habe jetzt vieles ziemlich überspitzt auf den Punkt gebracht. Trotzdem schön, dass wir uns zum Schluss dann ja wieder einig wären... ;-)) ... so halbwegs zumindest.

Habe die Ehre
In LVX

Nerwen




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