Ein paar Zwischenfragen
Geschrieben von franke43 am 16. Dezember 2003 12:12:41:
Als Antwort auf: @ NoPasaran geschrieben von Hubert am 16. Dezember 2003 07:52:17:
Hallo Hubbi alter Bekenner
>Ohne Dich näher zu kennen, vermute ich mal, daß Du einen protestantischen >Hintergrund hast, da die ganze „falsche“ Argumentationslogik >danach „schmeckt“.
Was aber viele nicht wissen:
Die drei "Sola" des Protestantismus - sola fide, sola gratia,
sola scriptura (letzteres unterstellst Du NoPasaran) sind
ursprünglich keine Dogmen gewesen, sondern Arbeitshypothesen
im Versuch einer Kirchenreform von innen heraus und ohne
Kirchenspaltung. Luther war über die Kirchenspaltung sehr
unglücklich. Er wollte auch weder den lateinischen Messritus
noch die Verehrung der Heiligen abschaffen.>Viele Aussagen des Glaubens werden heute deshalb abgelehnt, weil sie scheinbar >keine Begründung im Neuen Testament haben. Anders als bei den Protestanten, >die sich nur auf die Bibel beziehen, kennt der katholische Glaube aber zwei >Stützen, zwei Glaubensquellen: die Hl. Schrift und die Tradition. Und gerade >die Tradition ist für die Weitergabe des Glaubens unabdingbar.
Jeder, der sich etwas mit Papyrusforschung und dem Entstehen
des Schriftenkanons des NT befasst hat, weiss, dass der Aufbau
der jungen Kirche und das Entstehen der kanonischen Schriften
Hand in Hand gegangen ist. Dier ältesten Schriften - die
Gemeindebriefe - sind ja Folge der entstehenden Kirche und
nicht Ursache. Die jungen Gemeinden sollten während ihres
Heranwachsens die Glaubensinhalte in schriftlicher Form
zugänglich haben, und das urpsprünglich ohne biographische
Evangelientexte. Die entstanden erst, als man allmählich
von der Naherwartung Abschied nahm, also frühestenfalls zur
Zeit der Kaiser Claudius oder Nero.>Dieses Hominem non habeo... – Ich habe keinen Menschen hat mich schon >immer tief berührt. Und ich denke immer an jene Seele, die irgendwann vor >ihren göttlichen Richter treten muß und das Himmelreich dann verschlossen >findet. Und der Herr wird sie fragen: „Wußtest du nicht, daß man katholisch >sein muß, um in den Himmel zu kommen?“ Und dann wird diese Seele verzweifelt >antworten: „Herr, ich hatte keine Menschen, der mich diese Wahrheit >lehrte.“ Und dann wird der Herr seinen prüfenden Blick auf mich richten >und mich fragen: „Du warst doch mit diesem hier im selben Forum. Warum hast du >ihm nicht die Wahrheit gesagt?“
Moment, Hubbi:
Hier haben wir wieder die streitfrage mit der Orthodoxie.
Die griechisch-orthodoxen Urgemeinden sind vor den
weströmisch-lateinischen (den katholischen) entstanden.
Die Evangelien und Gemeindebriefe sind auf griechisch verfasst,
und die Vorlagen der Evangelientexte waren wahrscheinlich
aramäisch, welches die Alltagssprache in Galiläa und
Samaria war und auch von Jesus und den Aposteln täglich
gebraucht wurde.Willst Du sagen, dass orthodoxe Christen auch nicht in
den Himmel kommen ?Und könnte es nicht sogar sein, dass notorische
"Protestanten" wenigstens im Fegfeuer auf kleiner
Flamme gereinigt werden, bevor sie am Ende doch noch
die Himmelspforte durchschreiten dürfen ?>Es geht hier auch weniger um einzelne theologische Thesen, als um das >Grundproblem, das sich mit dem Protestantismus verknüpft. Während sich nach >katholischer Lehrmeinung der Begriff des wahren Christentums niemals vom >Begriff der wahren Kirche trennen läßt, kann sich im Protestantismus jeder >einzelne auf seine persönliche Sicht der Hl. Schrift berufen und rufen, dies >hier ist das Christentum oder jenes ist das Christentum. Mit der Folge, daß >wir dann auch seit Luther rund 25.000 verschiedene protestantische >Demonationen gewärtigen müssen, also das Gegenteil dessen vor uns sehen, was >der Herr von uns fordert – nämlich die Einheit der Christen, die Einheit >Seiner Kirche.
Der Protestantismus war ja auch ein "Verkehrsunfall" der
Kirchengeschichte, der sich aber nicht in dieser Form
ereignet hätte, wären nicht die Päpste der Renaissance
sehr weltlich eingestellt gewesen. Der Neubau der Peters-
kirche kostete eben zu viel, die Künstler - heute alle
berühmte Namen in den Büchern der Kunstgeschichte - waren
zu teuer und die Geldbeschaffungsmethoden theologisch
nicht einwandfrei ("Tetzel").>Darüber hinaus wäre es mal eine wissenschaftliche Untersuchung wert >herauszufinden, inwiefern der Protestantismus heute eine der Hauptursachen für >die Entchristlichung Nordeuropas ist.
Hier in Skandinavien findet man die entschiedensten
Bekenner desesn, was sie für christlichen Glauben
halten, nicht in den lutheranischen Staatskirchen,
sondern in den "Freikirchen" (Denominationen). Das
würde bestimmt Johannes sehr freuen. Aber auch die
Kirche ist im Vormarsch. Allein in Schwedens¨
südlichster Landschaft Schonen gibt es wieder
mindestens 4 Klöster, nachdem es jahrhundertelang
kein einziges gegeben hatte.>Meine langjährige pastorale Erfahrung mit Protestanten lehrte mich folgendes: >Ein Drittel wird völlig irreligiös. Ein Drittel driftet in Esoterik und >Aberglauben ab – bis hin zum Glauben an Reinkarnation. Ein Drittel bekehrt >sich und wird katholisch.
Also ich bezweifle die Zahlenangaben. Ich glaube eher,
über zwei Drittel werden irreligiös, 20-25 % driften in die
Esoterik ab und ein Rinnsal von vielleicht 5, höchstens
10 % konvertiert zur Kirche.>Lieber NoPasaran, Du bist noch jung, und eigentlich ist es schade, daß man in >Dein junges Herz so viel Falsches über Papst und Kirche gepflanzt hat. Möge >der Herr Dich segnen, und mögest Du durch intensives Gebet von selbst >dahinterkommen, wo die Wahrheit zu finden ist. Möge Dir der Herr das volle >Licht des katholischen Glaubens schenken und Dich eines Tages aufnehmen in >Seine heilige Kirche.
Also völlig OHNE Glaubensinhalte sind auch die protestantischen
Denominationen nicht. Das ist eben der Unterschied. Auch
Teilwahrheiten sind Wahrheiten.>Unsere heilige Mutter Kirche hat eine sehr große Integrationskraft. Es ist ihr >im Laufe ihrer 2000jährigen Geschichte immer wieder gelungen, >die „skurrilsten“ Bewegungen zu integrieren. Deshalb bin ich mir auch ganz >sicher, daß der ökumenische Dialog eines Tages große Früchte bringen wird – >bestimmte, gesunde Teile des Protestantismus werden bestimmt integriert werden >können.
Schwedens Kirche ist schon ein Stück vorangekommen, seit sie
nicht mehr "Staatskirche" ist. Zumindest wird der Messritus
mit Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei gefolgt,
manchmal sogar auf Latein, obwohl das hier fast niemand
lernt.Und in den meisten Gemeinden werden auch die Hostien und
der Messwein nicht mehr achtlos behandelt oder gar
weggeworfen, weil viele lutheranische Pfarrer inzwischen
auch an die Wandlung glauben. Allerdings ist die Mund-
kommunion noch nicht Pflicht.>Also, mein Sohn, geh weiter Deinen Weg, aber geh ihn mit Maria und dem Papst, >sonst findest Du niemals zum Herrn. Omnes cum Petro ad Iesum per Mariam – >Alle mit dem Papst durch Maria zu Jesus.
Die meisten schwedischen Kirchen heissen nach Heiligen,
man sieht Marienbilder usw. Es ist auch nicht verboten,
die Heiligen als Vorbilder des Glaubens zu verehren
und ihnen nachzueifern.>Und vor allem: Bete! Nie unter einer Stunde täglich! Es gibt keine Alternative zum persönlichen Gebet mit dem Herrn vorm Tabernakel.
Nicht die Länge des Gebets entscheidet, wie Jesus ja in
der Bergpredigt kurz vor Einführung des Vaterunser
deutlich gemacht hat.>Herzlichst,
>HubertAuch
Franke